Bericht 23-15

 

 

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Die Linden-Limmer Zeitung bringt eine Reihe von Interviews zur zukünftigen Großsiedlung Wasserstadt. Damit sollen das neuartige Konzept der Stadt Hannover zur Öffentlichkeitsarbeit begleitet und die Positionen der Akteure verdeutlicht werden. Den Anfang machte in der Dezemberausgabe der von der Stadt eingesetzte Moderator Habermann-Nieße vom Büro planzwei. Dann folgten Stadtbaurat Bodemann und die Sprecher der Bürgerinitiative Berus und Staade, jetzt kommen  die Vertreter der Investoren-Gruppe zu Wort. Abschließend ist ein Gespräch mit dem Bezirksbürgermeister Grube geplant.
Die Bürgerbeteiligung zur zukünftigen Bebauung der Conti-Brache schreitet inzwischen voran: Nach einer gut besuchten Auftaktveranstaltung im November 2014 mit Oberbürgermeister Schostok und fünf nachfolgenden Diskussionsrunden steht nun am 14. April ab 18 Uhr eine Präsentation des entwickelten „Themenplans“ im Freizeitheim Linden an, dabei wird erneut der Oberbürgermeister sein. Im Mai soll es dann eine weitere Veranstaltung zum moderierten Bürgerdialog geben. Anschließen wird sich das förmliche Verfahren zur Aufstellung eines Bebauungsplanes, das voraussichtlich auch nicht ohne Moderation laufen wird.

 

Interview Nr. 4
Bernd Hermann und Martin Pietsch
WLEG-Geschäftsführer und Investoren

 

Was bedeutet die zukünftige Siedlung für Sie?

Bernd Hermann (BH): Für den Grundstückseigentümer möchten wir eine geeignete Nachnutzung der sanierten Flächen erzielen. Durch die Standortgegebenheiten sehen wir diese in einem innenstadtnahen Wohnungsbau mit einer unterstützenden sozialen und gewerblichen Infrastruktur. Hierfür wollen wir Lösungen realisieren, die den aktuellen Lebens- und Wohnvorstellungen einer noch nicht detailliert zu qualifizierenden Bevölkerung entsprechen und gleichzeitig Perspektiven für zukünftige Anforderungen ermöglichen. Wenn es uns gelingt, dem Stadtteil und interessierten Bewohnern der Wasserstadt die richtigen Angebote machen zu können, werden wir auch unsere wirtschaftlichen Erwartungen erfüllen können.

Martin Pietsch (MP): Wir denken, dass es sich lohnt auch über eine reine, abwechslungsreiche Wohnbebauung hinaus für Limmer ergänzende Impulse zu geben, etwa durch ein Quartierszentrum mit verschiedenen Funktionen, wie Einkaufsangebote, Freizeit und Sport, soziale Einrichtungen, Dienstleistungen und Gastronomie, aber auch besondere Wohnformen z.B. für Ältere und Studenten. Hierdurch entsteht ein Angebot an ganz Limmer und umliegende Stadtteile. Um das zu erreichen, ist eine angemessene, städtisch geprägte Verdichtung im qualitativ vernünftigen Rahmen sinnvoll.
Neben den infrastrukturellen Investitionen werden wir als Bauherr oder Bauträger auch in den Wohnungs- und Gewerbebau selbst investieren und mit beispielhaften Objekten dazu beitragen, dass die bauliche Qualität diesen Standort besonders attraktiv macht und damit dokumentieren, dass wir auch selbst an den Erfolg des Projektes glauben.
Welche Leitbilder haben Sie für die Wasserstadt ?

BH: Während meiner langjährigen beruflichen Tätigkeit habe ich verschiedene Wellen von Stadt-Entwicklungsmodellen erlebt, die jeweils mit Begriffen und modischen Attitüden begründet wurden und bereits nach wenigen Jahren enttäuschend abgelehnt wurden. Wir müssen da nicht allzu weit schauen. Als Geschäftsführer der NILEG konnte ich dazu beitragen, dass wir nachhaltigen Wohnungsbau in menschlichen Siedlungen errichtet haben, wie dieses z.B. beim Lister Blick gelungen ist. Aus den verschiedenen Erkenntnissen der Vergangenheit und fachlich qualifizierten Prognosen sollte eine Entwicklung entstehen, die den Besonderheiten dieses Standortes maßgeschneidert gerecht wird.

MP: Ich schließe mich dem an. Man muss aufpassen, nicht städtebaulichen Modeerscheinungen zu erliegen, die an den Bedürfnissen der Bewohner vorbeigehen. Auch sollte das Projekt Angebote für diejenigen Interessenten schaffen, die sich von außerhalb in Limmer ansiedeln wollen und an dem Prozess bisher nicht beteiligt waren.

Wie ist die Bürgerbeteiligung bislang gelaufen?

MP: Zunächst einmal ist es sehr positiv, dass die Bürgerbeteiligung so gut angenommen wurde, über Wochen hinweg. Kompliment an die Teilnehmer. Wenn man es kritisch sehen wollte, müsste man feststellen, dass sich jedoch kein klares Meinungsbild herauskristallisiert hat. Wenn man aber ins Detail geht, stellt man fest, dass viele gute Anregungen und Ideen als auch berechtigte Kritiken in verschiedenen Aspekten eingebracht wurden, die man in die weitere städtebauliche Entwicklung einfließen lassen sollte.

Natürlich ist die Summe der Wünsche und Anregungen kaum realisierbar, da schlicht nicht finanzierbar. Je lockerer die Bebauung wird, desto schwieriger wird es zudem, da die Kosten für gemeinsame Infrastrukturen und Einrichtungen auf weniger Einwohner umgelegt werden müssten. Es besteht dann die Gefahr, dass sich eine zu elitäre Siedlung entwickelt. Auch werden bestimmte Ansiedlungen wie z.B. Einzelhandel und Gastronomie nicht gelingen, wenn nicht eine bestimmte kritische Einwohnerzahl erreicht wird, innerhalb einer qualitativ hochwertigen Stadtquartiersentwicklung.

BH: Bemerkenswert finde ich, dass über die ohnehin schon länger vor Ort tätigen Akteure eine große Zahl von interessierten Bürgern an den Veranstaltungen kontinuierlich teilnehmen. Bei den Veranstaltungen wurden ganz unterschiedliche Ideen zu verschiedenen inhaltlichen Komplexen geäußert. Es geht um sehr rationale und messbare Aspekte wie z.B. die verkehrliche Erschließung aber auch um emotionale Auffassungen zum Wohnen und Leben in der Gesellschaft, also um sogenannte harte und weiche Standortfaktoren. Die Diskussionen wurden zwischen den Gruppen m.E. ohne Verdächtigungen sehr offen geführt. Es wurden Hinweise gegeben und Ideen angeregt. Diese müssen nun weiter verfolgt und bewertet werden.

Hat sich das Verhältnis zwischen den Akteuren geändert?

BH: Durch die sehr offene Diskussion zwischen den Bürgern, an der sich auch die Verwaltung und die Wasserstadt Gesellschaft beteiligt hat, findet nicht nur ein Gedankenaustausch statt, sondern es dürfte auch ein größeres Vertrauen gewachsen sein. Die WLEG hat übrigens bereits vor dem Verfahren intensive Kontakte sowohl zur Verwaltung als auch zur Bürgerinitiative unterhalten.

MP: Auch wenn es natürlich nicht immer Meinungsgleichheit gibt, ist mein Eindruck, dass wir im guten, sehr konstruktiven Gespräch mit allen Akteuren stehen. Dieser Dialog ist ja glücklicherweise auch von allen gewollt. Dies war bereits vor dem Beteiligungsprozess so und sollte sich auch in den nächsten Jahren so fortführen.

Werden die mit den Bürgern diskutierten Grundsätze bei der weiteren Planung berücksichtigt?

BH: Es ist davon auszugehen, dass die verschiedenen Diskussionsergebnisse dokumentiert werden. Danach wird sicherlich eine Bewertung erfolgen, welche Anregungen und Bedenken insbesondere zu berücksichtigen sind. Danach ist zu überlegen, ob und wie diese Inhalte planerisch aufgenommen werden können. Hierüber sind wahrscheinlich weitere Gespräche zu führen.

MP: Nach Auswertung des Beteiligungsprozesses müssen die Anregungen und Vorschläge bewertet werden. Die Bewertung sollte fachlich fundiert untersetzt und dann noch einmal mit allen Beteiligten besprochen werden. Auf dieser Grundlage müssen dann Entscheidungen getroffen werden. Auch in den nächsten Jahren sollte der Prozess Vorschlag – Diskussion – Bewertung – Entscheidung weiter verfolgt werden.

 

Wolfgang Becker

 

Siehe auch Interview 1 + 2 + 3 + 4 + 5

Infos zum Thema im Internet:
wasserstadt-dialog.info
hannover.de/wasserstadt  (Stadt)
wasserstadt-limmer.org  (BI)
wasserstadt-limmer.de  (Investoren)

Bei wasserstadt-dialog.info werden aktuell die jeweiligen Informationen zum Stadtteildialog veröffentlicht.

 

Text: Wolfgang Becker

Letzte Änderung: 20.04.2015

 

2015.02.09_Bernd_Hermann_und_Martin_Pietsch-Wasserstadt_Limmer_Projektentwicklung_GmbH_K_1_2_1

Bernd Hermann und Martin Pietsch

Die,15.03.2015, Wasserstadt-Debatte, Interview Nr. 4
Positionen zur Wasserstadt Limmer

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Nach dem ersten Beitrag wird ein Diskussionsforum eingerichtet.

2014.02.04_Wassertadt Limmer_Lageplan_1000_1

Planung der Stadt, die am 04.02.2014 vorgestellt wurde und von der BI abgelehnt wird.

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Auftaktveranstaltung der Bürgerbeteiligung am 19.11.2015

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Entwurfswerkstatt am 16.02.2015 mit Medialer Aufmerksamkeit.