Bericht 17-15

 

 

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Mi, 31.03.2015, Theater für Menschen ganz unten
DIE WEISSE HIRSCHKUH

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Nach dem ersten Beitrag wird ein Diskussionsforum eingerichtet.

Der lindener Verein Ganz unten e.V. setzt sich für Menschen ein, die ganz unten sind.

Menschen, die ihr Leben überhaupt nicht mehr im Griff haben und die man überall in der Stadt auch sehen kann.

Im DüK (Dach über dem Kopf) fand am 31. März für diese Menschen ein Theaterstück statt, über das hier berichtet wird.

 

Die weiße Hirschkuh zu Besuch im DüK

Julie Schraders Theaterstück Genoveva oder Die weiße Hirschkuh begeistert die Zuschauer im „Dach überm Kopf“ (DüK) in Hannover

Ein Bericht von Madita Wandrey (Studentin Pflanzenbiotechnologie, Hannover) und Marc Pinski (Student BWL, Berlin)

Es ist der 31. März 2015 um 17.00 Uhr, ein verregneter Dienstag, Orkan Niklas wütet gerade über Hannover. Nur ungern verlassen wir - mit Kamera und Block bewaffnet - das warme Haus und versuchen, möglichst schnell wieder ins trockene Auto zu kommen.

Wir machen uns auf den Weg ins DüK, dem „Dach überm Kopf“, das seinen Besucher heute eine besondere Veranstaltung bietet: Volker Kühn spielt Julie Schraders Genoveva oder Die weiße Hirschkuh – Ein wirklich großes hannöversches Drama, in dem er alle acht Rollen selbst verkörpert.

Ein Parkplatz in der Lavesstraße ist schnell gefunden und gespannt auf den Abend eilen wir zum Eingang des DüK, welches in einem kleinen Hinterhof liegt. Kaum durch die Tür gegangen, werden wir gleich sehr herzlich empfangen und uns wird das „Du“ angeboten. Uns wird auch erklärt, dass sich hier alle „duzen“ - man fühlt sich willkommen.

Obwohl wir viel zu früh da sind, sitzt bereits ein Gast im gemütlichen Gemeinschaftsraum mit Theke, der heute Abend zur Bühne des Geschehens werden wird. Um einen Paravent und einen Sessel in der Mitte des Raums stehen Stühle für die Zuschauer am Rand. Teelichter sorgen für eine warme Stimmung im Raum und uns wird sogleich ein Getränk angeboten.

Wir setzen uns zunächst und lassen diesen so herzlichen Raum ein wenig auf uns wirken. Das Unwetter draußen ist vergessen, der Weg durch den Regen hat sich gelohnt! Da bis zum Vorstellungsbeginn noch ein wenig Zeit bleibt, erkundigen wir uns, ob Herr Kühn - der Schauspieler - noch zu sprechen ist: „In fünf Minuten ist der Künstler bei euch.“ Wir warten gespannt, während das DüK sich allmählich zu füllen beginnt.

Herr Kühn kommt die Treppe des DüK herunter, er trägt bereits sein feierliches Kostüm für die Aufführung: Weißes Jackett und eine Fliege. Er begrüßt ein paar der bereits eingetroffenen Zuschauer, dreht sich um und fragt in den Raum: „Wer wollte mich sprechen?“ – Unser Zeichen. Wir springen auf und begrüßen den Künstler ebenfalls. Diktiergerät und Block in der Hand, begleiten wir Herrn Kühn vor das DüK - eine letzte Zigarette vor dem Auftritt rauchen. Es ist eine gelassene Atmosphäre, kein wichtiges „Backstage-Getue“, wie man es vom Theater erwartet.

Jeder eingetroffene Gast wird nun begrüßt. Man spürt die Vertrautheit an diesem Ort. Neben dem DüK, ein bisschen vor dem tosenden Wind geschützt.

Mehr: www.ganz-unten-ev.de/theater-im-duek.html

 

Text/Fotos: Ganz unten e.V.

Letzte Änderung: 07.04.2015

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Für eine Szene nutzt Herr Kühn das Publikum als Soundeffekt. Auf ein Stichwort wird „gegrummelt“, auf ein anderes „gesäuselt“. Der Effekt stellt so manchen Geräuschemacher in den Schatten und sorgt beim Publikum für gute Stimmung.

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GENOVEVA

oder

DIE WEISSE HIRSCHKUH

„EIN  WIRKLICH  GROSSES  HANNÖVERSCHES  DRAMA“

VON JULIE SCHRADER

 

Acht  Rollen,  alle  gespielt  und  vorgetragen,  mit  großen  Gesten  und  gediegenem Pathos,  von  dem  gleichfalls  hannöverschen  Schauspieler  und  Theaterdirektor

VOLKER  KÜHN

 

Zum Inhalt:

Genoveva,  genannt  Vevchen,  eine  schöne,  junge Magd,  im  Dienst  von  Frau  Adolphine Plückerjahn,  Ihres  Zeichens  Exzellenz  zu  Hannover,  verliebt  sich  in  deren  Neffen  Adelkurt, einen  jungen  Lebemann.  Weil nicht  standesgemäß,  ist  die  Tante  natürlich  gegen  die  Liaison. Heimlich  vermählen  sich  die  beiden  Verliebten  am  Grab  von  Vevchens  Mama,  genannt Goldmuttchen.  Vevchen  flieht  nun  vor  ihrer  bösen  Schwiegertante  nach  Berlin,  wo  sie  im dortigen  Tiergarten  von  dem  Lustmörder  Hugestines  bedrängt wird.  Errettet  wird  sie  vom Standbild  des  Engels  Hesekiel,  der  sie  zum  Schutz  vor  allen  Unbilden  der  sündigen  Großstadt in  eine  weiße  Hirschkuh   verwandelt.

Indes  ergibt  sich  Adelkurt  in Hannover  dem  Trunk  und  der  Völlerei  und  führt  ein  liderliches Leben.  Alsbald  bereut  er  jedoch   sein  Handeln,  bläst   seiner  Tante  das  Lebenslicht  aus  und reist  mit  deren  Geld  nach  Berlin,  um  sich  wieder  mit  seiner  Liebsten  zu  vereinen.

Dort  begegnen  die  Beiden  seiner  Majestät,  dem  deutschen  Kaiser  Wilhelm,  höchstpersönlich, der  alles  zu  einem  guten  Ende  bringt,  ihnen  alles  verzeiht,  sie  in  den  Adelsstand  erhebt  und ihnen  ein  Schloss  in  Osnabrück  schenkt!

Die Dichterin:

Julie   Schrader, geb. am  9. Dezemberr 1881  in  Hannover,  gest.  am  9. November  1939   in Oelerse  bei  Lehrte, von  ihren  Freunden  „Julchen“  genannt,  von   ihren  Verehrern  als  der  „welfische  Schwan“  gefeiert,  verfaßte   mehr  als  2000  Gedichte   und  zwei  Theaterstücke.  Ob ihre  literarischen   Ergüsse  wirklich  alle   von  ihr  selbst  stammen,  ist genauso  umstritten,  wie ihre  diversen  Liebschaften  mit  hochgestellten  Männern  ihrer  Zeit.  Aber  das  ist  ein anderes  Kapitel!  Und  wer  noch  mehr  darüber  wissen  will,  kann  das  alles  bei  wikipedia.de  nachlesen!

Der  Darsteller:

Volker  Kühn,   geb.  1957  in  Wittenberge,   absolvierte  seine  Ausbildung  von  1978 – 1981  im Studio  der legendären  Schauspiellehrerin  Marlise  Ludwig in  Berlin.   Anschließende Theaterengagements  als  Schauspieler  und  Regisseur  u. a.  in  Hannover,  Freiburg,  Baden Baden, Oldenburg,  Hamburg,  Lüneburg,  München,  Bonn  und  Köln.  Außerdem  war  er  in 18  Gastrollen  in  Film  und  Fernsehen   zu  sehen,  u. a. In  „Tatort“  und  „Doppelter  Einsatz“.

Seit  2004  lebt  Kühn  als  freischaffender  Künstler  wieder  in  seiner  Heimatstadt  Hannover, arbeitet  dort  als Synchronsprecher  und  Moderator .  Mit  seinen  Soloprogrammen  und Lesungen,  gastierte  er  zusätzlich  über  200mal  in  ganz  Deutschland!

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Wie es sich für einen Theaterabend gehört, gibt Herr Kühn zunächst eine kleine Einführung zum Werk und dessen Schöpferin. Julie Schrader (1881-1939) aus Hannoveraner.

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In der 20-minütigen Pausen genießen alle das Buffet und Getränke, für die Gäste kostenlos und finanziert über die Sponsoren, die die Arbeit von Ganz unten e.V. unterstützen.