Bericht 13-15

 

 

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Die Linden-Limmer Zeitung bringt eine Reihe von Interviews zur zukünftigen Wasserstadt. Damit sollen das neuartige Konzept der Stadt Hannover zur Öffentlichkeitsarbeit begleitet und die Positionen der Akteure verdeutlicht werden. Den Anfang machte in der Dezemberausgabe der von der Stadt eingesetzte Moderator Klaus Habermann-Nieße vom Büro planzwei. Dann folgte Stadtbaurat Uwe Bodemann, heute sind die Sprecher der Bürgerinitiative dran, weitere Interviews sind mit den Investoren der Papenburg-Gruppe sowie dem Bezirksbürgermeister von Linden-Limmer vorgesehen.
Die Bürgerbeteiligung schreitet inzwischen weiter voran: Nach einer gut besuchten Auftaktveranstaltung im November 2014 mit Oberbürgermeister Stefan Schostok und vier nachfolgenden Diskussionsrunden steht nun am 4. März von 17 bis 21 Uhr eine Planungswerkstatt im Freizeitheim Linden an. Dort soll auch am 14. April ab 18 Uhr die abschließende Präsentation stattfinden. Anschließen wird  das förmliche Verfahren zur Aufstellung eines Bebauungsplanes stehen, das voraussichtlich auch nicht ohne Moderation laufen wird.

 

Interview Nr. 3
Thomas Berus und Uwe Staade
Sprecher der Bürgerinitiative Wasserstadt

 

Die Bürgerinitiative (BI) Wasserstadt wurde im März 2014 als Reaktion auf die neue Planung von Stadt und Papenburg-Gruppe für eine Großsiedlung mit 5.000 Einwohnern gegründet. Das offene Forum trifft sich vierzehntägig dienstags um 19.30 Uhr im Gemeindehaus St. Nikolai in der Sackmannstraße 27. Der Sozialpädagoge Thomas Berus (49) und der Tischlermeister Uwe Staade (51) sind von Anfang an dabei. Im Gespräch mit Wolfgang Becker erläutern die beiden BI-Sprecher ihre Sicht auf die laufende Planungsdebatte.

 

Warum engagieren Sie sich in der Bürgerinitiative ?
Thomas Berus (TB)
: Ich wohne schon lange und sehr gern in Limmer und bin hier zu Hause. Die aktuelle Planung für die Wasserstadt hat mich sehr erschrocken, weil da etwas passieren soll, das den ganzen Stadtteil kaputt machen könnte. Inzwischen habe ich die Hoffnung, dass man gemeinsam daran arbeiten kann, dass es eine positive Erweiterung von Limmer wird.

Uwe Staade (US): Ich schaue von unserem Grundstück aus direkt auf das ehemalige Conti-Gelände. Diese unmittelbare Nähe lässt einen schon automatisch dafür interessieren, was bei der zukünftigen Wasserstadt passiert. Es darf nicht zu „aufgepflanzt“ von außen sein und muss zum Stadtteil passen. Auch wir in der Umgebung müssen etwas von der neuen Siedlung haben.

Welche Leitbilder haben Sie für die Wasserstadt ?

US : Die Bebauung sollte nicht zu dicht werden, das würde ja auch verkehrliche Probleme nach sich ziehen. Mit weniger Dichte hätten wir gleich auch weniger Probleme drum herum. Ich möchte, dass es eine lebenswerte Siedlung wird. Licht, Luft und Wasserzugang   sind dabei wichtige Themen. In der Bürgerbeteiligung ist auch klar geworden, dass es einen zentralen Platz geben muss, am besten um den Conti-Turm herum, der ja ein Wahrzeichen des Gebiets darstellt und unbedingt erhalten bleiben muss.

TB: Leitbilder sind für mich die Qualitäten, die wir schon in Limmer haben und die spezifisch für Hannover sind. Es dürfen nicht zu viele Bewohner werden, es muss überschaubar bleiben und qualitätsvolle. Gut nutzbare Freiräume gerade auch zum Wasser sind wichtig. Der Kern des Stadtteils Limmer ist ja ein altes Dorf, und es ließe sich so daraus für die neue Siedlung ein Leitbild „Dörfer im Quartier“ entwickeln. Es geht um überschaubare Nachbarschaften, wo Menschen Plätze und Flächen haben, die zu ihnen gehören und wo sie sich treffen können. Da ist nicht mehr die ganze Wasserstadt im Fokus, sondern es müssen zusammengehörende Einheiten in einer überschaubaren Größe entstehen, die sich Menschen zum Beispiel auch in Baugemeinschaften aneignen können.

Wie ist der Beteiligungsprozess aus Ihrer Sicht bislang gelaufen?

US: Ich finde es toll, dass wir erreicht haben, dass es diesen umfassenden Moderationsprozess und auch die beiden von uns geforderten Anwaltsplaner gibt. Bei der Bürgerbeteiligung wurden schon viele gute Ideen gesammelt – auch von Leuten, die nicht in der BI sind, sondern einfach an den Themenwerkstätten teilnehmen. Ich hoffe, dass wir es dadurch schaffen, die Pläne aktiv und positiv verändern zu können.

TB: Toll finde ich, dass sich so Viele an der Debatte beteiligen. Dabei konnte ich feststellen, dass auch viele andere Limmeraner – die ich bisher nicht kannte – sehr ähnliche Grundideen haben, was ihnen am Stadtteil lebenswert erscheint. Nämlich die Überschaubarkeit, die nicht immer durchgestalteten Freiräume und die gute Nachbarschaft, die darauf gründet. Das sind für mich auch Ziele für die weitere Bebauung. Insofern finde ich es gut, mit so viel Menschen in Kontakt zu kommen. Interessant finde ich auch daran, qualitativ hochwertige Diskussionen in den Themenwerkstätten zu erleben. Gleichzeitig bleibt natürlich ein großes Fragezeichen, weil nicht klar ist, wie die Stadtverwaltung mit den Ergebnissen umgehen wird. Aber den Prozess als solchen finde ich gut.

Anfangs sind Sie mit einer Heugabel zu städtischen Veranstaltungen gekommen. Hat sich das Verhältnis zu Stadt und Investoren inzwischen geändert?

TB: Auf jeden Fall! Am Anfang hatten wir schon den Eindruck, dass wir sehr viel machen mussten, um überhaupt gehört zu werden. Unserer Briefe wurden nicht beantwortet, mit uns wurde gar nicht geredet. Mittlerweile haben wir so viel Nachdruck erzeugt, dass die auf uns zugehen und dass es ein angenehmes Verhältnis ist, was den Tonfall angeht und dass man miteinander redet. Da hat sich in der Ebene des Umgangs schon viel geändert, sicherlich haben auch wir dazugelernt, an welcher Stelle man wie Einfluss nehmen kann.

US: Die erste spontane Reaktion – noch bevor es die BI gab – war ja, dass wir eine Heugabel in die Hand genommen haben. Einfach aus Ratlosigkeit über die von Stadtbaurat Bodemann und Investor Papenburg vorgestellten Pläne und um ein Zeichen dagegen zu setzen. Diese Zeiten sind jetzt vorbei, heute sind wir miteinander im Dialog mit allen Beteiligten. Ich hoffe, dass das auch fruchtet.

Erwarten Sie, dass die jetzt mit den Bürgern diskutierten Grundsätze bei der weiteren Planung berücksichtigt werden?

TB: Das erwarte ich nicht nur, sondern das ist ein festes Versprechen, insbesondere auch vom Oberbürgermeister. Alles andere wäre jetzt schon eine schwere Enttäuschung und wohl auch nicht mehr durchsetzbar. Hier haben sich bereits Hunderte von Menschen mit recht eindeutigen Mehrheiten beteiligt. Wenn das keinen Einfluss hätte, wäre das schlecht für die Bürgerinnen und Bürger in Limmer und für die Qualität der Wasserstadt.

US: Ich hoffe nicht, dass ich nochmal die Heugabel herausholen muss. Ganz stark erwarte ich, dass die Bürgermeinungen ihr Gewicht bekommen. Die diskutierten Leitbilder müssen jetzt auch nachhaltig fruchten.

 

Wolfgang Becker

 

Siehe auch Interview 1 + 2 + 3 + 4 + 5

Infos zum Thema im Internet:
wasserstadt-dialog.info
hannover.de/wasserstadt  (Stadt)
wasserstadt-limmer.org  (BI)
wasserstadt-limmer.de  (Investoren)

Bei wasserstadt-dialog.info werden aktuell die jeweiligen Informationen zum Stadtteildialog veröffentlicht.

 

Text: Wolfgang Becker

Letzte Änderung: 16.03.2015

 

2015.02.07_BI-Sprecher_Thomas_Berus_links_und_Uwe_Staade_1_1

Thomas Berus und Uwe Staade

Die,15.02.2015, Wasserstadt-Debatte, Interview Nr. 3
Positionen zur Wasserstadt Limmer

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