Bericht 07-15

 

 

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Mi, 04.02.2015, Interkulturelle Altenpflege
Imam besucht Godehardistift

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Für das Altenpflegeheim Godehardistift war dieser Besuch etwas Neues. Der türkische Imam Abdullah Kumus hatte darum gebeten sich einmal ein deutsches Altenpflegeheim anschauen zu dürfen.

Diese Bitte wurde gerne erfüllt und so traf man sich vor Ort in der Posthornstr. in Linden-Mitte.

Als Übersetzer hatte Imam Kumas den Dialogbeauftragten der türkischen Religionsbehörde DITIB mitgebracht. Denn der Imam ist nur für eine vorübergehende Zeit nach Deutschland entsandt worden, um hier islamisch-türkische Aktivitäten zu unterstützen und spricht kein deutsch.

In der Türkei sind Altenpflegeheime noch nicht verbreitet. Die Pflege der Alten in ihren Familien ist der Normalzustand wie es in Deutschland vor vielen Jahrzehnten auch der Fall war.

Der Koran sieht ausdrücklich die Pflege der Alten durch die Kinder vor, führt Soner Dumas aus. Die moderne Zeit hat professionelle Hilfe zu Hause und in Heimen zur Folge.

Im Godehardistift gab es bereits muslimische Bewohner. Es zeigte sich dabei, dass es kulturelle Unterschiede gibt. So bekamen diese Bewohner viel häufiger und mehr Besucher als andere, was nicht allen gefiel. Der Familienzusammenhalt ist bei dieser Bewohnergruppe größer, als bei anderen.

Im Laufe des Gespräches ergab sich, dass für die Aufnahme von muslimischen Bewohnern nach den Vorstellungen der DITIB einiges beachtet werden muss. So sollte die Pflege durch gleichgeschlechtliches Personal erfolgen. Ausnahmen darf es  bspw. nur des Nachts geben, wenn wenig Personal anwesend ist. Auch das fünfmalige tägliche Beten wäre demnach eine muslimische Pflicht. Dafür sollte vielleicht ein besonderer Raum zur Verfügung stehen.

Die Sprachfähigkeiten des Personals sollte auch zu den Bewohnern passen. So sind Demenzkranke irgendwann nur noch fähig ihre erste Kindheitssprache zu sprechen, auch wenn sie später andere Sprachen gut beherrscht haben. Das gilt auch für Deutsche, die bspw. mit einem deutschen Dialekt aufgewachsen sind und plötzlich das Hochdeutsche nicht mehr verstehen.

Bei Bewohnern mit türkischer Herkunft sollte daher das Personal auch teilweise diese Sprache beherrschen. Dafür gibt es bereits Raziye Soritas. Sie ist eine türkischstämmige Pflegerin, die dieses Gespräch begleitete und gleich auf türkisch Erläuterungen und Übersetzungen durchführen konnte.

Bei einem abschließenden Rundgang konnte erlebt werden wie die Bewohner mit verschiedenen Graden von Alterungserscheinungen umsorgt wurden.

 

Internet: Godehardistift

 

Fotos/Text: Klaus Öllerer
Letzte Aktualisierung: 04.02.2015

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Bei einem Rundgang lernen die Gäste den laufenden Betrieb kennen. Hier wird gerade durch ein Frage- und Antwortspiel die geistige Fitness der Seniorinnen trainiert.

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V.l.n.r.: Soner Durmaz (Dialogbeauftragter DITIB), Abdullah Kumas (Imam), Susanne Stiller (Pflegedienstleitung), Karin Fehlig (Heimleitung), Raziye Soritas (türkischstämmige Pflegerin), Svenja Wittkopf (Lehrerin, Pflegeschule mebino GmbH)

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... Pfarrer, der den Imam herzlich begrüßt, was ebenfalls herzlich erwidert wird.

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Diese Bewohnerin ist wegen körperlicher Bewegungsunsicherheit eingezogen. Geistig ist sie quicklebendig und bringt sich in interessante Gesprächen auch gerne ein.

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Überraschung: Eine Haltestelle im Hof. Grund: Demente Bewohner machen sich manchmal gerne ungeplant auf den Weg zu ihrem früheren Zuhause. Um das unter Kontrolle zu behalten dient diese Haltestelle. Hier warten sie dann auf einen Bus. Während des langen Wartens verschwindet dann meistens der Wunsch wieder wegzufahren.

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Diese Runde von SenorInnen bespricht sich gerade mit einem ...