Bericht 05-15

 

 

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Die Linden-Limmer Zeitung bringt eine Folge von vertiefenden Interviews zur zukünftigen Wasserstadt. Damit soll das neuartige Konzept der Stadt Hannover zur Öffentlichkeitsarbeit über die kommenden Monate begleitet werden. Den Anfang machte in der Dezemberausgabe der von der Stadt eingesetzte Moderator Klaus Habermann-Nieße. Jetzt folgt der Stadtbaurat, weitere Interviews sind mit der Bürgerinitiative, den Investoren sowie dem Bezirksbürgermeister vorgesehen.

Die Bürgerbeteiligung schreitet derweil voran: Nach einer gut besuchten Auftaktveranstaltung am 19. November 2014 mit Oberbürgermeister Stefan Schostok und zwei nachfolgenden Diskussionsrunden steht nun am 29. Januar um 18:00 in der Grundschule Kastanienhof die dritte Themenwerkstatt mit der Fragestellung „Wie entsteht ein attraktives Neubaugebiet?“ an. Die folgende Veranstaltung zum Thema „Verkehr/Mobilität“ soll am 9. Februar ab 18:00 im Gemeindehaus St. Nicolai stattfinden.

 

Interview Nr. 2

Uwe Bodemann
Der Stadtbaurat

 

Der parteilose Architekt Uwe Bodemann (59) leitet seit sieben Jahren das Baudezernat der Landeshauptstadt Hannover und ist damit für die Planung der Wasserstadt Limmer federführend verantwortlich. Der von ihm zusammen mit Investor Günter Papenburg im Februar 2014 vorgestellte und im Stadtteil heftig kritisierte Plan für eine Großsiedlung mit 5.000 Bewohnern steht jetzt auf dem Prüfstand. Auf die Fragen von Wolfgang Becker erläutert Stadtbaurat Bodemann seine Sicht auf die laufende Planungsdebatte in Limmer.

Das Baudezernat betreibt die Planung der Wasserstadt. Welchen Auftrag hat die Verwaltung vom Rat ?

Die Landeshauptstadt Hannover verfolgt seit Beginn der 2000er Jahre gemeinsam mit der Wasserstadt Limmer GmbH die Umwandlung des ehemaligen Industriestandortes der „Conti“ in Limmer zu einem innenstadtnahen Wohngebiet. Hierzu sind unterstützt durch Finanzmittel der Städtebauförderung eine Reihe von Vorarbeiten wie zum Beispiel Gebäudeabrisse und Bodensanierungen durchgeführt worden. Zu diesen Prozessen und Zielstellungen hat der Rat entsprechende Aufträge an die Verwaltung erteilt.

Manche BürgerInnen befürchten eine zu hohe Dichte in der Wasserstadt. Müssen dort unbedingt 5.000 neue EinwohnerInnen angesiedelt werden?

Es ist erklärtes Ziel der Landeshauptstadt, die Entwicklung von Baugebieten eher im gut erschlossenen Innenbereichen Hannovers als an den Rändern der Stadt zu betreiben. Die Stadtbevölkerung ist in den vergangenen Jahren gewachsen und dies wird auch in den nächsten 10 bis 15 Jahren so sein. Wenn wir die zu uns kommenden Menschen mit Wohnungen versorgen und gleichzeitig die Mietpreise moderat halten wollen, dann müssen wir deutlich mehr und zwar dort Wohnungen bauen, wo die Bauflächen gut erschlossen sind, eine entsprechende Infrastruktur schon vorhanden ist und die Wege zu anderen Orten in der Stadt kurz sind. Dies ist bei den Conti-Flächen der Fall. Daher müssen wir diese Flächen angemessen und in einem städtischen Maßstab nutzen.

Hat der eingeleitete Moderationsprozess für Sie schon neue Erkenntnisse gebracht?

Ja, unbedingt. Ich verfolge die Veranstaltungen mit großem Interesse und schätze nach einer Zeit der Aufregung um die Wasserstadt die ausgewogene Diskussion zu den einzelnen Themenfeldern überaus. Ich finde es zum Beispiel sehr interessant, wie viele Menschen sich in den Prozess einbringen, die sich wünschen künftig in der Wasserstadt zu wohnen; und wie sie sich ihr Leben dort vorstellen.

Der Oberbürgermeister hat den BürgerInnen eine ergebnisoffene Diskussion zugesagt. Ist die Verwaltung bereit, jetzt 'Macht' abzugeben und auch bisherige Positionen zu revidieren?
Bis vor etwa einem Jahr zeigten die Pläne zur Wasserstadt ein stark durch Einfamilienhäuser geprägtes Gebiet für 600 bis 700 Wohnungen. Vor dem Hintergrund der engagierten Erörterungen über das Wohnkonzept 2025 und dem anhaltenden Zuzug von Menschen in die Stadt hat das Baudezernat im Februar 2014 einen Vorschlag mit einer größeren Anzahl von Wohnungen im überwiegend viergeschossigen Maßstab ähnlich der Quartiere südlich der Wunstorfer Straße in Limmer zur Diskussion gestellt.

Dies ist keine Frage von Machtausübung, sondern die Wahrnehmung unserer originären Aufgaben als Planungsverwaltung. Nämlich auf Trends zu reagieren, Vorschläge zu unterbreiten und diese öffentlich zur Diskussion zu stellen. Die Macht zur abschließenden Entscheidung obliegt dem Rat der Landeshauptstadt.

Leitbilder und Grundzüge aus der Bürgerbeteiligung sollen bei der weiteren Planung berücksichtigt werden. Werden Sie und Ihre Stadtplaner die Ergebnisse der Moderation 1:1 den politischen Gremien vorlegen?

Ja, selbstverständlich. Der Rat der Landeshauptstadt hat ja die Durchführung dieses Verfahrens beschlossen, insofern ist die Verwaltung verpflichtet, über die Ergebnisse dieses Prozesses entsprechend zu berichten.

Wolfgang Becker

 

Siehe auch Interview 1 + 2 + 3 + 4 + 5

Infos zum Thema im Internet:
wasserstadt-dialog.info
hannover.de/wasserstadt  (Stadt)
wasserstadt-limmer.org  (BI)
wasserstadt-limmer.de  (Investoren)

 

Text: Wolfgang Becker

Letzte Änderung: 28.01.2015

 

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Stadtbaurat Uwe Bodemann

Die,11.01.2015, Wasserstadt-Debatte, Interview Nr. 2
Interview mit Stadtbaurat Bodemann

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Planung der Stadt wie am 04.02.2014 vorgestellt.

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Das war gestern: Im Februar 2014 präsentierten Stadtbaurat Uwe Bodemann (rechts), Investor Papenburg und Planerin Ingrid Spengler der Öffentlichkeit stolz einen neuen Entwurf für die Wasserstadt Limmer mit bis zu 5.000 neuen Bewohnern. Hat dieser Plan noch Zukunft?

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Auftaktveranstaltung der Bürgerbeteiligung am 19.11.2015