Bericht 01-15

 

 

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05.01.2015, Stadtteilgeschichtlichen Ausstellung Limmer
Kriegsende & Wiederaufbau 1945-1950
und der Tegtmeyerhof

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Am 10. April 1945 wird Hannover von amerikanischen Truppen besetzt. Über Harenberg, Ahlem, Limmer marschierten sie in die Stadt.

An der Limmer- Schleuse ließen noch einige junge Soldaten und ein Rentner sinnlos ihr Leben. Im KZ-Frauenlager der Conti wurden die noch vorhandenen weiblichen Häftlinge befreit. Am 8. Mai kapitulierte die Deutsche Wehrmacht.

Es begannen die Jahre der Nöte und Entbehrungen. Von den 158.000 Wohnungen waren noch 9.400 bewohnbar. Allein in Limmer wurden bei einem Bombenangriff 1943 311 Wohnungen zerstört. Hannover glich einer Trümmerwüste, geschätzte 6 Millionen m3 Schutt lagen auf Straßen und Plätzen, vergleichbar mit einem 7 Meter hohen Berg von der Größe unseres Maschsees. Die Wohnungsnot war das größte Problem. Mehr als 50.000 Menschen "hausten" in Notunterkünften, Nissenhütten, Kellerräumen und abbruchreifen Ruinen. Dazu kam der Strom der Flüchtlinge und Vertriebenen. Ca. 5 Mio. sind nach Kriegsende in Hannover betreut worden.

Die freiwillige Schutträumung verlief sehr schleppend. Erst die Zusicherung von Prämien und Sonderrationen brachten etwas Erfolg.

Schon vor Kriegsbeginn 1938 wurden der Bevölkerung Lebensmittelkarten ausgehändigt und die Waren über die Kriegsjahre zugeteilt, erst am 30. April 1950 wurde die Rationierung aufgehoben.

Die Menschen litten Hunger und wer konnte ging auf "Hamstertour". Plünderungen gab es und der Schwarzhandel blühte. Die Kinder in den Schulen bekamen gespendete Schulspeisung und wer großes Glück hatte erwischte eines der begehrten  „CARE – Pakete", die von amerikanischen Wohlfahrtsverbänden einheitlich mit lebenswichtigen Nahrungsmitteln gepackt waren.

Aus Angst vor einer Hungersnot bot die Stadtverwaltung 1946 den Bürgern Grabland an für die Selbstversorgung mit Gemüse.

Im Juni 1946 trat der wirtschaftliche Wiederaufbauplan für Europa, der sogenannte "Marshallplan" in Kraft. Zunächst auf Einfuhr von Lebensmitteln und Industriegüter beschränkt, dann auch zur Finanzierung von Bauvorhaben (z.B. die Siedlung im Mittelfeld). Parallel begann 1948 Stadtbaurat Rudo1f Hillebrecht, der Architekt des Neuaufbaus, mit der Neugestaltung Hannovers. Sein visionärer Flächennutzungsplan, der erste seiner Art in einer deutschen Großstadt mit Ringstraßen, Tangenten und Schnellwegen, bewahrt Hannover heute vor einem Verkehrskollaps.

Zu all den Problemen wurde Hannover am 9. Februar 1946 von einem Hochwasser überrascht, die Schneeschmelze, tagelange Regenfälle und der Bruch vom Kanaldamm, setzten weite Teile der Stadt unter Wasser. In Limmer war "Land unter!"

Am Sonntag den 20. Juni 1948 kam es zur Währungsreform. Jeder Bürger bekam pro Kopf 40 Deutsche Mark ausbezahlt. Die Altgeldbestände mussten binnen einer Woche im Verhältnis von 10 Reichsmark gegen 0,65 DM eingetauscht werden. Jetzt waren plötzlich in den Geschäften die Regale gefüllt und nach der ersten Lohnzahlung konnte nach Herzenslust eingekauft werden, so genügend Geld vorhanden war.

Am 8. Mai 1949 wurde vom parlamentarischen Rat in Bonn mit 53:12 Stimmen das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland beschlossen. Gleichzeitig trat der erste frei gewählte Deutsche Bundestag zusammen. Als 1. Deutscher Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland 'wurde Konrad Adenauer gewählt.

Es begann nun die Zeit des Wiederaufbaus, die Menschen hatten Arbeit und Brot, das tägliche Leben normalisierte sich, es ging aufwärts und es begannen die Jahre, die später einmal in die Geschichte als die Zeit des "Deutschen Wirtschaftswunders" eingehen werden.

20. Ausstellung auf der Empore der Sankt Nikolai-Kirche ab 11. Januar, jeden 2.+3. Sonntag, 15-17:00, Tel. 0511 210 42 84

 

Text/Fotos: Rudolf Lotze
Letzte Aktualisierung: 05.01.2015

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Als am 10. April 1945, morgens das 2. Bataillon des 335. Regiments der Amerikaner unter dem Kommandeur Oberstleutnant Birdsay Learman von Harenberg nach Limmer einmarschierte, versuchten an der Limmer Schleuse noch ca. 22 junge unerfahrene Marinesoldaten die Amerikaner aufzuhalten, Bei dieser Aktion starben alle im Mörserhagel des Gegners.

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Nachkriegsversorgung: Der Gemüsezug nach Limmer

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Weibliche Häftlinge aus dem KZ-Limmer nach der Befreiung, die den Todesmarsch nach Bergen - Belsen überlebt haben.

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DIE GROSSE FLUT - DAS HOCHWASSER AM 9. FEBR. 1946
In Limmer war Land unter”.

Januar 1946, starker Frost, im Harz viel Schnee. Im Februar dann wochenlang Regen, der gefrorene Boden nahm das Wasser nicht auf. Am 8. und 9. Februar Wolkenbrüche über Hannover, Schmelzwasser vom Harz und die Leine trat über die Ufer. Stadtgebiet und weite Teile des Leinetals überflutet.