Bericht 56-14

 

 

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So, 07.12.2014, Positionen zur Wasserstadt Limmer, Interview Nr. 1
Klaus Habermann-Nieße
- Moderator und Konfliktmanager -

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Nach dem ersten Beitrag wird ein Diskussionsforum eingerichtet.

Die Linden-Limmer Zeitung eröffnete in ihrer Weihnachtsausgabe eine Folge von vertiefenden Interviews zur zukünftigen Wasserstadt. Damit soll das neuartige Konzept der Stadt Hannover zur Öffentlichkeitsarbeit über die kommenden Monate begleitet werden.

Inzwischen haben eine Eröffnungsveranstaltung mit 350 Anwesenden und zwei   Themenwerkstätten mit bis zu 100 Teilnehmern stattgefunden, weitere sollen am 12. und am 29. Januar 2015 folgen. Danach wird es eine Auswertung der Ideen und Leitbilder geben, bevor in das Bebauungsplan-Verfahren eingestiegen wird.

 

Der Architekt und Stadtplaner Klaus Habermann-Nieße (63) moderiert mit dem Büro „plan zwei“ im Auftrag der Stadt die aktuellen Diskussionsveranstaltungen zur Wasserstadt. „Plan zwei“ ist bundesweit tätig und hat umfangreiche und langjährige Erfahrungen mit Partizipationsprozessen. Im Gespräch mit Wolfgang Becker erläutert Moderator Habermann-Nieße die laufende Bürgerbeteiligung in Limmer.

 

Was sind die Grundzüge des Beteiligungsprozesses?

Wir haben ein Verfahren gewählt, in dem wir zu verschiedenen Themen und Fragestellungen mit den Bürgerinnen und Bürgern in Limmer sprechen wollen. Die Vorbereitungen waren aufwändig: Wir haben unter anderem die verschiedenen Stimmungen und Sichtweisen im Stadtteil einzufangen versucht, mit den Bewohnern vor Ort gesprochen und über 3.500 Flyer in Briefkästen verteilt, um zur Auftaktveranstaltung im November Interesse zu wecken und eine breite Diskussion über die Wasserstadt zu entfachen. Das war der erste Schritt, jetzt folgen die Themenwerkstätten. Dabei wollen wir an den kommenden Terminen verschiedene Themenschwerpunkte wie „Wohnen“ und „Mobilität“ vertiefter diskutieren, um sie nachher in einer Planungswerkstatt zusammenzuführen und Qualitätsziele für die zukünftige Bebauung zu formulieren.

Wie ist es aus Ihrer Sicht bislang gelaufen?

Für uns war eine ganz wichtige Voraussetzung, dass wir schon vor der Auftaktveranstaltung mit vielen Akteuren im Stadtteil gesprochen haben. Das werden wir neben den öffentlichen Veranstaltungen auch fortführen, wir sprechen dabei also auch mit vielen Bewohnern aus Limmer. Fast alle haben dabei Gesprächsbereitschaft und nicht Abwendung signalisiert. Das war für uns auch beim Auftakt sehr positiv: Die wollen wirklich mitbekommen, was für ein Stadtgebiet angebaut werden soll. Durch das Beteiligungsverfahren wollen wir erreichen, dass alle auf dem gleichen Niveau diskutieren. Die Erwartungshaltung derjenigen, die sich oft schon seit Jahren mit der Wasserstadt beschäftigen, ist eine andere als die derjenigen, die erst jetzt neu dazukommen. Natürlich gibt es unterschiedliche Haltungen im Stadtteil, aber das ist für mich gerade die größte Herausforderung.

Sitzt „plan zwei“ in diesem Prozess nicht zwischen allen Stühlen?

Wir sind von der Stadt Hannover beauftragt, sollen aber mit den Bewohnern arbeiten. Die Stadt hat im Februar einen Bebauungsvorschlag präsentiert, der Diskussionen provoziert hat. Jetzt sagen wir: Es kann auch anders gehen. Man muss nicht konfrontativ Stadtentwicklung betreiben, sondern kann sie auch kooperativ gestalten. Aber dazu müssen auch alle befähigt werden, mitsprechen zu können. Das ist unsere Aufgabe als Moderatoren und damit sitzen wir natürlich immer auch zwischen den Stühlen. Das ist sozusagen unser Beruf.

Gehen bei den kritischen Punkten Dichte, Höhen und Einwohner die Meinungen nicht zu weit auseinander?

Ich bin mir sicher, dass es eine Annäherung der Standpunkte geben wird. Hinter den jetzt kontrovers diskutierten handwerklichen Kennzahlen des Städtebaus verbirgt sich ein ganz komplexes System von Stadtteilentwicklung. Jeder hat daran auch unterschiedliche Vorstellungen, wie ein Stadtteil aussehen soll. Wir denken, mit unserem Verfahren näher an die Erwartungshaltungen heranzukommen. Im Ergebnis entsteht dann zwischen Dichte, Höhe und Einwohnerzahl ein Verhältnis, was klarer definiert ist. Wenn wir es schaffen, dass die Menschen bis zum Schluss mitdiskutieren, wird mit allen zusammen ein deutlicheres Bild entstehen, was die Wasserstadt einmal sein soll. Es geht dabei um Annäherung, nicht aber in jedem Punkt um Konsens.

Welche Strategien und Grundsätze für die weitere Planung erwarten Sie?

In der ersten Phase bis zum März wollen wir über die Bewohnerbeteiligung möglichst viele qualitative Zielvorstellungen formulieren und untereinander abwägen. Diese müssen dann den Rahmen für das anschließende Bebauungsplanverfahren bilden. In einer zweiten Phase der Moderation soll es anschließend darum gehen, in einem ersten Bauabschnitt zu überprüfen, wie sich diese Qualitätsziele mit den baulichen Interessen und Möglichkeiten umsetzen lassen. Unsere Idee ist es, diese Diskussion an jedem weiteren Baufenster fortzuführen. Natürlich gibt es unterschiedliche Interessen. Ich habe aber das Gefühl, dass auch Stadt und Investoren jetzt sehr ernst zuhören und bei der weiteren Konkretion der Planung Zielvorstellungen akzeptieren, die von den Bürgerinnen und Bürgern formuliert werden.

 

Siehe auch Interview: 2 + 3 + 4 + 5

Infos zum Thema im Internet:

hannover.de/wasserstadt   (Stadt)

wasserstadt-limmer.org  (BI)

wasserstadt-limmer.de  (Investoren)

 

Text/Fotos: Wolfgang Becker
Letzte Aktualisierung: 28.01.2015

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Moderator Klaus Habermann-Nieße

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Erster Meinungsaustausch auf der Auftaktveranstaltung am 14.11.2014 mit Klaus Habermann-Nieße (links).

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Auftaktveranstaltung zum Bürgerdialog am 19.11.2014. OB Schostok hält die Eröffnungsrede.

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Wasserstadtgelände aus der Vogelperspektive

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Zettelwirtschaft: Ideen werden gesammelt

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Bürgerbeteiligung: Beispiel Themenwerkstatt Wohnen am 10.12.2014 mit Kirsten Klehn von "plan zwei"