Bericht 53-14

 

 

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Sa, 16.11.2014, Linden-Süd: Ihmeauen, Stadtteilpark und Baugemeinschaften
An der Ihme wird's modern

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Auf dem Gelände der ehemaligen Hautklinik drehen sich Bagger und Kräne: An der Auestraße entstehen derzeit rund 100 neue Wohnungen. Nebenan soll ab 2016 der Stadtteilpark Linden-Süd entstehen. Und auf der Calenberger Seite der Ihme an der Ohestraße zwischen Benno-Ohnesorg-Brücke und Berufsschulen ein großes Wohnprojekt für Baugemeinschaften.
Urbanes Wohnen direkt am Flussufer, zwanzig neue Traumwohnungen" so wirbt die Hannover Region Grundstücksgesellschaft HRG - sie gehört je zur Hälfte der Region und der Sparkasse Hannover - im Internet für zwei fünfstöckige Stadtvillen: „Lichtdurchflutete Räume mit modernstem Wohnkomfort. Das Wohnquartier Ihmeauen liegt quasi mitten im Stadtteil Linden mit seiner hohen Lebensqualität dank vielfältigem Kultur- und Einkaufsangebot, Szenebars und mehreren Wochenmärkten, gleichzeitig haben Sie den unmittelbaren Zugang zur Natur der Ihme- und Leineaue," heißt es weiter in der Werbung für die hochpreisigen Eigentumswohnungen. Kosten pro Quadratmeter: Bis zu 4.000 Euro. 

100 attraktive Wohnungen in den Ihmeauen

Zur Entwicklung des Areals der ehemaligen Hautklinik in Hannover–Linden direkt an der Ihme hat die HRG gemeinsam mit dem Architekten Gert Meinhof eine Projektgesellschaft gegründet, die die 13.000 m² große Fläche im Stadtteil Linden erworben hat und jetzt mit etwa ebenso viel Quadratmetern Nutzfläche bebaut. Vorgesehen ist ein Mix aus Umbau des nach dem Umzug der Klinik zur MHH leerstehenden 50er-Jahre-Gebäudes und Neubauten.

Insgesamt entstehen etwa 100 Wohnungen," erklärt Gert Meinhof, „davon sind rund 40 Mietobjekte. Die alte Hautklinik war schon eine große Herausforderung." Es gibt neun Bauabschnitte, von denen acht „selbstorganisierte Baugemeinschaften" sind. „Die Nachfrage danach war sehr groß.

Die Ihmeauen sind nicht das erste Objekt in Linden, in dem sich der heute 65-jährige Projektentwickler engagiert. 1972 kam er als Architekturstudent in den Stadtteil, führte in den ersten Sanierungsjahren das Protokoll bei der Unabhängigen Bürgerinitiative Linden-Süd. Später war er Gründungsmitglied der AGSTA, Arbeitsgemeinschaft für Stadt- und Altbauerneuerung. Meinhof: „Linden-Süd ist für mich schon so etwas wie eine zweite Heimat."

Projektentwickler Meinhof und Linden-Süd

Die Architekten und Ingenieure der AGSTA profilierten sich Ende der 70er Jahre mit der erhaltenden Erneuerung von Arbeiterhäusern in der Ahrberg- und in der Viktoriastraße. Und später insbesondere mit Umbau und Revitalisierung der ehemaligen Wurstfabrik Ahrberg, wo sie heute an der Plaza Rosalia ihr Büro haben und zahlreiche renommierte Projekte verwirklichen, darunter aktuell auch die „Hanomag-Lofts". Gerd Meinhof verließ die AGSTA im Jahr 2008 und lebt und arbeitet heute in dem von ihm entwickelten ehemaligen Henriettenviertel an der Gehägestraße Nähe Steuerndieb. Seine Anteile am Ahrbergviertel und auch einem größeren Objekt in der Konkordiastraße hat er allerdings behalten.

Damit gehört Meinhof, der schon als Student die „Verbesserung der Wohnverhältnisse zu tragbaren Belastungen" propagierte, in Linden sozusagen zu den „alten Hasen". Er kennt die Gegend sehr gut und reflektiert auch das Verhältnis seines Projekts zum umgebenden Linden-Süd, dem eindeutig am wenigsten begüterten der drei Lindener Stadtteile. Transferleistungsquote (30,8 %) und Arbeitslosenquote (12,4 %) liegen hier fast doppelt so hoch wie in der Gesamtstadt (Strukturdaten LHH Anfang 2014). Der Anteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund beträgt 43,8 Prozent. Die schon in den 1970er Jahren gelaufene städtebauliche Erneuerung und auch das nachfolgende Programm „Soziale Stadt" haben eine unausgeglichene Sozialstruktur hinterlassen.

Sicher werden die Ihmeauen andere Bevölkerungsgruppen in den Stadtteil ziehen. „Das sehe ich gar nicht so kritisch", sagt dazu Volkswirt Eike Geffers, „über die dann entstehenden Sickereffekte wird das den Markt beleben." Damit meint der SPD-Bezirksratsherr  den – zumindest theoretischen - Effekt des Ringtausches von Wohnungen, bei dem durch den Umzug von Besserverdienenden in das höherpreisige Segment auch preiswerterer Wohnraum für weniger Begüterte frei wird.

Gerd Meinhof ist es wichtig zu betonen, dass in den Gebäuden der ehemaligen Hautklinik auch etwa 40 Mietwohnungen entstehen. Der angepeilte Quadratmeterpreis soll bei etwa sieben Euro liegen. Zu mieten werden dann auch Büroräume, eine Arzt- und eine Physiotherapiepraxis sowie eine Pflegestation sein, die von der Arbeiterwohlfahrt AWO betrieben wird. „Im Prinzip wird alles barrierefrei", sagt der Projektentwickler, „aber nicht alle sind auch behindertengerecht im Sinne der Vorschriften".

Verbesserung des Wohnumfelds

Sehr recht dürfte den Investoren und Verwertern der Ihmeauen sein, dass zwischen Hautklinik und Legionsbrücke in den Folgejahren der Stadtteilpark Linden-Süd angelegt wird. 1,2 Millionen Euro will sich die Landeshauptstadt den Umbau des Grünzugs am Ihmeufer zum Stadtteilpark kosten lassen, diese Zahl steht jedenfalls im Investitionsprogramm des städtischen Haushaltentwurfs für 2015. Ausgegeben werden soll das Geld in den Folgejahren. Wofür genau ist noch unklar. Bisher geplant waren bessere Wege und Sitzgelegenheiten, Rampen für Rollstuhlfahrer, eine Skateranlage sowie ein Basketballfeld. „Voraussichtlich im kommenden Januar wird es hierzu eine Drucksache für die Ratsgremien geben", heißt es lapidar bei der Pressestelle.
Die Planung des Parks ist seit 2013 im Rahmen einer von der Stadt organisierten Bürgerbeteiligung öffentlich diskutiert worden. Daraus wird derzeit vom Fachbereich Umwelt & Stadtgrün eine verfeinerte Planung erarbeitet. Bereits im Wintersemester 2008/2009 hatte es am Institut für Landschaftsarchitektur der Leibniz Universität Hannover einen entsprechenden Studentenwettbewerb gegeben. Der „Tag am Fluss", ein eigens für die Präsentation der Wettbewerbsergebnisse organisiertes Fest, fand unter reger Beteiligung der Bevölkerung im August 2010 direkt auf der betroffenen Freifläche statt. „Dieser Prozess des Stadtteils hat die Verwaltung zum Handeln bewegt", meint dazu Carsten Tech vom Quartiersmanagement Linden-Süd der GBH.

Mit dem westlichen Ihmeufer wird nun die größte Grünfläche in Linden-Süd aufgewertet. Viele potenzielle NutzerInnen haben sich im Beteiligungsprozess engagiert. „Die Veranstaltungen stießen auf große  Resonanz und brachten viele gute Anregungen und Ideen hervor", heißt es dazu bei der Stadt: „Dieser Input floss in die Planungen ein." Unterstützt wurde der Prozess vom Moderationsbüro „mensch und region" aus Linden.

Baugemeinschaften Ohestraße

Auch die Ostseite der Ihme wird an der Schnittstelle zwischen Linden und Calenberger Neustadt demnächst aufgewertet. "Das Grundstück bietet hervorragende Voraussetzungen für urbanes Wohnen", meinte Stadtbaurat Uwe Bodemann letzten Monat bei der Präsentation eines Architektenwettbewerbs, an dem auch das Büro AGSTA teilgenommen hatte. In der Vergangenheit war an diesem Standort vis-a-vis des Ihmezentrums ein 22-geschossiger Büroturm vorgesehen.

Auf dem 7.000 m² großen städtischen Parkplatzgrundstück an der Ohestraße soll jetzt ein neues Wohnquartier entstehen, das sich hauptsächlich an private Baugemeinschaften – also auch an Wohngruppen -  richtet. Vorgesehen sind auf einem knappen Dutzend Parzellen 80 bis 100 Wohnungen in drei- bis siebengeschossiger Bauweise. Zudem soll zur Humboldtstraße ein Platz entstehen, der durch gewerbliche Nutzungen im Erdgeschoss, zum Beispiel Gastronomie, geprägt ist.

„Auf Grundlage des städtebaulichen Entwurfs wird die Stadt das bereits begonnene Bebauungsplanverfahren fortsetzen und verbindliches Baurecht schaffen," heißt es. Parallel bereitet die Stadt die Vermarktung der Parzellen vor, die voraussichtlich Ende 2015 beginnt. Interessierte Baugruppen können sich schon jetzt informieren. Für Beratungsgespräche stehen die "Wohnprojektmentoren" zur Verfügung. Internet:

wohnprojektmentoren-hannover.de 

Es geht also voran beidseitig der Ihme, im grünen Kiez zwischen Benno-Ohnesorg- und Legionsbrücke. Urbanität ist das neue Modewort der Planer. Die Gegend wird attraktiver, auch für eine zahlungskräftigere Wohnbevölkerung. Steuergelder tragen zur Verbesserung des Wohnumfelds und damit der Rendite der Investoren bei. Das ehemalige „Nachtjackenviertel" Linden-Süd wird nach dem Ahrbergviertel demnächst entlang der Ihme einen weiteren Magneten für Besserverdienende bekommen.

 

Text/Fotos: Wolfgang Becker
Letzte Aktualisierung: 29.11.2014

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Hautklinik

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An der Ihme tut sich was. „Urbanes Wohnen" heißt die Devise. Dies gilt leider weniger für das klotzige Zentrum: Dessen „Revitalisierung" lässt auf sich warten, nächster Zwangsversteigerungstermin ist wohl erst im Februar. Dafür wird einige Meter flussaufwärts schon kräftig gewerkelt. Neubau am Ihmepark an der Ricklinger Str.  

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Beim Wohnprojekt Ihmeauen an der Auestraße ist der Umbau in vollem Gang

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Ihmeaue: hier droht kein Baggerzahn

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Stadtpark Linden-Süd wird nach den Ideen der Anwohner umgestaltet. Blick von der Legionsbrücke in Richtung Ihmezentrum.

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Ihmeauen-Bauherr Wolfgang Puhlmann, Architektin Funda Schuster und Projektentwickler Gert Meinhof