Bericht 25-14

 

 

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So, 18.05.2014, Linden-Nord
Kötnerholzweg 20: ein altes Haus wird modern

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Alle zehn Wohnungen mit jeweils 2-3 Zimmern sind bereits vermietet - an Mieter, die bestimmte Bedingungen erfüllen. Doch darüber weiter hinten im Text mehr.

Hans-Jürgen Riefkogel kann sich noch genau erinnern, wie es früher war. 1975 zog er dort ein und für damalige Verhältnisse war alles durchaus akzeptabel. WC auf halber Treppe und in die Speisekammer hatte der damalige Vormieter sogar eine Dusche eingebaut. Geheizt wurde mit Kohleöfen. Das Treppenhaus und anderes hatte Vorkriegsstandard. An all dem hatte sich bis zum letzten Jahr nicht viel geändert. Geändert haben sich allerdings die Erwartungen potentieller Mieter, wie sie wohnen wollen – nämlich schöner und komfortabler. Zum Schluss waren die Wohnungen kaum noch zu vermieten, wie von dem Eigentümer, der GBH, zu erfahren ist. Hans-Jürgen Riefkogel blieb bis vor Kurzem Hauptmieter und ließ andere dort wohnen. Der Mietpreis war dementsprechend niedrig. Zahlte er 1975 noch 150 DM, so waren es zuletzt 150 € Kaltmiete für die drei Zimmer. Damit dürfte die Mietpreissteigerung sehr deutlich unter der realen Einkommenssteigerung im selben Zeitraum liegen. Hans-Jürgen Riefkogel selbst wohnt inzwischen in einer Eigentumswohnung in Linden-Nord.

Inzwischen hatte sich über die Jahrzehnte ein immenser Sanierungsstau angesammelt. Es bestand wenig Aussicht für den Eigentümer die tatsächlichen Kosten durch Mieteinnahmen wieder hereinzubekommen. Daher wurde zuerst ein Verkauf des Hauses versucht.

Vielleicht war der Verkaufspreis zu hoch und/oder der Sanierungsbedarf zu enorm, so dass sich kein Käufer fand. Jedenfalls wurde dieser Versuch bald gestoppt. Die GBH nahm die Sanierung nun doch selbst in die Hand.

Die Gesamtkosten der Modernisierung belaufen sich schließlich auf 1,1 Millionen Euro. Das ist ein Riesenaufwand angesichts des ursprünglich angepeilten Verkaufspreises von 450.000 €.

Dafür ist der Wohnstandard dort erheblich angestiegen und entspricht heutigem Niveau: Fernheizung, Bad, Balkon, energetische Sanierung, etc..

Nur 5,40 €/qm Kaltmiete

In Linden sind inzwischen sieben Euro pro Quadratmeter üblich. Doch vorstehende Preisfrage ist einfach zu beantworten. 406.000 Euro öffentliche Wohnfördermittel drücken den Mietpreis.

Dafür müssen die Mieter einige Bedingungen erfüllen. Vermietet wird nur an Wohnungssuchende mit Wohnberechtigungsschein (B-Schein). Auskünfte hierzu gibt es bei der Stadt Hannover im Internet: tiny.cc/8mnwfx

Alle zehn Wohnungen sind inzwischen vergeben.

Das Haus bleibt also Tabu für andere Wohnungssuchende. Damit werden dort auch Vorstellungen entsprochen, wie sie in den letzten Jahren immer wieder in den öffentlichen Diskussionen im Stadtbezirk vorgebracht wurden

Bei der städtischen GBH freut man sich über das gelungene Werk. Ein Beispiel für andere Häuser und Investoren ist es allerdings nur bedingt. Die große Mehrheit der Wohnungssuchenden ohne B-Schein muss Marktpreise bezahlen.

Mietpreis ohne öffentliche Förderung

Ungefähr 8 €/qm hoch wäre die Kaltmiete im Falle dieses Hauses, wenn es keine öffentlichen Gelder gegeben hätte. Das wäre deutlich mehr, als die gegenwärtige Durchschnittskaltmiete bei Neuvermietungen von ca. 7 €/qm im Stadtbezirk beträgt. Ein sehr günstiger Neubau liegt derzeit bei 9 €/qm und darüber.

Wie Untersuchungen des Autors in der Vergangenheit gezeigt haben, sind die Mieten im Stadtbezirk nur moderat gestiegen, worüber auch Medien bereits berichteten.  Auch untersuchte der Autor Fälle die von „Gentrifizierungsgegnern" als Verdrängung angeprangert wurden. So geschah es bspw. im Falle der Limmerstraße 56.

Dort investierten die damals neuen Eigentümer 250.000 Euro in die Sanierung des eher kleinen Hinterhauses. Das führte zu einer Miete von 8 €/qm bei Neuvermietung. Spätestens jetzt kann man wissen, dass das nichts mit Profitgier zu tun hatte,sondern einfach – wie in fast allen anderen Fällen auch - der ökonomischen Notwendigkeit entsprach.Wer mehr zu diesem Thema erfahren möchte, kann im „Spezial Gentrifizierung" im Internet stöbern.

Dort ist seit 2011 fast alles aufgelistet, was es dazu an Veröffentlichungen im Stadtbezirk gegeben hat. Darüber hinaus sind dort auch noch viele weitere Artikel bundesweiter Medien verlinkt und stellt somit  eine umfangreiche Quelle differenzierter Informationen und Sichtweisen dar.

 

 

Text/Bilder: Klaus Öllerer
Letzte Aktualisierung: 26.05.2014

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Erstmalig gibt es jetzt Balkone und Terrassen

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 Die neue Kaltmiete beträgt 5,40 €/qm

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Badezimmer mit Dusche. Beides war vorher nicht selbstverständlich.

Einzug am 1. Juni

Das Ehepaar Rahmanaj freut sich schon. Im Oktober letzten Jahres waren sie wegen den Sanierungsarbeiten im Kötnerholzweg 20 vorübergehend einige hundert Meter weiter in die Mathildenstr. gezogen.

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Arif und Sabrije Rahmanaj

Beide leben seit 1990 im Kötnerholzweg 20. Sie freuen sich nun auf die bessere Wohnqualität mit schönem Bad, Balkon und vielen Dingen mehr. Sie wohnen jetzt alleine, da ihre vier erwachsenen  Kinder längst aus dem Hause sind und teilweise selbst auch schon wieder Kinder haben.

Arif Rahmanaj ist seit einem schweren Arbeitsunfall zu 70% schwerbehindert und daher werden beide auch  in ein unteres Stockwerk ziehen.

Mit Begeisterung erzählt er von seiner früheren Arbeit als Zimmermann auf Großbaustellen bei einer international tätigen Firma. Es ist seine Arbeitsauffassung, die beim Gespräch den Interviewer fasziniert. Immer hat er sehr viel und engagiert gearbeitet, war da, wenn er gebraucht wurde. Auch an Wochenenden. So brachte er immer ein gutes Einkommen nach Hause. Wenn er heute durch Hannover geht, sieht er viele große Gebäude, die einmal „seine" Baustellen waren. Und dann erinnert er sich mit guten Gefühlen an seine damalige Schaffenszeit. Auch heute hat er noch Kontakt zu ehemaligen Arbeitskollegen. Er selbst kam 1970 aus dem Kosovo nach Deutschland, das die Heimat für die ganze Familie geworden ist.