Bericht 20-14

 

 

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Mi, 09.04.2014, TSV Victoria Linden
114 Jahre und kein bisschen leise!

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Besuch und Gespräch mit dem 1. Vorsitzenden einer Lindener Institution.

Oliver Gust steht auf ehrwürdigem Grund, der Spielstätte von Victoria Linden. Auf dem Fössefeld haben schon viele Meistermannschaften trainiert und gewonnen. Heute erstrahlt sie am späten Nachmittag im frühlingshaften Sonnenlicht und gleich 3 Jugendteams teilen sich den Platz. Der 1. Vorsitzende Gust strahlt auch. „Dass sich die Jugendarbeit so toll entwickelt hat, ist eine großartige Entwicklung. Derzeit spielen hier über 70 Kinder und Jugendliche Woche für Woche und wir können als Verein dem ganzen ehrenamtlichen Trainerstab nur dankbar sein."

Die Erfolge lassen nicht auf sich warten! Wie man gerade auf der Homepage des Vereins nachlesen kann, spielt die Mannschaft der unter 12-Jährigen eine beispiellose Saison und die Trainer sind dementsprechend stolz. Auch andere Jugendteams zeigen deutliche Verbesserungen durch das neue Konzept „vom Fohlen zum Zebra", das im Verein mit der Hilfe zahlreicher Ehrenamtlicher auf den Weg gebracht wurde.

Flaggschiff wieder deutlich im Aufwind.

Leider hat es beim ehemals erfolgsverwöhnten Traditionsverein einen Absturz gebraucht, bevor man sich auf diese gute Jugendarbeit besann.

Mit 20 Deutschen Meisterschaften sind die Zebras, aufgrund der traditionell schwarz-weiß gestreiften Trikots, zwar immer noch unangefochtener Deutscher Rugby-Rekordmeister, aber von der 21. recht lang weit entfernt. Aktuell dominieren süddeutsche Vereine den Sport hierzulande und auch die Lindener spielen in der zweiten Hälfte einer bereits zweigeteilten Nord-Süd-Bundesliga. Es ist auch nicht leichter geworden, in heutigen Zeiten junge Menschen an einen Sport zu binden, der neben großem persönlichen Eifer im Training sehr viel körperlichen Einsatz und auch Mut erfordert. Spricht man mit manchen Vereinsältesten, klingt ein wenig Wehmut durch. Bis hin zum Vorwurf an die Jungen, eine verständliche, aber unproduktive Nostalgie von denen, die noch Meister waren und wurden, bevor sich auch der Rugbysport teilweise professionalisierte.

Bis 1995 war Hannover mit Linden die fast einzige Stadt mit Rugby-Meistern, heute erreicht nur Hannover 78 noch das Niveau der süddeutschen Vereine, wo Heidelberg nunmehr die Hochburg bildet. Leichter wird es natürlich nicht, wenn man als Perspektive hat, Woche für Woche fast wörtlich vermöbelt zu werden, die jungen, insbesondere die talentierten Spieler in den eigenen Reihen zu halten. Auch der Vorstand versteht das. Bei Vereinen wie Germania List entsteht die Situation, dass man bis zur U12 und U14 Deutsche Meister stellt und die U16 und U18 nicht zum Ligabetrieb anmelden kann. Beim TSV Victoria setzt man erfolgreich auf alte Tugenden und will den Vereinsgeist wieder mehr hervor bringen: Das Vereinsheim beleben, die Sportstätten renovieren und neue Mitglieder werben, die sich einbringen möchten.

Der Vorsitzende ist keiner, der sich, bei aller Tradition, am Tresen in Nostalgie verliert. Eine Verjüngung, auch in den Ehrenämtern, hat eingesetzt, frisches Blut mit neuen Ideen bringen Wind nicht nur ins Flaggschiff Rugby. Auch er selbst ist erst seit 2 Jahren im Amt, wobei man es hier schaffte, dass der vorherige Vorsitzende weiter aktiv mitdenkt und viele Aufgaben übernimmt. Tradition und Moderne bilden nun ein Tandem für die Zukunft des Vereins. Sponsoring und Pressearbeit wollen noch verbessert werden, einige Erfolge sind aber bereits zu sehen.

Rugby bleibt die traditionelle Kernkompetenz, wie man heute sagen würde, beim TSV Victoria und die Jugendmannschaften wachsen stetig seit Jahren. Daneben gibt es aber noch weitere aktive Sparten, von Gymnastik bis Darts, der Triathlon kann derzeit sogar keine Neuinteressierten unterbringen, weil die Nachfrage die Trainingsmöglichkeiten übersteigt. Eine ebenso wie Rugby traditionsreiche Sparte ist beim TSV der Korbball-Sport, schon seit über 50 Jahren im Programm und mit 60 Aktiven sehr lebendig. Dort werden auch immer interessierte Mädchen gesucht.

Der Platz wird zum Problem...

Alles also super?

Gust lacht und wird dann ganz ernst, als er auf die Rasenfläche schaut. Das Fössefeld sieht nicht gut aus. Ein wenig Ärger und Frustration klingt mit, wenn er vom Besuch der städtischen Behörden berichtet. Auf so einem Platz könnte es keinen Spaß machen, wurde dort gesagt. Nicht nur der 1. Vorsitzende fragt sich, warum die Kinder dann da sind. Es tut einem, der viel tut, wohl auch etwas weh.

Sachlich ist es ein Dilemma. Natürlich geht es nicht am Sportplatz spurlos vorbei, wenn dort viele Menschen Sport machen. Soll er sie wegschicken? Aber für die große Renovierung fehlt wie so oft das Geld. Zeit will man sich im kommenden Sommer nehmen, von Mai bis August kann man den Rasen schonen und hofft auf Rat und Unterstützung von Seiten der Mitglieder. Von der Stadt ist man im Vorstand gerade etwas enttäuscht. Mangelnde Pflege würde dem Verein unterstellt, Ratschläge erteilt, die einem Neuverein helfen würden, bei den Victorianern aber doch längst gängige Praxis sind, und am Ende steht die Herabstufung der Sportstättenqualität, woraus sich ein geringerer Pflegezuschuss ergibt. Ein Teufelskreis: Viele Kinder und der Erfolg schaden dem Platz auf Dauer, der Platz braucht Unterstützung und der Erfolg in der Aktivität behindert die Unterstützung durch die Stadt. Ein Problem sicher nicht nur für die Lindener, sondern für viele kleinere Vereine, denen die Sponsoren nicht so zufliegen.

Die Hoffnung auf Platzsponsoren ist lebendig

Nachdenklich schaut Gust auf den Platz, aber dann hellt sich sein Blick wieder auf. Man mache mit Sicherheit weiter. Die Jugendlichen und der Verein seien auf dem richtigen Weg und Stolz auf das schon Erreichte klingt mit.

Es bleibt vor allem die Hoffnung auf Unterstützung, vielleicht durch einen regionalen Sponsor & Förderer. „Unser Weg geht über den positiven Trend der steigenden Zahl der Aktiven in fast allen Sparten. Wir haben in den vergangenen 2 Jahren fast 100 Mitglieder hinzugewonnen, darunter sehr viele Kids aus unserem Stadtteil, die sonst nur vor ihren Sonstwas-Stations säßen." sagt er, der im Januar einstimmig wieder gewählt wurde, und zeigt Entschlossenheit. Die Zahl beeindruckt noch mehr, wenn man weiß, dass der Verein vorher unter 500 Mitgliedern existierte. Dann kommt aber schon Eddy Otte, Clubwirt im Vereinsheim, und es gibt Wichtigeres für den Vorsitzenden zu klären. Man verabschiedet sich schnell, jedoch herzlich.
Mit Zuversicht in die neue Saison und bis zur Deutschen Meisterschaft?
Auf dem Fössefeld kämpfen sie derweil weiter mit konzentrierten Gesichtern um den ovalen Ball. Auf dem hinteren Teil des Feldes fordert ein Trainer lautstark mehr Tempo beim Laufspiel. Vorne beendet gerade die U12 mit dem gemeinsamen Kreis; gefolgt vom Gebrüll „Auf 3: Victoria!"; ihr Training. Wenn der Schweiß von Jungs und Mädchen den Rasen düngen würde, bräuchte man sich hier wohl nur wenig Sorgen machen und so wird auch im nächsten Jahr, dem 115. der Vereinsgeschichte der Zebras, noch gelten, was das Vereinslied besingt: „Und wenn wir ́ mal verlieren, das ist ja gar nicht schlimm, dann müssen wir trainieren, damit wir wieder gewinn ́.

Bei zwei besonderen Ereignissen kann man sich die hoch gelobte Mannschaft der eingangs erwähnten U12 ansehen, die in dieser Saison noch ungeschlagen ist. Letzter regulärer Spieltag ist der 27.04. gegen den SV Odin und den SC Germania List, zwei Spiele, die sehr spannend werden dürften, Anpfiff ist um 13:15. Die Ehrung der Niedersachsen Meister findet um ca. 14:45 Uhr statt. Alles auf dem besagten Traditionssportplatz Fössefeld (Fösseweg 5).

Und noch ein extra Highlight: Am 24./25. Mai findet auf dem Platz des TSV Victoria Linden die Deutsche Meisterschaft U12 im Rugby statt. BesucherInnen sind herzlich willkommen.
Alle weiteren Termine, nicht zuletzt die Bundesliga-Termine der 1. Mannschaft, auf www.victoria-Linden.de

www.victoria-linden.de

 

Text/Bilder: Felix Kostrzewa
Letzte Aktualisierung: 19.04.2014

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Bereits die U10 zeigt vollen Einsatz ums ovale Leder

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Nicht die jüngsten, aber voll im Einsatz: die U8 des TSV.

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Stolz auf Unterstützersuche: der 1. Vorsitzende Oliver Gust