Bericht 19-14

 

 

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So, 09.04.2014, „Kommunikationsbrücke zwischen Prozess und Kunst“
Limmerstraße 98 wird zum Blickfang

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Nach dem ersten Beitrag wird ein Diskussionsforum eingerichtet.

Farbe statt Worte. Aktivisten bewarfen Ende letzten Jahres in einer Nacht- und Nebelaktion die gerade fertiggestellte Fassade des  Neubaus in der Limmerstraße 98 mit Farbbeuteln.

Das Architekturbüro „Bauteam Management“ als Bauherr verzichtete darauf die Farbkleckse zu entfernen, vielmehr wollte es die neue Ausgangslage für eine innovative Fassadengestaltung  nutzen. Graffiti als Sprache der Jugend sind heftig umstritten und dennoch längst Teil unserer Kultur geworden. „Wir wollen die Situation akzeptieren und eine Kommunikationsbrücke zwischen Prozess und Kunst schaffen“, so der Architekt Asghar Jalanesh.

Der Graffiti-Künstler Jascha Müller hat die Farbkleckse in seinen Entwurf  der Wandgestaltung aufgegriffen, die haushohe  Wandmalerei wird die Rückansicht eines anonymen Sprayers darstellen. Die neuen Bewohner des Hauses sind, gleich ob Eigentümer, Mieter oder Gewerbetreibende, von der individuellen Fassadengestaltung begeistert. Vor Ostern wird ein Baugerüst aufgestellt und das Street Art Team beginnt mit seiner Arbeit. Tagsüber.

Der Kontakt zwischen dem Künstler Müller und dem Architekten Jalanesh kam über Asghar Eslami von Kargah e.V. zustande. Eslami hat mit Jascha Müller als grafischer Gestalter einer interkulturellen Stadtteilzeitung zusammengearbeitet und natürlich kennt der Koordinator von Kargah die farbenfrohen Hauswände, die Linden so einzigartig machen.

www.streetartshit.com

 

Wer zieht ein?
Alle Wohnungen sind vergeben. Von den zehn Wohnungen werden zwei vermietet. Der Mietpreis beträgt 9 €/qm, was ein sehr günstiger Preis für Neubau mit diesem Standard ist: Fahrstuhl, Balkone, etc. Auch Wohnungsgenossenschaften können kaum günstiger bauen.

Ungefähr 60% der zukünftigen Bewohner kommen aus dem Stadtbezirk oder haben früher hier gewohnt.

Im Erdgeschoss wird eine Zahnarztpraxis eröffnen.

 

Text/Bilder: Klaus Öllerer
Letzte Aktualisierung: 19.04.2014

 

Zur Geschichte der L98

Fahrradladen - Besetzung - Neubau

Früher war dort mal ein traditionsreicher Fahrradladen. 2011 wurde alles verkauft.

Prompt gab es eine Hausbesetzung mit anschließender Räumung. Die Besetzer waren die Grüne Jugend und eine Anzahl Linksautonomer, die später zusammen die Kampagne Ahoi gründeten.

Während der Besitzer für seine Familie dort einen Alterssitz errichten wollte, hatten die Linksautonomen ganz andere Absichten. Sie wollten solange im Haus bleiben, bis sie dort oder anderswo ein autonomes Zentrum errichten könnten. Der von ihnen geforderte Mietpreis lag weit unter den laufenden Kosten des Eigentümers.

Schließlich erlöste die Polizei durch eine Räumung den Eigentümer und dieser begann seine Pläne in Form eines Neubaus umzusetzen. Man sah ihn selbst ständig zupackend auf der Baustelle. Der Erhalt der alten und maroden Gebäude war nach gängiger Ansicht wirtschaftlich nicht zumutbar.

Schließlich musste der überhaupt nicht reiche Bauherr einsehen, dass er sich finanziell und kräftemäßig übernommen hatte, und verkaufte schließlich an den jetzigen Besitzer. Im Juli sollen die ersten Bewohner einziehen.

 

L98: Farbbeutelhochwurf

Die Farbbeutelattacken sollen im Verständnis der Täter als Abwehrkampf gegen die „Gentrifizierung“ eines Stadtteils und als Reaktion gegen steigende Mieten und Verdrängung der bisherigen Bewohner verstanden werden. In einschlägigen Kreisen werden Farbbeutel- und Steinwürfe als „kreative Aktion gegen Verdrängung“ gesehen. Wer hat die Farbbeutel in der Limmerstraße 98 geworfen? Ein Bekenntnis der Täter ist derzeit nicht bekannt. Die Tat lässt sich jedoch unschwer als Umsetzung einer "Prophezeiung" der Kampagne Ahoi auf ihrer Homepage vom 28.09.2013 erkennen.

Dort heißt es auch auf einem Foto mit Transparent am Baugerüst: „L98 bleibt Risikokapital“.

Im Internet: >> mehr

 

Streetart und Graffiti

Die Grenze zwischen Vandalismus und Kunst ist fließend, wenn es um die Wahrnehmung der relativ neuen Kunstform des STREETART geht. Dazu Wikipedia:

Streetart (auch: Street Art, seltener, da

missverständlich Straßenkunst) werden verschiedene, nichtkommerzielle Formen von Kunst im öffentlichen Raum bezeichnet, die nach der Absicht der Verursacher durchaus dauerhaft dort verbleiben sollten. Unter Streetart versteht man selbstautorisiert angebrachte Zeichen aller Art im urbanen Raum, die mit einem weiteren Personenkreis kommunizieren wollen. Die engere oder weitere Auffassung des Begriffes Streetart ist an deren kommerzielle Verwertbarkeit geknüpft. In Gegensatz zu Graffiti überwiegt oft der Bildteil, nicht das kunstvolle Schreiben/Malen des eigenen Namens.

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Eigentümer und Mieter sind begeistert

Aus einer als Zerstörung gedachten Farbbeutelaktion wird nun ein beeindruckender Blickfang für einen liebenswerten Stadtteil.

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So sieht die Fassade in der Limmerstraße 98 seit dem 16. Dezember 2013 aus.

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Kunst im öffentlichen Raum realisieren, v. li: Jonas Wömpner (STREETARTSHIT), Gabi Hartge (Hartge Immobilien), Jasha Müller (STREETARTSHIT) und Asghar Jalanesh (Bauteam Management)

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19.04.2014: fertig