Bericht 68-13

 

 

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21.10.2013, 50 klangvolle Jahre
Orgeljubiläum in St. Martin

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Kantorin Annette Samse an der Ott–Orgel  Foto: Alexander Paul

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Quelle: Festschrift „700 Jahre Kirche in Linden 1285 – 1985"

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Die neue Kirche im Bau.

Quelle: Festschrift „700 Jahre Kirche in Linden 1285 – 1985"

Ende des Jahres 1956 begann mit dem Bau der neuen Kirche die Planung einer neuen Orgel. Es fiel  die Wahl auf die Orgelbauanstalt Paul Ott aus Göttingen, deren Name einen guten Klang hat und für Qualität bürgt. Sie wartet noch heute die Orgel regelmäßig.

Allerdings musste bei dieser Firma eine Lieferzeit von einigen Jahren in Kauf genommen werden. Doch dann, vor jetzt 50 Jahren, an einem sonnigen Sommermorgen im Juli 1963, war es so weit: Ein Lastwagen mit Göttinger Kennzeichen stand vor der Kirche, und schwer atmende Männer schleppten riesige Holzkisten mit großen schwarzen Aufschriften in die Kirche, die bald darauf einem Verladebahnhof glich. Für die Gemeinde begann nun eine Zeit des angestrengten Wartens.
Langsam nahm die Orgel Gestalt an. Die »Windladen« wurden eingebaut (große Kästen mit Luftkammern, auf denen die Pfeifen stehen). Dann folgte der riesige Blasebalg, in dem der »Wind« erzeugt und gespeichert wird, der Motor, der Spieltisch und schließlich das Gehäuse. Als letzte Sendung erschienen aus der Göttinger Werkstatt die Pfeifen. Endlich standen dann die Pfeifen an Ort und Stelle, die sichtbaren im Prospekt im wahrsten Sinne des Wortes »wie die Orgelpfeifen« hübsch der Größe nach, der Rest dahinter. Unsere Orgel hat 32 Register u. 3 Manuale, von denen jedes 56 Tasten umfasst, dazu 30 Pedaltasten: Das bedingt die stattliche Zahl von ca. 2.000 Pfeifen – ein stattliches Instrument.

Am 2.11.2013 feiert die St. Martinsgemeinde  ihr 50-jähriges Orgel-Jubiläum.

Mit den Vorgängern ohne Namen ist Lindens Martinsgemeinde 728 Jahre alt geworden. Die Geschichte ihrer Orgeln ist ebenso mit der politischen- und Kriegsgeschichte verbunden wie die ihrer Kirchengebäude. Die älteste Kirche war ein sehr schlichter Bau, der während der –
vergeblichen - Belagerung Hannovers durch Tillys Soldaten im 30-jährigen Krieg vom Lindener Berg aus 1625 und dann 1641 bei der Plünderung Lindens so stark beschädigt wurde, dass man sie 1727/1728 abriss und durch einen größeren Bau ersetzte. Wie das auch heute noch bei öffentlichen Bauten fast die Regel ist, reichten die veranschlagten Kosten nicht aus: es entstand nur ein Torso, vor allem vom Turm wurde nur der quadratische Sockel errichtet, der noch heute zu sehen ist. Erst 1820 wurden ein Altar und eine Orgel eingebaut; der Fußboden wurde mit Steinplatten belegt. Der noch heute stehende neugotische Turm wurde 1854-56 von Baumeister Hase auf dem  alten Sockel errichte und überlebte den Luftangriff am 22. September 1943.


Eine Luftmine zerstörte am 22.9.1943 das getrennt vom Turm stehende Kirchengebäude mit der Orgel. Nach dem Krieg wurden die Gottesdienste im Saal des Gertrud-Marien-Heimes in der Badenstedter Straße gefeiert, den man sich in den ersten beiden Jahren mit dem Johann-Strauß-Operettentheater teilen musste. Es erklang eine 1948 eingebaute kleine Ersatz-Orgel in den Gottesdiensten, die im Advent 1957 mit in ihre neue St. Martinskirche hinübergenommen werden konnte.

 

Text: Dr. Gunter Berndt
Kantorei-Sänger u. Vorstandsmitglied im Förderverein für die Kirchenmusik in St. Martin

Letzte Aktualisierung: 27.10.2013