Bericht 63-13

 

 

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Mo, 23.09.2013, Wahlanalyse Bundestagswahl 2013
Grüner Stimmenverlust wegen Kampf gegen Gentrifizierung?

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Limmerstraßenfest am 07. September: Stand der Grünen.

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Limmerstraßenfest: Stand der SPD mit Plakat gegen die These von einer Gentrifizierung in Linden. "Gegen eine Gentrifizierungs-Hetze" wandte sich auch der Franktionsvorsitzende im Bezirksrat, Eike Geffers, bereits bei einer Sitzung im September 2012.

Wahlanalyse

von Klaus Öllerer

Auf den ersten Blick gleichen die Ergebnisse in Linden-Limmer den übrigen Trends im Stadtgebiet. Doch beim genaueren Hinsehen zeigt sich, dass es in Linden-Nord eine auffällige Besonderheit gibt. Eine einzelne Ursache scheint dafür überwiegend verantwortlich zu sein.

Der bundesweite Trend spiegelte sich auch in den Wahlergebnissen in Hannover wieder: starke Zugewinne für CDU (+5,2) und SPD (+4,6) einerseits und Verluste für Grüne (-2,3) und Linke (-2,8) andererseits. (Angaben in Prozentpunkten)

Auch im Stadtbezirk Linden-Limmer findet sich dieser Trend wieder.

Hier gibt es starke Zugewinne für SPD (+6,6), weniger starke für die CDU (+2,7) einerseits und Verluste für Grüne (-3,1) und Linke (-2,2) andererseits.

Besonders hohe Verluste und Gewinne in Linden-Nord

Am interessantesten sind jedoch die Ergebnisse in Linden-Nord. Denn diese unterscheiden sich teilweise deutlich von den anderen drei Stadtteilen des Stadtbezirkes.

In Linden-Nord fuhren die Grünen einen Stimmenverlust von hohen 4,2 Prozentpunkten ein, während die SPD um 7,1 Prozentpunkte zulegen konnte.

Demgegenüber verloren die Grünen in den anderen drei Stadtteilen (Limmer, Linden-Süd und -Mitte) nur 1,7 Prozentpunkte im Durchsschnitt.

Das ist auffällig und die Frage drängt sich auf: Woran liegen die starken Verluste der Grünen einerseits und die starken Gewinne der SPD andererseits in Linden-Nord?

Der Grüne Kampf gegen eine Gentrifizierung in Linden

Das beherrschende Thema der letzten zwei Jahre war ein Kampf gegen Gentrifizierung. Dieser Kampf wurde von den Grünen (1) mit der Besetzung der Limmerstraße 98 (2011) in Linden-Nord durch die Grüne Jugend eingeleitet. Die linksautonome Kampagne Ahoi wurde duch die Grüne Jugend mitgegründet und alle zusammen machten immer wieder spektakulär in der Öffentlichkeit auf sich aufmerksam.

Für diesen Kampf gab es kaum Unterstützung bei anderen politischen Kräften im Stadtbezirk. Selbst Die Linke fiel kaum durch Unterstützung auf und einige Vertreter negierten gar die Existenz einer Gentrifizierung in Linden.

Da dieser Kampf hauptsächlich in Linden-Nord geführt wurde, wundert eine Wiederspiegelung im Wahlergebnis gerade dort eigentlich nicht.

Gerade in den Monaten vor der Wahl gab es einige Enthüllungsberichte über den Kampf gegen eine Gentrifizierung und die Rolle der Grünen dabei. Dieses kann bei halloLindenLimmer.de und in der Linden-Limmer Zeitung nachgelesen werden. Als Ergebnis der Recherchen kann der Artikel "Das doppelte Doppelspiel der Grünen" angesehen werden.

Der Grüne Stimmenverlust in Linden-Nord

Kann es sein, dass die Grünen mit ihrem Kampf einen Teil ihrer Wähler in Linden-Nord  verprellt haben - und zwar gerade die mehr oder weniger Gutsituierten? Und dabei diejenigen besonders, die teilweise selbst über Wohneigentum verfügen oder damit liebäugeln oder die sich von den dabei angewendeten Methoden einfach nur abgestoßen fühlen?

Ein weiterer Grund könnte der Umgang der Grünen mit der Nachbarschaftsinitiative Linden-Nord sein. Diese wendete sich in den letzten Jahren gegen die Verschlechterung der Wohnsituation durch Lärm und Müll. Dabei wurden sie durch die Grünen eher feindselig behandelt

Der Stimmenverlust der Grünen läßt sich sogar näherungsweise beziffern:

Während in Linden-Nord der Stimmenverlust hohe 4,2 Prozentpunkte beträgt, liegt er im Durchschnitt der anderen drei Stadtteile bei 1,7 Prozentpunkten.

In der Differenz sind das 2,5 Prozentpunkte mehr Verlust in Linden Nord. Das sind etwa 200 Stimmen weniger dort.

Also: Ungefähr 200 Stimmen haben die Grünen wahrscheinlich durch ihren Kampf gegen eine Gentrifizierung in Linden-Nord dort verloren. Vor allem die SPD dürfte das gefreut haben. Denn diese ist jetzt wieder stärkste Partei in allen Stadtteilen von Linden-Limmer.

Andere Sichtweisen sind willkommen.

 

Siehe auch:

B90/Die Grünen: Analyse Bundestags- und OB-Wahl 2013
24.10.2013 - Hier die Fakten: Kleine Auswertung des Wahlergebnisses der Grünen im Stadtbezirk Linden-Limmer

Wahlergebnisse zum Bundestag und OB Wahl in Linden-Limmer 2013

 

Doppeltes Doppelspiel der Grünen

Bürgerfragestunde beim Bezirksrat: „Ich fühle mich bedroht"

Freiraumdemo eskaliert

Spezial: Gentrifizierung

 

 

Text/Fotos: Klaus Öllerer

Letzte Aktualisierung: 20.10.2013

 

 

Anhang

1. Wenn nicht anders gekennzeichnet, dann ist hier mit "die Grünen" in einem ideellen Sinne unterschiedslos alles gemeint, was organisatorisch zu Bündnis90/Die Grünen gehört, insbesondere: Bündnis90/Die Grünen Linden-Limmer, die Grüne Jugend, die Grüne Bezirksratsfraktion Linden-Limmer, einzelne Mitglieder.

Das erscheint in diesen Zusammenhängen der Einfachheit halber zulässig, da bisher nur erkennbar ist, dass alle wie mit einer Stimme sprechen.

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An der militanten, linksautonomen Freiraumdemo am 25.09.2012 nahmen auch prominente Grüne teil.

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Die Besetzung der Limmerstraße 98 durch Mitglieder der Grünen Jugend im Juni 2011

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Bürgerfragestunde beim Bezirksrat am 26.09.2013: „Ich fühle mich bedroht"