Bericht 39-13

 

 

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Sa, 01.06.2013, Theaterstück der IGS Linden
Schwarzer Bär: Nationalsozialisten schicken Lindener Bürger in den Tod

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Der jüdische Doktor wird gleich seine Patientin verlieren. Obwohl ihre Tochter sehr leidet, wird sie gleich empört die Praxis verlassen, weil sie nicht von einem Juden behandelt werden soll.

Hannover: Tagesklinik | „Nationalsozialismus: Jüdische Familien am Schwarzen Bär" heißt ein Theaterstück, das Schüler und Schülerinnen der Integrierten Gesamtschule Linden am 1. und 2. Juni 2013 zur Aufführung brachten.

Die „literarische Vorlage" lieferten die Landschaftsplaner und Hobbyforscher Michael Jürging und Manfred Wassmann, die, nach intensiven Recherchen, Lebensläufe jüdischer Familien während der Nazi-Diktatur nachzeichneten und das gewonnene Material, Arbeitstitel: „Schicksale jüdischer Geschäftsleute am Schwarzen Bären", dem Internet-Portal „Lebensraum Linden" zur Verfügung stellten. Die Inszenierung des Stückes übernahmen die IGS-Lehrkräfte Jutta Gerhold und Harrie Müller-Rothgenger.
Letzterer gründete bereits im Schuljahr 2005/2006 eine übergreifende Schüler-Theater-AG (Sekundarstufe I und II). Viele Stücke, in der Regel jugendrelevant, kamen seitdem zur Aufführung. Ein großer Erfolg war die Verballhornung von Schillers „Räuber" (statt einer männlichen Räuberbande wirbelt eine „Mädchen-Gang" über die Bühne), aber auch Wedekinds Kindheits-Drama „Frühlings Erwachen" zog viele in den Bann. In diesem Werk versuchen pubertierende Jugendliche sich einen Platz in der Gesellschaft zu erkämpfen.

Dramaturgische Unterstützung erhielt das aktuelle Projekt von der jugendlichen, aber doch schon sehr erfahrenen Schauspielerin und Theaterpädagogin Lea Kohns. Auch die Mitwirkung des „Kulturzentrum Faust" erwies sich bei der Bereitstellung von Technik und Sponsorengeldern als sehr hilfreich.

Nun zum Stück:

In sechs aneinander gereihten Spielszenen, Startpunkt ist ein Hinterhof am Schwarzen Bären, sucht eine elfköpfige, aufwändig kostümierte Laien-Schauspielerschar der IGS Linden die ehemaligen Wohnstätten einiger jüdischer Mitbürger auf und schlüpft in deren Identität. Das Publikum wird dabei mitgenommen und sitzt am jeweiligen Ort der Aufführung nicht wie gewohnt im Zuschauerraum (Ausnahme: 1. Spielszene) sondern steht, bildlich gesehen, mitten auf der Bühne. Dadurch verdichtet sich das Geschehen, und der Besucher erlebt die Spielszenen viel intensiver mit.
Erinnert wird an die Schicksale der Familien Dr. Walter und Ilse Sochaczewski, Schwarzer Bär 6, Hermann und Paula Plaut, Minister-Stüve-Straße 2, Max und Else Rosenberg, Minister-Stüve-Straße 2, Hermann und Caroline Rosenhoff, Minister-Stüve-Straße 2, Eduard und Albert Wolff, Warenhaus, Schwarzer Bär 4, Adolf und Gertrud Sock, Schwarzer Bär 8 und Kurt und Hildegard Fischer-Goldschmidt, Falkenstraße 13 und 15/Hohe Straße 16/17.

Ein besonderer Dank geht an Barbara Dreyfuss. Sie ist die Tochter von Dr. Walter Sochaczewski, der Am Schwarzen Bär Nr. 6 eine Kinderarztpraxis betrieb. Die neunzigjährige Zeitzeugin reiste mit ihrem Lebensgefährten Volker Simmendinger aus Hamburg an und wurde in das Stück eingebunden. Im Gespräch mit Schülerin Lena Mende schilderte Dreyfuss wie es ihrer Familie zu jener Zeit erging und richtete einen flammenden Appell an die Jugend nie mehr Verfolgung zuzulassen.

Die Aufführung dauerte etwas mehr als eine Stunde. Langanhaltender Schlussapplaus belohnte alle Akteure des Stückes, insbesondere aber die IGS-SchülerInnen Alisa, Julia, Fabian, Shirin Lilly, Kudret, Elif, Oliwia, Jessica, Jennifer, Lea und Lena. Sie spielten ihre Rolle mit großer Begeisterung und Hingabe. Dank auch an Holger Kirleis für die musikalische Untermalung und an Mariella Bause, die sehr gekonnt durch das Programm führte.

Am 03. Juni wird wurde das Stück letztmalig aufgeführt. im Hinterhof der Tagesklinik Linden (Wahrendorffsche Anstalten), Schwarzer Bär 8.

Quellen:

www.lebensraum-linden.de/internet/page.php?
www.igs-linden.de

Flyer

Dieser Artikel erschien erstmalig in myHeimat am 03. Juni.

 

Text/Fotos: Bernd Sperlich, Klaus Öllerer

Letzte Aktualisierung: 07.06.2013

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Aufregung um das Hakenkreuz: Ein Passant ist über die realistische Darstellung empört und wird fast handgreiflich. Er konnte jedoch auch mit Hilfe der anwesenden Polizei beruhigt werden.

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Theater vor Ort in der Minister-Stüve-Straße: Die Tochter dieser Familie will nicht einsehen, dass sie einen Judenstern tragen soll. Der Vater hat noch die Möglichkeit eine Zeitung zu lesen.

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Ein mobiler Lautsprecherwagen sorgte für allgemeine Verständlichkeit.

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Damals: "Deutsche kauft nicht bei Juden" realitätsnah mit Hakenkreuz vor Rewe am Schwarzen Bär dargestellt.

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Alle, die dazu beigetragen haben, präsentieren sich gemeinsam dem Publikum.

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Die Zeitzeugin und selbst betroffene Barbara Dreyfuss schildert ihre erschütternden Erlebnisse.

Durch die Veranstaltung führte Moderatorin Mariella Bause.

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Beinahe hundert Zuschauer machten sich auf den Weg zu den historischen Orten der jüdischen Mitbürger am Schwarzen Bär.