Bericht 12-13

 

 

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Die, 05.02.2013, Carsten Tech zur Gentrifizierungsdebatte
Für Durchmischung ohne systematische Verdrängung

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Ein klares JA zur sozioökonomischen Durchmischung von Stadtteilen ohne systematische Verdrängung

Ein Einwurf zur Gentrifizierungsdebatte im Stadtbezirk Linden-Limmer von Carsten Tech

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Carsten Tech, Dipl.-Geograph

Die Gentrifizierungsdebatte in unserem Stadtbezirk verfolge ich mit großem Interesse, stellt sie doch Nichts weniger in Frage als entwicklungsorientierte Stadtteilarbeit. Linden-Nord weist, dank baulicher Sanierungsmaßnahmen und sozial orientierter Programme, mittlerweile eine sozioökonomische Durchmischung auf, die ich mir in anderen Stadtteilen geradezu herbeisehne. Dort wohnen mittlerweile viele Eigentümer, die bereits als Studenten oder Auszubildende in Linden-Nord gelebt, die Qualität erkannt und häufig sogar aktiv mitgestaltet haben. Eine solche, auf Identität fußende, Entwicklung ist im höchsten Grade wünschenswert, da sie aus endogenen Ressourcen erfolgt und nicht wie bei Gentrifizierung von Außen geschieht.

Hier gibt es keine Fremdeinkehr im großen Stile, wie im Schanzenviertel oder in Prenzlauer Berg. Eine solche Entwicklung ist aufgrund des Mischbestandes vieler Eigentümer (u.a. der kommunalen Wohnungsgesellschaft) und einem guten Verhältnis von Vermietung zu Eigentum auch in näherer Zukunft nicht zu erwarten. Ein zurzeit diskutiertes Warnsystem zu installieren, kann dennoch nicht schaden, um systematische Vorgänge mit negativen Auswirkungen rechtzeitig zu erkennen.

Auch in hoch nachgefragten Stadtteilen sollte zusätzlicher Wohnraum verstärkt dort entstehen, wo niemand verdrängt wird (bspw. zusätzliche Studentenwohnungen im Ihmezentrum). Dennoch möge, wer Einzelschicksale der Verdrängung, die übrigens überall passieren und die natürlich individuell sehr traurig sein können, generell gegen jegliche Form der Stadtentwicklung ins Felde führt, bitte von eigenen Perspektiven für die Zukunft berichten:

  • Wie soll in Stadtteilen ein baulicher Stillstand bis zum Verfall ohne „Ghettoisierung" gemanagt werden? Wie wollen wir die vielzitierten „amerikanischen Verhältnisse" in Stadtteilen ohne Aufwertungsanstrengungen verhindern?
  • Wie soll unsere Gesellschaft mit dieser zunehmenden Segregation in „sich entwickelnde" und „stillstehende" Stadtteile mit all´ ihren Folgen bspw. auf Schulanmeldungen und den damit verbundenen Bildungschancen umgehen?
  • Wie wollen wir zukünftig unser Miteinander organisieren und nicht zum Nebeneinander verkommen lassen, wenn jeder finanziell gutsituierte Bewohner ausgeschlossen bis diskriminiert wird?
  • Wie und in welchen Wohnbeständen wollen wir in Zukunft leben?

Schwarze Schafe gibt es leider überall, so auch Vermieter, die marktbedingte Mietspiegelanpassungen vornehmen ohne selbst zu investieren. Es existieren Gesetze des Marktes, die, so unerfreulich sie auch sein mögen, nicht lokal ausgehebelt werden können. Und wer ein generelles bauliches „Einfrieren" des Stadtteils im jetzigen Status fordert, der möge sich bitte über die Folgen der Erhaltungssatzung Ende der achtziger Jahre im Stadtteil Linden-Süd informieren.

Die anstehende Neubauwelle mittels Sozialem Wohnungsbau halte ich in bereits sozioökonomisch belasteten Stadtteilen für kontraproduktiv. Es sollte allerorts darauf geachtet werden, eine gewisse sozioökonomische Mischung herzustellen bzw. zu wahren.

 

Text: Carsten Tech, Dipl.-Geograph
Letzte Aktualisierung: 05.02.2013

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