Bericht 74-12

 

 

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So, 11.11.2012, Lindener Berg
Der Himmel über Linden
Die Sternwarte auf dem Lindener Berg

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Dass Linden schöne Aussichtspunkte, ja sogar seinen eigenen Berg hat, wissen auch manche Nicht-Lindener. Aber dass sich auf dem Lindener Berg, unweit von Bergfriedhof und Biergarten eine Sternwarte befindet, auf der Besucher durch ein riesiges Teleskop in den Sternenhimmel über Hannover blicken können, weiß auch mancher Lindener noch nicht.

Auf dem Dach des erhabenen Wasserhochbehälters, der zum Druckausgleich sowie für Spitzenlasten der Trinkwasserversorgung auf dem höchsten Punkt des Lindener Bergs gebaut wurde, befinden sich die zwei Beobachtungskuppeln der Volkssternwarte Hannover. Ihre Wurzeln gehen zurück auf das Jahr 1947, als sich eine rein privat geführte und finanzierte Astronomiegemeinschaft unter der Leitung von Prof. Dr. Rudolf Hase zusammenfand, um regelmäßige Himmelsbeobachtungen durchzuführen. Ein gemeinnütziger Verein wurde schließlich gegründet, der seit 1986 den Namen "Volkssternwarte Geschwister Herschel Hannover e.V." führt, zum Gedenken an zwei international bedeutende Astronomen, die aus Hannover stammten.

1990 erhielt der Verein neue professionelle Geräte und im Zuge einer Renovierung des Wasserspeichers wurden auf dessen Dach auch gleich die beiden Beobachtungskuppeln installiert. Finanzierung von Geräten und Kuppeln wurde durch mehrere großzügige Sponsoren ermöglicht. Und der große Refraktor ist ausgezeichnet zur Betrachtung heller Objekte am Himmel geeignet, also der Planeten und des Mondes.

Eine der beiden Kuppeln wird den interessierten Besuchern regelmäßig für Himmelsbeobachtungen geöffnet, bei denen ein ehrenamtlich anwesender Astronom durch das geöffnete Dach das Teleskop auf  prägnante Himmelskörper ausrichtet und auch erklärt, was die Linse präsentiert.

Natürlich hängen diese Himmelsbeobachtungen von Jahreszeit und Wetter ab. Und dass inmitten einer großen Stadt wie Hannover eine große „Lichtverschmutzung" herrscht, wie es ein Vereinsmitglied bei einer Führung mehrmals betonte, ist logisch.

Doch in dem kleinen Vorführungsraum, der sich in der ehemaligen Wohnung des Wasserwächters befindet und der bis zu 50 Personen fasst, wird in einer Simulation der Sternenbilder per digitalem Videoprojektor den Teilnehmern eines kleinen Einführungsvortrags gezeigt, was bei optimalen Bedingungen sichtbar wäre. Mit dem computergesteuerten Programm ist es dann möglich, Konstellationen darzustellen, die künftig zu erwarten sind. Hier wird auch den unkundigen Betrachtern vermittelt, wie unvorstellbar groß die Entfernungen im Weltall sind. Allein unsere Galaxie soll einen Durchmesser von 100.000 Lichtjahren haben. Da wundert es den Laien dann auch nicht mehr, dass Jupiter, der Stern, den schon Galileo Galilei mit seinem Fernglas beobachtete, 11 mal so groß wie unsere Erde ist. Der informative wie unterhaltsame Vortrag zur Einführung in das Thema Himmelsbeobachtung wird jeweils von einem Vereinsmitglied gehalten. Das Interesse an den regelmäßig stattfindenden Beobachtungsabenden der Sternwarte und Terminen zu speziellen Planetenkonstellationen ist ungebrochen. Wer schließlich durch den geöffneten Spalt des Kuppeldachs in der Linse des Teleskops genau den Stern „live" sieht, den ihn der astronomische Helfer zuvor in einer Simulation gezeigt hatte, der fühlt sich gleich dem Himmel etwas näher.
Der Platz in der Beobachtungskuppel ist natürlich begrenzt, deshalb sollte eine größere Gruppe sich vorab anmelden. Außerdem ist es auf dem Lindener Berg unter dem geöffneten Dach zwar nicht so kalt wie im Weltall, doch gerade jetzt, in den Wintermonaten sollten sich „Sternengucker" warm anziehen.

Öffnungszeiten: Donnerstags von 20:00 – 22:00 und Sonderveranstaltungen. Gruppentermine zu anderen Zeiten können vereinbart werden.
Internet: www.sternwarte-hannover.de

 

Text/Fotos: Claudia Ermel
Letzte Änderung: 03.01.2013

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Sternwarte auf dem Dach des Wasserbehälters bei einem Tag der offenen Tür 2012.

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Linsenfernrohr mit 3 m Brennweite auf den Mond gerichtet 

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Zu den monatlichen Vorträgen über astronomische Themen finden sich immer viele Zuhörer ein. Hier ging es im November um die Sonne. Am 13. Dezember wird die Kollision von Milchstraße und Andromedanebel besprochen.

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Modell eines historischen Fernrohres im Vortragsraum der Sternwarte.