Bericht 56-12

 

 

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So, 14.10.2012, Feggendorfer Stollen
Kohle für die Hanomag

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Energie, die aus dem Deister kam

Seinen schnellen Wachstum während der Industrialisierung verdankt das einstige Dorf Linden unter anderem dem Steinkohlebergbau im Deister. Schon Johann Egestorf entdeckte 1807 die Steinkohle aus dem Deister als günstigen Brennstoff für seine Kalkbrennereien und vertrieb sie auch durch eine eigene Kohlehandlung in Hannover und Linden. Doch erst nachdem später die von seinem Sohn Georg 1835 gegründete Eisengießerei von dem „Eisenbahnkönig" Dr. Bethel Henry Strousberg übernommen worden war, der den Betrieb erheblich erweitert hatte, verbrauchte dieses Unternehmen den wertvollen Brennstoff tonnenweise in seinem Produktionsbetrieb und natürlich auch als Heizstoff für die Unterkünfte der Arbeiter. Direkt am Firmengelände hatten die 2.500 neu angeworbenen Beschäftigten aus dem Harz, dem Eichsfeld, aus Pommern, Ostpreußen und Schlesien ihre eigene Siedlung erhalten (Klein Rumänien). Die 1871 entstandene Hanomag, vormals  Firma Strousberg, erreichte allein 1911 eine Ausdehnung von 42.000 m² und zählte seinerzeit in Linden zu den bedeutendsten Arbeitgebern. Bis 1931 war die Hanomag sogar einer der größten Lokomotivproduzenten Deutschlands. Bevor nun die Frachtraten für die Kohle aus dem Ruhrgebiet erheblich günstiger wurden, war die Kohle aus dem Deister für hannoversche Unternehmen ein äußerst günstiger Rohstoff. Doch nachdem die Wirtschaftlichkeit der teils kleinen Grubenbetriebe nicht mehr gegeben war, wurde 1950 der Bergbau im Deister  sogar vollständig eingestellt. Nur seine Spuren sind noch  überall zu finden: alte Stollenmundlöcher, Abraumhalden und Gleisanlagen, einstige Stollen oder auch die heute ausgeschilderten Kohlepfade.
Aber wie war das eigentlich damals in den engen Kohlestollen im benachbarten Höhenzug, wo Bergleute tief unter der Erde mit Schlägel und Eisen die Kohle aus dem Flöz schlugen?
Am Feggendorfer Stolln am westlichen Deister bei Lauenau hat eine kleine Truppe von unermüdlichen Freiwilligen sich das Ziel gesetzt, eine Grube wieder in einen voll funktionstüchtigen Zustand zu versetzen, so dass Besucher in den engen, teils düsteren Stollen und Strecken, die nicht durchgehend geschottert und beleuchtet sind, möglichst authentische Eindrücke  der einstigen Gegebenheiten kennen lernen.  In den letzten 10 Jahren haben sie Stück für Stück wiederaufgewältigt, um in dem einstigen Bergwerk eine Kleinzeche, wie sie im Deister üblich waren, wieder  zu erschaffen. Sie haben einen Bergwerksverein gegründet und veranstalten regelmäßige Besucherführungen, informieren über alte  Abbaumethoden und einfache Techniken der Steinkohlengewinnung.
Wer das „Abenteuer Bergwerk" kennen lernen möchte, vielleicht sogar selbst einmal den Hammer führen will, kann von April bis September Sonntags mit den Bergleuten in die Zeche einfahren, oder das ganze Jahr über nach Absprache für eine kleine Gruppe einen Termin vereinbaren.
Kontakt: Förderverein Feggendorfer Stollen e.V., Vorsitzender: Florian Garbe, Finkenweg 9, 31867 Lauenau

Tel.: 0173 / 7 81 81 8, E-Mail: garbe@feggendorfer-stollen.de 

www.feggendorfer-stollen.de

 

 

Text: Claudia Ermel
Letzte Änderung: 24.10.2012

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Feggendorfer Stollen im Deister

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Bergmann im Streb Quelle: Förderverein Feggendorfer Stollen e.V.

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Butterpause im Stollen Quelle: Förderverein Feggendorfer Stollen e.V.

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Mühsame Arbeit früher ...

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... und Hobby heute.

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Großer Energiebedarf: Hannoversche Maschinenbau Actien-Gesellschaft. Erst im Jahr 1904 ließ Direktor Metzeltin aus Kostenersparnis den Namen auf Hanomag verkürzen und dieser wurde ab 1912 als Briefadresse verwendet. Quelle: www.postkarten-archiv.de