Bericht 46-12

 

 

© Copyright    Die Inhalte angeführter Links und Quellen werden von diesen selbst verantwortet.

So.,16.09.2012, Interview mit den Grünen
LindenFilm: Wie  weit geht Deine Party?

Beitrag kommentieren
Nach dem ersten Beitrag wird ein Diskussionsforum eingerichtet.

Der Stadtteilsprecher der Grünen Linden-Limmer, Daniel Gardemin,   beantwortet Fragen –  gestellt von unserem Redakteur Klaus Öllerer

 

Was denken die Grünen Linden-Limmer über den Film?
Wir können über den Film "Wie weit geht Deine Party?" eine inhaltliche Kontroverse führen. Strafrechtlich hat er jedoch keine Relevanz. Meine Kinder sind da ganz anderen Dingen im Internet ausgesetzt. Einen gesellschaftlichen Konsens, wie früher das Gewalt- und Pornografieverbot zu bestimmten Uhrzeiten im öffentlichen Fernsehen, ist faktisch ausgehebelt. Die Verarbeitung wird dem Einzelnen überlassen.
Was halten die Grünen Linden-Limmer vom Vorgehen ihres Bezirksbürgermeisters sich an die Staatsanwaltschaft zu wenden ...
Bei einem Straftatsverdacht, den die Eltern geäußert haben, ist die Staatsanwaltschaft die richtige Adresse. Für alle diejenigen, deren Fahrzeuge demoliert wurden, steigt die Wut auf die nächtlichen Straftaten. Ich wohne selbst in der Einfallschneise Nedderfeldstraße und erlebe eine Zunahme der Vorfälle seit circa zwei Jahren. Das Fahrrad meines Sohnes wurde einfach zertreten. Andererseits müssen wir mit Vorverurteilungen vorsichtig sein. Der harte Kern der nächtlichen Randalierer ist eine kleine Gruppe, die aber erheblich auffällt. Meinem asthmakranken Nachbarn ist es allerdings egal, wie viele Nachtschwärmer ihn aufwecken. Er leidet sehr unter den Schlaf-Störungen. Er ist im übertragenen Sinne der im Filmclip gezeigte Rentner, der Opfer des inszenierten Exzesses wird. Aus medienwissenschaftlicher Sicht kann der Film "Wie weit geht Deine Party" daher auch aus einer ganz anderen Perspektive gesehen werden. Die Skandalisierung eines Themas hilft uns, das Phänomen zu verstehen und Auswege zu finden. Ich kann nur anregen, sich selbst einmal ein Bild des überwiegend friedlichen Limmerns zu machen. Erst über die Differenzierung kommen wir zu Lösungen.
... und bisher keinen Kontakt zur Bürgerinitiative aufzunehmen?
Ich kann nicht beurteilen, wer wann mit wem gesprochen oder nicht gesprochen hat. Da müssen Sie die Beteiligten selbst fragen. Häufig ruhen die Hoffnungen in einer Autorität, die einen Konflikt stellvertretend für andere löst. Das kann aber ein ehrenamtlicher Bürgermeister in diesem komplexen Fall nur in Ansätzen. Konflikte lassen sich in einem mündigen Stadtteil bewältigen, wenn sich die Menschen im Stadtteil für ihre Rechte einsetzen und dabei den Dialog suchen. Der führt natürlich auch über die Gastronomen und Einzelhändler, die ja an dem Verkauf von Alkohol an die späteren Randalierer ordentlich verdienen. Ihnen sollte dringend am Wohl der Anwohner gelegen sein, ansonsten kippt die Stimmung im Stadtteil.
Das Verwenden des Argumentes der Jugendgefährdung gegen den Film wirft die Frage auf wie ernsthaft es die Grünen selbst mit der Jugendgefährdung nehmen.
Wie jugendgefährdend ist beispielsweise die beinahe als euphorisch zu nennende Presseerklärung der Grünen Jugend zur Hausbesetzung der Limmerstraße 98 im letzten Jahr, die nach wie vor auf der Homepage veröffentlicht ist?

Den Grünen zu unterstellen, jugendgefährdend zu sein, führt am Thema vorbei. Jugendgefährdend ist auch die Mietpreisspirale im Stadtteil. Diese Anschuldigungen führen nicht weiter. Bei der Aktion in der Limmerstraße 98 wurden eine Reihe von Gesetzen übertreten und diese Übertretungen auch geahndet. Gleichwohl, und das habe ich seinerzeit begrüßt, haben die Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf die zunehmende Spaltung des Stadtteils hingewiesen. Immer mehr Menschen geraten in die Armutsfalle und können sich den Stadtteil nicht mehr leisten. Leider hat die Stadt Hannover sich hinter Zahlenwerk verschanzt und den Hilferuf bislang nicht ernst genommen. Der Stadt droht hier im immer noch verhältnismäßig kohäsiven, d.h. sozial aufeinander Bezug nehmenden, Linden eine Entwicklung wie in den Gentrifizierungshochburgen Berlin und Hamburg.
In welchem Verhältnis zu den Bürgerinitiativen in den aktuellen Konflikten in Linden-Nord (NiL) und Limmer (Wunstorfer Str. 47) sehen sich die Grünen?
Die Grünen sind die Partei der Bürgerinitiativen und wir haben hier ein gutes Sensorium. Bürgerinitiativen sind häufig auch deshalb für die Menschen so attraktiv, weil gerade sie nicht dem Politikbetrieb unterliegen. Sie sind daher ein wichtiges Bindeglied außerparlamentarischer gesellschaftlicher Teilhabe. Für eine Umsetzung ihrer Forderungen benötigen sie jedoch die Entscheidungswege. Dabei stellt sich häufig schmerzvoll heraus, dass ein Filmclip im Internet nicht einfach verboten werden kann, dass der Gastronom nicht direkt für die Handlungen seiner Gäste haftbar gemacht werden kann, dass der Eigentümer eines Grundstücks das verbriefte Hausrecht hat und dass Armut und Verwahrlosung nicht durch Ausgrenzung gelöst wird. Daher noch einmal: erst die Beteiligung vieler Menschen - in Bürgerinitiativen und in Parteien - führt zu einer Lösung der Konflikte. Fortschritt ist allerdings eine langsame Schnecke.

 

Text/Fotos: Klaus Öllerer
Letzte Änderung: 25.09.2012

2012.07.17_IMG_5971_1

Der Stadtteilsprecher der Grünen,  Daniel Gardemin, bei einer Veranstaltung zum Ihmezentrum im Parteibüro in der Nieschlagstr. in Linden-Mitte.

 

Über das Limmern: Auf der Limmerstraße nachts um halbeins am 03.10.2012

Hintergründe
zum Film „Wie weit geht Deine Party?"

Mit dem Film sollen Partygänger aufgefordert werden auf die Anwohner Rücksicht zu nehmen. Mit 1.500 € Unterstützung des Bezirksrates erfolgte die Herstellung durch das Unternehmen NORD NORD in der Eleonorenstr. in Linden-Mitte mit  Schauspielschülern. Auftraggeber ist die Nachbarschaftsinitiative Linden-Nord (NiL, www.nil.LindenLimmer.de). Inzwischen wurde das Video über 27.000 Mal bei Youtube im Internet angeschaut. Es überwiegen dort deutlich die positiven Kommentare.
Über das Echo freut sich die Bürgerinitiative, so deren Sprecher Norbert Wolf. Denn durch die Diskussionen wurden die geschilderten Probleme weit über die Grenzen des Stadtbezirkes hinaus bekannt. Dadurch   dürfte die eigentliche Zielgruppe zumindest teilweise erreicht worden sein.
Der Vorwurf der Jugendgefährdung erscheint den Initiatoren absurd und ein Einschalten der Staatsanwaltschaft und der Landesmedienanstalt daher völlig unverständlich.
Wie zu erfahren ist, wird letztendlich vom  Vorwurf der Jugendgefährdung auch kaum etwas übrig bleiben.
Im Gespräch mit uns lobte ein Medienprofi den Film. Er würde genau zur Zielgruppe passen.

 

Text/Fotos: Klaus Öllerer
Letzte Änderung: 25.09.2012

 

Der Film: "Wie weit geht Deine Party?"