Wegzug? von Tom Grießhammer

Ich überlege, ob ich Linden-Nord, meinen geliebten Stadtteil, verlasse.

Ein Bild, welches sich mir mehrmals wöchentlich bietet:

Verwüstungen der Straße, in der ich wohne, Glasscherben wohin ich sehe, umgetretene Motorräder, zerstörte Fahrräder, verbeulte Klingelschilder (infolge von äußerst agressivem Klingelstreich), angezündete Altpapiercontainer und nicht zuletzt sogar brennende Autos.

Ein Klangbild, welches sich meinen Ohren mehrmals wöchentlich des nachts bietet:

Gröhlende Heranwachsende vom abendlichem Vorglühen auf dem Weg zu Veranstaltungszentren, klirrende Flaschen die ganze Nacht, immer mal wieder, vorzugsweise aber wenn ich gerade in einer Gröhlpause eingenickt bin. Nicht zuletzt Mädchencombos in Fünferbesetzungen auf dem Rückweg von Veranstaltungszentren, die denken, es gibt einen Preis für die schlechtest gesungene Version von „Ein Hut, ein Stock, ein Regenschirm".

Ja ja, geht wieder nach Hause in euren Stadtteil und schlaft erst mal aus!

Ich denke daran wegzuziehen, um im Sommer mal mit offenem Fenster schlafen zu können, ohne eine Flasche hinein geworfen zu bekommen.

Dann fällt mir wieder ein, warum ich hier gern wohne. Die Limmerstraße, jeder kennt jeden.

Die immer offenen Menschen aller Kulturen, die eigentlich alle das gleiche im Sinn haben, nämlich mit sich und allen anderen ein gutes Miteinander zu bilden und das ist genau das, was Linden ausmacht.

Ich denke darüber nach, auf keinen Fall wegzuziehen.

Wegziehen würde bedeuten, dass die Gröhler, Flaschenwerfer und Sachenzerstörer gewonnen hätten und ich mir einen Stadtteil zum Leben aussuchen müsste, in dem ich gar nicht wohnen will und das sind so ziemlich alle Stadtteile in Hannover.

Ich hoffe, dass sich das Bewusstsein der Partykids, die zum Feiern nach Linden kommen, irgendwann erweitert und sie verstehen, dass sie nur eine vorübergehende Plage sind und nichts mit Linden zu tun haben, solange sie sich so verhalten.

Ich bleibe ganz sicher hier !

Tom Grießhammer
GMG Glasreinigung