Bericht 81-11

 

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Mi, 30.11.2011, Podiumsdiskussion in Linden-Nord
Grüne: Gentrifizierung - jetzt auch in Linden?
Einladung
+ Brief des Stadtbaurates Bodemann an Michael Dette

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Nach dem ersten Beitrag wird ein Diskussionsforum eingerichtet.

„Ich glaube nicht, dass in Linden-Nord eine Gentrifizierung stattfindet. Linden hat an Image gewonnen, die Leute ziehen hier hin. Die Arbeiterwohnungen waren früher billig, die Studenten sind rein gezogen und sie sind in Linden wohnen geblieben, als es ans Geldverdienen ging. Das ist gut für Linden." Jonny Peter ist ein „Sanierungsveteran" und dürfte damit den Eindruck eines guten Teiles der Anwesenden getroffen haben. Doch längst nicht alle teilten diese Sichtweise.

„Der Begriff Gentrification ist schillernd.", erklärt der Sozialwissenschaftler und Sprecher der Grünen in Linden-Limmer, Daniel Gardemin zu Beginn der Diskussion. Der Prozess beginne schleichend und habe viele Facetten.

Am Anfang der Entwicklung stünden die „Raumpioniere", Studenten, Künstler, Kleinunternehmer etc., die in einem Stadtteil mit günstigen, kleinen Wohnungen ein optimales Wohn- und  Arbeitsumfeld für sich entdecken. Der Stadtteil würde  dann attraktiv für zahlungskräftige Trendsetter mit hohem Bildungskapital, man will im Kiez wohnen (siehe Hamburg Schanzenviertel oder St. Pauli). Die ursprünglichen Mieter der günstigen Wohnungen würden dann verdrängt, führt Gardemin aus. Seinem Eindruck nach würde sich in Linden in dieser Richtung gerade etwas ändern.

Gentrifizierung gibt es in jeder Großstadt, aber ist sie grundsätzlich schlecht? Neubauten seien keine Lösung, da die Mieten dann viel teurer wären, führte Michael Dette, Baupolitischer Sprecher der Grünen Ratsfraktion, aus. Wenn Wohnungen, z.B. durch eine ökologische Sanierung zu teuer werden, müsse bei Bedürftigen notfalls der Staat einspringen.

Florian Grajetzki von der Kampagne Ahoi, die die Hausbesetzungen durchgeführt hat, sprach vom „Aufmischen von unten", was sie auch weiterhin durchführen wollen.

Am Schluss dankte Daniel Gardemin der Kampagne Ahoi, dass sie mit ihrer Besetzung auf die Gentrifizierung hingewiesen und sie öffentlich gemacht habe. Dafür gab es Applaus aus dem Publikum.

Das ist brisant, denn auch die Grünen hatten im letzten Bezirksrat die Hausbesetzung der Limmerstraße 98 verurteilt.

Rainer Grube, Bezirksbürgermeister von Linden-Limmer, bemängelte, dass die Gentrifizierung nicht mehr begleitet wird. Vor 10 Jahren hat der Bezirksrat den letzten Bericht dazu bekommen „Die Gentrifizierung ist in Linden-Nord in vollem Gange", so Grube, „Letztlich hat es jeder so gewollt."

„Ich finde Gentrifizierung schön.", meinte dagegen eine alteingesessene Anwohnerin im Publikum. Die Diskussion wird also wohl noch lange weitergehen.

Ein Brief des Stadtbaurates Bodemann an Michael Dette von den Grünen ist eine Hauptquelle der Diskussion und wird hier erstmalig veröffentlicht. Tabellen zur Wohnsituation waren beigelegt.

 

Fotos/Text: Evi Schaefer/Klaus Öllerer

Letzte Änderung: 16.12.2011

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60-70 Besucher waren zur Podiumsdiskussion am 30.11. bei kargah e.V. erschienen.

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Vor der Podiumsdiskussion: Stadtteilspaziergang mit Städtebauplanerin Brigitte Nieße. Foto: Treffpunkt Lindener Markt

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Kampf gegen die Gentrifizierung?

Rückblick: Das Haus Limmerstraße 98 wurde im Juni von der Kampagne Ahoi und Mitgliedern der Grünen Jugend besetzt. Alle Fraktionen im Bezirksrat verurteilten damals diese Aktion. Der Eigentümer des Hauses stellte sich den Besetzern in einer Versammlung. Einige Tage später räumte die Polizei das Haus. Der Eigentümer verteilte auf der anschließenden Bezirksratssitzung eine persönliche  Erklärung.

 

Links:

 

So, 19.02.2012, Linden
Linden-Nord: Aufstieg oder Abstieg?
Faktencheck Gentrifizierung - Welcher Bevölkerungsmix ist der beste?
- Versuch einer Einordnung
-> mehr

 

Sa, 14.01.2012, Fest zum Jahresbeginn Lebendiges Linden e.V.
Wohnsituation in Linden: Differenzierung statt Pauschalisierung
-> mehr

 

08.12.2011, HAZ - Soziale Veränderungen
Lindener debattieren über Gentrifizierung
-> mehr

 

30.11.2011
Fa. Wohnwert beim 30 Wirtschaftsforum
-> mehr

 

04.10.2011
Zum Selbstmord in der Limmerstraße 56
-> mehr

 

So, 15.08.2011, Geschäftsinhaber in der Limmerstraße 3-5 haben eine ungewisse Zukunft
„Es geht um unsere Existenz"

-> mehr

 

Mi, 22.06.2011
Persönliche Erklärung des Eigentümers der Limmerstraße 98

-> mehr

 

Mi, 22.06.2011, Bezirksrat (BzR)
Bezirksbürgermeisterin verurteilt Besetzung der Limmerstraße 98
-> mehr

 

15.06.2011
Brief des Stadtbaurates Bodemann zu Linden -> mehr
Tabellen zur Wohnsituation -> mehr

 

So, 12.06.20, Limmerstraße 98
Pro und Kontra: Straftäter oder Robin Hoods?
Hausbesetzung: Darf man das?
-> mehr

 

Mo, 06.06.2011, Limmerstraße 98
Die Räumung
-> mehr

 

So, 05.06.2011, Limmerstraße 98
Demo der Besetzer
-> mehr

 

03.06.2011, Limmerstraße 98
Dreistündiges Gespräch mit Eigentümer
-> mehr

 

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Das Podium: Florian Grajetzki (Kampagne Ahoi),  Brigitte Nieße (Städtebauplanerin), Julia Hamburg (Moderation), Daniel Gardemin (Sprecher der Grünen in Linden-Limmer), Michael Dette (Baupolitischer Sprecher der Grünen Ratsfraktion), Barbara David (Schatzmeisterin der Grünen Hannover)