Bericht 67-11

 

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Do., 18.10.2011, wieder präsent in Limmer
Die Schwanenburg

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Die Leine im Rücken mit Blick zur Wunstorfer Straße. Die Fösse fließt am hinteren Ende der Wiese entlang, um rechts, außerhalb des Bildes, in die Leine zu münden. Der neue Stichweh Leinepark liegt geradeaus an der anderen Uferseite, auf der linken Seite, am Stelle der ehemaligen Uni, stand die frühere Schwanenburg. Rechts vom Leinepark ist die neue Schwanenburg geplant.

In der Stadtteilhistorie von Limmer spielt die Schwanenburg eine große Rolle. Das legendäre Ausflugslokal in den Fössewiesen musste in den sechziger Jahren dem Bau einer Umgehungsstraße weichen. Heute befindet sich der Stichweh Leinepark in direkter Nachbarschaft der ehemaligen und bald auch der neuen Schwanenburg. Die Gesellschaft Stichweh/Ziehm plant ein historisches Gebäude auf dem Gelände zu sanieren und unter dem Namen „Die Schwanenburg" einen Gastronomiebetrieb zu eröffnen.
Der ehemals unbenannte Stichweg vor dem neuen Unternehmensstandort heißt jetzt „Zur Schwanenburg". Der Weg verläuft von der Wunstorfer Straße über die Fössebrücke in östlicher Richtung am Leineufer entlang bis nach Linden. Um dem Weg durchgängig zu benennen, wurde nach einem Beschluss des Bezirksrates Linden-Limmer das westliche Teilstück des Heinrich-Kollmann-Weges in „Zur Schwanenburg" umbenannt. Am 29.09.2011 enthüllte die Bezirksbürgermeisterin Barbara Knoke das neue Straßenschild in Anwesenheit von Hans Ziehm, dem Bauherrn des Leineparks sowie vielen Freunden des Stadtteils.
 

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Konzert Etablissement Schwanenburg um 1914. Sammlung Jürgen Wessel

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Hier stand einmal die Schwanenburg: Horst Bohne führt, mit dem Vergleichsfoto in der Hand, die Besucher zum Unigebäude an der Fösse. (17.10.2009, Initiative Lebensraum Linden, Grenztour)

 

Nahe dem heutigen Stichweh Leinepark befand sich um 1022 das kleine Dörfchen Erder. Es wurde in einem Krieg völlig zerstört und nichts erinnert mehr an die Menschen, die dort lebten. Hier würde einmal die Schwanenburg stehen, doch noch diente das Gelände als Hüteplatz für die Bauern aus Limmer und Linden. Im Jahr 1837 erwarb der Schiffsbaumeister Hartje den Anger, um auf seiner Werft kleine Frachtschiffe für den Flusstransport zu bauen. Nachdem das Grundstück und die Wirtschaftsgebäude im Jahr 1884 verkauft wurden, begann der neue Eigentümer Johann Geffer, das Gelände als Park und Lustgarten umzubauen. 1890 pachtete der Wirt August Stein die Gartenanlage, sein neu eröffnetes Tanz- und Ausflugslokal die „Schwanenburg", erfreute sich bald in ganz Hannover größter Popularität. Die jüdische Familie Rüdenberg erwarb das Gelände 1896 und errichtete dort zusätzlich eine Bettfedernfabrik und außerdem zwei Konzertsäle für die Schwanenburg. Mit dem ersten Weltkrieg begann der Stern der Schwanenburg zu verblassen. Die Konzertsäle mussten als Lazarett oder als Schulzimmer dienen. Zwischen 1925 und 1936 versuchten mehrere Wirte an den Glanz der alten Zeiten anzuknüpfen, aber die unbeschwerten Tage waren dahin. Während des zweiten Weltkriegs ist kein Gastronomiebetrieb bekannt. Die letzten Eigentümer der Schwanenburg, die Eheleute Rüdenberg, wurden 23.07.1942 in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert und dort ermordet.

Die Schwanenburg und die Fabrikgebäude überstanden den zweiten Weltkrieg auf Rüdenbergs Gelände unbeschadet. Schon bald nach Kriegsende wurden die Räume der Schwanenburg als Kino- und Theatersäle umfunktioniert. Es gab wenig Geld für die Kulturschaffenden und der Schwanenburg mangelte es an vielem. Es ging weiter bergab. 1960 wurde die Schwanenburg für den Bau des Westschnellweges abgerissen, die restlichen Fabrikgebäude an der Wunstorfer Straße konnten noch einige Zeit erhalten bleiben.

 

In den Stichweh Leinepark nahe der Schwanenburg sind die ersten Mieter eingezogen. Ab dem 12. Oktober 2011 hat die Polizeiinspektion West ihre Arbeit in den neuen Räumen an der Wunstorfer Straße aufgenommen.

 

Quellen: www.lebensraum-linden.de  und www.stichweh-leinepark.de 
 

 

Fotos/Text: Evi Schaefer
Letzte Änderung: 26.10.2011