Bericht 56-10

 

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So, 17.10.2010, Hilfe
20 Jahre Mädchenhaus in Limmer – Zuflucht für Mädchen in Not
www.maedchenhaus-hannover.de

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In diesem Jahr besteht das Mädchenhaus Hannover e.V. seit 20 Jahren. Tausende junger Mädchen und Frauen im Alter von ca. 6-22  haben diese Einrichtung aufgesucht, um sich Hilfe in schwierigen Lebenslagen zu holen. Sie kamen zu 75% aus Hannover, 21% aus dem weiteren Regionsgebiet und 4% aus dem übrigen Bundesgebiet. Seit 2009  wurden die vertraglichen Betreuungskapazitäten voll ausgelastet. Finanziert wird der Verein durch jährliche Beihilfen durch Stadt, Region und Land. Zudem wird er mit Spenden und Stiftungsgeldern unterstützt. Für die Beraterinnen hat die Vertrauensbildung zu den Mädchen Vorrang, um eine fundierte Vertrauensbasis aufzubauen. Dabei werden die Krisen zunächst einmal nicht bewertet.

Elementare Segmente des Vereins sind kostenlose Beratungen, ambulante Betreuung, Familienberatung, Konfliktvermittlung, sowie Bildungs- - und Freizeitangebote. In telefonischen Beratungen kann die Anonymität auch vor den Beraterinnen bewahrt werden. Die Suizidprävention ist besonders wichtig, denn davon sind Mädchen wesentlich stärker als Jungen betroffen. Hilfe wird gesucht unter anderem bei Drogenmissbrauch, Gewalt mit oder ohne sexuellen Hintergrund, Existenz- oder Identitätsschwierigkeiten, Integrationsproblemen, Zwangsheirat oder Schwangerschaft. In diesen schwierigen Fällen wird  ein Schutzraum für die Mädchen und jungen Frauen geschaffen. Manchmal ist auch die Herausnahme aus dem häuslichen Milieu erforderlich.

Rebecca wurde geholfen

Wie bei der 16-jährigen Rebecca. Sie kam vor einigen Jahren in die Beratungsstelle des Mädchenhauses, weil ihr Vater im Streit ihr gegenüber handgreiflich wurde. Manchmal schlug er sie mit der Faust oder Gegenständen. Außerdem hatte sie auch keine Privatsphäre und durfte ihre Zimmertür niemals schließen, wodurch ihre Angst vor unerwarteten Schlägen noch mehr stieg. Rebecca hat die Situation so sehr belastet, dass sie Schlafprobleme bekommen hat und sich durch ihre mangelnde Konzentration ihre schulischen Leistungen verschlechterten. Nachdem sie den Pädagoginnen ihre Situation geschildert hatte, wurde gemeinsam nach einer Lösung gesucht. Nach mehreren Überlegung entschloss sie sich, dass es für sie das Beste sei, zu Hause auszuziehen. Auf Grund der problematischen Situation wurde das Jugendamt mit einbezogen. Nach einigen Einzelgesprächen fanden gemeinsame Gespräche mit den Eltern statt. Jedoch verliefen diese eher destruktiv, weil die Eltern kein Interesse an einer Kooperation zeigten. Deshalb wurde Rebecca von einer Clearingstelle in Obhut genommen. Mit Hilfe dieser Stelle wurden die nächsten sinnvollen Schritte und Möglichkeiten durchgesprochen. Resultierend hat Rebecca eine eigene Wohnung bekommen. Außerdem wurde ihr eine weiterführende Unterstützung geboten.

Einrichtungen arbeiten zusammen

Um dieses oder ähnliche Hilfsangebote zu ermöglichen, findet auch eine Zusammenarbeit mit Heimen, Wohngruppen und dem kommunalen Sozialdienst statt. Des Weiteren ist das Mädchenzentrum Xana mit in die Arbeit involviert. Für die Beratungsstellen ist es von großer Bedeutung eine positive Zukunftsperspektive zu schaffen und den Mädchen beizubringen, ihr Leben eigenständig zu strukturieren, indem sie beispielsweise zu Ämtern, Ärzten oder Einrichtungen begleitet werden.

Neben den Beratungsräumen bietet das Mädchenhaus noch Räumlichkeiten für eine große Vielfalt an Aktivitäten. Zum Beispiel gibt es einen sogenannter „Wiesenraum". In diesem können sich die Mädchen mal so richtig entspannen. Außerdem befindet sich in ihm eine „Verhütungsvitrine", die zur Aufklärung dient.

Des Weiteren gibt es eine Werkstatt, in der sich die Mädchen kreativ ausleben können. Das Café stellt eine Verkleidungsecke, einen Billardtisch, Gesellschaftsspiele und einen Computer  zur Verfügung. Beim Tresendienst lernen die Mädchen Verantwortung zu übernehmen. Im Bewegungsraum können sich die Besucherinnen mal so richtig austoben. Es wird getanzt oder Sport betrieben. Außerdem wird einmal die Woche eine Turnhalle genutzt. Und auch die Küche darf in seinem pädagogischen Nutzen nicht unterschätzt werden, denn Kochen fördert die Geselligkeit. In einer Runde habe ich die 10- bis 11-jährigen Mädels befragt, was sie in dem Mädchenhaus denn besonders gerne machen. Insgesamt finden sie ihre Interessen in den angebotenen Aktivitäten wieder. Sie sind begeistert beschäftigt zu werden, weil sie Zu hause ohnehin Langeweile hätten.

 

Text: Vanessa Fenn
Fotos: Vanessa Fenn, Mädchenhaus
Letzte Aktualisierung: 27.10.2010

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Hilfe durch Zuwendung 

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Billardspiel: Helfen auch durch Zuwendung und Ablenkung

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Die Mitarbeiterinnen des Mädchenhauses haben bei jedem einzelnen Fall immer viel zu besprechen. Manchmal ist die Hilfe auch recht aufopfernd.