Bericht 51-10

 

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Mo, 13.09.2010, Präventionsrat
Wenn Computer und Handy bei Jugendlichen zur Sucht werden
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Nach dem ersten Beitrag wird ein Diskussionsforum eingerichtet.

In der heutigen Gesellschaft werden die modernen Medien, wie Handy und Internet ein immer wichtigerer Bestandteil unseres Alltags. In einigen Berufs - und Arbeitsfeldern sind diese Medien grundlegende Elemente für produktive Ergebnisse. Des weiteren sind sie Informationsquellen für  uneingeschränkte Themengebiete, dienen zum kommunizieren und als Zeitvertreib.

Problematisch kann es jedoch werden, wenn das Medium Handy oder Internet zur Sucht werden und somit eine Gefahr für den jeweilig Betroffenen darstellen. Weil ins besonders Jugendliche anfällig sind dieser Sucht zu unterliegen, ist es zwingend erforderlich durch Präventivmaßnahmen wie Aufklärung und Regelvorgaben vorzubeugen. Typische Suchtbereiche sind Onlinespiele und Chaträume. Aus aktuellen Statistiken geht hervor, dass mindestens 16 Prozent der Jungen süchtig nach sogenannten „onlinegames" sind. Bei den Mädchen hingegen sind es nur 4 Prozent, jedoch sind sie für Chats ambitioniert.
Weil die Computerabhängigkeit bei Jugendlichen und auch bei Erwachsenen immer mehr zunimmt, bieten Kliniken gezielte Suchttherapien für die Patienten an.

Nur, wie kann ein Angehöriger oder Freund beurteilen, ob es sich tatsächlich um eine Sucht oder vielleicht doch nur um ein vorübergehendes Interesse handelt?
Um diese Frage beantworten zu können gibt es einige Kriterien, an denen man sich orientieren kann.
Folgende Identitätsmerkmale weisen auf eine mögliche Sucht hin:
Die meiste Zeitinvestition gilt dem Computer und wird allmählich immer mehr gesteigert. Dabei entsteht erfahrungsgemäß ein Kontrollverlust bezüglich des Zeitraums, die sich der Nutzer mit dem Computer beschäftigt. Wird versucht die Nutzungsdauer zu reduzieren, treten Symptome wie Nervosität und Aggressivität auf, bis das psychische Verlangen nach der Aktivität am Computer zu groß wird. Resultierend ergibt sich eine soziale Isolation in Beziehungen wie Freundschaften, Partnerschaften und im Familienleben.
Weitere negative Konsequenzen können die Beeinträchtigung des schulischen Erfolgs oderr der Arbeitsplatzverlust sein.

Doch wodurch sehen sich Jugendliche und auch Erwachsene veranlasst in die virtuelle Welt des Internets zu flüchten? Auch hier spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Oft suchen die Personen eine Fluchtmöglichkeit aus dem realen Leben. Häufig handelt es sich um heranwachsende Jungen und Mädchen während der Identitätsbildung oder erfolglose jugendliche ohne eine soziale Gemeinschaft. Im „ Netz der unbegrenzten Möglichkeiten" erleben sie in den Scheinabenteuern klare Regeln und Strukturen sowie klar definierte Ziele, die ihnen im Alltag fehlen. Weil die Endloswelt des Spiels so konzipiert ist, dass scheitern ausgeschlossen ist, werden individuelle Fähigkeiten und Erfolgserlebnisse suggeriert. Durch diese wiederum wird das Selbstbewusstsein gestärkt, welches bei einigen in der wirklichen Existenz als Defizit zählt. Das ständig programmierte Lob unterliegt einem, von Psychologen geschaffenen Belohnungsprinzip, dem die Spieler immer mehr verfallen.
Des weiteren müssen die Spieler eigenständige Entscheidungen treffen, wodurch sie Kontrolle und Verantwortung übernehmen. Besonders in Rollen -  und Teamspielen bekommen die „Gamer"„ das Gefühl gebraucht zu werden und einen elementaren Beitrag für die Gemeinschaft zu leisten. Auch ist der erstellte Wunschcharakter ein nicht zu verachtender Bestandteil, denn die Personen können sich als Krieger oder Heiler so darstellen wie sie vielleicht gerne wären.
In Chaträumen oder sozialen Netzwerken hingegen wollen sich die Teenager präsentieren, um neue Kontakt zu knüpfen oder positiven Zuspruch zu finden und Aufmerksamkeit zu wecken. Die Kombination aus Neugierde und leichtsinniger Unbekümmertheit bei Jugendlichen sind die Erklärungen für manches verantwortungslos  verbreitete Personenprofil mit intimen Fotos und Details aus dem Privatleben.
Zusammengefasst finden die Betroffenen im Netz die Zustimmung und Selbstbestätigung, die ihnen sonst nicht zugesprochen wird.
Doch Eltern können vorsorgen und handeln, indem sie wirkungsvolle Gegenmaßnahmen anwenden. Dazu gehört die Festlegung von klaren Regeln beim Computergebrauch, indem beispielsweise von Anfang an zeitliche Einschränkungen vorgegeben werden. Darüber hinaus ist es sinnvoll, sich über Risiken und facettenreiche Schattenseiten des Internets  zu informieren, um den Kindern einen verantwortungsvollen Umgang mit der modernen Technik vermitteln zu können und über mögliche Folgen aufzuklären.
Effektiv ist es auch seinen Kindern Verantwortung zu übertragen und sie für neue Herausforderungen zu begeistern, damit sich ihr Charakter im echten Leben formen und entwickeln kann.

 

Text: Vanessa Fenn
Fotos: Klaus Öllerer
Letzte Aktualisierung: 24.09.2010

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Matthias Bald-Stenzel von der  return-Fachstelle für exzessiven Medienkonsum

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Moritz Becker vom Verein für Medienkompetenz

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An diesem "Pappkameraden" eines Jugendlichen wird demonstriert welche Bedürfnisse Jugendliche steuern: Orientierung, Neugierde, Unbekümmertheit, Freiheit, Aufmerksamkeit, Anerkennung, Identitätsbildung, sich ausprobieren.

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Die Sprecherin des Präventionsrates Elif Gencay-Drews begrüßt die Teilnehmer und führt in die Veranstaltung ein.