Bericht 07-10

 

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Sa., 30.01.2010, Entwurfswerkstatt Limmer
Kreativ-Treffen mit viel Fantasie

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Nach dem ersten Beitrag wird ein Diskussionsforum eingerichtet.

Entwurfswerkstatt zur Zukunftsfähigkeit von Schleuse, Hafen und Stichkanal

 

Es summt wie in einem Bienenschwarm. Überall im Raum haben sich Gruppen gebildet. Gemeinsam werden Ideen beschrieben und über die Umsetzung debattiert. Man greift zu alten Zeitungen, Scheren und Stiften. Auf vorbereiteten Tafeln werden die entstehenden Konzepte  möglichst gut erkennbar beschrieben. Die kreative Atmosphäre ist zum Greifen spürbar.
Das Institut für Soziologie der Leibniz Universität Hannover hatte zu einer Entwurfswerkstatt eingeladen. Die Teilnahme war nach Anmeldung für jeden offen und über vierzig Teilnehmer waren erschienen.
Es ging um die Frage was die Limmeraner am liebsten aus Schleuse, Hafen und Stichkanal machen würden, wenn es nach Ihnen ginge. Die Themenwahl blieb den Teilnehmern überlassen.
Die in drei Stunden entstandenen Entwürfe zeigten einen großen Einfallsreichtum, der erstaunlich gut zu Papier gebracht wurde.
Die überwiegende Anzahl der Ideen beschäftigt sich  mit Wohnen und Freizeit.
In einigen Entwürfen wird auch der Versuch unternommen, sich selbst tragende wirtschaftliche Tätigkeit mit zu planen. Für das Industriegebiet in seiner bisherigen Form gab es in den Entwürfen auf Dauer keine Verwendung. In den Worten des Veranstalters lautet die Perspektive wie folgt: „Einen nachhaltigen Stadtteil schaffen, der sich regional versorgt, vor Ort erholt und die Energie für die eigene Mobilität gewinnt."
Ob solche alternativen Vorstellungen den Wirtschaftlichkeitstest bestehen oder zum Kostgänger ihrer Umgebung werden können, dürfte langfristig zur wichtigsten Frage werden.
Interessant und vielleicht auch entscheidend dürfte die Einbeziehung von Gruppen sein, die bisher nicht oder kaum vertreten waren: die Geschäftswelt von Limmer und die im Hafengebiet Beschäftigten.
Derzeit läuft die Auswertung und Vorbereitung weiterer öffentlicher Präsentationen der Entwurfswerkstatt.

Wer mehr wissen möchte, kann sich an den Veranstalter wenden: Leibniz Universität Hannover, Institut für Soziologie, Dr. Thomas Köhler, Tel.: 0511– 700 10 55. Mitveranstalter ist auch das Studio urbane Landschaften an der Uni.

Förderung: Forschungsinitiative Sicherheit (FIS) der Leibniz Universität Hannover

Vorträge

Frau Ortherthun schilderte die weitere Planung rund um die Limmer-Schleuse. Bis 2020 sollen alle Umbauten abgeschlossen sein. Es wird von einem zukünftigen Wachstum von über sechs Prozent pro Jahr ausgegangen.
Über die zukünftige Mobilität  referierte Dr. Frank Schröter, Institut für Verkehr und Stadtbauwesen, TU Braunschweig. Dabei verknüpfte er Verkehrsstärke, Bevölkerungsstruktur, Umweltaspekte und die zur Verfügung stehende Technik zu einem Gesamtbild.
Prof. Antje Stokman, Institut für Freiraumentwicklung der Leibniz Universität Hannover, forderte dazu auf, Wasserwege neu zu denken. Dabei konnte Sie auf Erfahrungen aus Peking zurückgreifen.
Prof. Dr. Gerhard Scherhorn vom Wuppertaler Institut für Klima, Umwelt, Energie referierte seine „Vision einer zukunftsfähigen Stadt - nichts zu viel und deshalb genug für alle."
Verzicht auf Wachstum, Gemeineigentum vor Privateigentum mit Grundgesetzänderung, Bezahlung von Luftverbrauch, Bewusstseinsveränderung bei den Menschen (vom Haben zum Sein). Leute, bei denen das Gewicht auf Haben liegt, die sind, wie Untersuchungen zeigen würden, öfter psychisch krank.".
Frage: „Was aber, wenn die Leute sich nicht ändern wollen und große Autos, Häuser und Reisen einfach gut finden. Werden die dann gezwungen?"
Antwort des Referenten: „Ich bin nicht dafür, sie zu zwingen."
 

 -> Auswertung von Thomas Köhler

Fotos/Text: Klaus Öllerer
Letzte Aktualisierung: 23.02.2010

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Achtzehn Entwürfe konnten am Ende des Tages präsentiert werden.  Anleitung gab es von Dr. Lucia Grosse-Bächle, Christine Sasstedt, Susanne Zeller und Katharina Lob.

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Nachdenken hilft - fast immer.

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Katharina Lob (rechts) kommt vorbei und hilft.

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Grübel, grübel - wie passt das denn nun am besten?

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Limmer ist eine Insel. Die Limmeraner lieben ihre Gewässer und nutzen den Leineabstiegskanal und Stichkanal zum Lindener Hafen an vielen Stellen im Sommer zum wilden Baden. Ein Umbau der Limmer Schleuse wird von vielen als eine drohende Beschneidung dieses Jedermannsrechts auf das Schwimmen gesehen. Machen wir aus der Not eine Tugend und geben den Limmeranern, was sie wollen. Bei einem Umbau der Schleuse nach Variante 4 kann auf der Westseite der neuen Schleuse und zusätzlich im westlichen Sparbecken der alten Schleuse eine für das wilde Baden geeignete Land-schaft entstehen.

Zusätzlich oder hauptsächlich - je nach Sach- und Interessenlage - beinhaltet die Planung die Gründung eines gemeinnützigen Vereins, der eine Sauna auf einem im Kanal liegenden Ponton errichtet und betreibt. Die Anlage ähnelt dem bekannten Badeschiff auf der Spree in Berlin. Das Projekt ist nicht an den Umbau der Schleuse gebunden und kann bereits im Zeitraum der Planung für den Schleusen -umbau umgesetzt werden.

Der bewegliche Saunaponton bekommt einen Platz auf dem oberhalb der Schleuse gelegenen Abschnitt (siehe Karte). Über einen Steg können die Nutzer die Sauna erreichen, die aus einem U-förmigen Gebäudeteil besteht. Die Räume gliedern sich in Umkleide, Ruhebereich und Sauna (siehe Skizze).. In der Mitte der aus zwei zusammengefügten Pontons bestehenden Saunainsel ergibt sich ein Freiluftbereich, der Zugang zum Wasser des Kanals ermöglicht.
Die Sauna wird von einem gemeinnützigen Verein betrieben, der den Limmer Bürgern die Möglichkeit der Gestaltung und Teilhabe gewährleistet.

Nina Kornacker und Raimund Sichma
 

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Ziel: Einen nachhaltigen Stadtteil schaffen, der sich regional versorgt, vor Ort erholt und die Energie für die eigene Mobilität gewinnt.

Das Hafenbecken soll um einen Wasserspeicher erweitert werden. Dort wird mit vor Ort gewonnener Solarenergie (Dächer der Hafenfirmen) tagsüber das Wasser reingepumpt. Nachts wird es über einen Wasserfall wieder abgelassen, hierbei wird Energie gewonnen. Die Energie (tagsüber solar und nachts Wasserkraft) wird an mehreren Energietankstellen für Elektromobile bereitgestellt.

Der Wasserfall bietet Voraussetzungen für einen lokalen Erholungsschwerpunkt (mit Café). In räumlicher Nähe findet ein Bauernmarkt mit regionalen Produkten statt, die über Elektroschiffe angeliefert werden. Hier ist auch eine Anlegestelle für touristisch genutzte Elektroschiffe, die die wichtigen Erholungspunkte Hannovers auf dem Wasserweg anfahren.

Dr. Frank Schröter
 

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Wasserwege neu denken - Prof. Antje Stokman, Institut für Freiraumentwicklung, Leibniz Universität Hannover

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Zukunft der Mobilität und der regionalen Infrastruktur, Dr. Frank Schröter, Institut für Verkehr und Stadtbauwesen, TU Braunschweig

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Dr. Thomas Köhler, Institut für Soziologie/FIS, Leibniz Universität Hannover, begrüßt die Teilnehmer.
 -> Auswertung von Thomas Köhler

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Die Arbeitsmaterialien werden verteilt.

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Einführung in das Konzept der Entwurfswerkstatt - Mut zur realen Utopie durch Dr. Lucia Grosse-Bächle, Studio Urbane Landschaften, Leibniz Universität Hannover

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Visionen für die zukunftsfähige Stadt – "nichts zu viel und deshalb genug für alle" war das Thema von Prof. Dr. Gerhard Scherhorn, Wuppertaler Institut für Klima, Umwelt, Energie.

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Dr. Manuela Ortherthun, Wasser- und Schifffahrtsdirektion Hannover-Mitte sprach über Randbedingungen für die Entwicklung des Lindener Hafens. Foto: Chris

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Entwurfsbetreuung: Christine Sasstedt, Katharina Lob, Susanne Zeller (v.l.n.r.)

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