Bericht 83-09

 

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Mi, 23.12.2009, Linden-Nord
Erinnerung: Winterzeit in der Viktoriastraße von Gabriele Steingrube

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Das ist Harras in einer seiner Lieblingsposen.

Der Winter 1962/1963 brachte uns viel Schnee. Wir Kinder aus der Viktoriastraße freuten uns darüber besonders, denn so konnten wir mit unseren Schlitten herrlich die Straße runterrodeln bis zur Kreuzung Ahlemerstraße / Pavillionstraße.

Wenn nur nicht der Anstieg so beschwerlich wäre. Da unsere Kleidung nicht so wasserfest war, wurde uns natürlich schnell kalt und das Hochziehen des Schlittens immer beschwerlicher, da man schon kribbeln in den Händen und Füßen hatte. Unsere Winterstiefel waren aus Leder und Leder ist bekanntlich ja nicht wasserdicht. Aber wir hatten ja Harras. Harras, war unser Schäferhundmischling und eine treue Seele und so spannten wir ihn vor unsere Schlitten und er zog sie wieder nach oben. Leider hatte auch er noch ein paar Mal keine Lust mehr und haute einfach ab. Meist waren wir dann aber auch selbst durchgefroren und wir gingen nach Hause.

Meine Mutter zog mir die feuchten Sachen aus und rieb meine Hände und Füße mit einem Handtuch warm. Schön war es, wenn sie die Ofenklappe von unserem großen Stubenofen öffnete, dann wurden Hände und Füße schnell wieder warm. Leider wurde dieser Ofen nur am Wochenende oder zum Abend befeuert, da die Kohlen und Briketts sehr teuer waren, war oft nur der Ofen in der Küche an, alle anderen Zimmer waren unbeheizt. Sämtliche Fenster waren mit Eisblumen übersäet. Wir wohnen in der Viktoriastraße 37 in der vierten Etage. Das Eckzimmer hatte drei große Fenster und keinen Ofen. Es war das Schlafzimmer meiner Eltern, hier wurde es nachts so kalt, dass man das Gefühl hatte  die Nase friert einem ab. Sonst hatten wir nur kleine Erkerfenster. Aber im Winter, wenn Schnee lag und die Fenster voller Eisblumen waren, war es trotzdem irgendwie heimelig. Zum Wochenende wurden unsere drei Öfen angemacht und alle Türen waren geöffnet. Zwar konnten wir nicht kurzärmelig in der Wohnung herumlaufen, aber es war gemütlich. Mein Vater und ich pusteten kleine Löcher in die Eis-blumenfenster und so schauten wir dem Treiben in unserer Straße zu. In der ganzen Wohnung roch es auch nach Apfelsine. Mein Vater legte die Schale der Apfelsinnen auf die Öfen und so verbreitet sich der Duft in jedem Raum aus. Es war schön im Winter. Für mich war es immer die Zeit der Märchen und so halte ich es auch heute noch.

Gabriele Steingrube November 2009

 

Text/Fotos: Gabriele Steingrube

Letzte Aktualisierung: 23.12.2009.

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Gabriele Steingrube

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Gabriele Steingrube, geb. Heidorn, 1956 in der Viktoriastr. 11

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Die Viktoriastraße heute am 23.12.2009