Bericht 53-09

 

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Die., 25.08.2009, Linden-Nord
Hochbahnsteig in der Limmerstraße?

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Ein Diskussionsfaden ist eingerichtet.

Behinderte und andere mobilitätseingeschränbkte Personen  haben es schwer. Überall erwarten sie Hindernisse, die überwunden werden müssen. Ein besonderes Ärgernis sind diesbezüglich die öffentlichen Verkehrsmittel. Doch das ändert sich gerade. Hochbahnsteige sollen Abhilfe schaffen.

An der Haltestelle Am Küchengarten sind gerade die Planungen und die Entscheidungsfindungen in vollem Gange. Am 26. August, 19:00, findet eine Anhörung* des Bezirksrates im Freizeitheim Linden statt. Die Verwaltung, Politik und Interessengruppen werden ihre Vorstellungen darlegen und wohl viele Fragen stellen.

Nicht nur für das „Fußvolk", sondern auch für Geschäftsleute haben die geplanten Maßnahmen große Bedeutung.

So befindet sich derzeit die Aktion Limmerstraße, eine Vereinigung von Geschäftsleuten, noch mitten im Meinungsfindungsprozess.

Grundsätzlich gibt oder gab es folgende Alternativen: So lassen wie es ist, Hochbahnsteig Limmerstraße, Hochbahnsteig Spinnereistr. oder Niederflurbahnen. Politik und Verwaltung haben jahrelang über dem Thema gebrütet. Inzwischen ist alternativ auch ein Hochbahnsteig an der Leinaustr. und Velbertstr. im Gespräch.

Die Öffentlichkeit hat es hier bisher wenig berührt. Daher stellen wir im Folgenden die möglichen Auswirkungen der bisherigen Planungen in Bildmontagen vor.

Die Politiker Rainer Grube und Jürgen Mineur haben für uns ihre Standpunkte aufgeschrieben.

Links: oepnv.linden-nord.org, Unterschriftenliste Niederflur

Fotos/Text: Klaus Öllerer
Letzte Änderung: 28.09.2009

 

* Aus der Tagesordnung der Bezirksratssitzung am 26.08.2009, 19:00:
"A N H Ö R U N G gem. § 31 (4) in Verbindung mit § 35 der Geschäftsordnung des Rates zum THEMA: Vorstellung der Planung des Hochbahnsteigs Küchengarten Eingeladen sind: Herr Dipl.-Ing. Weske (Region Hannover/ Fachbereich ÖPNV) - mit Herrn Vey (infra) Herr Middelberg (üstra Hannoversche Verkehrsbetriebe AG) N. N. (RegioBus Hannover GmbH) / VertreterIn wird nachbenannt) Herr Baxmann (Aktion Limmerstraße e. V.)" -> mehr

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Gegenwart: barrierefreies Einkaufen.

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Die Haltestelle Am Küchengarten soll einen Hochbahnsteig erhalten. Wie hier auf der Computersimulation zu sehen ist , bedeutet das eine starke Veränderung vor Ort. Bäume und Außengastronomie müssten wohl weichen.

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Zukunft?: Hindernisparcours beim Einkaufen. Gehen bzw. rollen wir 40 m nach rechts oder 60 m nach links? (Bildmontage)

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Gegenwart: Bewegungsfreiheit, fast so weit das Auge reicht.

Hochbahnsteige in der Limmerstraße?

Kommentar von Rainer-Jörg Grube

Endlich! Sagen die Einen, die mit ihren Rollstühlen, Kinderwagen oder Rollatoren seit Jahren vor den unüberwindlichen Trittstufen der Bahnen und Busse von wichtigen Teilen des Alltagslebens ausgeschlossen bleiben.

Unmöglich! Sagen die Anderen, die diese 100 Meter langen Betonmonster in anderen Stadtteilen gesehen haben und wissen, dass damit die Limmerstraße als funktionale Einkaufsstraße endgültig kaputt sein wird.

Wo ist aber der Mittelweg, der moderne barrierefreie Mobilität mit 150 Jahre alten Straßen in Einklang bringt. – Der Bezirksrat hat mehrfach versucht, die Verkehrsbetriebe zu motivieren, z.B. mit Rampen ausgestattete Busse bevorzugt auf den Strecken einzusetzen, auf denen keine Hochbahnsteige vorhanden sind, Stadtteilzubringerbusse oder auch Niederflurbahnen anzuschaffen.

Leider immer ergebnislos!

Mobilität ja, aber nicht um jeden Preis!

Kurz vorm Jahrtausendwechsel haben die Umbauerfordernisse der Üstra für die „Silberpfeile" die heutige unbefriedigende Situation der „Fußgängerzone" ausgelöst, da man sich schon seinerzeit stadtteilorientierten Lösungen verschlossen hat. – Die „Silberpfeile" fahren aber noch immer nicht, da Teile der Reststrecke weiterhin nicht ausgebaut sind.

Heute wird die Fußgängerzone sogar als Route für Schnellbusse genutzt und soll nun noch mit Hochbahnsteigen weiter beeinträchtigt werden.

Stadtteilinteressen werden dabei völlig ignoriert! Aber auch der öffentliche Nahverkehr muss sich den Bedürfnissen der Menschen anpassen und darf dabei nicht die gewachsenen Strukturen vor Ort gefährden!

Die Verkehrsbetriebe haben die Kundeninteressen nie wirklich erfasst und umgesetzt, sondern leider am Tropf der städtischen Zuschüsse marktübliches Handeln verlernt. Gefordert ist heute aber die Suche nach innovativen, städtebaulich verträglichen, kostengünstigen und schnellen Lösungen für einen funktionalen und zukunftsorientierten ÖPNV.

Aber die Diskussion fängt ja erst an . . .

 

Rainer-Jörg Grube
Mitglied des Bezirksrates Linden-Limmer, Fraktion BÜNDINIS 90/DIE GRÜNEN, stellv. Bezirksbürgermeister

Meinungen und Kommentare dienen der Diskussion und geben nicht unbedingt die Ansicht der Redaktion wieder.

 

Für Hochbahnsteige

Kommentar von Jürgen Mineur

Der Zugang zum öffentlichen Nahverkehr ist für mobilitätseingeschränkte Nutzer von existenzieller Bedeutung. Mobilitätseingeschränkt sind nicht nur Rollstuhlfahrer, auch der stetig steigende Anteil  an Senioren in unserer Gesellschaft und andere Gruppen haben Probleme beim Einsteigen in die Stadtbahn. Der Bau eines Hochbahnsteiges am Küchengarten ist deshalb zu begrüßen. Die Lage des Hochbahnsteiges soll in den nächsten Monaten festgelegt werden. Es stehen zwei Standorte zur Diskussion: 1. an der Stelle der bestehenden Haltestelle, 2. vor dem Ihmezentrum in Richtung Spinnereibrücke. Nachteil der Lösung 2 ist, dass sich der Abstand zur Haltestelle Leinaustraße vergrößert, die Fußwege der Nutzer würden länger. Von Vorteil ist aber der dort reichlich vorhandene Platz. Nachteil der Lösung 1 ist der knappe Platz in der Limmerstraße und die Querungsmöglichkeiten, die dort verloren gehen. Die Entscheidung für den Standort soll sich aus dem Diskussionsprozess in den Gremien und der damit verbundenen Bürgerbeteiligung in den nächsten Monaten ergeben. Auch über eine eingleisige Variante sollte nachgedacht werden.

Nun kommen Einige mit dem alten Vorschlag, das Niederflurtechnik die Lösung aller Probleme sei. Die Systementscheidung für Hochbahnsteige ist aber vor 15 Jahren endgültig gefallen. Zum jetzigen Zeitpunkt wäre die Einführung von Niederflurtechnik wirtschaftlich und betrieblich von Nachteil. Außerdem ist auch bei Niederflurfahrzeugen ein Bahnsteig in der Straße erforderlich. Er hat zwar nur eine Höhe von 30 cm statt 82 cm, ist damit weniger massiv, verursacht aber die gleichen Probleme wie bei Hochflurtechnik.

Aus betrieblicher Sicht hätten Niederflurfahrzeuge erhebliche Nachteile.
Da Niederflurfahrzeuge nicht mehr im Tunnel fahren können, würde die Linie 10 komplett vom Rest des Stadtbahnnetzes abhängt werden. Die Expresszüge am Morgen müssten entfallen, im Nachtsternverkehr wäre der Kreuzungspunkt Kröpke nicht erreichbar, bei Veranstaltungen im Innenstadtbereich und bei Betriebsstörungen, wäre die Alternativstrecke über Humboldstraße nicht mehr möglich.

Ein Mischbetrieb von Niederflur und Hochflur geht nicht. Die Linie 17, die im Innenstadtbereich die gleiche Streckenführung wie die Linie 10 hat, könnte dann nicht mehr fahren.

Wirtschaftlich wäre eine Einführung von Fahrzeugen mit Niederflurtechnik von Nachteil. Es wären speziell für Hannover entwickelt Fahrzeuge notwendig, da das Lichtraumprofil  nicht einfach von anderen Konstruktionen übertragbar ist.
Die bereits für viel Geld gebauten vier Hochbahnsteige auf der Linie 10 müssten abgerissen werden.
In den Werkstätten wäre ein Umbau für die Besonderheiten der Niederflurfahrzeuge notwendig. Die Betriebsreserve an Fahrzeugen müsste höher ausfallen, als bei einem für ganz Hannover einheitlichen System.

Wegen der steigenden Fahrgastzahlen wird man auch auf der Linie 10 Drei-Wagen-Züge einsetzen. Es sollte klar sein, dass wir bei Niederflur nicht von kleinen,  kurzen  Fahrzeugen reden, im Gegenteil, um die gleiche Anzahl an Fahrgästen zu transportieren braucht man etwas größere Fahrzeuge.

Erfreulicherweise sind mittlerweile 64% der Haltestellen im Stadtgebiet mit Hochbahnsteigen ausgerüstet. Ich halte es für wichtig den Ausbau der Haltestellen mit Hochbahnsteigen zu beschleunigen, damit der öffentliche Nahverkehr in Linden und in ganz Hannover für Mobilitätseingeschränkte nutzbar ist.

 

Jürgen Mineur
Ratsherr der Landeshauptstadt Hannover,
SPD-Mitglied

Meinungen und Kommentare dienen der Diskussion und geben nicht unbedingt die Ansicht der Redaktion wieder.

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Inzwischen ist alternativ auch ein Hochbahnsteig an der Leinaustr. (links) und Velberstr. (rechts) im Gespräch.