Linden-Park, Carlyle, Private Equity und Heuschrecken Gehen die Bauarbeiten im Ihme-Zentrum weiter oder nicht? Einigen sich Carlyle und die Berliner Landesbank? Während dieser Artikel geschrieben wird, gibt es über den Verhandlungsstand keine weiteren Informationen. Ein Scheitern kann nicht ganz ausgeschlossen werden. Wir wollen hier jedoch nicht spekulieren. Im Folgenden versuchen wir daher die Zusammenhänge im Allgemeinen und so
weit sinnvoll auch im Besonderen einmal näher zu betrachten. Der Investor des Linden-Park im Ihme-Zentrum ist The Carlyle Group – ein Private Equity Unternehmen. Privat Equity Unternehmen
sammeln außerbörslich Geld von Anlegern ein, um dieses in Projekte zu investieren. Ziel ist es nach entsprechenden Maßnahmen Gewinne zu erzielen und nach einigen Jahren ein Projekt oder eine Firma am Markt wieder gewinnbringend zu verkaufen. Das gelingt wie hier beim Ihme-Zentrum nur, wenn beispielsweise das Produkt entsprechend fit gemacht wurde. Oft handelt es sich dabei um Projekte, die von anderen Anlegern nicht als attraktiv angesehen wurden. Auf diese Weise kann schon mal aus einem
„Aschenputtel" eine „Prinzessin" werden. Grundsätzlich muss Carlyle ein Interesse am Gelingen des Linden-Park haben, denn der wirtschaftliche Erfolg als auch das für Investoren wichtige öffentliche Ansehen hängen davon ab. Es ist kaum vorstellbar, dass ein Scheitern des Linden-Park insgesamt zum Vorteil von Carlyle wäre. Diese Interessenlage
ist nicht vereinbar mit der Vorstellung einer „Heuschrecke", wie sie derzeit auch in Linden kursiert. Im Gegenteil. Heuschrecken hinterlassen, wenn sie weiter ziehen ein verwüstetes und abgegrastes Gelände, während sie selber satt sind. Private Equity müssen, wenn sie weiter ziehen, ein fruchtbares „Feld" voller Erträge verkaufen. Dann erst sind sie – konstruktionsbedingt - „satt". Das hat schon oft funktioniert, wenn auch nicht immer. Fehlinvestitionen und Übertreibungen sind - wie bei
anderen Investoren auch - nicht ausgeschlossen. Der Sachverständigenrat der Bundesregierung schätzte die Private Equity Unternehmen in seinem Jahresgutachten 05/06 positiv ein. Sie wachsen im Vergleich mit ähnlichen, anderweitig finanzierten Unternehmen überdurchschnittlich, schaffen mehr Arbeitsplätze und weisen einen höheren Anteil von
Investitionen in Forschung und Entwicklung auf. (siehe weiter unten) Über Privat Equity gibt es durchaus in der Fachwelt unterschiedliche Ansichten. Vor allem die Frage, wie stabil sie im Vergleich zu anderen Investoren in der wirtschaftlichen Krise sind, ist Gegenstand von Diskussionen. Die Zeit wird es zeigen. Über die Probleme bei der Finanzierung des Linden-Park hat sich bisher lediglich Carlyle öffentlich geäußert. (siehe weiter unten) Die Berliner Landesbank widerspricht der Stellungnahme von Carlyle in allgemeiner Form ohne dies zu konkretisieren, wie es in solchen Fällen üblich sei, so eine Sprecherin. Wir werden sehen wie es weitergeht. Gewöhnlich gut informierte Kreise, die mit dem Aufbau des Linden-Park befasst sind, äußern sich positiv über die Verhandlungen und glauben, dass die Baumaßnahmen bald weiter fortgeführt werden. Herzlichen Dank an meine kompetenten Gesprächspartner, die mit Hinweisen und Diskussionen geholfen haben.
Klaus Öllerer Letzte Aktualisierung: 15.02.2009 ----------------------------------------- Private Equity und Heuschrecken
Der Sachverständigenrat der Bundesregierung in seinem Jahresgutachten 2005/2006: „Die teilweise sehr undifferenziert geführten Diskussionen, im Rahmen derer Finanzinvestoren verkürzt zum Inbegriff von kurzfristig orientierten Spekulanten geworden sind und als ‚Heuschrecken' bezeichnet wurden, sind sicherlich mit auf ein mangelndes Verständnis
der Strategien dieser Marktteilnehmer zurückzuführen, die in Deutschland erst in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen haben. … Im Vordergrund der Debatte in Deutschland standen die Risiken für Unternehmen. Befürchtet wurde, dass kurzfristig orientierte Finanzinvestoren sich an einem Unternehmen beteiligten, die Unternehmung zerlegten
und Reserven auflösten, um dann die Beteiligung wieder zu verkaufen und das Unternehmen geschwächt zurückzulassen. Diese einfache Argumentationslinie ist ökonomisch nicht nachzuvollziehen, da sie unterstellt, dass Investoren systematisch den Wert des Unternehmens zerstören und anschließend ihre Beteiligung mit Gewinn realisieren können. …
Empirische Untersuchungen über die Auswirkungen von Private Equity, die für verschiedene Länder vorliegen, zeigen mehrheitlich, dass Private-Equity-finanzierte Unternehmen − verglichen mit ähnlichen, anderweitig finanzierten Unternehmen − überdurchschnittlich wachsen, mehr Arbeitsplätze schaffen, und einen höheren Anteil von F&E-Investitionen aufweisen." F&E-Investitionen = Investitionen in Forschung und Entwicklung ---------------------------------------- Stellungnahme der The Carlyle Group zum Linden-Park „Die Landesbank Berlin steht nicht zu den vertraglich vereinbarten Konditionen und verweigert die weitere Auszahlung der Kredite wegen nachträglich
gestellter Bedingungen, die nicht Teil der abgeschlossenen Verträge sind. Die bisherigen Bauleistungen wurden durch den Fonds [Carlyle Europe Real Estate Partners II] mit Eigenkapital vorfinanziert. Vor dem Hintergrund der nicht erfolgten Auszahlung der vertraglich zugesicherten Kredite ist eine Vorfinanzierung von weiteren Baukosten durch den
Fonds nicht möglich. Sollten die Finanzierungszusagen durch die Landesbank Berlin nicht eingehalten werden, wird die Projektgesellschaft die Bauarbeiten einstellen müssen. The Carlyle Group verfügt jedoch über das notwendige Eigenkapital um gemeinsam mit den Finanzierungszusagen der Landesbank Berlin das Projekt planmäßig erfolgreich durchzuführen." Frankfurt, 20.01.2009 Die Berliner Landesbank widerspricht der Stellungnahme von Carlyle in allgemeiner Form ohne dies zu konkretisieren, wie es in solchen Fällen üblich sei,
so eine Sprecherin. Stand: 12.02.2009
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