Bericht 01-09

 

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Sa, 10.01.2009,  Teil 1, Je früher, desto besser
Sprachförderung fürs Leben
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Nach dem ersten Beitrag wird ein Diskussionsforum eingerichtet.

In vielen Kindertagesstätten gehört es zum Alltag, dass dort Kinder unterschiedlichster Nationen betreut werden. So ist es auch in Linden-Limmer.
Bei uns in der KinderOase Linden besuchen zur Zeit 50 Kinder im Alter von 3-6 Jahren aus 12 verschiedenen Ländern die Einrichtung. Der Anteil, der mehrsprachig aufwachsenden Kinder beträgt in unserer Kindertagesstätte 90%. Daher ist eine unserer Hauptaufgaben im Elementarbereich die sprachliche Förderung aller Kinder zu unterstützen. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass auch bei deutschen Kindern ein Bedarf an Förderung zu beobachten ist. Aus diesem Grund haben wir seit 2003 eine Fachkraft für die zusätzliche Sprachförderung, die aber z.Zt. in zwei weiteren KiTas tätig ist. Sie arbeitet bei uns an drei Tagen in der Woche mit 18 Stunden.

Förderung von Anfang an
Für die meisten Kinder beginnt der Kindergartenbesuch mit drei Jahren. Er bringt für viele Kinder eine große Umstellung und Neuorientierung mit sich. Mangelnde oder gar nicht vorhandene Sprachkenntnisse erschweren die Situation zusätzlich. Damit Kinder motiviert sind sich sprachlich zu äußern, müssen sie sich wohl fühlen und Sicherheit und Vertrauen entwickeln können.

Der vertrauensvolle Kontakt mit den Erzieherinnen
und anderen Kindern kann helfen Sprachbarrieren zu überwinden. Zu Beginn der Kindergartenzeit ist es daher wichtig eine positive Beziehung zu den Kindern aufzubauen sowie Orientierungspunkte im Tagesablauf für die neuen Kinder zu schaffen, die ihnen mit wenig Deutschkenntnissen Sicherheit geben. Das tägliche Miteinander wird zunächst immer von den pädagogischen Fachkräften sprachlich begleitet. Gleichermaßen bedeutsam ist auch die entsprechende Gestik dazu.
Die Aufforderung: "Alle Kinder gehen Hände waschen" wird mit der passenden Handbewegung begleitet.
So baut sich innerhalb der ersten Wochen der Kindergartenzeit langsam ein kleiner Wortschatz auf.

Hexentanz und mehr
Zusätzlich erweitern wir mit immer wiederkehrenden Sing-, Tanz- und Fingerspielen die Sprachkenntnisse der Kinder. Beim "Hexentanz" oder den "10 kleinen Fischen" machen viele der neuen Kinder freudig mit.
Im Kindergartenalltag wird von den Erzieherinnen besonders darauf geachtet, dass Sprechanlässe geschaffen werden. Anlass zu einer sprachlichen Förderung kann jedes Spiel, jede Aktivität sein, z.B. im Morgenkreis über Erlebtes berichten, beim An- und Ausziehen, ein gemeinsames Frühstück planen, Rollenspiele ermöglichen (z.B. Mutter-Vater-Kind). Kinder entwickeln ihre sprachlichen Fähigkeiten, wenn sie Sprache erleben und dem Erwachsenen beim Sprechen zuhören und wenn sie sich selbst mitteilen und Sprache erproben.
Wenn die neuen Kinder sich gut eingewöhnt haben, werden, unter Einbeziehung von Dokumentationen, die sprachlichen Fähigkeiten der einzelnen Kinder festgestellt.
Zur Unterstützung können verschiedene Sprachstandsbögen (SISMIK, Elke Schlösser, "Wir verstehen uns gut") hinzugezogen werden. Daraus ergeben sich neue Fördergesichtspunkte.
In unseren Kindergruppen mit 25 Kindern können wir immer wieder beobachten, dass manche Kinder im Stuhlkreis Schwierigkeiten haben zuzuhören und etwas zu sagen. Sie fühlen sich nicht wohl, weil sie wenig verstehen und sich noch nicht trauen, dort etwas von sich mitzuteilen.
Aus diesem Grund arbeitet die Sprachförderkraft mit den meisten Kindern in Kleingruppen von 4-6 Kindern sowie in der Einzelförderung Hier besteht die Möglichkeit, die Kinder ganz individuell in ihrer Sprechfreude zu unterstützen. Unterschiedliche Medien werden dabei von ihr eingesetzt.
Ein Bilderbuch bietet den Kindern Dinge zu entdecken, die sie bereits kennen, neue Wörter tragen zur Wortschatzerweiterung bei. Der Einsatz einer Handpuppe, z.B. wie die Hexe Lisbeth, kann "wahre Wunder" bewirken, so dass die Kinder ihre Unsicherheit schneller verlieren.
Viele Bilderbücher bieten eine Vielfalt von Möglichkeiten über den Inhalt mit den Kindern ins Gespräch zu kommen. Besonders beliebt ist bei unseren Kindern "Die kleine Raupe Nimmersatt". Hier lernen die Kinder verschiedene Obstsorten und andere Lebensmittel kennen, die sie dann selbst einkaufen und anschließend verwerten. Sie erleben die Entwicklung eines Schmetterlings, lernen die Wochentage kennen und spielen die Geschichte mit musikalischer Begleitung nach. Warum ist dieses Buch so wichtig bei der Sprachförderung? Die Kinder haben neben dem erweiterten Wortschatz auf spielerische Weise die grammatikalischen Strukturen der deutschen Sprache kennen gelernt.
Aber auch viele Tischspiele können für eine gezielte Sprachförderung eingesetzt werden. Wir verändern oftmals einfach nur die Spielregeln und das "stumme" Memory trägt dazu bei, dass die Artikel "der, die, das" spielend gelernt werden. Bei der "Sprechhexe" sind die älteren Kinder gefordert, ähnlich klingende Wörter zu entdecken (z.B. Maus-Haus, Schuh- Kuh) und zu einer "Hexensuppe zu verarbeiten".
Das "gelingt" aber nur, wenn man noch zusätzlich den richtigen Hexenspruch dazu aufsagt. Das fällt den meisten Kindern
nach mehreren "Kochstunden" nicht mehr schwer.
Die Fortschritte jedes einzelnen Kindes werden regelmäßig dokumentiert und helfen dabei den Eltern über die Entwicklung ihrer Kinder zu berichten.

Birgitt Mühlenbrink

Erstveröffentlichung in der Linden-Limmer Zeitung 11/2008
Fotos: Klaus Öllerer
Letzte Aktualisierung: 07.01.2009

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Prince (5, Ghana), Harun (6, Türkei), Christian (6, Albanien), Sultan (5, Türkei) und Birgit Mühlenbrink

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Hier üben die Kinder das Reimen.

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Harun und die anderen Kinder machen begeistert mit.

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