Bericht 56-08

 

© Copyright    Die Inhalte angeführter Links und Quellen werden von diesen selbst verantwortet.

So.,12.09.2008, Linden-Mitte
Ihmezentrum - eine neue Chance

Beitrag Kommentieren
Nach dem ersten Beitrag wird ein Diskussionsforum eingerichtet.

2008.10.09_PA090232_1

Nach Abreißen kommt Aufbauen: Die Mall soll frei von Zugluft und unangenehmen Temperaturen werden. Links und rechts entstehen die zukünftigen Läden.

Mal quergedacht...
Ihme-Zentrum und das benachbarte Kraftwerk Linden
Das Kraftwerk Linden ist Kult, was durch Postkarten und T-Shirts ausgedrückt wird. Es wird von den meisten Lindenern überwiegend positiv mit dem Stadtteil verbunden.
Warum eigentlich? Wie das Ihme-Zentrum besteht das Kraftwerk hauptsächlich aus Beton und Stahl und ist riesengroß. Außerdem stößt es jede Menge Abgase aus. Aber es arbeitet mit Kraft-Wärme-Kopplung und gilt daher als umweltfreundlich.

Das Ihme-Zentrum ist energiesparsam, durch seine dichte Bauweise im Flächenverbrauch gering und stößt noch nicht einmal Abgase aus. Eigentlich müssten jetzt die Umweltherzen höher schlagen, oder?

Das Ihme-Zentrum vereinigt Wohnen, Einkaufen und Arbeit (Büros) in einem Gebäudekomplex. Das ist eigentlich eine gute Idee. Während bei den Wohneigentümern eine positive Grundstimmung „Wir wohnen gerne hier" vorherrschte, gab es von Anfang an Akzeptanzprobleme in den angrenzenden Stadtteilen.

Das lag nicht nur am Ihme-Zentrum selbst, das mit einigen Konzeptschwächen realisiert wurde, die im Zusammenhang stehen mit den vorherrschenden architektonischen Vorstellungen der 60er und 70er Jahre. Dazu gehören u.a. auch der kalte Baustil und die Ungemütlichkeit beim Aufenthalt in der Ladenpassage.

Es lag auch an einer veränderten gesellschaftlichen Stimmung. Zunehmend misstrauisch wurde Städtebaupolitik betrachtet, die alte Strukturen großflächig einriss, um dadurch Platz zu schaffen für „Betonburgen" und breite Straßen. Das Sanieren alter gewachsener Strukturen war beim Städtebau damals nicht hoch im Kurs.

Das Ihme-Zentrum wurde schnell als Symbol „eines menschenfeindlichen 'kapitalistischen Städtebaus'" betrachtet und als Fremdkörper empfunden. Dieses Image wurde es bis heute nicht mehr ganz los.

Während in Hannover solche „Mixed-Used-Projekte" bisher schwächelten, sind sie weltweit im Kommen und gelten als gute Investition. Carlyle wendet über 100 Mio € auf, um den Linden Park zu schaffen.

Der Linden Park unterscheidet sich in vielen Punkten vom „alten" Ihme-Zentrum. Bewusst wird die Anbindung und Offenheit nach Linden gesucht. Die Besucher aus der weiteren Umgebung sollen auch in der näheren Umgebung (Limmerstraße, Lindener Markt, Schwarzer Bär, Deisterstr., etc.) einkaufen gehen und Unterhaltung suchen, während die Lindener ihrerseits den Linden Park als einen Teil ihres Stadtteils empfinden sollen.

Bei Aktivitäten des Linden Parks wird inzwischen auch die Lindener Kultur und Geschichte gepflegt. Der Centermanager Oliver Jung ist selbst in diesem Stadtteil aufgewachsen: "Als Kind war ich völlig begeistert von diesem gigantischen Projekt, bin jeden Tag von der Schule ´rüber gegangen, weil ich das damals toll fand, auf so kleinem Raum so viele Geschäfte zu finden. Ich fand den Verfall sehr schade und unverständlich."

Derzeit laufen Gespräche über die Gestaltung der einzelnen Läden. Zur Eröffnung der Mall wird es 2009 ein Fest geben.

2008.10.07_PA070207_1

Aktuelle Informationen zum Projekt gibt es regelmäßig im Info-Büro des Linden-Park: Dienstag,15:00 - 17:00  in der Spinnereistraße 1, 2. OG

Doris und Dieter Schwärzel
Darum wohnen wir gerne im Ihme-Zentrum
Wir sind ein Ehepaar und seit 7 Jahren befinden wir uns im Ruhestand. Seit über 30 Jahren wohnen wir, davon nahezu 14 Jahre als Wohnungseigentümer, im Ihme-Zentrum. Erworben haben wir die Wohnung zur Absicherung im Alter.

In der zurückliegenden Zeit haben wir die Entstehung, die Einweihung, den anfänglichen Aufstieg, den langsamen Verfall und schließlich den tiefen Absturz des allgemein ungeliebten Wohn- und Geschäftskomplexes hautnah miterlebt. War in den Anfangsjahren bei den Ladenmietern und Bewohnern des Ihme-Zentrums die Begeisterung noch grenzenlos, so ist es in den letzten Jahren fast ein Makel geworden, im Ihme-Zentrum zu wohnen.

Einen erheblichen Anteil am schlechten Image hat die jahrelange, überaus negative Berichterstattung in den hiesigen Medien.
Diese haben wirklich keinen Anlass ausgelassen, über das Ihme-Zentrum verletzend, beleidigend und in vielen Fällen auch unzutreffend zu berichten. Dabei wurde leider der immer stärker desolat werdende Geschäftsbereich mit dem überwiegend intakten Wohnbereich genüsslich „in einen Topf geworfen".

Auch wir sind nicht gerade begeistert über die umstrittene und nicht mehr zeitgemäße Architektur des massigen Gebäudekomplexes, den die Stadt Hannover zu verantworten hat. Dennoch wohnen wir gern hier, da unsere geräumige, helle und behindertengerechte Wohnung sehr zentral zur Stadt und dem Stadtteil Linden gelegen ist. Sie bietet dazu einen herrlichen Panoramablick über Hannovers City - mit den zentralen Mittelpunkten Neues Rathaus und Marktkirche, welche bei Dunkelheit angestrahlt werden. Feuerwerke auf dem Schützenplatz können wir vom Sofa aus genießen.

Zudem blicken wir auf die Ihme und auf einen kleinen Stadtwald am Ihmeufer in Höhe des UJZ Glocksee, der ja leider bald den Arbeiten zum geplanten Hochwasserschutz zum Opfer fallen wird. Wir hören keinerlei Verkehrslärm, sondern erfreuen uns an den zahlreichen Sport- und Ruderbooten und den beiden Ausflugschiffen (=Wappen von Hannover und Leineschloss), die den Fluss täglich befahren.

Besonders wichtig ist uns auch die außerordentlich gute Hausgemeinschaft im Haus Ihmeplatz 8, die das weit verbreitete Vorurteil eines anonymen Wohnens in einem Hochhaus Lügen straft.

Die in Verbindung mit den Umbauarbeiten in die Kritik geratenen Lärm- und Staubbelästigungen bieten uns wenig Anlass zu Beschwerden. Sie beweisen uns dafür tagtäglich, dass der umstrittene Betonkomplex
zu einem hoffentlich gern besuchten künftigen Linden-Park revitalisiert wird – und dass wir wieder ein wenig stolz darauf sein können, hier zu wohnen: Wie schon erwähnt, wir wohnen nach wie vor gern im Ihme-Zentrum.

2008.10.25_kleinschraeg

Doris und Dieter Schwärzel

Fotoausstellung 20 Jahre Ihme-Zentrum
Genau 20 Jahre nach der Ausstellung „Das Ihme-Zentrum - Ein ges(ch)ichtsloser Raum?" haben sich Raimond Reiter und Michael Doege erneut mit dem Wohn- und Geschäftskomplex am Lindener Ihme-Ufer auseinandergesetzt. In ihrem neuen Projekt Ihme-Zentrum reanimieren? Oder: Ein Spaziergang im Linden- Park greifen die beiden Hobby-Fotografen die aktuelle Wirkung des Ihme-Zentrums in seiner Widersprüchlichkeit auf und verdichten diese zu einem Gesamteindruck, der die Gebäudeanlage in seiner Unterschiedlichkeit von Anspruch und Wirkung charakterisiert: Von einem städtebaulichen Vorzeigeobjekt zur Baustelle von heute - Zukunft ungewiss.

Vor allem die derzeitige Umbau- und Umbruchsituation hat Motive für die Ausstellung hervorgebracht, die ironisch auf die prekäre Lage des Ihme-Zentrums bezogen werden können. Die Natur hat hier - wie schon in der Ausstellung 1988 gezeigt wurde - keine eigenständige Bedeutung.

Sie ist Beiwerk, Dekoration, die in Beton gepflanzt wurde. Bestimmend ist die funktionale Struktur, die oft grau eingefärbt ist und kühl wirkt‚ verwinkelt und unübersichtlich.

Die Ausstellung verbindet aktuelles Fotomaterial mit Aufnahmen der 88-er Ausstellung zu einem facettenreichen Bild vom Ihme-Zentrum.

29. September 2008 bis 26. März 2009 Im Bildungsverein Viktoriastraße 1, Hannover-Linden.

www.ihme-zentrum.de.vu

 

2008.10.08_IMG_0156_1_1

Hier wird der Vorgang gerade demonstriert.
Er besteht überwiegend aus Handarbeit.
Staub entsteht nicht dabei, dafür aber ein unvermeidbarer riesiger Lärm.

Das Wasserstrahlverfahren
Wenn der Beton weg muss

In den letzten Jahrzehnten hat das im Winter verteilte Streusalz bleibende Schäden in den Böden der Parkplätze im Ihme-Zentrum hinterlassen. Es fraß sich durch den Beton und zerstörte zunehmend die Eisenarmierung.
Heute wird mit einem Hightech-Verfahren mittels Wasserdruck mit bis zu 2000 bar (!) der Beton weggespritzt und das Eisen frei gelegt. Zur Information: Der normale Luftdruck beträgt lediglich 1 bar.

2008.10.08_IMG_0158_1_1

Hell und weiß: Der bereits erneuerte Parkbereich macht jetzt einen viel freundlicheren Eindruck als vorher im Betongrau.

2008.10.08_PA080227_1_1

Herr Klasen ist der Projektleiter dieser riesigen Baustelle und Geschäftsfüher der ESP Hannover GmbH.
Er führt mit ca. vierzig Mitarbeitern das „organisierte Chaos" zu neuer Ordnung. Dabei muss die gigantische Zahl von bis zu 5.000 einzelnen Plänen ordnungsgemäß umgesetzt werden.
Die große Herausforderung besteht nun darin, die Umbaumaßnahmen an einem „lebenden" Objekt durchzuführen. Zum Beispiel kommt die Stromversorgung großer Teile von Linden aus den Trafoanlagen im Ihme-Zentrum. Allein das unterbrechungsfreie Umschalten auf neue Trafoanlagen

2008.10.06_PA060241_1

Raimond Reiter und Michael Doege

2008.10.06_PA060242_1

-> /Ironie/     "Spielen ... verboten" / 2008
Was war hier wohl zuerst, das Verbot oder das Plakat?

2008.10.08_IMG_0142_1

Nach Begutachtung, Reparatur und Neuverlegung wird der Beton wieder aufgebracht.

Text: Klaus Öllerer, soweit nicht anders benannt
Fotos: Klaus Öllerer, Linden Park
Letzte Aktualisierung: 25.10.2008