Meinung: Bibliotheken in Linden
Jürgen Mineur, SPD, Ratsherr der Landeshauptstadt Hannover Zusammenlegung der Bibliotheken in Linden 2004 wurde vom Rat der Landeshauptstadt, vor dem Hintergrund der zusammengebrochenen Einnahmen, das Haushaltskonsolidierungsprogramm 5 (HK V) beschlossen. Es galt den Handlungsspielraum der Politik zu erhalten und vor allen Dingen das ehrgeizige Projekt der Schulsanierung im Volumen von 110 Millionen Euro nicht zu
gefährden. Die Kommunalaufsicht hätte ohne Nachweis der Konsolidierung des Haushalts der Kreditaufnahme nicht zugestimmt. Vorausgegangen war eine heftige Diskussion, wo gespart werden kann. Das Ziel war, 10% auf der Ausgabenseite zu erwirtschaften. Erste Ansätze der Verwaltung nach der so genannten Rasenmähermethode in allen Bereichen die Ausgaben einfach um 10% zu deckeln, wurden schnell verworfen. Die Politik gab der Verwaltung vor einzelne Projekte
vorzuschlagen, bei denen die Einsparung insgesamt erzielt werden könnte. Einer dieser Vorschläge war die Zusammenlegung der beiden Bibliotheken Linden- Mitte und Linden-Nord. Das Einsparvolumen beträgt 245.000 Euro jährlich. Wer dieses Projekt heute in Frage stellt, muss deshalb auch sagen, wo im Kulturbereich stattdessen gespart werden soll. Jetzt vor den Sommerferien hat die Verwaltung ein Konzept für die Zusammenlegung
vorgelegt, das nicht nur einen Kompromiss, sondern eine deutliche Aufwertung der neuen Bibliothek in Richtung eines zeitgemäßen kulturellen und bildungsgerechten Angebotes bedeutet. Die neue Stadtteilbibliothek wird im Lindener Rathaus im Gebäudeteil an der Schwalenberger Straße angesiedelt werden. Im Rathaus sollen das Bürgeramt und ein Bildungszentrum (bestehend aus Volkshochschule, Selbstlernzentrum und der neuen Bibliothek) einen Ort bilden, an dem mit
einem auf einander abgestimmten Konzept den Bürgerinnen und Bürgern im Stadtbezirk Linden vielseitige Serviceleistungen und Bildungsangebote in modernen und technisch gut ausgestatteten Räumlichkeiten geboten werden. Diese Umsetzung des innovativen Konzepts wird durch Mittel aus dem EU-Strukturfonds (EFRE) in Höhe von 700.000 Euro gefördert. Die Fläche der neuen Bibliothek beträgt 890 m2. Die Bibliothek Linden-Nord hat im Vergleich dazu 425 m2 zur Verfügung.
Die neue Stadtteilbibliothek wird barrierefrei im Erdgeschoss und im ersten OG angesiedelt werden. Büroarbeitsräume, ein Sozialraum sowie ein Veranstaltungsraum für Bilderbuchkino, Klassenführungen, Lesungen etc. sind zusätzlich im Souterrain vorgesehen. Wer jemals in der alten Bibliothek in Linden-Mitte mit Rollstuhl oder Kinderwagen unterwegs war, wird den behindertengerechten Ausbau zu schätzen wissen. Die Ausleihe und Rückgabe der Medien soll automatisiert
erfolgen, so dass das Personal (6 Stellen gegenüber heute je Bibliothek 5,5 Stellen) für die direkte Beratung der Besucher/innen, für die Zusammenarbeit mit Schulen, Kitas und anderen Einrichtungen und Gruppierungen im Stadtteil und so auch für Aktivitäten im Bereich der Leseförderung eingesetzt werden kann. Außerhalb der Öffnungszeiten der Bibliothek besteht durch die Entleihautomaten die Möglichkeiten in den Öffnungszeiten des Rathauses Bücher zurückzugeben.
Den Rahmen dieses Artikels würde es sprengen die Gebiete „Zusammenarbeit mit Kindertagesstätten und Schulen" , „Integration und Migration" und „Angebote für Seniorinnen und Senioren" genauer zu beleuchten. Im Bericht der Verwaltung wird aber deutlich, dass auch diese Angebote nicht nur erhalten, sondern ausgeweitet werden. Kommen wir nun zu dem einzigen Nachteil. Die Wege werden für einige Nutzerinnen und Nutzer weiter, aber der Standort am Lindener Markt liegt
zentral im Stadtbezirk und ist sowohl für die in Linden-Süd als auch für die in Linden-Nord wohnenden Menschen zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen. Es besteht eine direkte Anbindung an die Linie 9 der Stadtbahn sowie an die Buslinien 120,100 und 200. Über die genannten Buslinien ist in einer fußläufigen Entfernung von 300 Metern auch die Stadtbahnlinie 10 mit der Station „Küchengarten" zu erreichen. Von hier aus gelangt man mit der Stadtbahn zum
jetzigen Standort der Bibliothek im Freizeitheim Linden. Damit ist die neue Bibliothek auch für die Bevölkerung aus Ahlem, Limmer und Linden-Nord gut erreichbar. Zwar verlängert sich der Weg für die Bewohner/innen aus diesen Stadtteilen, aber die größere Entfernung tritt hinter die verbesserte Ausstattung der neuen Bibliothek zurück. Vergleichbar ist die Zusammenlegung zweier Bibliotheken in der List (Bonifatiusplatz und Vier
Grenzen) im Bürger-Amt Podbipark. Hier gab es einen deutlichen Qualitätssprung und eine Zunahme der Nutzerinnen und Nutzer. Jürgen Mineur, Ratsherr der Landeshauptstadt Hannover Meinungen und Kommentare dienen der Diskussion und geben nicht unbedingt die Ansicht der Redaktion wieder. |