Um die Stadtbibliothek im Freizeitheim Linden ist ein heftiger Kampf entbrannt. Wie sehen die Fakten und die
Positionen der Kontrahenten aus ? Darum geht es im Folgenden. Im Jahre 2007 wurden die Bibliotheken im Stadtbezirk wie folgt benutzt: (Limmerstraße | Lindener Rathaus)
Besucher/-innen: 43.524 | 50.648, Entleihungen: 121.539 | 150.146 Veranstaltungen wie Bilderbuchkinos, Vorlesungen und Führungen: 166 | 220 Als noch einziger Stadtbezirk verfügt Linden-Limmer über zwei Bibliotheken. Daher erschien es dem Rat der Stadt Hannover folgerichtig im Zuge von notwendigen Haushaltseinsparungen eine der Bibliotheken zu schließen. Die Kommunalaufsicht hatte die Genehmigung von weiteren Krediten zur Schulsanierung im Jahre 2004 mit der Auflage von Sparmaßnahmen verbunden. So beschloss der Rat der Stadt die Stadtbibliothek Limmerstraße im Freizeitheim Linden in Linden-Nord zu schließen und mit der in Linden-Mitte zusammen zulegen. Die geplante Einsparung wurde mit 245.000 € pro Jahr angegeben. Gleichzeitig wurde eine Ausweitung des Angebotes geplant. Ein Medienzentrum soll entstehen (Bibliothek + Lernzentrum der
Volkshochschule) mit deutlich mehr Möglichkeiten für Nutzer und Nutzergruppen. "Vergleichbar ist die Zusammenlegung zweier Bibliotheken in der List (Bonifatiusplatz und vier Grenzen) im Bürger-Amt Podbipark. Hier gab es einen deutlichen Qualitätssprung und eine Zunahme der Nutzerinnen und Nutzer.", so Stadtrat Jürgen Mineur in einer Stellungnahme. Längere Wege Für die Nutzer bedeutet eine Zusammenlegung also mehr Leistung und für einen Teil auch längere Wege. Der Fußweg vom Freizeitheim Linden zum Lindener Markt beträgt 1.700 m. Nutzer aus dem Bereich Limmer und Ahlem, die die Straßenbahn benutzen, können ohne zusätzlich umzusteigen am Küchengarten aussteigen. Der Fußweg von der Straßenbahnhaltestelle
Küchengarten zur dann zusammengelegten Bibliothek am Lindener Markt beträgt jedoch nur unter 700 m (Google Earth). Die Erreichbarkeit scheint aus Sicht der Verwaltung auch für Bewohner aus Ahlem, Limmer und Linden-Nord zumutbar. In Ahlem verkehrt auch regelmäßig ein Bücherbus. Bezirksrat Linden-Limmer Der Bezirksrat hat selbst keine Möglichkeiten eine
Schließung und Zusammenlegung der Bibliotheken zu verhindern. Die Beschlüsse werden vom Rat der Stadt Hannover gefasst. Der Bezirksrat hatte in einem Beschluss den Rat aufgefordert vor einer Zusammenlegung die Nutzer zu befragen, um den bestmöglichen Standort zu finden. Das wurde abgelehnt. Initiative gegen die Schließung Eine Bürgerinitiative gegen
die Schließung der Stadtbibliothek hat bisher 3.500 Unterschriften gesammelt. Die Unterschriftenliste gibt es hier und auch hier. Demo Die Demo mit 70-100 Teilnehmern ist hier in
den Bildern dokumentiert. Das offensive Auftreten in der Fragestunde der Bezirksratssitzung erweckte den Eindruck von "unter Druck setzen". Matthias Wietzer (DKP) drohte der Bezirksratsmehrheit (rotgrün) mit einem heißen Sommer, heißen Herbst und heißen Winter. Mehrmals wurden Anwesende ermahnt ihre herabsetzenden Gesten während der Redebeiträge von Bezirksratsmitgliedern zu unterlassen. Die Rede von Matthias Wietzer kann hier nachgelesen werden. Bezirksbügermeisterin Barbara Knoke schloss dann schließlich die Fragestunde und forderte sichtlich genervt die Demonstranten zum Gehen auf. Versuch einer Zusammenfassung der Argumente: * Der Standort Freizeitheim Linden wird aufgegeben, um 245.000 € pro Jahr im Haushalt der Stadt zu sparen. * Die zusammengelegte Bibliothek am Lindener Markt wird im Angebot ausgeweitet und zu einem Medienzentrum entwickelt. * Für einen großen Teil der alten Besucher der Stadtbibliothek Limmerstraße ergeben sich längere Wege. Für die Verwaltung erscheint das zumutbar. 700 m beträgt der Mehrweg, wenn die Haltestelle
Küchengarten benutzt wird für z.B. Nutzer aus Limmer und Ahlem. * Die Kritiker sehen in den längeren Wegen eine bedeutende Verhinderung zum Lesen für Kitas, Schulen, Senioren, Bürger mit Kindern, Behinderte, Arme, kinderreiche Familien und für Nutzer aus Ahlem und Limmer. Das sei "kultureller und sozialer" Kahlschlag.
Diskussionsbeiträge sind erwünscht: -> mehr Nach dem ersten Beitrag wird ein Diskussionsforum eingerichtet. Fotos: Evi Schaefer, Klaus Öllerer, Text: Klaus Öllerer Letzte Änderung: 08.06.2008 |