Bericht 18-08

 

© Copyright    Die Inhalte angeführter Links und Quellen werden von diesen selbst verantwortet.

13.04.2008 Stichkanal
Schleusenplanung Limmer - Turbulenzen

Beitrag Kommentieren
Nach dem ersten Beitrag wird ein Diskussionsforum eingerichtet.

2008.04.11_Anlage10_1_1

Die sechs möglichen Standorte für die neue Schleuse sind rot schraffiert gezeichnet.
-> grosses Bild

2008.04.12_P4120175_1_2

Blick von der Brücke Eichenbrink.

Die Bedeutung des Lindener Hafens

Der Lindener Hafen ist ein relativ großes innerstädtisches Gewerbegebiet in Hannover und ein bedeutendes Speditions- und Logistikzentrum. Ungefähr 4000 Arbeitnehmer sind in rund 30 Betrieben beschäftigt. Einige dieser Betriebe sind auf den Wasserweg angewiesen. Dazu gehören das Tanklager, eine Zulieferfirma für Schiffsteile (Überlängen), die Schrottverwertung und Getreidesilos. Es besteht Gleisanschluß mit 16 Km Strecke. Im Jahre 2007 fuhren 493 Schiffe in den Hafen. Tendenz: steigend.
 

Spätestens seit Ende März ist es mit der Ruhe in der Umgebung der Schleuse in Limmer vorbei. Die Verwaltung veröffentlichte Ihre Drucksache zum Ausbau des Stichkanals. Dort werden sechs Varianten für eine vergrößerte Schleuse vorgestellt.
Ziel der Umbauarbeiten ist es dem Übergrossen Gütermotorschiff (ÜGMS) den Weg zum Lindener Hafen zu ermöglichen.
Etwa 4000 Arbeitnehmer sind in rund 30 Betrieben dort beschäftigt. Der jetzt geplante Ausbau soll die Wirtschaftsbedingungen erhalten und verbessern, damit nicht Abwanderung und Arbeitsplatzverlust die Folge sind.
Der Umbau wird 200 Millionen Euro kosten. Eine sowieso notwendige Sanierung ist mit einem Drittel dieser Summe veranschlagt. Ein Gutachten, das die wirtschaftliche Bedeutung des Hafenstandortes Linden ermitteln soll wird für das 3. Quartal diesen Jahres erwartet.
Die sieben Umbauvarianten sehen starke Einschnitte bei den Anliegern der Limmer Schleuse vor. Gewerbegebäude, Kleingärten und Wohnhäuser müßten weichen oder fänden sich in einer beeinträchtigten Umgebung wieder. Nur die Nullvariante, die den Neubau der alten Schleuse vorsieht, ließe die Anlieger ungeschoren. Sie hätte jedoch einen dreijährigen Ausfall der Hafennutzung mit allen wirtschaftlichen Schäden für Betriebe und Arbeitnehmer zur Folge und wird daher nicht weiter verfolgt.
In der Umgebung des Kanals regt sich inzwischen Widerstand, über den die Medien in den letzten Wochen ausführlich berichteten. Die Bewohner der  Dieselstr. 13-23 in Limmer bezogen ihre neuen Reihenhäuser erst vor sieben Jahren. Damals haben sie sich auf den städtischen Bebauungsplan und die Baugenehmigung verlassen. Sie befürchten nun Abriss oder eine große Spundwand gegenüber ihren Häusern. Sie sehen sich einem drastischen Werteverfall ihres Eigentums ausgesetzt. Der Ausbau „richtet unsere gemeinsame Lebensplanung sozial und finanziell zugrunde!" schreiben die Bewohner in einem Brief an Gremien und Mitbürger.
Die Erkenntnislage ist jedoch im Fluß. Aus gut unterrichteten Kreisen ist inzwischen zu vernehmen, dass eine Spundwand über den Uferrand hinaus vermeidbar sei.
Derzeit beschäftigen sich immer mehr Gremien mit dem geplanten Ausbau des Kanals. Der Bezirksrat Linden-Limmer und die Sanierungskommission Limmer sind eifrig dabei sich in die komplexe Problematik einzuarbeiten.
Das Finden von Lösungen, die allen Seiten gerecht werden können, dürfte dabei im Vordergrund stehen.

Fotos/Text: Öl
Letzte Änderung: 13.04.2008

Meinung

Die möglichen Folgen eines Kanal- und Schleusenausbaus in Limmer gehen weit über den Abriss einiger Reihenhäuser hinaus. Es könnten zahlreiche weitere Gebäude und Grundstücke betroffen sein, darunter eines der seltenen Restaurants in Limmer, eines der größten Kinderheime der Stadt, Industriedenkmale, zahlreiche schöne Brücken und technische Bauwerke, Badeplätze, Spielplätze, Spazierwege, Radwege, Treffpunkte, Sportanlagen und schöne Ausblicke. Jahrelange Belastungen durch Baulärm, Bauverkehr, Verkehrsbehinderung und Luftverschmutzung kommen dazu. Die Wasserstadtplanung müsste zum Teil revidiert werden und die Sanierung des "Alten Limmer" kommt schon jetzt erneut ins Stocken.
Ob dem gegenüber mittel- oder langfristig durch den Ausbau entsprechend große Vorteile für andere Menschen aus anderen Stadtteilen oder die Region Hannover oder den Klimawandel stehen, ist mehr als ungewiss. Diese Bilanz ist bisher nicht ausreichend geprüft worden.
Während der Sitzung der Sanierungskommission am 11. Februar wurde eine gründliche Prüfung des wirklichen Bedarfs für einen Ausbau unter Einbeziehung aller anderen hannoverschen Häfen als Grundlage für eine Entscheidung gefordert. Diese Grundlage gibt es bisher nicht. Die Verwaltung hat im Februar eine ‚Kosten-Nutzen Analyse' in Auftrag gegeben, mit dem ausdrücklichen Ziel, weitere Begründungen für eine Durchführung des Projektes zu schaffen. Bisher wird dem Ausbau des Stichkanals Linden bundesweit nur eine sehr geringe Priorität zugeordnet.
Natürlich gehen nicht alle Arbeitsplätze im Hafen verloren, wenn der Kanal nicht größtmöglich ausgebaut wird. Viele Arbeitsplätze dort stehen in keinem Zusammenhang mit der Kanalkapazität. Nahezu alle großen Firmen im Hafen haben zudem einen Gleisanschluss. Die wirtschaftliche Bedeutung des Hafens für den Haushalt der Stadt Hannover ist mit ca. 1,8 Mio Euro ziemlich unbedeutend. Sollte in 10 Jahren der Stahl-Boom vorbei sein, wäre es doch schade, wenn unter anderem deswegen 9 Jahre lang der Kanalausbau geplant und umgesetzt werden würde, um ihn dann noch 1 Jahr zum Schrott- und Stahltransport zu benutzen. Aktuell fahren ca. 1-2 Schiffe am Tag den Stichkanal entlang, nach dem Ausbau werden vielleicht 2-3 erwartet.
Es kann nicht Aufgabe der Bürger sein, sich aufgrund einer plötzlichen Bedrohung schnell selbst zum Experten für Bedarfsanalysen und fachliche Details der Hafenauslastung und Kanalausbauplanung ausbilden zu müssen. Verwaltung und Politik müssen solche Entscheidungen fundierter und mit mehr Bürgerbeteiligung vorbereiten.
Eine Gelegenheit zur Diskussion und weitere Informationen finden alle Interessierten unter http://groups.google.com/group/limmer_schleusenausbau

Anja Niezel, Limmer

Meinungen und Kommentare dienen der Diskussion und geben nicht unbedingt die Ansicht der Redaktion wieder.