Bericht 05-08

 

© Copyright    Die Inhalte angeführter Links und Quellen werden von diesen selbst verantwortet.

Fr.,25.01.2008, Dr. Annette Richter
Natursteine in Linden oder auch: Linden on the rocks
ein Rundgang von Quartier e.V.

Beitrag Kommentieren
Nach dem ersten Beitrag wird ein Diskussionsforum eingerichtet.

Die Fossilienausstellung mit den  „Lindenern von Gestern", wird bis zum 29.02. 2008 im Küchengartenpavillon gezeigt. Ergänzend dazu steuerte die Geologin Annette Richter den Quartier-Rundgang „Natursteine in Linden – oder auch: Linden on the Rocks" zehn Stationen zwischen dem Küchengartenpavillon und dem Schwarzen Bären an. Auf Schritt und Tritt stießen die Besucher auf Botschafter aus der erdgeschichtlichen Vergangenheit.

Die erste Stein-Schau war gleich am Küchengartenpavillon. Dr. Annette Richter (Foto, mit Zeigestock) servierte humorvoll wissenschaftliche Details.
Für den Sandsteinsockel und die Sandsteinfenster wurden Sedimentgesteine aus der "Unterkreide"-Zeit, dem jüngeren Erdmittelalter, vermutlich vom Nesselberg und/oder Deister, verbaut.

2008.01.25_p1250002_hl_Kue_Ga_Pa

Lindener Bergfriedhof, Obelisk der Grabstelle Ludewig/Schäfer
Der Grabstein besteht aus Pikrit, einem besonders dunklen Basalt, der vorwiegend in Hessen (Hirzenhainer Pikrit) vorkommt. Das vulkanische Gestein stammt aus dem Erdaltertum, dem "Oberdevon" Damals entwickelten sich gerde die ersten Tierarten, aber durch Vulkanismus und Meteoriteneinschläge starben 30% davon wieder aus.

2008.01.25_p1250009_hl_Friedhof_Grab

Rest der Von-Alten-Gartenmauer, Kalkstein mit vereinzelten Fragmenten von Meeresfossilien aus dem "Oberen Jura", dem typischen Lindener Berg-Kalk, 145 Millonen Jahre alt.
Ein flaches Meer bedeckte die Stelle, an der die Teilnehmer stehen.Baumhohe Schachtelhalme wuchsen im Sumpf und Großsaurier jagten im tropischen Klima.

Man muss sich strecken oder bücken, um noch Muscheln in der Mauer zu entdecken. In bequemer „Pulhöhe" sind schon alle Fossilien aus der Mauer herausgepolkt worden.

2008.01.25_p1250021_hl_Mauer_von_Alten

St. Martinskirche, im Innenraum besteht die Sockelstufe beim Altar aus „Anröchter Grünsandstein", aus  dem Erdzeitalter der "Oberen Kreide". Der Stein führt zahllose Fossilien, vorwiegend Herzseeigel- Anschnitte (siehe kleines Foto rechts) und robuste Muschelschalen. Sie lassen sich klar auf den Bodenfliesen erkennen.

Die kleinen Stachelhäuter haben sich als evolutionäres Erfolgsmodell entpuppt. Sie leben auch heute noch im Nordseeschlamm und ihre zerbrechlichen Überreste sind oft am Strand zu finden.

2008.01.25_P1250024_hl_Kirche

2008.01.25_P1250033_hl_Herzseeigel

Haus Davenstedter Straße (Delphinhaus) mit klar herausgearbeiteten Sandsteineinfassungen.
Roter Wesersandstein aus der "Unteren Trias", er wird in der Weserschleife bei Bad Karlshafen abgebaut. Er entstand vor 240 Millonen Jahren aus Flussablagerungen, wegen seiner kräftigen Farbe wird er auch auch gerne für Steinmetzarbeiten verwendet.
Im Dachbereich befindet sich eine Bauplastik, die einen Delphin darstellt. Das Haus ist frisch renoviert worden, doch die Sandsteineinfassungen der Kellerfenster sind bereits wieder mit Grafitti verhunzt worden.

2008.01.25_p1250042_hl_Delphinhaus

Beethovenstraße, Straßenbelag aus erkalteteter Lava, aus Basalt.
Der Basalt entstand im Miozän (Jungtertiär), die Herkunft ist höchstwahrscheinlich aus dem Raum Göttingen. Der Basaltbelag lässt Regenwasser in das Erdreich sickern, versiegelt also die Böden nicht. Leider glättet er sich im Laufe der Zeit und wird dadurch rutschig.

2008.01.25_p1250046_hl_Beethovenstr.

Lindener Hauptpostamt, Innenraum bei den Postlagerfächern, Bodenfliesen aus  Treutlinger Marmor aus dem Oberen Jura.
Bereits im Eingangsbreich tritt der Besucher auf zahlreiche Fossilien, darunter prächtige Ammoniten. Die aufgerollten Spiralen ihrer Gehäuse sind im hellen Fußboden deutlich auszumachen.

2008.01.25_p1250052_hl_Post

Pflasterung Lindener Markplatz , Eiszeitgletscher transportierten diese Steine aus Skandinavien bis in unsere Gegend. Nach der Schmelze blieben sie als Feldsteine liegen und wurden später als Baumaterial verwendet.
Sowohl rötliche Granite als auch rot-schwarze Migmatite wurden am Lindener Markt verarbeitet.

2008.01.25_p1250053_hl_Marktplatz

Haus Eleonorenstraße 22
Kreisrund wie Münzen sind dicht an dicht die Scheiben der Stängelquerschnitte fossiler Seelilien an der Wand zu sehen.
Die Hauswand besteht fast vollständig aus einer Muschelkalk-Verblendung. Entstehung im Mittleren Trias.

2008.01.25_P1250062_hl_Stuevestr

Endstation und endgültig kalte Füsse, der Schwarze Bär aus Diabas. Der Vulkanit stammt aus der Zeit des Devon und ist magmatischen Ursprungs .. die Teilnehmer hören jetzt gerne etwas über hohe Temperaturen....
Quartier e.V. plant am 15.03.2008 um 15:00 Uhr den nächsten geologischen Rundgang durch Linden. Start ist  wieder der Bergfriedhof.

Fotos/Text Evi Schaefer
Letzte Änderung: 03.02.2008

2008.01.25_p1250065_hl_Baer