Der Lindener Bergfriedhof soll wieder für Bestattungen geöffnet werden. Das ist der Wunsch vieler Menschen hier in Linden, unterstützt werden sie dabei von der AGLV, dem Bürgerverein e.V. und dem Bezirksrat Linden/Limmer.
Eine Podiumsdiskussion am 20.11. sollte klarstellen: was wollen die Lindener und was kann die Stadt ermöglichen?
Die Friedhofsverwaltung sagt an diesem Abend, dass nicht mehr als 20 Urnenbestattungen pro Jahr möglich sind. Mehr Platz steht auf dem Lindener Bergfriedhof nicht zu Verfügung. Linden ist ein ethnisch-religiös gemischter Stadtteil und Urnenbegräbnisse kommen hier für viele Menschen nicht infrage. Vertreter der Stadtverwaltung und der Kirche sehen in der
Wiederaufnahme von Bestattungen und der kleinen Anzahl von nur 20 Urnenbegräbnissen pro Jahr ein großes Konfliktpotential. Muslime und auch Juden lehnen Urnenbestattungen ab und würden somit von der Bestattung am Lindener Berg ausgegrenzt. Das sollte man angesichts der Bemühungen um einen Dialog doch bedenken, mahnte Frau Pastorin Panhorst-Abesser. Dieses Agument löste teilweise heftige Reaktionen aus. Weiter: Wer will denn entscheiden, welcher Mensch auf dem Bergfriedhof bestattet wird? Unfrieden wird befürchtet. Und außerdem sei ja auf Friedhöfen in benachbarten Stadtteilen genug Platz vorhanden, so die Verwaltung.
Doch eine Bestattung in Ricklingen wollen die Menschen in Linden nicht mehr so einfach akzeptieren. Für mobilitätseingeschränkte Hinterbliebene entpuppt sich die Fahrt zum Friedhof nach
Ricklingen oft zu einer Odyssee. Die Teilnehmer der Diskussionsrunde haben genug Ideen: Es gibt Friedwälder oder Bestattungen „unter dem grünen Rasen", da passen doch viel mehr Urnen auf den Friedhof, es kann doch eine kreative Lösung gefunden werden. Vielleicht sogar etwas noch nie da gewesenes. Die Umweltschützer auf dem Podium und im Publikum sehen es differenziert: der Bergfriedhof ist ein verwildertes Biotop, das macht seinen Charme aus. So, wie er jetzt ist, gefällt er den Menschen.
Aber was wird, wenn Plastikgießkannen, frischer Grabschmuck und Trauergesellschaften zum täglichen Bild werden? Andererseits ist es eine Kulturlandschaft und für den Menschen da. Man muß die unterschiedlichen Bedürfnisse sensibel austarieren. Der Friedhof wird sich durch die Bestattungen verändern, das ist allen Beteiligten klar.
Eine Idee ist geboren und der Anfang sie zu verwirklichen ist gemacht. Diskussionsleiter Rolf Harre resümiert: „Ich bin mit dem Verlauf der Podiumsdiskussion
sehr zufrieden. Gute Beteiligung und Diskussionen auf hohem Niveau. Ich hoffe, dass durch die Veröffentlichung in den Medien und die Aufnahme von Gesprächen durch den Bezirksrat mit dem Rat der Stadt, wie der anwesende Fraktionsvorsitzende Uwe Horstmann (SPD) bestätigte, die Tür zu unseren Anträgen geöffnet wird."
Fotos: Öllerer/Text: Schaefer Letzte Aktualisierung: 24.11.2007 |