Bericht 56-06

 

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Sa., 30.09.2006, Ein Artkitchen-Projekt im Apollo Kino Linden
„Midnight Radio":  Konzert + Film + Lesung =  tolle Radioshow !

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Jan Müller (links im Bild) setzt schon mal zum Singen an, während Moderator Marcus Hawel die Simmung auf sich wirken lässt...

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Kleiner Soundcheck kann nicht schaden: Jens Windeler (hier am Saxofon, ganz links im Bild), Daniel Reinke am Bass und Klaudia Czicho- rowsky stimmen die Instrumente und sich selbst auf den Abend ein. Ganz rechts: Marc Seestaedt an der Gitarre.

Am Ende gab es reißenden Applaus und Zugaberufe : Zum zweiten Mal konnte „Midnight Radio" bewiesen, dass sich Musik, Moderation und Film zusammen zu einer guten live-Radioshow ergänzen können. Nachdem „Midnight Radio" schon im Kulturpalast seine Premiere gegeben hatte, hatte nun diesmal das Apollokino in Linden die Ehre das Projekt zu präsentieren.
„Midnight Radio" – ein Projekt, „erdacht und aufgetischt" von Artkitchen, der Projektplattform für Mixmediakunst, bot dem Publikum eindrucksvolle 90 Minuten Lesung, Musik und Film in einem.
Durch den Abend führte Marcus Hawel, promovierter Soziologe, freier Publizist und Mitherausgeber von Sopos.org. Er moderierte, kommentierte die Songs und las kurze Texte u.a. zu der Bedeutung der Zeit oder des Taktes – durchaus und auch gerne philosophisch angehaucht. Titel der Texte waren beispielsweise: „Von der Rebellion gegen die Uhr zum Anhalten der Zeit" und „Unruheschwingsystem". Köstlich anzuhören war der Text „Minutenschlaf + Waffengang"- ein Text über eine typische Sachbearbeiterin („Frau Flynt – Stephanie hieß sie...") und einem Herrn H., der sich in sie verliebt und daher mit allen Mitteln versucht, sooft wie möglich vor ihrem Schreibtisch zu landen. Nachdenklich machte die Passage „Die Schönheit des Taktes", nicht zuletzt durch Marcus Hawel's Stimme und die Art wie er die Texte rüberbrachte.
Die Band dagegen, bestehend aus Marc Seestaedt an der Gitarre und Gesang, Jan Müller (voc, git, keys bekannt von der Band Belmondo Beat), Klaudia Czichorowsky (voc, sang schon bei KoExistenz), Jonnie Winkler (drums, spielt in mehreren Bands u.a. Die Stimme des Herrn), Daniel Reinke (bass, machte schon Musik bei Phildog und Belmondo Beat) und Jens Windeler (sax, tr, keys, spielt u.a. bei Rauschabstand, Vorbrot und Well) spielte passend zu den Texten u.a. Songs von Belle & Sebastien, Radiohead („Exit Music"), Nancy Sinatra („You only live twice" aus einem Bond-Film) und den Doves („M62 Song"). Sehr schön waren die Interpretierungen der Songs von Radiohead, Velvet Underground („Stephanie says" – passend zu dem oben erwähnten Text) und „Your life as a sequel" von Lambchop, vor allem durch die schöne Ergänzung der Stimmen von Klaudia Czichorowsky, Marc Seestaedt und Jan Müller. Gänsehautgefühle kamen bei der Zugabe auf, einem Cover von Paul McCartney. Nach jedem Song gab es viel Applaus und gerufene Kommentare; insgesamt herrschte also eine lockere, typisch Lindenhaft-kultige Atmosphäre – woran das Apollokino keinen unbedeutenden Teil hinzugetan haben dürfte.
Abgerundet wurde der Abend von dem im Hintergrund laufenden Film, einem Roadmovie von Katharina Anna Helming. Der eigens für das Projekt und den Abend produzierte Kurzfilm zeigte ein Auto, das der Dämmerung und der Nacht entgegen fährt. Landschaften, Autobahnen, aber auch bekannte Plätze in Hannover und vor allem Linden zogen vorbei und nahmen das Publikum mit auf die Reise. Dazwischen stoppte das Auto immer mal wieder und zeigte skurrile und absurde Situationen oder Begebenheiten. Das spannende an dem Film war, dass man sich vorstellen konnte, selber in diesem Auto zu sitzen und nebenbei Radio zu hören, aus dem Musik und Geschichten erklingen, denn der Abend wurde live übertragen auf Radio Flora und im Internet als Livestream.
Das Projekt „Midnight Radio" ist also nur zu empfehlen und man sollte sich die Chance nicht entgehen lassen, mitgenommen zu werden auf eine Reise durch Träume und Sommerabende, Musik und Geschichten, die mal komisch mal nachdenklich alltägliche Begegnungen und philosophische Ansätze schildern.

Text/Fotos:  Tamara Laake
Letzte Aktualisierung: 06.10.2006