Bericht 48-06

 

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Sa., 02.09.2006, Reisetagebuch
Schwedentour 2006
Oder
Die Erfüllung eines oftmals geäußerten Wunsches
Zu den Kapiteln:  
18.8. Werner   19.8. Werner   20.8. Werner    21.8. Miriam    22.08. Miriam    23.8. Werner   24.8. Denise    25.8. Schreibt

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Nach dem ersten Beitrag wird ein Diskussionsforum eingerichtet.

2006.09.08_Abendsee_1
Dieses Mal ist alles anders. Das begann schon mit der Termin-und Zieldiskussion im Herbst 2005, denn es gab keine. Stattdessen wurden alle Wanderpaddler mit der mehr oder weniger egoistischen Aussage des Wanderwartes konfrontiert, dass die Sommertour nach Schweden geht.
Dann der Schock: Keine Kajaks, sondern Canadier sollten die Fortbewegungsmittel werden. Welcher Frevel! Die Begeisterung hielt sich in Grenzen!
Dennoch machte sich unser Wanderwart bereits im Januar unverzagt an die Planung, recherchierte, stellte vor, nahm Sonderwünsche auf, plante um, machte Werbung, plante um, buchte Fährverbindungen, wartete auf endgültige Zu- oder Absagen, buchte die Fähren um, stimmte Details ab, buchte noch mal um (es sollte nicht das letzte Mal sein), plante noch mal neu und nach der 3. Detailbesprechung und der definitiv letzten Anmeldung und Abmeldung von Teilnehmern wurde dann Mitte Juli (Anmeldeschluss war der 31.März!) die endgültige Teilnehmerliste an das Reisebüro gesendet.
Kann eine Tour, die in der Vorbereitung so chaotisch wirkt, die Serie der letzten 3 Jahre fortsetzen, in denen gerade die Sommertouren sich wachsender Beliebtheit und Teilnehmerzahlen erfreute?
Eine weitere Neuerung, die bei dieser Tour ins Leben gerufen wurde, gibt allen Interessierten die Möglichkeit sich selbst ein Bild zu machen.
Unser Tourtagebuch, das jeweils die Tageseindrücke eines anderen Teilnehmers widerspiegelt, wird an dieser Stelle veröffentlicht und wöchentlich um ein Kapitel            ( = 1 Tourtag) erweitert.
In diesem Sinne wünsche ich allen viel Spaß beim Lesen und einige spannende Wochen.

Martin Roschke

Reisetagebuch Paddeltour vom 18.-27.8.06

Dalsland-Kanal in Schweden

18.8.06 Werner schreibt

Christa holt mich morgens pünktlich um 10 Uhr mit meinen gefüllten Packsäcken von zuhause ab. Nachdem wir Ingrid aus Linden mit einem Vielfach an Gepäckstücken „verladen" haben – und mir die ersten Zweifel kommen, ob alles in unser Zweierkajak passt -, geht`s zu unserem Treffpunkt: Bootshaus vom Kanu-Club Limmer. Hier haben bereits einige unserer Mitreisenden ihre Habseligkeiten in Packsäcken verschiedener Größe und Farbe, Kisten und Kartons voller Lebensmittel zur Verladung aufgereiht.

2006.09.08_Campingauto_1 

Zuerst sind die Boote dran. Vier sollen auf Martins VW- Bus befestigt werden. Ein Einmannkajak, mein Zweierkajak und zwei Kanadier werden vorwiegend von uns Männern hoch gehievt und auf dem Dachträger vertäut. Inzwischen hat ein Dauerregen eingesetzt und nach kurzer Zeit läuft uns das Wasser in die offenen hoch gestreckten Ärmel und Nackenausschnitte. Pitschnass geht es daran, das Innere des Fahrzeugs mit den Mengen von  Gepäckstücken, Lebensmittelkisten, Kocher und Gasflasche im Gepäckraum und auf den Rückbänken zu beladen. Erstaunlicherweise gelingt das – dank unseres „Verpackungskünstlers" und Tourenleiters Martin - hervorragend. Der übernimmt das Steuer neben Miriam, seiner Frau. Charlotte, Rita, Ingrid und ich schlüpfen hinter bzw. neben den Berg der Packsäcke, was unsere Sicht nach Außen ziemlich beeinträchtigt, aber  auch eine schummrig- behagliche Stimmung vermittelt.
Zu unserer Crew gehören  Claudia, Denise und Verena, die von Jochen in dessen mindestens 20 Jahre alten Dieselgolf 2 chauffiert werden.
Um 12 Uhr starten wir vom Kanuclub in Richtung Westschnellweg. In Kolonne führt unser Weg über die Autobahn nach Hamburg. Auf einer Raststätte übergeben Martin und Miriam ihre Tochter an die schon wartenden Großeltern. Wir fahren nun weiter nach Kiel. Immer noch regnet es ununterbrochen. Schließlich kommen  wir im Hafen an und als der Skandinavienkai und die riesige Stena-Autofähre auftauchen, kommt bei mir Urlaubs- und Fernwehstimmung auf.
Uns bleiben 1 ½ Stunden bis zur Verladung, die ich dafür nutze, ein schnell trocknendes Hemd aus Kunststofffaser zu kaufen.
 2006.09.08_Mitreisende_1
Mittlerweise hat es aufgehört zu regnen. Gegen 18.30 Uhr fahren wir in den riesigen Bauch der Fähre ein. Sofort schlägt uns ein penetranter Geruch von Fisch und Motorenöl entgegen. Ich habe das Bedürfnis so schnell wie möglich an Deck zu gelangen. Das Fährschiff hat elf Ebenen. Auf der siebten Etage befinden sich unsere Kabinen. Fenster -lose enge Vierbetträume, die aber recht komfortabel mit Duschraum eingerichtet sind. Ich teile die Kabine für die Nacht mit Denise, Verena und Jochen.
Gegen 19.30 Uhr legt der Koloss ab. Wir stehen auf dem Sonnendeck und sehen über die Kieler Förde, die Lichter der Hafenstadt. Menschen so klein wie im Puppenhaus gehen den Kai entlang. Rosa Neonröhren in den Fenstergalerien  des Eros-Centers schicken uns auf die Reise über die Ostsee. Bald sind wir auf hoher See. Vor uns liegt eine 12-stündige Überfahrt nach Göteborg.
Das Schiff bietet alle Annehmlichkeiten eines fahrenden Hotels. Mir fallen zuerst die einarmigen Banditen auf, die reihenweise auf den oberen Etagen zum „Füttern" einladen. Ich kaufe mir im Bordrestaurant für 10 € Lachs mit Krautsalat, Weißbrot und Butter und vertilge es zusammen mit Ingrid an einem Tisch, von dem wir auf das offene Meer sehen.
Dann durchstreifen wir den Supermarkt, ohne dass ich etwas kaufe. Dafür hat Martin ein Pack mit 24 Dosen Warsteiner-Bier geordert. Als Ingrid und ich auf eine muntere Runde in einer Ecke von Deck 7 treffen, ist der Vorrat schon dezimiert. Denise und Verena unsere "Nesthäkchen" erweisen sich als trinkfest. Im Gegensatz zu mir. Zwei Dosen Bier sind mein Verhängnis. Schon in der Nacht tut mir der Kopf weh und morgens ist mir dazu noch speiübel. Nichts ist mit einem leckeren Bordfrühstück für 9€.

19.8. Werner schreibt

Angeschlagen besteige ich mit den Anderen unser Fahrzeug, als die Fähre gegen 8.30 Uhr im Hafen von Göteborg angelegt hat. Vorzugsweise wird mir „Kranken" der Platz hinter der Beifahrerin  neben der Schiebetür zugebilligt aus Sorge, mein Mageninhalt könnte sich am falschen Ort entledigen.
Von Göteborg aus geht es erstmal auf die Autobahn in Richtung Norden. Es regnet. Noch ungefähr zwei Stunden brauchen wir bis Bengtsfors und ich hoffe auf trockenes Wetter. Die Landschaft ändert sich. Es geht über Nebenstrecken durch waldreiche Gegenden mit Seen, über kleine Dörfer und an typisch dunkelrot gestrichenen Häusern vorbei.
Mein Zustand bessert sich zusehends dank der Tablette von Denise.
In Bengtsfors steigt Wolfram zu, der braungebrannt  schon eine 14-tägige Wanderung mit einem 24-kg-Rucksack hinter sich hat.
Als wir unserem Einstiegsziel am Dalslandkanal in Gutavsfors näher kommen, lässt der Regen tatsächlich nach.
2006.08.19_Bootsladung_1Nun ist die spannende Frage:
Wie bekommen wir unsere unzähligen Gepäckstücke in den Booten unter? An der Einstiegsstelle mieten wir zwei Kanadier aus Aluminium.
Überraschendes Ergebnis ist, dass wir die Last tatsächlich auf den Booten unterbringen! Auch unser Kajak ist zwar voll beladen, liegt aber noch verhältnismäßig hoch über der Wasserlinie.
Um 13.30 Uhr sitzen alle in ihren Booten. Zunächst geht es durch eine Schleuse. Das Wasser wird drei Meter heruntergepumpt und das Schleusentor zum tiefer gelegenen See aufgemacht. Vor unseren Augen öffnet sich der weite Horizont des Seengebietes von Dalsland.
Der Himmel liegt grau über dem See. Der Wind schlägt kleine Wellen in das Wasser, das sich an den Booten bricht. Wir kämpfen mit den Wellen, um die Richtung zu halten. Wir paddeln ca. 2 ½ Stunden unter dunklen Wolken, die aber keine Regentropfen frei lassen. Gegen Abend kommt unser Etappenziel in Sicht. Eine felsige Bucht mit Nadelbäumen bewachsen. Wir nehmen eine flache Anlegestelle ins Visier, die jedoch bereits von einer anderen Paddlergruppe besetzt worden ist. Da noch genügend Lagerplätze vorhanden sind, legen wir an.
Ein grünes hölzernes Plumpsklo erhebt sich im Anstieg zu einem niedrigen Hügel, hinter dem sich eine weitere kleine Bucht öffnet. Zu meinem Erstaunen entdecke ich dort eine Lokalität mit Einsverkauf, worauf bereits im offenen Wasser vor der Küste eine lebensgroße Eskimofigur kündete. Meine Illusion über Leben in der Einöde ist etwas angeknackst.
Nachdem wir angelandet sind, muss es schnell gehen. Erstmal die Zelte aufstellen, denn der Himmel verheißt nichts Gutes. Über der Kochstelle wird ein Tarp gespannt, das sich als äußerst praktisch erweist, denn der Himmel öffnet seine Schleusen kaum, dass unsere Behausungen stehen und die Proviantkisten entladen sind.

2006.08.19_Waldlager_1
 
Miriam, Claudia und Rita bereiten fleißig eine warme Mahlzeit vor und bald sitzt eine gemütliche Runde unter dem Tarp in den mitgebrachten Regiestühlen, die jetzt unseren gebeutelten Wirbelsäulen vom Sitzen im Kajak wohl tun.

20.8. Werner schreibt

2006.09.22_amSee_1

Morgens hat der Regen nachgelassen – ideal für eine Tour unter trockenem Himmel. Gegen 7 Uhr beginnt sich das Leben auf dem Lagerplatz zu regen. Ingrid und Claudia trauen sich ins kühle Nass. Auch Martin wurde bibbernd am Ufer gesichtet. Ob es zur Wasserberührung kam, ist allerdings nicht nachgewiesen. Fest steht, dass ich trocken blieb. Vielmehr bin ich seit der morgendlichen Dusche auf der Göteborg-Fähre ungewaschen.
Als wir um 10.15 Uhr mit den Kanus starten, ist keine Wolke am Himmel und so bleibt es auch den ganzen Tag über. Nach 2 ½ Stunden flotter Fahrt erreichen wir Lennartsfors. Von weitem sehen wir die Anlagen eines Kraftwerks, das Energie aus der Wasserkraft der Seen gewinnt. Daneben entdecken wir die Schleuse, durch die wir in den oberen See gelangen. Wolfram als Vorauskommando hat schon erkundet, ob der Supermarkt heute (Sonntag) am Ort geöffnet ist. Wir müssen noch einkaufen, weil unsere Wasser- und Brotvorräte zur Neige gehen. Doch leider zeigt das Schild am Laden „stängt" – geschlossen.
2006.09.22_inderSchleuse_1
Vor dem unteren Schleusentor warten bereits eine Gruppe von Paddlern und ein Motorsegler darauf durchgeschleust zu werden. Doch erst ist der Gegenverkehr vom oberen See dran. Drei Schleusentore müssen vom oberen zum unteren Wasserabschnitt passiert werden. Dabei wird das Wasser zwischen zwei geschlossenen Schleusentoren abgelassen bzw. aufgefüllt, je nachdem ob es zum unteren oder oberen See geht. Bevor sich die Schleusentore öffnen, halten sich die Kanufahrer an Tauen fest, die an den Außenwänden der Schleusenabschnitte befestigt sind und vom Schleusenwärter herab geworfen werden, damit die Paddler vom Sog des Wassers nicht nach vorn gerissen werden.
 
Der junge blonde Schleusenwärter gibt über dem Schleusentor stehend genaue Order an die wartende Paddlergruppe im Wasser. Mindestens eine dreiviertel Stunde vergeht bis unsere Gruppe zum oberen See durchgeschleust worden ist.
Inzwischen sinnierte ich darüber, ob der schwedische Schleusenwärter uns Deutsche eventuell unten schmoren lässt, um nach den zwei Niederlagen der schwedischen Fußballnationalmannschaft gegen die deutsche Mannschaft auch einmal eine Genugtuung besonderer Art zu haben. Aber unser Schwede hat ein Einsehen oder ist kein nachtragender Fußballfan.
Auch die Mauern der Schleusenkanäle finden unsere Aufmerksamkeit. An den überstehenden Mauersteinen herrscht ein reges Tierleben und –sterben. Mäuse oder Lemminge, wie Wolfram behauptet, wieseln behände über die Mauervorsprünge, fallen ins Wasser unter den bedauernden Kommentaren der meist weiblichen Paddler, schwimmen weiter oder ertrinken einfach.
Nach dem Erlebnis in den Schleusen haben wir uns einen Kaffee verdient. Das einzige Cafe von Lennartsfors bietet einen weiten Panoramablick über die Seenlandschaft des Dalslandkanals. Die schwedische Konditorkunst präsentiert üppigen Schokonusskuchen und Kaffee in individuell designten Kaffeetassen (Marilyn Monroe auf meiner, Totenkopfmotiv auf Verenas Tasse).
Munter geht es auf einem Bohlenweg unterhalb der Felsen am Wasser entlang zurück zu der Stelle, an der wir unsere Boote vertäut haben. Der letzte Paddelabschnitt dieses Tages liegt nun vor uns. Nach anfänglich träger Fahrt, jedenfalls was Ingrid und mich angeht, kommen wir doch noch einmal auf Hochtouren. Dank der sonnigen Witterung ist das Paddeln ein Vergnügen.
2006.09.22_amFeuerplatz_1

Froh und kaputt bin ich, als wir gegen 18.30 Uhr unsere Lagerstelle erreichen und erleichtert feststellen, dass sie nicht anderweitig besetzt ist. Zeltaufbau und Proviant auspacken sind schon geübt und ich freue mich auf eine warme Mahlzeit: Spaghetti mit Fleischsoße. Die Soße für die Vegetarier wird mit selbst gefundenen Pilzen angereichert, die jedoch nicht bei allen Essern Begeisterung auslösen.

21.8. Miriam schreibt

Gestern saßen wir an unserem ersten Lagerfeuer. Das war richtig gemütlich und warm! Heute Morgen sind fast alle von uns zeitig aufgestanden. Nach einem Sprung ins wirklich eiskalte Wasser waren meine Sinne erst einmal für ca. eine Stunde ernsthaft betäubt. Nach einem schnellen Frühstück ging es gegen 10 Uhr wieder in die Boote – bei strahlendem Sonnenschein – welch Glück! Die ersten Paddelschläge gingen nach der langen Etappe von gestern (23 km!!!) noch etwas mühsam von der Hand. Nach ca. 6 km Strecke durch wunderschöne Natur landeten wir bei der ersten Umtragestelle des Tages an. Wie gut, dass wir vorher noch nie hier waren und deshalb nicht wussten, was auf uns zukam! Frohen Mutes ging es los.
2006.08.21_KanuStrasse_1

 
Der erste Stolperstein waren die (bzw. einige) Bootswagen, die leider Plattfüße hatten und somit das Fortbewegen div. Boote ernorm erschwerten. Das alles natürlich noch bei strahlendem Sonnenschein, ein Weg durch eine idyllische typisch schwedische Landschaft, bergauf bergab, Schotterwege, Schlaglöcher- See! Dort angekommen (nach gefühlten 5 km, tatsächlich waren es knapp 3km), pausierten wir bis alle Boote da waren. Zwischendurch wagten es einige draufgängerische, anlandende junge Leute unser!!! Boot zu rammen, was bei mir einen tierischen Wutanfall ausgelöst hat!!!
So, weiter ging es mit frischer Energie und leider nassem Wetter (Platzregen). Ich glaube, so nass waren wir bisher noch nicht! Zwischendurch hörte es auch mal auf zu regnen, bis wir nach ca. 2 km Fahrt an die nächste Umtragestelle kamen. Regen – Umtragen (ca. 300 m) durch Schlamm, Baumwurzeln, Pfützen, Matsch, Steine – Boote ins Wasser, weiter geht's!
Nach ca. 4 km kamen wir an die erste Lagermöglichkeit, auf einem hohen Felsen gelegen und noch frei. Doch nach erster Besichtigung stellten wir fest, dass dieses Eiland leider schon von unzähligen Ameisen bevölkert war, so dass wir wieder weichen mussten. Wer teilt seinen Schlafsack schon gerne mit Krabbeltierchen… Ich nicht! Also weiter, bis zum nächsten Lagerplatz (1 km). Eine schöne Insel mit mehreren Plätzen und Feuerstellen. Auf einer Landzunge ließen wir uns nieder.
Während ich die Eindrücke des Tages niederschreibe, bemühen Werner, Verena, Denise und Charlotte sich das Abendessen vorzubereiten (gebratene Nudeln für Martin , für alle anderen Bulgur mit Gemüse). Morgen werden wir einen Ruhetag einlegen, um neue Kräfte für den Verlauf unserer restlichen Tour zu sammeln.

22.8. Ingrid schreibt

Heute Morgen wurde ich durch intensive Gespräche geweckt (Martin, Jochen und Wolfram). Danach schritten drei tatkräftige Männer an meinem Zelt vorbei.
2006.08.22_Freilufttoilette_1Vorangegangen war, dass wir gestern nach unserer Ankunft auf dieser mittelgroßen Insel entdecken mussten, dass die Toilette fast voll war. Später, nachdem wir gegessen hatten näherte sich eine regelrechte Invasion von Kanadiern – ich zählte 12 Boote. Wir ahnten schon schlimmes – und tatsächlich landete die Gruppe auf der anderen Seite der Insel.
Als ich in der Nacht vor der Toilette wartete, hörte ich, dass die „Gegner" beschlossen hatten sich mit Spaten zu bewaffnen und sich ihre persönlichen Bedürfnisgruben zu schaufeln. Das versetzte mich angesichts der „Größe" unserer Insel in leichte Panik.
Gestern Abend wurde dann in unserer Gruppe schon beschlossen, einen Donnerbalken zu bauen, der heute schon des Öfteren erfolgreich getestet wurde. Man hat ein sehr gewöhnungs -bedürftiges Gefühl dort zu sein. Und der Begriff „öffentliche   Toilette" erschließt sich mir ganz neu („Spähtrupps" der Anderen – bewaffnet mit Spaten – tauchen in Sichtweite auf).
Eine Idee war, eine neue Form von Tourismus zum anderen Lagerplatz (trotz Ameisen) einzurichten – mit stündlichen Abfahrtszeiten!
2006.08.22_Fernsehen_1Nach dem Frühstück beobachteten wir, dass jemand aus der anderen Gruppe das gegenüber -liegende Ufer ansteuerte. (Nicht mal Ideen gehören einem allein). Endlich kamen  auch mal die Feldstecher zum Einsatz, zumal der junge Mann auch noch badete…(im Adams -kostüm natürlich, Anm. Werner).
11.30 Uhr Miriam und ich hatten gerade be -schlossen unsere Nach -barn zu bitten, sich nicht so sehr in unserer Nähe zu entleeren, als wir feststellten, dass die dabei waren, abzufahren. Die Insel gehörte wieder uns alleine! Jipihi !

13.15 Uhr fuhren Jochen, Wolfram, Miriam und ich mit zwei Alukanadiern los, um Brot und einige Kleinigkeiten in Lennartsfors nachzukaufen. Von unserer Anlegestelle aus waren es noch ca. 4 ½ - 5 km Fußmarsch. Ein Stück durch den Wald und dann die Landstraße bis nach Lennartsfors entlang. Schon auf dem Hinweg entdeckten wir prächtige Maronen im Wald. Zurück schien der Weg kein Ende zu nehmen. Ich hatte keine Lust mehr, aber Miriam und Jochen erzählten von den Strapazen unbeeindruckt und es lenkte gut ab, ihnen zuzuhören. Wolfram versuchte jeden Laubfrosch zu retten, der die Straße überqueren wollte und riskierte tapfer sein Leben.
Wieder im Wald angekommen, entdeckten wir unglaublich Pilzstellen. Ich habe so etwas bisher nur im Märchenfilm gesehen. Ein Waldboden der mit kleinen frischen Kleeplättern bedeckt war und dazwischen Pilze – Maronen ca. 15 cm groß. An einer Stelle trauten wir unseren Augen kaum; ich glaubte mich in die Urzeit zurück versetzt – Maronen zum Teil schon halb verweste, die die Größe einer Schallplatte hatten. Eine war noch ganz besonders prächtig – wir wollten sie erst als Beweisstück mitnehmen – schließlich konnte das ja niemand glauben. Da sie aber schon etwas älter war, würden wir sie ja sowieso wegwerfen – das war doch zu schade. So steht der Pilz da wohl noch einige Zeit.
Als wir mit unseren Kanadiern im „Lager" ankamen, hatten Rita, Werner und die Anderen schon eine leckere Linsensuppe gekocht. Tolles Timing!
  2006.08.22_LagerfeuerSee_1

Im Moment sitze ich am Lagerfeuer und habe den Blick auf die Seen, die sich langsam mit leichtem Nebel bedecken.

23.8. Werner schreibt

22 Uhr im Zelt unter Taschenlampenlicht. Das Abendessen war wieder richtig köstlich: „Ritas klein geschnittene Kohlrabi", die nun endlich dran glauben mussten, leckere Maronen und Steinpilze in Soße, eigenhändig von Ingrid gesammelt, 19 Portionen Kartoffelpüree und schließlich noch leckere Schinkenwürstchen. Es ist bereits 21 Uhr als wir zum essen kommen und abgewaschen wird anschließend im Dunkeln. Gut, dass wir mit LCD – „Grubenlämpchen" ausgestattet sind, ohne die wir hilflos im Dunkeln stehen würden.
Unsere Gruppe ist von den Strapazen der heutigen Tour ziemlich geschafft. Martin hängt bereits vor dem Abendbrot schlapp in den Seilen, was vermutlich mit seiner früh-späten Zubettgehzeit am Vorabend zusammenhängt.
Heute Morgen sind wir von dort ½ Stunde später als sonst gegen 10.45 Uhr gestartet. Der gestrige Ruhetag hat allen gut getan. Ich hatte in der Nacht zuvor fast überhaupt nicht geschlafen und fühle mich heute nach 7 ½ Stunden Schlaf gut erholt. Wir fahren unter grauen Wolken los, aber der Himmel bleibt trocken und es herrscht kaum Wind. So kommen wir relativ zügig voran und paddeln etwa 1 ½ Stunden.
2006.08.23_KanuaufWasser_1


Die Fahrt endet in der Spitze einer Bucht, an der der See unter einer versperrten Brücke als schmaler Bach weiter fließt. Das bedeutet mal wieder „Umtragen". Also befestigen wir die Transporträder unter den Booten, um sie zu Zweit durch die Landschaft zu der Stelle zu schieben, an der ein Einsatz ins Wasser wieder möglich ist.
Leider war diese ominöse Stelle aus der schon sehr detaillierten Karte von Martin nicht deutlich zu ersehen. Martin, Miriam, Jochen, Denise und Verena schoben so nach bestem Wissen und Gewissen los über Stock und Stein – und verfehlten die Einstiegsstelle weiträumig. Währenddessen hatte „Pfadfindernase" Wolfram schon den richtigen Weg entdeckt, der sogar eine Abkürzung über den schmalen Bach bedeutete. So genossen die anderen Bootsleute nach der anstrengenden Schieberei eine entspannende Fahrt durch die liebliche Flusslandschaft (die Oertze ließ grüßen).
2006.08.23_sitzenaufSteg_1


Am See fanden wir uns nach einander alle wieder ein. Erschöpft vom Umtragen kam der breite Anlegesteg gerade recht für eine ausgiebige Pause, die wir lang gestreckt auf dem Holzsteg bei strahlendem Sonnenschein und Jochens Marabou-Schokospende so richtig genossen. Doch bald zogen dunkle Wolken auf und Martin mahnte zum Aufbruch. Ingrid und ich zogen Spritzdecken über unser Boot. Wir hatten aus dem letzten Platzregen gelernt, denn dabei hatten wir uns bis auf die Knochen durchregnen lassen.
Der Regen ließ nicht lange auf sich warten. Noch bevor wir in einen anderen See paddelten, kam Wind auf, der die Boote mächtig zur Seite drückte. Wir konnten die Boote nur mit größter Anstrengung auf Kurs halten. Am nahe liegenden Ufer legten wir nun an, um abzuwarten, dass sich das Wetter beruhigte. Als wir an Land gingen fanden wir den Abschnitt über und über mit Preiselbeersträuchern bewachsen, die leuchtendrote herbsüße Früchte trugen. Welch ein Genuss! Nachdem sich der Wind gelegt hatte, paddelten wir weiter bis wir zu einer stillen Bucht gelangten.

24.8. Denise schreibt

Ca. 23.15h. Soeben habe ich mich in meinen Schlafsack im feucht-warmen Zelt eingekuschelt. Von draußen höre ich noch fröhliches Gerede. Heute sind wir die Einzigen auf dem Lagerplatz und haben dementsprechend die Schutzhütte erobern können. Von dort hat man eine wunderschöne Aussicht auf den See. Der Feuermeister Martin hat vor der Hütte ein schönes Feuer entfacht.
2006.08.24_See_1
Gemütlich saßen wir noch bis vor ein paar Minuten in großer Runde in der verhältnis -mäßig sehr sauberen, stellenweise nicht einen Meter hohen Hütte. Es war so schön, dass mich noch nicht einmal die vielen Spinnen und Schneider ärgern konnten.
2006.08.24_gemuetlichtrocken_1

Der Tag fing für meine Verhältnisse früh an. Um 7.30 Uhr stieß ich auf eine lustig gackernde Frühstücksrunde. Bereits beim zweiten Brot stellte ich mit Schrecken fest, dass die Margarine fast aufgebraucht war. Von meinem Nutellabrot ließ ich mich trotzdem nicht abhalten. Da sich auch andere Vorräte dem Ende zuneigten, machten sich Miriam, Martin und Wolfram auf nach Gustavsfors, um uns wieder mit dem Nötigsten einzudecken. Spätestens am neuen Lagerplatz in 10 km Entfernung wollten wir uns wieder treffen. So machte sich auch der Rest der Truppe auf den Weg. An einem Örtchen, dessen Kirche nahe am Ufer steht, machten wir spontan Halt. Leider konnten wir uns die Kirche nur von Außen ansehen, da drinnen eine Beerdigung vorbereitet wurde.
Auf dem Weg weiter zum nächsten Lagerplatz trafen wir dann wieder auf unsere „Blitz-Einkäufer".
Da sich einige aus der Truppe nicht gut fühlten, wurde der Vorschlage, noch 8 -10 km weiter zu paddeln und die bevorstehende Umtragestelle schon heute zu bewältigen, verworfen.
Bei näherer Betrachtung stellte sich der Platz als echter Glücksfall heraus. Nicht nur, dass wir die Schutzhütte in Beschlag nehmen konnten; es gab hier gleich zwei Plumpsklos und eines davon sogar ziemlich frisch. D.h. noch leer, nicht so stinkig und für Plumpsklos auf freier Wildbahn ziemlich sauber. Noch nicht einmal schlaue Klosprüche von deutschen Touris waren dort zu finden.
Das Abendessen rückte näher und der Wunsch nach Nudeln mit Bolognese-Soße kam auf. Aber woher das Mett nehmen ? Zum Glück hatte der Laden in Gustavsfors bis 20 Uhr geöffnet und ein paar muntere Leute fanden sich bereit hinüber zu paddeln: Martin, Wolfram, Jochen, Verena und ich. Voller Übermut sprang Jochen in die „Grüne Minna", Wolframs Einmannkajak. Ein schräger platter Felsen mit scheinbar keinen größeren Steinen im flachen Wasser wurde ihm zum Verhängnis. Beim Versuch sich rückwärts mit Boot ins Wasser gleiten zu lassen, rammte die „Grüne Minna" einen unsichtbaren Stein. Und der geschockte Jochen fand sich außerhalb der Minna, aber dafür mit Spritzdecke im Wasser wieder. Na ja, er wollte sich ja sowieso noch waschen !
So fuhren wir also nur zu Viert los. Auf dem Hinweg saßen Martin mit Verena und Wolfram mit mir im Boot, denn wir wollten ja schnell zurück sein. Verena und Martin sausten mit der Sunny vorweg, während Wolfram und ich Schwierigkeiten hatten mit2006.08.24_Waldhuette_1 deren vorgegebenem Tempo mitzuhalten.
In einem süßen Laden, nicht größer als eine 2-Zimmer-Wohnung, kauften wir das Mett und andere Kleinigkeiten und dank Werner 10! Tafeln Schokolade. Auf dem Rückweg durfte auch ich einmal mit Sunny, dem „Ferrari der Kandier" fahren. Was für ein tolles Boot, und diese leichten Paddel… einfach traumhaft! Völlig erschöpft und mit den Gedanken nur noch bei der Bolognese, kamen wir wieder am Rastplatz an. Vom Regen durchgeweicht versuchte ich mich mit meinem noch feuchten Handtuch zu trocknen und schlüpfte in frische, warme Klamotten. Für Wolfram kam mit der Ankunft auch der Ärger. Leider wurde beim Einsetzen des Regens vergessen, seine fast trockene Wäsche von der Leine zu nehmen, so dass diese wieder klitschnass geworden war. Noch dazu wurde ein Teil seiner restlichen Klamotten bei Jochens Badegang geflutet.
Aber die Anstrengungen hatten sich gelohnt. Miriam zauberte eine sehr leckere Bolognesesoße – perfekt zu den Spirellis. Nach der lästigen „Hausarbeit" fanden wir uns letztendlich vor der Hütte wieder.
Mittlerweile ist es draußen still geworden. Wieder ist ein zwar durch Regen sehr durchnässter, aber schöner Tag zu Ende.

25.8. Werner Schreibt

22.30 Uhr: Ich sitze in meinem Zelt im Schein der Taschenlampe. Etwas wehmütig ist mir zumute, denn unsere Tour neigt sich langsam dem Ende. Heute war unser siebenter und zugleich letzter voller Paddeltag. Wir kamen schon kurz vor 10 Uhr los; frohgemut, denn der Himmel hatte sich aufgehellt. Die ersten Sonnenstrahlen begrüßten mich zum Aufstehen gegen 7.15 Uhr. Wir legten ohne Spritzdecken los – welch eine Wohltat.
18 km Paddelstrecke hatten wir uns heute vorgenommen und eine Umtragestelle von ca. 1 km. So wollten wir bis kurz vor Gustavsfors kommen, um am Samstag nur noch wenige km bis zum Kanuverleih paddeln zu müssen. Es war herrliches Paddelwetter; wenig Wind, weiße Wolken, blauer Himmel Sonne und kein Regen! Nach 6 km Fahrt erreichten wir die Umtragestelle. Zum Glück mussten die Boote hauptsächlich über feste Straßen gezogen werden und schließlich fanden wir die Einstiegsstelle zum anderen See hinter einem Steinbruch. Bevor es weiterging, verschlangen wir unseren Proviant auf einem Bootssteg. Als besondere Stärkung kreiste wieder einmal die Marabou-Schokolade über dem Wasser.
2006.08.25_amSteg_1
 
Schokoladenpause!
Wir legten des Öfteren kleinere Pausen ein, denn die bisherigen Touren steckten allen in den Knochen. Noch eine Umtragestelle sollte bewältigt werden, um in den Svartelang zu gelangen. Martin hatte jedoch ein Einsehen und schlug eine alternative Strecke vor, was die Mehrheit erleichtert begrüßte.
Wir wollten nun auf einer Insel landen, auf der gleich mehrere Lagerplätze vorhanden waren. Nachdem Miriam, Martin und Wolfram verschiedene Stellen inspiziert hatten, entschieden wir uns für den, der an einer runden Bucht auf felsigem und ansteigendem Gelände lag. Die begeisterte Pilzsammlerin Ingrid hatte schon köstliche Steinpilze in rauen Mengen gesichtet.
Die Abendmahlzeit war damit natürlich schon vorgegeben.

Nicht lange blieben wir die einzigen Inselsiedler, denn eine
Horde von Kindern und Erwachsenen legte mit ihren Kanus an. Dänen wie sich heraus stellte. Die Betreuer baten um die Schutzhütte, da ihr Zelt kaputt gegangen war. Wir hatten ein Einsehen und errichteten unser Tarp und die Küchenstelle in Ufernähe. Ich ließ mich von Ingrid zum nochmaligen Pilze sammeln überreden. Tatsächlich fanden wir leckere Steinpilze und sogar Pfifferlinge, die zu kernigem Reis und Grünkernfrikadellen serviert wurden. Die Nachmittagssonne tauchte unseren Platz in ein warmes Licht und ließ uns den verregneten Vortag vergessen.
2006.08.25_Sonnenuntergang_1
Der Abend bricht herein. Das Sonnenlicht schwindet; auf dem Platz herrscht eine heitere, sorglose und gelassene Atmosphäre. Die dunkle Silhouette eines Kanadiers zieht langsam über das stille pastell -farbene Wasser. Im Vorder- grund versinkt die Sonne rot glühend hinter den niedrigen, baumbe -wachsenen Hügeln von Dalsland.
Fledermäuse jagen übers Wasser, schnappen nach Insekten und verschwinden im Uferdickicht. Martin und Miriam drehen im schwächer werdenden Licht eine Runde in der Bucht mit ihrem typischen, unge -wöhnlich eiligen Paddel -schlägen, als wollten sie so schnell wie möglich nach Hause paddeln.
Die Dänen stimmen am Lagerfeuer muntere Lieder an. "Wish You were her" kommt mir bekannt vor.
Wunderschöne Bilder und Eindrücke vom Ende eines Sommertages und zum Ausklang unserer Tour.

Nachwort

Wie immer hat der Wanderwart das letzte Wort.
Zunächst einmal möchte ich darauf hinweisen, dass die Auswahl des Reiseziels natürlich nicht aus purem Egoismus entstanden ist, sondern letztlich der Erinnerung an zahlreiche „Terminbesprechungen" entsprang, in denen immer wieder die skandinavischem Paddelreviere als Wunsch vorgetragen wurden.
Und um die Frage des Vorwortes gleich zu beantworten: Unsere Tour hat die 3-jährige Tradition der Sommertouren würdig fortgesetzt.
Mich persönlich hat dabei besonders die Harmonie in der Gruppe beeindruckt, die man bei 11 Teilnehmern mit ganz unterschiedlichen Erfahrungen in Sachen Paddeln und Outdoor nicht unbedingt erwarten konnte. So hat mich das sehr entspannte Miteinander in Kombination mit der herrlichen Landschaft und dem intensiven Naturerlebnis ganz sicher mehr als entschädigt für die eine oder andere Mühe der Vorbereitungsphase.
Als abschließendes Fazit kann ich nur allen Teilnehmern sagen:
Sommertour 2007, auf jeden Fall!!! Und gerne wieder mit Euch!

Martin