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Bericht 15-06

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    Kleine Jubiläumsschrift
         Für die Limmerstraße 3-5
1930 - 2005
von Anke Weisbrich

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2006.04.08_Kuechengarten_historisch_1


Als Ende der 20er Jahre der Küchengarten ein neues Gesicht bekommen sollte, war Linden noch stark geprägt von Industrie und Wohnungselend der Arbeitersiedlungen.
Die Industrialisierung hatte Linden ungeheuer anwachsen lassen, nach der Eingemeindung zu Hannover musste nun also etwas geschehen. In allen Stadtteilen Hannovers wurden gegen die allgemeine Wohnungsnot Wohnblöcke, meist in rotblauem Klinker, als „Massenprodukt" gebaut. Auch die private Bautätigkeit wurde stark gefördert. So entstand der Wohn- und Geschäftsblock Limmerstraße 3-5, sowie die Fössestraße 4-12.
Fast alle Quellen und Unterlagen dazu sind im Laufe der Jahre verloren gegangen, praktisch alle Akten vom Hochwasser vernichtet worden. Genaue Daten sind daher nicht mehr wirklich zu ermitteln. Die meisten Quellen geben als Bauzeit 1927-28 an, einige die Jahre 1929-30. Auch alte Fotografien sind kaum aufzutreiben, bis auf wenige Ausnahmen: Ein im Privatbesitz der Familie Stephanus befindliches Foto zeigt die Limmerstraße 3-5 noch im Bau! Außerdem hinterließ der großartige Fotograf Wilhelm Hauschild bekanntermaßen einige Aufnahmen aus Linden.
Doch irgendwo finden sich immer noch ein paar Informationen, so dass nun also diese kleine Schrift zum gut 75-jährigen Jubiläum des Hauses (da darf man großzügig sein) entstanden ist.
Zunächst wird ein wenig über Linden selbst und die Limmerstraße berichtet, die beide schon eine lange Geschichte hinter sich haben. Anschließend soll ein Blick auf die Entwicklung des Küchengartens geworfen werden, auf den sich der Wohnblock Limmer-/ Fössestraße ausrichtet. Nur wenig hat sich am Haus selbst seit dem Bau getan. Es ist eben älter geworden und hat an manchen Stellen etwas Steine und Köpfchen verloren, Fenster und Türen wurden (nicht ganz passend) ausgetauscht. Der letzte umfangreiche bauliche Einschnitt war schließlich 1960 der Abriss der Arkaden am Haus, die fotografisch leider kaum dokumentiert sind.
Ein herzlicher Dank soll an dieser Stelle Frau Hedderich gewidmet sein für viel Hintergrundwissen, besonders aus den Anfangsjahren des Hauses, sowie dem Kraftwerksleiter Herrn Fricke für tolle alte Fotos und eine spannende Führung durch den unterirdischen Tunnel!

Die Entwicklung Lindens
Die älteste Erwähnung Lindens findet sich in einer Urkunde des Gos (Go = Gericht) Gehrden, die auf die Jahre 1115 bis 1119 zu datieren ist. In und um Hannover gab es ein paar solcher Stätten, an denen Gericht gehalten wurde. Am linken Ufer der Ihme soll so eine Stätte unter sechs Linden gelegen haben, bei der sechs Kreuzsteine als Kennzeichen standen. Der Gerichtsherr, in dessen Namen Recht gesprochen wurde, war ursprünglich der König, später der Herzog (Lothar von Süpplingenburg, der Schwiegervater Heinrichs des Stolzen, des ersten Herzogs von Sachsen aus dem Welfengeschlecht), und schließlich die Grafen von Schwalenberg als dessen Vertreter. Der Graf Wedekind oder Widukind von Schwalenberg wird erwähnt, später übernahmen die Grafen von Roden und Schaumburg das Gericht. Bereits 1689 war Linden mit 454 Einwohnern das größte Dorf des Fürstentums Calenberg.
Linden-Nord ist der jüngste der Lindener Stadtteile. Das Gebiet umfasste das Kötnerholz  (westlich des Kötnerholzweges) und das Nedderfeld (das gesamte Gebiet zwischen Limmerstraße und Ihme). Feldwege wie die Fössestraße und der Kötnerholzweg machten das Gelände zugänglich, außerdem führte in nordwestlicher Richtung die „Chaussee von Wunstorf" in das Dorf Limmer im Amt Blumenau hinein. Die Chaussee wurde 1858 in „Nedderfeld", 1861 schließlich in die „Limmerstraße" umbenannt.
Das Kötnerholz und das Nedderfeld wurden bis in das 19. Jahrhundert hinein landwirtschaftlich genutzt. Im Zuge der Verkoppelung (der Begradigung und Zusammenlegung der kleinen Felder) wurden 1835 diese alten Wege begradigt und die meist rechtwinklig zur Limmerstraße abgehenden Äcker eingeteilt.

Die Industrialisierung Lindens
Gegen 1800 war Linden zunächst noch ein Villenvorort Hannovers, doch mit der einsetzenden Industrialisierung begann vor allem entlang der Ihme eine enorme bauliche Entwicklung. Eine der ersten Fabrikgründungen geschah durch Johann Egestorff, der 1803 eine vor dem Konkurs stehende Kalkbrennerei übernahm und sie, sowie eine Ziegelei und andere Werke, erheblich ausbaute. Als er 1834 starb, waren in den Betrieben seines „Konzerns" bereits rund vierhundert Arbeiter beschäftigt. Sein Sohn, Georg Egestorff, trieb die Industrialisierung noch viel weiter voran, und als Georg 1868 starb, arbeiteten 2116 Menschen in seinen Werken.
Gegen Mitte des 19. Jahrhunderts mussten daher Arbeitersiedlungen gebaut und neue Straßen angelegt werden. Georg Ludwig Friedrich Laves entwarf zunächst einen Straßenplan, der eine großzügige Gestaltung mit Alleen und breiten Diagonalverbindungen zwischen den historischen Wegen Limmerstraße, Kötnerholzweg und Fössestraße vorsah. Da diese Planung jedoch von den vorgegebenen Ackerstreifen abwich, beauftragten die Grundstückseigentümer selbst Landvermesser, die Parzellierungspläne mit einfachen, rechtwinklig von der Limmerstraße abgehenden Wegen erstellten. Auf diese Weise sollten die Grundstücke so umfassend wie möglich für den Wohnungsbau erschlossen und aus dem Wohnbedarf der armen Arbeiterfamilien die größtmöglichen Gewinne gezogen werden. Schließlich entstand ein Konzept mit parallel und rechtwinklig zu den Hauptachsen verlaufenden Straßen, in dem doch einige Ideen Laves` umgesetzt wurden.
Bis 1870 entstanden die meisten Industrieanlagen entlang der Ihme, nördlich der Limmerstraße, während zwischen Limmer- und Fössestraße die Arbeiterquartiere gebaut wurden. Die Bebauung war zunächst noch locker, manche Wohnsiedlungen lagen anfangs noch abgelegen in der Feldmark. Zwischen den Fabrikanlagen, die Ruß und Gestank verbreiteten und ungefilterte Abwässer in die Ihme fließen ließen, war die Gesundheitsbelastung bereits sehr hoch. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts verdichtete sich die Grundstücksbebauung dann immer stärker, zwischen monotonen Arbeiterwohnhäusern mit kleinen Wohnungen lagen enge Straßen und Hinterhöfe mit dicht herangebauten Hinterhäusern. 
Neben der Egestorffschen Eisengießerei und der Maschinenfabrik entstanden auch die Mechanische Weberei, die Seifenfabrik des Chemikers Julius B. Unger, Georg Friedrich Brakebuschs Tapetenfabrik „Leinau", die Mittelland-Gummiwerke, sowie die Brauerei von Brande und Meyer (1871 in Lindener Aktien-Brauerei umbenannt). 1873 wurde der Lindener Güterbahnhof „Bahnhof Küchengarten" als Anschlussbahn zum Fischerhof gebaut.

Linden wird Stadt
Mit der voranschreitenden Industrialisierung geriet das Dorf Linden in eine schwierige Lage. Auf der einen Seite war es eingeengt durch die ebenfalls stark anwachsende Stadt Hannover, auf der anderen Seite waren die Gemeinden Ricklingen, Bornum, Empelde, Davenstedt, Badenstedt und Limmer. Dazu hatten sich aus dem alten Dorf Linden zwei Gemeinden entwickelt: Das ursprüngliche Dorf Linden mit den Häusern an der Davenstedterstraße, Kirchstraße, Posthornstraße und Blumenauerstraße, und das neue, industrialisierte2006.04.08_Lindener_Wappen_ Linden entlang der Ihme am Schwarzen Bären, mit der Weberstraße, Auestraße, an der Ihmebrücke und der Deisterstraße. Die beiden Gemeinden hatten jeweils ihren eigenen Bürgermeister, einen eigenen Nachtwächter und eine eigene Schule, erst 1856 wurden sie zu einer Gemeinde zusammengeführt. Um bereits aufkommenden Platzproblemen entgegen zu wirken, hätte man gerne eine Eingemeindung zu Hannover gesehen, aber Hannover fürchtete die hohen Kosten des sanierungsbedürftigen Lindens und lehnte ab.
Unter Bürgermeister Dr. Georg Lichtenberg wurde „Preußens größtes Dorf" mit ungefähr 23.500 Einwohnern daher am 1. April 1885 schließlich zur Stadt erhoben.
Die Bevölkerungszahlen stiegen mit der fortschreitenden Industrialisierung weiter an. 1895 betrug die Zahl der Einwohner schon 35.851, um die Jahrhundertwende waren es schon mehr als 50.000 Einwohner. Die Stadtfläche betrug nur 529 Hektar, so dass hier fast zehntausend Menschen im Durchschnitt auf jedem Quadratkilometer lebten. Dies verdeutlicht die Enge der Wohngebiete wie auch die vielen sozialen Probleme ihrer Bewohner.
Endlich wurden 1909 die Dörfer Limmer, Davenstedt, Badenstedt und Bornum eingemeindet und damit die Stadtfläche vergrößert. Nach der Eingemeindung Ricklingens im Jahre 1913 gehörten zu Linden nun 85.623 Einwohner. Die Zahl erhöhte sich, nach einem leichten Rückgang während des Ersten Weltkrieges, bis zur Vereinigung mit Hannover am 1. Januar 1920 nicht mehr wesentlich.
Das Stadtwappen, das Linden ab 1889 erlaubt wurde zu führen, zeigt einen Schild mit acht silbernen und blauen Querbalken, den eine Linde mit Wurzelwerk ausfüllt. Ein vor der Linde nach rechts schreitender Löwe ist dem Wappen der Grafen von Rhoden entnommen.

Der Küchengarten
Von der angrenzenden platzartigen Erweiterung der alten Fahrstraße nach Limmer gingen die Spinnereistraße und die Fössestraße ab.
1645 kaufte der in Hannover residierende Herzog Christian Ludwig mehrere Höfe der Familie von Alten in Linden und legte hier einen Lust- und Küchengarten an. Der Küchengarten war zwar vorwiegend ein Nutzgarten, jedoch gleichzeitig ein schmückender und repräsentativer Bestandteil des Hofes. Die Blickachse war auf ein so genanntes Belvedere, den Küchengartenpavillon, ausgerichtet, der 1911 auf den Bergfriedhof versetzt wurde . Nachdem Preußen 1866 Hannover übernommen hatte und der König geflohen war, verlor der Küchengarten seine Funktion als Versorgungsgarten des königlichen Hofes.
Mit der einsetzenden Industrialisierung waren an der Ihme Fabriken entstanden, wie 1828 die Mechanische Weberei, die Lindener Brauerei, die Gummifabriken und viele andere. Schon 1867 erhielt Georg Egestorff von den preußischen Behörden die Genehmigung zum Bau einer Eisenbahnlinie, deren einer Bahnhof am nördlichen Rand des ehemaligen Küchengartens entstand. 1873 wurden die Gleise vom Bahnhof Fischerhof zum Küchengarten verlegt und der Güterbahnhof „Am Küchengarten" eröffnet. Ab 1877 fuhr auch die erste Pferdebahn vom Königsworther Platz zum Fischerhof.
Auf dem verbleibenden Gelände des Küchengartens wurde ab 1889 ein Wohnquartier angelegt mit einem Platz schöner Bürgerhäuser, der ab 1894 Wittekindplatz, ab 1910 dann Lichtenbergplatz genannt wurde.  

Anfang des 20. Jahrhunderts entschied man sich für eine Umgestaltung des Küchengartens, nachdem der Magistrat der Stadt Linden mit der Königlichen Eisenbahndirektion einen Vertrag zur Aufhebung des Bahnhofs Küchengarten geschlossen hatte. Ein Teil des Geländes wurde an die Stadt verkauft, der Küchengartenpavillon abgerissen, der Bahnhof wurde zur Ladestelle. 1911 erhielt der Platz den Namen „Am Küchengarten".
Am Küchengarten, vorzugsweise an der Einmündung Limmerstraße / Fössestraße überwog Ende der 20er Jahre noch eine gewerbliche Nutzung. Das Grundstück an der Limmerstraße zwischen Fössestraße und Selmastraße gehörte der Hannoverschen Baumwollspinnerei und Weberei und war bebaut mit einem alten Lagerhaus an der Limmerstraße, sowie einem alten Wohnhaus und dem Kohlenlager der Kohlehandlung Stephanus an der Fössestraße. Auf dem Gebiet der heute noch vorhandenen kleinen Stichstraße (zwischen dem späteren Kaufhaus Küchengarten und dem Wohnblock) verliefen die Schienen vom Bahnhof Küchengarten zur Baumwollspinnerei, die auf dem heutigen Gelände des Kraftwerkes lag.

2006.04.08_Stadtplan_Linden_1928_1
Stadtplan von Linden, 1928 (Quelle: K. Ochodlo)

Im Jahre 1927 stellte der neue Grundstückseigentümer Karl Homann, ein Kaufmann aus Hannover, einen Antrag beim Magistrat der Stadt Hannover, die Baufluchtlinien festzusetzen. An dieser Stelle beabsichtigte Herr Homann, „entweder das vorhandene Gebäude um- bzw. auszubauen oder bei Beibehaltung der jetzigen Gebäudeflucht ein modernes Büro- und Wohnhaus (mit zwölf Wohnungen) in der dort zulässigen Höhe zu errichten." Nach diversen Tagungen des Magistrats erklärte sich am 25. Mai die Baudeputation einverstanden mit dem Neubau, und auf der Südseite des Grundstücks wurde eine neue Baufluchtlinie festgesetzt. Das alte Gebäude wurde abgerissen.

Die Bautätigkeit in den 20er Jahren
Im Jahre 1927 setzte am Küchengarten nach den Zerstörungen durch den Ersten Weltkrieg eine umfassende Bebauung nach Planung des Stadtbaurates Elkart ein. Auf dem trapezförmigen Grundstück zwischen Stephanusstraße, Haasemannstraße und Küchengarten ließ die Stadt Hannover einen Miethauskomplex bauen, in dessen Sockelbereich die „Städtischen Bäder" einquartiert wurden. Elkart war selbst Architekt des Gebäudes, sowie vieler weiterer Gebäude in Hannover, zum Beispiel der Stadtbibliothek an der Hildesheimer Straße (1931).
Karl Elkart war zuletzt Städtebaudirektor in Großberlin gewesen und galt als erfahrener Verwaltungspraktiker und Organisator, als er 1925 zum neuen Stadtbaurat in Hannover berufen wurde. Aufgrund der großen Wohnungsnot, die allgemein in Hannover herrschte und sich Anfang der 20er Jahre enorm verschlimmert hatte, reagierte die Stadt mit Notmaßnahmen. Notunterkünfte wie Kasernen und Eisenbahnwaggons wurden eingerichtet, seit 1925 jedes Jahr ein neues Wohnungsbauprogramm erstellt. Hannover galt 1927 neben Hamborn als die Stadt mit „den miserabelsten Wohnverhältnissen".
Da die Stadt die Mittel für den Wohnungsbau alleine hätte aufbringen müssen, versuchte sie die private Bautätigkeit stark anzuregen, indem die Stadtverwaltung öffentliche Darlehen und Zuschüsse sowie zweite Hypotheken vermittelte. Fast 97% aller neuerstellten Wohnungen wurden dadurch ganz oder teilweise mit Fördermitteln finanziert. Dazu stellte die Stadt zwischen 1925 und 1935 aus dem eigenen Grundbesitz 52,6 Hektar baureifes Gelände zur Verfügung.

In ganz Hannover entstanden auf diese Weise vor allem Wohnblöcke in rotblauem Klinker, wie zum Beispiel die Wohnsiedlungen „Im Kreuzkampe", am De-Haën-Platz oder am Geibelplatz. Die Wohnungen wurden typisiert in Mittel-, Klein- und Kleinstwohnungen und sollten für eine bestmögliche Funktionsweise vereinheitlicht werden. Aufgrund der großen Wohnungsnot bevorzugte man den Bau von Kleinstwohnungen  mit 1 – 2 Zimmern für die stark von Wohnungslosigkeit betroffenen Arbeiterfamilien (!). Die private Bautätigkeit konzentrierte sich jedoch auf Wohnungen mit 3 – 4 Zimmern, die eher von Angestellten und Beamten bezogen wurden.  
Der Block- und Zeilenbau mit recht uniformer Klinkerbauweise prägte nun das Stadtbild mit seiner „Neuen Sachlichkeit". Das Stadtbauamt lobte „die geringen Unterhaltungskosten und eben die Wirkung des bodenständigen Materials. [...] Der kleine, feine Maßstab, der dazu angetan ist, die Monumentalität des Bauwerks zu steigern, der handwerksgerechte Mauerverband mit dem schönen Fugennetz, das Irisieren der Oberfläche und die Reflexwirkung." Zwar hatte der Klinkerbau eine typisch norddeutsche und besonders hannoversche Tradition, wurde dann jedoch gerade im Nationalsozialismus ideologisch überbetont. Mit seiner „Bodenständigkeit und seinem herben nordischen Charakter" sollte es angeblich „den in diesen Quartieren wohnenden niedersächsischen Menschen" widerspiegeln.


Der Bau der Limmerstraße 3-5
Auf der gegenüberliegenden Seite der Städtischen Bäder wurde gegen Ende der 20er Jahre der Wohn- und Geschäftsblock Fössestraße 4 – 12 und die Limmerstraße 3, 3a und 5 erbaut. Der Häuserblock füllte nun das städtebauliche Vakuum zu der nordöstlich gelegenen Bebauung aus dem späten 19. Jahrhundert.
Der Architekt Friedrich Hartjenstein entwarf die viergeschossigen Gebäude der Fössestraße und Limmerstraße in der typischen Klinkerbauweise der Zwanziger Jahre.

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Foto: Die Limmerstraße 3, 3a und 5 im Bau, Rückseite (Quelle: Stephanus)

Die Abknickung der Fössestraßenfront im Winkel von 30° ergab sich aus den dort verlaufenden Bahngleisen, die vom Bahnhof Küchengarten zur Ultramarinfabrik und der Spinnerei hinführten. In der Wochenbeilage des Hannoverschen Anzeigers lässt sich nachlesen, dass „dort eine Straße projektiert [ ist], die vorläufig dem öffentlichen Verkehr noch nicht freigegeben wird, solange die Gleisgemeinschaft die Gleisanlage nicht aufhebt."
In der Denkmaltopographie „Baudenkmale in Niedersachsen, Stadt Hannover (Teil 1+2)" wird über die architektonische Gestaltung der Häuser geschrieben, dass „die flächigen Fronten an der Fösse-(8-12) und Limmerstraße (3-5) lediglich eine differenzierte Horizontalgliederung zeigen. Gesteigerte Plastizität u.a. durch kielförmige Erker an den Gebäudeecken, kastenförmige Dachhäuser und reichere Gestaltung weisen den annähernd symmetrischen Abschnitt zum Platz als Hauptfassade aus. Hier gleichen fünf über dem Gurtgesims knapp vortretende Kompartimente mit Drillingsfenstern und dazugehörige hochrechteckige figürliche Reliefplatten die horizontale Wirkung der verkröpften Gesimse aus. An den drei mittleren Feldern unter den Dachhäusern verstärken kubistische Dekorplatten in den Brüstungsfeldern die Vertikale. Diese vergleichsweise zierliche Fassade, deren ganzer Reichtum sich erst aus der Nähe erschließt (die Reliefs stammen möglicherweise von Vierthaler), wird heute teilweise von vorgestellter Bebauung verdeckt." 
Die alten Sprossenfenster, die die Horizontalgliederung unterstützten, wurden mittlerweile fast gänzlich ersetzt. An der Hauptfront zum Küchengartenplatz befand sich zwischen Limmerstraße und Fössestraße ein Wandelgang, der den Geschäften vorgebaut war. Er wurde später abgerissen, man erkennt jedoch noch deutlich eine Linie hellerer Klinkersteine, an welcher die Arkaden mit der Hauswand verbunden waren.

2006.04.08_Arkaden_1
Foto: Die Arkaden, fotografiert von Wilhelm Hauschild

Vor der abgeschrägten Blockecke wurde das zweigeschossige Geschäftshaus, das so genannte „Kaufhaus am Küchengarten" gebaut, ebenfalls als Klinkerbau mit figürlichen Darstellungen und „gewaltigen keramischen Gesimsen". Für die Gestaltung der beiden Fassaden hatte Hartjenstein den Hamburger Bildhauer und Bauplastiker Ludwig Kunstmann hinzugezogen. An einer Gebäudeecke war eine zwei Geschosse hohe Skulptur angebracht, die von Kunstmann den Namen „Roland mit den hohen Zinsfüßen" bekam.
Die bauplastischen Arbeiten selbst wurden aber wohl nicht, wie allgemein angenommen, von Ludwig Vierthaler selbst, sondern von einem seiner Schüler, Clemens Werminghausen, möglicherweise in Zusammenarbeit mit Hans Nitzschke, erstellt.

Entgegen der gängigen Baupraxis wurde das Haus von Anfang an mit zu den Wohnungen dazugehörigen Toiletten und Badeeinrichtungen gebaut. Dies war sehr fortschrittlich, da der Magistrat beim Gemeindewohnungsbau (wie „Im Kreuzkampe") den Bau von Badezimmern ablehnte. Der Oberbaurat deJonge erklärte, „dass eine Badeeinrichtung nicht zur Befriedigung des Wohnbedürfnisses gehöre. Er selbst habe erst mit 40 eine Badeeinrichtung genossen, und die Kinder könne man wie früher in die Bütte stecken".
Ebenso hatten fast alle bis dahin gebauten Wohnungen Etagen- oder Hoftoiletten für die gemeinsame Benutzung. Sogar bis weit in die 70er Jahre hinein hatten fast die Hälfte aller Wohnungen in Linden keine eigene Toilette!
Auch Waschküchen wurden eingerichtet, die später in Kleinstwohnungen umgebaut wurden. Alles in allem war das Haus mit seinen teuren Etagenheizungen eher auf Mieter im Beamten- oder Angestelltenverhältnis als Arbeiterfamilien ausgerichtet.

Schon kurz nach Fertigstellung des Hauses musste Homann allerdings verkaufen. 1930 hatte er am Schwarzen Bären, dem anderen „Eingang" nach Linden, das Capitol-Hochhaus bauen lassen, dessen Architekt wiederum Friedrich Hartjenstein war. Schwierige Untergrundverhältnisse am Ufer der Ihme verschlangen beim Bau enormes Geld und überstiegen die Finanzkraft des Kaufmanns. Anfang der 30er Jahre verkaufte Homann das Grundstück Limmer-/Fössestraße an die Familien Fittger (Limmerstraße) und Stephanus (Fössestraße).
Geschäftemäßig war seit dem Bau des Hauses eine bunte Mischung vertreten. Lange Zeit waren darunter ein Möbelgeschäft, ein Eiscafé und das Leihhaus. Radio Menzel gehört mit zu den ältesten Mietern. Auch ein Haushaltswarengeschäft, ein Schreibwarenladen und eine Leihbücherei waren unter den Geschäften.

Im Jahre 1943 wurde auch die Limmerstraße im Bombenkrieg getroffen. Insgesamt 12 Brandbomben sollen das Haus getroffen haben, die Schäden hielten sich jedoch in Grenzen. Auf den gegenüber liegenden Grundstücken Limmerstraße 2 und Spinnereistraße war jedoch die gesamte Häuserzeile getroffen worden und ausgebrannt. Die Häuser an der Spinnereistraße sind später wohl abgerissen worden, ebenso die Limmerstraße 2 a-c. Die Apotheke wechselte aus dem ausgebrannten Haus 2d vorübergehend in die Limmerstraße 3-5, bis die Schäden behoben waren. Heute hat das einzig übriggebliebene Haus die Nummer 2. 

Die Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg
Bei den Bombenangriffen des Zweiten Weltkrieges wurden im Industriestandort Linden viele Industrieanlagen zerstört, aber auch Schäden in den dichtbesiedelten Wohnvierteln angerichtet. Linden verlor in dieser Zeit ungefähr 3600 Wohnungen, was recht wenig war im Vergleich mit anderen Stadtteilen Hannovers, zumal gerade in Linden die Rüstungsindustrie in unmittelbarer Nähe zur Wohnbebauung lag.
Zunächst mussten grundlegende Probleme wie die Versorgung der Bevölkerung, der Wiederaufbau der Häuser und Verkehrswege, sowie der dringend benötigten Produktionsstätten geleistet werden. Linden gehörte nicht zu den Schwerpunkten des städtischen Wiederaufbaus. Vorrangig in der heftig zerstörten Innenstadt wurden neue, autogerechte Straßenzüge entworfen und gestaltet, in anderen Stadtteilen entstanden bald auch neue Wohnquartiere.

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Foto: Der Küchengarten 1953, fotografiert von Wilhelm Hauschild

Der Platz am Küchengarten hatte mittlerweile eines der höchsten Verkehrsaufkommen in Hannover zu bewältigen. Er wurde daher 1950 zu einem „Rundverkehr ohne Ampeln", also einem der (in der Nachkriegszeit) beliebten hannoverschen Kreisel umgebaut. An der Südseite des Platzes waren Blumenbeete angelegt und Parkbänke aufgestellt.

Gegen Ende der 60er Jahre wurde bereits wieder über eine Umgestaltung des Küchengartenplatzes diskutiert. Bald darauf begann der Bau des Ihme-Zentrums, bei dessen Fertigstellung der Platz 1975/76 eine neue Verkehrsführung erhielt, die seitdem Bestand hat. 1977 wurde die Fußgängerbrücke außerdem bis zur Limmerstraße erweitert.
Das Heizkraftwerk an der Ihme prägt seit 1963 das Bild Lindens mit seinen „drei warmen Brüdern", die ursprünglich gestalterisch an drei Hochhäuser erinnern und damit den Anfang der Sanierung Lindens darstellen sollten.
Nachdem die Lindener Stadtteile lange Zeit vernachlässigt worden waren, hatten sich inzwischen vor allem die sozialen Probleme angestaut. In den 50er Jahren zogen etliche Jugendbanden durch Linden, die mitunter recht gewaltbereit gewesen sein sollen und auch gerne mal die Kinoeinrichtung am Schwarzen Bären zerlegten. Erst spät wurden als Jugendeinrichtungen und Unterhaltungsangebot das Schwimmbad am Fössefeld und das Freizeitheim gebaut.
Ebenfalls gegen Ende der 60er Jahre begann die Stadtverwaltung mit der Planung für den Bau des Ihme-Zentrums. Um die Abwanderung weiterer, vor allem junger Familien zu verhindern, im großen Stil Wohnraum zu schaffen und eine „attraktive" Verbindung aus Wohn- und Geschäftswelt zu gestalten, wurde das zu jener Zeit größte innerstädtische Bauvorhaben der Bundesrepublik Deutschland realisiert. Von 1971 bis 1976 erbaut, steht es seitdem wie eine Trutzburg zwischen Linden und Hannover und schreckt (heutzutage) Einwohner und Besucher ab.
Erst im Laufe der 70er Jahre begann man im restlichen Linden weitere mehr oder weniger beispielhafte Sanierungen durchzuführen.

Die Entwicklung der Häuser Limmerstraße 3-5
Den letzten großen baulichen Einschnitt am Wohnblock Limmer-/Fössestraße stellte der Abriss der Arkaden 1960 dar. Ende der 50er Jahre wurde beschlossen, ein Heizkraftwerk an der Ihme zur städtischen Strom- und Fernwärmeversorgung zu bauen. Um die zur Wärmeerzeugung benötigte Kohle vom Bahnhof Küchengarten zum Kraftwerk zu transportieren, musste ein unterirdischer Tunnel ausgehoben werden, durch den Förderbänder permanent Kohle zum Kraftwerk transportierten. Durch die enorme Breite des Erdaushubes für den Tunnel mussten die Arkaden auf der Stichstraße zwischen Limmerstraße und Fössestraße weichen. Ein letztes Foto erinnert an diesen Wandelgang.

2006.04.08_Arkadenabbruch1980_1
Foto: Der Abbruch der Arkaden am 09.08.1960 (Quelle: Heizkraftwerk Hannover)

Der aus 30 cm dickem Beton gegossene Tunnel führt vom ehemaligen Bahnhof Küchengarten (dem Wellblechgebäude als Verladestelle) im Zickzack zum Kraftwerk, direkt an den Häusern der Fössestraße und Limmerstraße vorbei. Bis 1990 wurde durch den Tunnel ständig Kohle befördert, dann stellte das Kraftwerk auf Erdgas um. Verglichen mit den fortlaufenden Mietzahlungen wäre ein Abriss unrentabel, daher verbleibt der Tunnel seitdem ungenutzt an Ort und Stelle.
Allerdings ergeben sich daraus massive Probleme für den schon lange geplanten Hausbau auf dem Grundstück der Limmerstraße 2 -4: Da der Tunnel nur wenige Meter unter der Erdoberfläche verläuft, kann ein dort geplantes Gebäude keine Unterkellerung haben! Doch ganz offensichtlich ist hierfür eine Lösung gefunden worden.

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Skizze: Lageplan des Bekohlungstunnels (Quelle: Heizkraftwerk)

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Foto: Der Bekohlungstunnel, noch ohne Förderbänder 1960 (Quelle: Heizkraftwerk)

Fazit
Mehr als 75 Jahre Geschichte hat „unser" Haus erlebt, viele Mieter kommen und gehen sehen. Das Äußere (und Innere) des Hauses hat mitunter etwas gelitten. Seit 1987 steht das Haus unter Denkmalschutz, doch vieles ist schon verändert oder sogar zerstört worden. Nicht nur die Arkaden sind verschwunden, auch die kleinen Figürchen an der Fassade haben einiges abbekommen. Beim Anbringen der Aufhängung der Straßenbahnleitungen schlug man ohne Rücksicht auf Verluste Köpfe und andere Körperteile ab.
Doch zum „75-jährigen" soll ein positiver Blick in die Zukunft gerichtet werden. So ein Haus macht ein ganzes Stück Arbeit und es wird wohl auch weiterhin einiges zu modernisieren und aufzubessern geben. Genauso entwickelt sich der gesamte Stadtteil weiter, der so lebenswert und interessant ist.
Dem Haus wünschen wir zu seinem gut 75-jährigen Jubiläum nun alles Gute!

Zum Schluss
Diese kleine Schrift wurde verfasst von Anke Weisbrich, die im Auftrag von Amelie Ahrens, geb. Fittger, der heutigen Besitzerin des Hauses, ein wenig über die Vergangenheit zusammengetragen hat. Daten und Fakten sind aus verschiedenen Quellen recherchiert, unter anderem auch der einen oder anderen Akte im Stadtarchiv. Ein Dank gilt all denjenigen, die durch Fotos oder Hintergrundwissen Unterstützung geleistet haben.

Wer mehr über Linden lesen möchte, dem seien die Titel auf der folgenden Seite empfohlen. Besonders schöne Fotos enthalten die beiden Fotobände „Linden 1930 –1980" mit alten Fotografien von Wilhelm Hauschild, herausgegeben vom Theater am Küchengarten. Eine detailgetreue Beschreibung aller Baudenkmäler und Straßenzüge in Linden enthält die Denkmaltopographie „Baudenkmale in Niedersachsen, Stadt Hannover". Sehr zu empfehlen ist auch das im Küchengartenpavillion erhältliche Büchlein über den Küchengartenpavillion, herausgegeben von Jonny Peter und Wilfried Dahlke.

Literatur zum Weiterlesen

Sid Auffarth / Adelheid von Saldern (Hrsg.): Altes und neues Wohnen. Linden und Hannover im frühen 20. Jahrhundert, Hannover 1992

Bultmann / Th. Neumann / J. Schiecke (Hrsg.): Hannover zu Fuß. Stadtteilrundgänge durch Geschichte und Gegenwart, Hamburg 1989

Hans-Jörg Hennecke: Linden – eine wahnsinnige Geschichte. 900 Jahre Linden: 1115 –2015, Hannover 2001

Hans-Herbert Möller (Hrsg.): Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Baudenkmale in Niedersachsen. Stadt Hannover. Teil 2, Braunschweig 1985

Jonny Peter: Das LindenLimmerBuch, Hannover 1998

Jonny Peter / Wilfried Dahlke: Der Küchengartenpavillon in Linden, Hannover 2003

Bernd Rabe: Linden. Der Charakter eines Arbeiterviertels vor Hannover, Hannover 1984

Waldemar Röhrbein / Franz Zankl (Hrsg.): Hannover im 20. Jahrhundert. Aspekte der neueren Stadtgeschichte, Hannover 1978

Theater am Küchengarten (Hrsg.): Linden 1930 – 1980. Fotografien von Wilhelm Hauschild. Teil 1+2, Hannover 1996

Wilhelm Winkel: Honovere, 3. Teil: Linden. Das Dorf im Grünen, Hannover 1954

Helmut Zimmermann: Linden. Vom Bauerndorf zum Ihmezentrum. Historische Streifzüge zwischen Ricklingen und Ahlem, Hannover 1986

Helmut Zimmermann: Linden im Wandel der Zeit, Hannover 1998

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Limmerstr. 5 - Glas- und Porzellangeschäft Arthur Manne:
Nazi-Terror: schleichendes Gift in Hirn und Herz.

2006.05.06_Limmerstr_5_ca_1933-1943_1Die Nazi-Diktatur hielt bis zum bitteren Ende, auch in Linden. Sie war ein schleichendes Gift in Hirnen und Herzen zahlloser Menschen. Der Lindener Widerstandskämpfer August Holweg (späterer Oberbürgermeister von Hannover) erzählte in einer Episode, welche grauenhaften Verhaltensweisen das noch bis kurz vor Kriegsende hervorrief:
"Am Küchengarten war das Glas- und Porzellangeschäft Arthur Manne. Er selbst war ein Jude, seine Frau war keine Jüdin. Diese Mischehen hatte man ja bis 1938 in Ruhe gelassen, erst danach hat man den einen oder anderen Teil ins KZ gebracht. Arthur Manne war 9 Monate in einem Lager, hat sich in dieser Zeit nicht waschen dürfen, ist dann aber wieder herausgekommen. Kurz vor dem Zusammenbruch 1945 wurde die Behandlung von Juden in Mischehen geändert, so dass auch Arthur Manne abgeholt werden sollte, um ihn in ein KZ einzuliefern. Darüber habe ich mich mit einigen Freunden unterhalten und wir haben mit Erfolg versucht, Arthur Manne zu verstecken...
An einem Abend wurden wir von Alarm überrascht, wir konnten uns in den Strassen nicht mehr bewegen und ich habe Arthur Manne mit in den Luftschutzkeller unseres Hauses genommen. Zwei ältere Damen, die ihn erkannten, haben unserem Hauswart erklärt, dass Arthur Manne mit uns im Luftschutzkeller gewesen sei. Diesen Damen sind wir sofort mit der Bemerkung entgegengetreten: 'Wie kommen sie auf diese Idee ? Herr Manne ist doch schon länger im KZ.'  Aber die wollten uns nicht glauben. Wir wohnten in einer Wohnung vom Spar- und Bauverein in der Wilhelm-Bluhm-Strasse. Unser Hauswart hat dann den Damen mit aller Deutlichkeit gesagt, er möchte nicht noch einmal von ihnen hören, dass Herr Manne bei uns im Keller gewesen sei. Er selbst hätte das nicht zugelassen und wüsste bestimmt, dass Herr Manne im KZ sei. Ihre Bemerkung könne leicht dazu führen, dass alle Haubewohner verhört würden, um dann festzustellen, wo Herr Manne sei. 'Also lassen sie solche Rederei.' Arthur Manne hat diese Zeit glücklich überlebt und sein Geschäft nach 1945 wieder eröffnet."

Text: Hans-Jörg Hennecke
Postkarte: www.Luchssecurity.de
Dank an Jürgen Wessel für Idee und Quellenorganisation.
Die Veröffentlichung geschieht mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber.
 


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