So., 08.05.2005, Göttinger Straße :
Feinstaub: schlimm, lästig oder egal ?
- überraschende Fakten und Einsichten -

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So., 08.05.2005 - von Klaus Öllerer.

In Hannover wird an einer Stelle der Feinstaub in der Luft gemessen: an der Göttinger Straße in Linden-Süd. Hier rauschen pro Tag im Durchschnitt 30.000 Fahrzeuge, davon 16% LKWs, durch.

Feinstaub ist sehr klein. Gemeint sind damit Partikel mit einer Größe gleich oder kleiner 10 millionstel Meter (Mikrometer, µm), die als PM10 (Particulate Matter 10) bezeichnet werden.
Seit Anfang des Jahres gilt der EU-Grenzwerte von 50 µg/m3, der nur an 35 Tagen im Kalenderjahr überschritten werden darf. Begründet wird das mit der Gefährlichkeit des Feinstaubes.
Bis jetzt - Anfang Mai - wurde dieser Grenzwert schon an 44 Tagen überschritten. Seit einiger Zeit herrscht daher Aufregung in Politik und Verwaltung der Landeshauptstadt Hannover. Es wird nach Lösungen zur Einhaltung der Grenzwerte gesucht.
Ist der ganze Aufwand eigentlich gerechtfertigt ?

Im Folgenden gibt es einen Überblick über die Erfahrungen mit den Messungen in der Göttinger Straße. Darüber hinaus wird ein Zigaretten-Äquivalent für diese Straße ermittelt, einige Betrachtungen zur Gefährlichkeit des Feinstaubes und zum Verhältnis zu den übrigen Lebensrisiken angestellt.
Überraschend dürfte die Frage sein: Können Zigaretten Leben retten ? Es gab jemanden, der sie für sich positiv beantwortet hatte. Doch lesen Sie selbst.


Göttinger Straße: An dieser Meßstation werden die Messungen des Feinstaubes durchgeführt.

Inhalt :
 
Teil 1
Feinstaub-Messungen
 
Teil 2
Zigaretten statt Autos
- ein Rechenexperiment
 
Teil 3
Wie gefährlich ist Feinstaub ?
(Der Himmel ist heute wieder klar, Allergien/Asthma durch Feinstaub ?, Herzinfarkte durch Feinstaub ?, 65.000 Tote durch Feinstaub ?)
 
Teil 4
Kann Rauchen Leben retten ?
Säubern wir uns krank ?
 
Quellen

Teil 1

Inhaltsverzeichnis
Feinstaub-Messungen
finden in der Göttinger Straße seit mehreren Jahren statt. Es gibt eine Reihe von Studien, die Ergebnisse präsentieren.
Die Messergebnisse seit Anfang des Jahres 2005 sind in folgender Grafik dargestellt.

Abb 1, (1)

Aus dem Messwerteverlauf ist folgendes zu erkennen:
* Die Sonntage haben meistens sehr niedrige Werte. Das deutet auf einen menschengemachten Zyklus hin, da die Natur keinen Wochenrhythmus kennt.
* Die höchsten Werte gab es in der verkehrsarmen Zeit zu Ostern. Für diese hohen Werte bis 129 µg/m3 dürften Osterfeuer ursächlich sein.
* Während der Versuchssperrung (11.-18.4., keine LKWs, 40 Km/h, Wassersprengung) traten sehr hohe Werte auf, die schlagartig mit der Rückkehr der LKWs absanken. Als mögliche Ursache werden hier Baustellenaktivitäten und der Messeverkehr diskutiert. Es wird in einer vorläufigen Auswertung eine neue, längere Versuchsphase gewünscht (12). Vielleicht wird jedoch auch die Rolle des Verkehrs, vor allem der Katalysatoren und die der LKWs im komplexen Geschehen noch nicht richtig verstanden.

Folgende Grafik zeigt die Herkunft des Feinstaubes:

Abb 2, Feinstaub gesamt: 43 µg/m3
(6, Punkt 6.2+6.4)

Der Verkehr, insbesondere die Abgase (6% = 3 µg/m3) sind nur zu geringen Anteilen am gesamten Feinstaub beteiligt.

Es sieht so aus, als ob Verkehrsbeschränkungen nicht in der Lage sind, die Einhaltung des EU-Grenzwertes von 50 µg/m3 zu garantieren. Vielleicht ist der Grenzwert einfach viel zu niedrig.



Teil 2

Inhaltsverzeichnis
Zigaretten statt Autos - ein Rechenexperiment
30% des Feinstaubes (14 µg/m3) stammen aus dem Straßenverkehr und nur 6% direkt aus den Auspuffen (6, Punkt 6.4). Hierüber wird in der Öffentlichkeit engagiert diskutiert. Doch kann man sich diese Feinstaubmengen überhaupt konkret vorstellen ? Gibt es Vergleiche ?
Feinstaub PM10 ist eigentlich unsichtbar. Die Teilchen besitzen einen Durchmesser kleiner als 10 millionstel Meter und können mit bloßem Auge nicht erkannt werden. Die Menge wird mit der Maßeinheit Mikrogramm pro Kubikmeter Luft (µg/m3) angegeben.
Was gibt es für eine Alltagserfahrung, die hier helfen könnte ? - Wie wäre es mit Zigaretten ?
Zigarettenqualm kann sich jeder vorstellen, er enthält auch jede Menge Feinstaub. Jeder hat mehr oder weniger ein Gefühl dafür, wie weit eine brennende Zigarette entfernt sein sollte, um nicht zu stören.

Einer spontanen Eingebung folgend habe ich mir folgende Frage gestellt:
Welchen Abstand müssen ständig brennende Zigaretten (alle 5 Min eine neue, 24 h am Tag) haben, um mengenmäßig soviel Feinstaub zu erzeugen wie die täglichen 30.000 Autos auf der Göttinger Straße ?.
Hierzu habe ich völlig unverbindlich recherchiert und mit einem “breiten Daumen” gerechnet.
Hier ist das vorläufige Ergebnis:

Abb 3, (4) Der gleichmäßig fließende Verkehr erzeugt aus den Auspuffen nach untenstehender Rechnung (4) nicht mehr Feinstaub als Zigaretten im Abstand von 72,5 m.
Wenn man die gesamten Verkehrs-Emissionen betrachtet (Auspuff, Abrieb und Aufwirbelung): 14,5 m !
Bei vollständig abgasfreien Autos (Abrieb, Aufwirbelung): 18,1 m

Das wird sicher für viele Leser überraschend sein. Ständig brennende Zigaretten alle 72,5 m sollen so viel Feinstaub erzeugen wie 30.000 täglich vorbeirauschende Autos aus den Auspuffen ? Mir ging es mit der Überraschung zuerst genauso. Also habe ich mehrmals nachgerechnet und nachrechnen lassen.
Das Ergebnis blieb: Ständig qualmende Zigaretten in einem Abstand von 72,5 m in einer Reihe aufgestellt, erzeugen hier rechnerisch so viel Feinstaub wie 30.000 an dieser Stelle vorbeirauschende Autos aus den Auspuffen täglich.
Ob ein Problem in dieser Größenordnung überhaupt intensiver öffentlicher Aufmerksamkeit bedarf, mag der Leser selbst beurteilen.
Wer möchte, kann nachrechnen (4).



Teil 3

Inhaltsverzeichnis
Wie gefährlich ist Feinstaub ?
Es folgt ein Überblick über vergangene Staubreduktionen und Anmerkungen zu den meist zitierten Argumenten gegen Feinstaub.

Inhaltsverzeichnis
Der Himmel ist heute wieder klar
Willy Brandt machte in den 60ern noch Wahlkampf mit der Forderung nach einem blauen Himmel über der Ruhr. Damals war nicht nur das Ruhrgebiet dunkel von Abgasen. Wer sich an Linden in jener Zeit erinnert, weiß, dass es ständig unangenehm roch und jeden Winter ein schwarzer, schmieriger Belag überall, z.B. auf Autos, zu sehen war.
In der Vergangenheit sind riesige Erfolge bei der Reinhaltung der Luft in Deutschland erzielt worden.
Folgende Grafik zeigt dieses sehr deutlich:

Abb 4, (2)

Seit 1990 sind die Stäube drastisch auf Minimalwerte gesunken. Der allergrößte Teil der Arbeit scheint heute erfolgreich getan zu sein.

Inhaltsverzeichnis
Allergien/Asthma durch Feinstaub ?
Häufig wird berichtet, dass Feinstaub, insbesondere an viel befahrenen Straßen, Allergien und Asthma fördert.
Erfahrungen in der ehemaligen DDR lassen an bisherigen Vorstellungen über einfache Ursachenzusammenhänge zweifeln.

In der ehemaligen DDR waren Allergien trotz teilweise hoher Luftverschmutzung weit weniger verbreitet als im Westen. Eine Studie der Universität München verglich 1995 die Allergiehäufigkeit bei Kindern in München, Leipzig und Halle/Saale: Im Alter von neun bis elf Jahren litten mit 36,7 Prozent sehr viel mehr Kinder aus München an Allergien. In den beiden ostdeutschen Städten hatten nur 18,2 Prozent der Kinder allergische Anlagen.(7)

Abb5, (3) Feinstaub in Deutschland 1985 - 2003: illustriert ist die Zunahme bei Allergien/Asthma während der Staub-Reduzierung in Ostdeutschland.

Inzwischen ist Ostdeutschland sauberer geworden und damit gleichen sich die Häufigkeiten von Allergien und Asthma an das Westniveau an. Als Ursache wird in der Medizin die Hygienehypothese diskutiert. Diese besagt vereinfacht, dass unser Immunsystem beschäftigt werden muss, damit es lernt, richtig zu reagieren.

Inhaltsverzeichnis
Herzinfarkte durch Feinstaub ?
In jüngsten Pressemeldungen wird über eine Studie (9) berichtet, die einen Zusammenhang zwischen Luftschadstoffen auf der Straße und Herzinfarkten nachweisen würde (8, Zeit).
Ich habe mir die Originalveröffentlichung im “The New England Journal of Medicine” gekauft und war nach dem Lesen doch etwas überrascht.
In der Zeit von 1999 bis 2001 wurden 691 Herzinfarkte in der Region Augsburg untersucht. Dazu wurden die Patienten nach dem Infarkt befragt und Fragebögen ausgefüllt.
Das Durchschnittsalter der Betroffenen betrug 60 Jahre. Hier handelt es sich um eine Risikogruppe, denn nur Personen, die infarktgefährdet sind, bekommen auch einen Herzinfarkt - der Normalgesunde nicht (19).
Die Studie sucht nach Beziehungen zwischen dem Infarkt und den vorhergehenden Tätigkeiten der Betroffenen.

Ca. 30% der Betroffenen haben in den drei Stunden vor dem Infarkt am Straßenverkehr teilgenommen (Autofahrer, öffentl. Verkehrsmittel, Fahradfahrer). In dieser Zeit zeigt sich ein nennenswerter Zusammenhang zwischen der Verkehrsteilnahme und einem erhöhten Infarktaufkommen.
Verkehrsteilnahme bedeutet Stress, wie bei vielen anderen Tätigkeiten auch. Wer hat nicht schon einmal die Erfahrung gemacht, dass in kritischen Verkehrssituationen einem das “Herz in die Hose rutschen” möchte ?
So stellt die Studie fest, dass die Teilnahme am Straßenverkehr etwa drei mal so riskant ist, während das morgendliche Aufstehen oder der Schritt vor die eigene Haustür das Risiko verdoppelt. Das scheint plausibel zu sein und liegt durchaus im Bereich der normalen Lebenserfahrung.

Im Vergleich zu der Belastung im Straßenverkehr erscheinen in dieser Studie die Auswirkungen des gemessenen Feinstaubes in einem Klostergarten klein und nur grenzwertig signifikant (10). So verwundert es nicht, dass die Studie schlussfolgert, dass es nach gegenwärtigem Wissensstand unmöglich ist, sagen zu können, welchen Anteil die verkehrsbedingte Luftverschmutzung an den Infarktfällen einnimmt. Weitere Studien wären notwendig. (10)

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65.000 Tote durch Feinstaub ?
Diese Zahl von 65.000 Toten durch Feinstaub ging in den letzten Monaten durch fast alle Medien. Ich konnte den Ursprung bis zu einem Artikel in der Süddeutschen Zeitung (11) verfolgen, von dem anscheinend die Mehrheit der Medien mehr oder weniger abgeschrieben hatten.
Inzwischen konnte ich auch die entsprechenden Unterlagen der EU, von der diese Zahl stammt, einsehen. Eine Überprüfung ist jedoch nicht möglich, da lediglich Ergebnisse, aber nicht Daten und Methoden präsentiert wurden.
Im Jahre 2000 soll es demnach in Deutschland 65.088 vorzeitige erwachsene Tote durch den menschengemachten Feinstaub insgesamt gegeben haben.
Der GSF-Toxikologe Prof. Heyder bezeichnet diese Zahl als unseriös und bezweifelt einen ursächlichen Zusammenhang, während sein Kollege Prof. Wichmann die Studie verteidigt (16) und selbst von 10.000 bis 19.000 Toten durch Feinstaub aus den Auspuffen im Straßenverkehr ausgeht (17, 18).

Diese Zahlen über Tote durch Feinstaub wurden durch statistische Auswertung gewonnen. Im jeweiligen Einzelfall lässt sich die Diagnose Feinstaub nicht stellen.
Diese Zahlen beziehen sich auf Menschen, die bereits Risikopersonen sind und sich am Ende ihres Lebensweges befinden. Die Bevölkerung ist jedoch heterogen zusammengesetzt. Von völlig gesund bis völlig krank ist alles vorhanden. Werden nun Belastungen irgendwelcher Art erhöht und treffen die gesamte Bevölkerung, so führt das automatisch zu mehr Krankheitstagen und Todesfällen bei den Menschen mit gesundheitlichem Risiko.
Mehr Kranke und mehr vorzeitige Tote gibt es z.B. auch bei Kälte- und Hitze-, Grippe- und Erkältungswellen. Möglicherweise sind diese Betroffenen schon immer, angesichts des auch schon immer vorhandenen Feinstaubes, eher einige Monate früher als später gestorben.
Die Sterbezahl pro Jahr wird davon nur unwesentlich beeinflusst. Es sterben pro Jahr ca. 800.000 Menschen und über 700.000 Kinder werden geboren. Die Lebenserwartung steigt nach wie vor. Noch nie lebten die Menschen so lange wie heute - Tendenz steigend.

Teil 4

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Kann Rauchen Leben retten ?
Paul aus der Wittekindstr. in Linden-Mitte hatte ich in den 70ern kennen gelernt. Damals war er schon 80 Jahre alt. Er rauchte eine Pfeife nach der anderen und hustete wie wild. Früher im Berufsleben war er Tischler.  Schließlich fragte ich ihn, ob er nicht das Rauchen sein lassen wollte.
“Das geht nicht.”, antwortete er, ”Das hat mir das Leben gerettet.”
Ich war völlig überrascht. “Ist der jetzt durchgeknallt ?”, dachte ich für mich.
“Während des Krieges”, fuhr er fort, ”hatten mir die Ärzte gesagt, dass ich mit meinem Asthma noch ein Jahr zu leben hätte. - Das Rauchen hat mich gerettet. Es lockert den Schleim, so dass ich besser husten und atmen kann”

Inzwischen weiß ich, dass es früher einmal Asthmazigaretten gab, die bis in die 70er erhältlich gewesen sein sollen.

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Säubern wir uns krank ?
Mit den alltäglichen Belastungen, mit denen sich unsere Vorfahren herumschlagen mussten, hat unser heutiges Leben in den Industrieländern kaum noch etwas gemeinsam. Was früher alltäglich war, ist nahezu abgeschafft oder stark reduziert: Parasiten, Seuchen, hohes Fieber, Schmutz, schwere körperliche Arbeit, etc. Unser Immunsystem hat im Allgemeinen nicht mehr viel zu tun.
Die Menschen halten nicht mehr so viel aus wie früher. Die allgemeine Schmerzempfindlichkeit nimmt zu, was sich im häufigeren Schmerzmitteleinsatz bei Zahnärzten zeigt.
Inzwischen gilt oft nicht mehr der Normalgesunde als Maßstab, sondern die gesundheitlichen Risikogruppen.

Was für den Empfindlichen krank machend und vielleicht tödlich ist, kann für den Normalgesunden auch ein Training sein. So führen Infektionskrankheiten jährlich zu tausenden Todesfällen bei alten und kranken Menschen. Andererseits wird das Immunsystem des gesunden Menschen durch solche Infektionen trainiert. Ein Versuch alle Menschen vor Infektionen zu bewahren könnte fatale Folgen haben. Die bisher Gesunden könnten empfindlicher für Krankheiten werden und zu mehr Allergien neigen.

Bisher hat die Wissenschaft nur negative Seiten des Feinstaubes aufgezeigt. Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass sich in einer zukünftigen mehr ganzheitlichen Betrachtung diese Sichtweise vielleicht ändern könnte (13).
Das Beispiel von weniger Allergien/Asthma-Fällen in der ehemaligen DDR zeigt, dass die Zusammenhänge komplex sind und einfache Formeln zu kurz greifen.
Selbst seit langem etablierte Forschung kann falsch liegen. Dies zeigt die Geschichte des Übergewichts. Neueste Erkenntnis: Übergewicht ist lebensverlängernd (14).

Eine Veranstaltung wie die am Putztag in der Kita Mathildenstr. in Linden-Nord hat mit Sicherheit mehr Feinstaub durch Rauchen und Grillen unter die Anwesenden gebracht, als es gleichzeitig auf der Göttinger Straße der Fall gewesen wäre.
Sollen wir in Zukunft Osterfeuer und Stockbrotgrillen mit Kindern nur noch mit Atemschutzmaske genießen oder gar ganz sein lassen ?
Willkommen in der totalen Hygiene...

Wie wäre es mit einem optimistischen Lebensstil, einer gewissen Bereitschaft zum Risiko und einem angemessenen, unaufgeregten Vorsorgedenken ?

Klaus Öllerer
- Nichtraucher, Läufer und Vater eines Asthmakindes -

Danksagung an:
Hans-Jürgen, der unermüdlich mein wichtigster Sparringspartner war,
Klaus, Achim und Sabine, die wichtige Optimierungen anregten,
alle Mitarbeiter in Verwaltung und Forschungseinrichtungen, die mit Informationen und kritischen Anmerkungen halfen,
Franziska, Nils und Sabine, die bei Formulierungen und Rechtschreibung behilflich waren

letzte Änderung: 13.05.2005

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Quellen:

1. Niedersächsisches Umweltministerium
tägliche Meßdaten

2. Umweltbundesamt
Hintergrundpapier zum Thema Staub/Feinstaub (PM)

3. Spiegel 14/2005, verändert

4. Particulate matter from tobacco versus diesel car exhaust: an educational perspective.
Meldung dazu aus den Medien (http://www.vistaverde.de/news/Wissenschaft/0408/24_rauchen.php)
Berechnung eines Raucheräquivalents:
Wie viele Zigaretten ersetzen wie viel Diesel-Autos Euro2 ?
Nach vorstehender Studie erzeugt eine Zigarette (10 Min Brenndauer) 10x soviel Feinstaub wie ein Diesel-Auto Euro3 im Leerlauf. Der Faktor zu Euro2 beträgt ca. 1,5 (siehe 4b), so dass eine Zigarette 10/1,5=6,7 mal so viel Feinstaub erzeugt wie ein Diesel-Auto Euro2 im Leerlauf.
Im Leerlauf wird weniger Feinstaub erzeugt als bei 40 km/h. Hier wird ein Faktor von 4 angenommen.
Lastwechsel bleiben unberücksicht.
Eine Zigarette erzeugt also 6,7/4=1,67 mal soviel Feinstaub wie ein Diesel-Auto Euro2 bei 40 km/h.
Nur 1/5 des Feinstaubes werden über den Auspuff erzeugt. 4/5 entstehen durch Aufwirbelung und Abrieb (Reifen, Straße) (6, Punkt 6.4).
Eine Zigarette erzeugt also 1,67/5=0,34 mal so viel Feinstaub wie ein Diesel-Auto Euro2 bei 40 km/h insgesamt incl. Aufwirbelung und Abrieb.
Der Feinstaub von wie viel Diesel-Autos Euro2 wird täglich erzeugt ?
30.000 Autos, davon 16% LKW (4.800) fahren im Durchschnitt in 24h durch die Göttinger Str.
Der Einfachheit halber werden alle Emissionen auf Diesel-Autos Euro2 umgerechnet. Euro2 gibt es seit 1996 und Euro3 seit 2000. LKW sind in Diesel-PKW umgerechnet (1x LKW=4x Diesel -> 19.200) (siehe 4a)
Anzahl der Diesel-Autos-Äquivalente für die Feinstaubabschätzung insgesamt daher 44.400 in 24h.
In welchem Abstand müssen Zigaretten postiert sein, um den entsprechenden Feinstaub zu erzeugen ?
44.400 Diesel-Autos-Äquivalente fahren mit 40 km/h (11 m/s) in 24h durch die Göttingerstr. Der Abstand zwischen zwei Autos beträgt daher 21,6 m.
Eine Zigarette erzeugt 0,34 mal soviel Feinstaub wie ein Diesel-Auto-Äquivalent und kann folglich in 21,6m*0,34=7,25m aufgestellt werden, um die Feinstaubmenge von einem Auto zu ersetzen. Hierbei ist eine Zeit von 10 Min/Zigarette angesetzt.
Der realexistierende Raucher benötigt ca. 5 Min, um in Ruhe eine Zigarette zu rauchen.
Daraus folgt eine verdoppelte Emission, so dass der Abstand zwischen den Rauchern 10/5=2 mal größer wird : 7,25m*2=14,5m.
Ergebnis:
Der Verkehr in der Göttinger Str. erzeugt soviel Feinstaub wie einzelne Raucher, die in einer Reihe im Abstand von 14,5m auf der Straße postiert sind.
Wenn man nur die Abgase aus den Auspuffen betrachtet (ohne Abrieb und Aufwirbelung): 14,5m*5=72,5m ! (6, Punkt 6.4)
Bei vollständig abgasfreien Autos: 14,5m*5/4=18,1m
Diese Rechnung ist eine grobe Abschätzung für den fließenden Verkehr, gegen die man einige Einwände erheben kann, so wie man das gegen viele wissenschaftliche Studien über diesen Gegenstand mehr oder weniger auch tun kann.
Dieser Versuch ist ein erster Ansatz. Mit anderen Ansätzen mag man zu anderen Ergebnissen kommen.
Der Erste, der mir in dieser Rechnung einen groben Fehler nachweisen kann, kriegt einen Gutschein zum Essen über 50 €. und darf - wenn gewünscht - mich vollquatschen.  ;-)

4a. Emissionsfaktoren_Luftreinhaltung (LKW-PKW) S. 20:
Luftreinhaltung im Regierungsbezirk Stuttgart - ein lösbares Problem ?
4b. Euronormen Schadstoffgrenzwerte S. 3:
AdBlue” oder wie man mit Harnstoff die Emissionen senkt

5. Ausbreitung von KFZ-Abgasen in Straßenschluchten

6. Niedersächsisches Umweltministerium
Luftreinhalte- und Aktionsplan Hannover, Göttinger Straße (Entwurf) v. 04.01.2005
6.4 Der Tabelle ist zu entnehmen, dass der Verkehr zu den Jahresmittelwerten bei PM10 30% und bei NO2 ca. 55% der gemessenen Konzentration beträgt. ... Da motorbedingte Partikelemissionen nur ca. 20% der KFZ-bedingten Immissionen ausmachen, d.h. im Jahresmittel ca. 3µg/m3, werden sich Maßnahmen zur Verminderung der Partikelemissionen aus dem Auspuff nur geringfügig bemerkbar machen.

7. Bayrischer Rundfunk
http://www.br-online.de/umwelt-gesundheit/thema/hausstaubmilben/milben-klima.xml

8. Zeit v. 06.04.2005:
Feines Gespür für Staub

9. The New England Journal of Medicine v. 21.10.2004 :
Exposure to Traffic and the Onset of Myocardial Infarction (für 10$ erhältlich zum Runterladen)

10. Particulate Air Pollution and Nonfatal Cardiac Events
The finding that time spent in traffic was associated with increased relative risk of nonfatal MI onset is important new information. In this study, time spent in cars, on public transport, or riding bicycles was much more strongly associated with induction of a nonfatal MI than any of the air pollutants measured at a central site in Augsburg. It is not clear whether the increased relative risk associated with time spent in traffic resulted from stressors such as noise and anxiety or from exposure to traffic-related air pollutants; it is also possible that recall bias may have influenced to some extent the size of the estimated risk. Further studies that focus on exposure in places near to traffic may help resolve this issue.
S. 13: The study’s objective was to test the following specific hypotheses:
1. The onset of MI is associated with an acute exposure to particulate air pollution within hours.
2. The association of MI is stronger with an acute exposure to TNC than to PM2.5.
S. 62: CONCLUSIONS
The specific study hypotheses were not supported by the study. No association was found between elevated concentrations of particulate air pollution and MI onset hours later. In addition, no association was seen between ultrafine particles and MI onset within 5 days after exposure. For PM2.5 and SO2, using case–crossover analyses with 16 bidirectional control periods, the data suggested an association between 24-hour average concentrations lagged 2 days (OR 1.08 [95% CI 0.99, 1.17] for a 7.7-μg/m3 increase in PM2.5 and OR 1.06 [95% CI 1.01, 1.11] for a 1.5-μg/m3 increase in SO2). Neither an immediate association between particulate matter and MI onset within hours was observed, nor was there evidence of an association with TNC as a marker for ultrafine particles. The estimates obtained by the case–crossover analyses differed depending on the control-selection strategies; however, the biases were not, as would be predicted by confounding, based on season or trend. Subject-specific triggers such as strenuous activities, time spent outdoors, and time spent in traffic were identified and were associated with MI onset 1 hour later. No evidence of confounding of the air pollution associations by subject-specific triggers was observed. Strenuous outdoor activities were particularly associated with an increased relative risk of MI onset.

11. Süddeutsche Zeitung v. 18.02.2005 :
Fahrverbot und Maut in Großstädten

12. Maßnahmen zum Luftreinhalte- und Aktionsplan Hannover Göttinger Straße
Auswertung des 1. Feldversuches (Zwischenbericht Stand 20.04.2005)
Staatliches Gewerbeaufsichtsamt Hildesheim

13. Zeitwissen 02/2005, In feinster Gesellschaft
Unsichtbar und allgegenwärtig durchschwebt Staub unseren Alltag. Er treibt nicht nur Sauberkeitsfreunde in die Verzweiflung, sondern auch Hunderttausende jährlich in den Tod. Trotzdem wären wir ohne ihn alle hypersensible Allergiker. Unser gesamter Planet wurde aus Staub geboren - und wird eines Tages wieder zu Staub werden
Von Sven Rohde

14. FAZ v. 24.04.2005: Schwer in Ordnung

15. Welt v. 03.05.2005: Freiwillig kinderlos

16. Der Spiegel 14/2005: Die unsichtbare Gefahr

17. www.netzeitung.de v. 04.05.2005: Rußfilter könnten jährlich 19.000 Leben retten

18. Prof. Wichmann, Gesundheitliche Wirkungen von Feinstäuben, insbesondere Rußpartikeln v. 14.04.2005
Da es sich bei Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen und beim Lungenkrebs um Krankheiten handelt, die in einem relativ hohen Lebensalter zum Tode führen, ist die Verkürzung der Lebenserwartung des Einzelnen durch diese Krankheiten deutlich kleiner als bei Todesursachen, die früher im Leben auftreten. Daher ist die Betrachtung der Lebenserwartung sinnvoller als die Betrachtung der Mortalität. Berechnet man vereinfacht die Auswirkungen auf die Lebenserwartung, dann lässt der großflächige Einsatz von Partikelfiltern gegenüber der gegenwärtigen Situation eine mittlere Verlängerung der Lebenserwartung um 1 bis 3 Monate erwarten.

19. Ob ein Herzinfarktrisiko besteht, kann durch eine medizinische Vorsorgeuntersuchung festgestellt werden.

 


Göttinger Straße: Diese Dachstation auf dem Landesamt für Ökologie dient zur Vergleichsmessung der Hintergrundbelastung durch Feinstaub. (5)

 

 

 

 

 

 

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