Bericht 21-04

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Mi., 16.05.2004, Linden-Nord :
JUGENDWOHNGEMEINSCHAFT VOR DEM AUS ?

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Für Jugendliche aus und in schwierigen Verhältnissen ist die Jugendwohngemeinschaft in der Gotestr. in Linden-Nord ein helfender Notanker. Durch Einbindung in die Aktivitäten der Bethlehem-Gemeinde erhalten die Jugendlichen zusätzliche Unterstützung und können an einem neuen Fundament für ihr Leben arbeiten.
Sozialhifekarrieren können so vermieden werden.
Seit einiger Zeit erhält diese Einrichtung immer weniger Zuweisungen und steht vielleicht vor dem finanziellen aus. Hier schildern Jugendliche und Betreuer ihre Arbeit.

Justus T. berichtet:
"Ich habe vom 15. bis zum 21. Lebensjahr in der JWG Grotestrasse gelebt. Meine Mutter war gestorben und bei meinem Stiefvater konnte ich nicht mehr sein. Hier in der JWG war immer jemand für mich da. Wenn ich Probleme hatte, konnte ich immer mit jemandem quatschen, nicht nur mit den Betreuern, sondern auch mit den anderen Jugendlichen. Das war eine starke Gruppe damals... wir haben auch viel Quatsch gemacht und hatten viel Spaß.
Durch die JWG habe ich den Schulabschluss geschafft. Lesen und Schreiben fiel mir schwer. Anschließend haben die mich sogar durch die Krankenpflegehelferausbildung durchgekriegt. Ich habe ganz schön pauken müssen. Und den Führerschein habe ich auch dort gemacht, das Geld dafür habe ich zum Teil gespart und zum Teil ist es durch Spenden zusammengekommen.
Dadurch hab´ ich jetzt `nen Job in der ambulanten Krankenpflege. Ich bin verheiratet und habe einen kleinen Sohn. Meinem Halbbruder ist es nicht so gut gegangen, der hatte keine Unterstützung, der lebt jetzt vom Sozi. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass es mir ohne diese Betreuung genauso gehen würde."

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Die Inhalte angeführter Links und Quellen werden von diesen selbst verantwortet.

Die Unterbringung in Jugendhilfemaßnahmen ist kein unbezahlbarer Luxus, sondern eine sinnvolle Hilfe für junge Menschen, die unverschuldet in Not geraten sind. Am Beispiel von Justus sieht man, dass das Geld gut angelegt
wurde. Er hat eine gute und sinnvolle Arbeit und trägt seinen Teil für die Allgemeinheit bei. Hätte er keine Unterstützung bekommen, würde er dem Staat jahrzehntelang finanziell zur Last fallen. Wie die Geschichte von Justus zeigt, lernen die Jugendlichen durch das Leben in der Gruppe. Z.B. lernen sie, ihre Interessen  durchzusetzen, bei Ärger nicht gleich wegzulaufen und sich mit anderen zu arrangieren. Diese Fähigkeiten sind in ihrem späteren Leben (Partnerschaft, Familie, Erziehung der eigenen Kinder) gefragt.
Dadurch, dass die Jugendlichen in einem eigenen kleinen Haus leben und für sich Kochen und Putzen müssen, verschaffen sie sich Kenntnisse in der Haushaltsführung. Auch dass "am Ende des Geldes noch so viel Monat über ist" lernen sie, in den Griff zu bekommen, von der wöchentlichen Einteilung des Taschengeldes bis hin zum Geld auf dem eigenen Konto. Wie so eine Jugendwohngemeinschaft verwaltet wird, lernen die Jugendlichen auch kennen, weil sie mitmachen können- z.B. bei der monatlichen Großabrechnung.
Scheu vor dem Kontakt mit dem Amt? Hier werden die Jugendlichen begleitet und über ihre Rechte aufgeklärt.

Sinnvolle Freizeitgestaltung, weg von den Drogen: Ein erklärtes Ziel der JWG. Hier gibt es für die Kids viel zu tun: Im Garten wühlen, am Fahrrad schrauben, Musik machen, gemeinsam ins Theater gehen, selbst Theater machen (aktuell mit der Aufführung "Bierkrieg" in Zusammenarbeit mit der Bethlehemgemeinde und dem Rambaff- Theater), Ausflüge und gemeinsame Freizeiten erleben (paddeln, paddeln, paddeln) und Partys feiern sind nur ein Ausschnitt der Aktivitäten.
Wie Justus schon andeutet, gibt es die Möglichkeit, sich bei den MitarbeiterInnen der JWG mal so richtig auszuquatschen. Das Team hat verschiedene Fortbildungen gemacht und bietet bei Bedarf Gesprächsreihen an.
Da gibt es dann die Möglichkeit, die Schwierigkeiten, die es in der Vergangenheit gab, näher anzuschauen und das was gut war zu behalten, das was nicht so gut läuft anders zu machen. Die MitarbeiterInnen sind der Meinung, dass die Jugendlichen stark sind und viele Fähigkeiten haben, die ihnen nur nicht so deutlich sind. Weil: Sonst hätten sie sich bei all den Problemen in ihrem Leben nicht bis heute durchschlagen können. Allerdings gibt es Punkte, an denen die BetreuerInnen manchmal auch nicht weiter kommen, dann werden die Jugendlichen, wenn sie es wünschen, zu Therapeuten begleitet.

Auch heute gibt es Jugendliche, die eine solche Einrichtung dringend brauchen. Jeder Mensch kann sie sehen, die Jugendlichen ohne Perspektive.
Ihre Zahl wächst. Sie machen sich bemerkbar auf ihre Art: Hilflos, selbst- und fremdschädigend. Jedoch: Diesen Jugendlichen wird die Unterbringung in Jugendwohngemeinschaften immer schwerer gemacht: Für stationäre Unterbringung ist kein Geld mehr da! Die Jugendwohngemeinschaft wird seit Monaten nicht mehr belegt. Wenn es so weitergeht, steht den Jugendlichen eine sinnvolle Einrichtung weniger zur Verfügung und die JWG muss schließen.

Wenn Sie sich jetzt fragen, was Sie persönlich für den Erhalt dieser Einrichtung tun können: Sprechen Sie mit Freunden und Bekannten darüber, schreiben Sie eine Solidaritätspostkarte (gibt´s direkt in der JWG), schreiben Sie eine eigene Stellungnahme an verantwortliche Menschen aus Politik und Verwaltung.

Adressen finden Sie im Anhang. Danke!

Team und Jugendliche der JWG

JWG Grotestrasse 19, 30451 Hannover
www.jwg-grotestrasse.de
E-mail Hoppe.JWG@gmx.de
Tel. 0511/ 44 00 02
FAX 0511/ 210 91 31

Fachbereich Jugend und Familie      
Z.H. Frau Broßat- Warschun
-Fachbereichsleiterin-
Ihmeplatz 5
30449 Hannover

Herbert Schmalstieg
Oberbürgermeister
der Stadt Hannover
Rotkäppchenweg 1
30179 Hannover

Landeshauptstadt Hannover
Finanz- Rechts- und Ordnungsdezernent (Kämmerer)
Stephan Weil
Rathaus
Trammplatz 2
30159 Hannover

letzte Änderung: 16.05.2004