Bericht 18-04

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Mi., 14.04.2004, WohnArt April:
Factory-Outlet-Center im Ihmezentrum?
Ihmezentrum - Zum Spielball werden?

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Was wird mit dem Ihmezentrum? Das ist die Frage, die viele quält. Vor vier Jahren kam mit Investor Engel scheinbar der Retter, doch seitdem hat sich nichts getan – jedenfalls nichts, was das Image der gewaltigen Anlage im Herzen der Stadt verbessert hat.

Hätten Sie es gewusst? Im Ihmezentrum – dem städtebaupolitischen Aushängeschild Hannovers in den 70er Jahren – wohnen 2500 Menschen in 800 Eigentumswohnungen. Stadtnaher Wohnraum für junge Familien, kleine Läden, einige Büros. Das war die ursprüngliche Planung. Doch dann wollten Banken und Politik hoch hinaus, weiß Monika Grossmann, Sprecherin der Bürgerinitiative Linden-Ihmezentrum (BLIZ) noch wie heute: „Es muss sich lohnen, haben die Banken gefordert. Das Projekt wurde achtmal größer geplant und kam mit einer Stimme Mehrheit durch den Rat – gegen die Warnungen von Fachleuten." 60.000 Quadratmeter Wohnraum, 60.000 Quadratmeter Büroraum, 60.000 Quadratmeter Parkfläche und 60.000 Quadratmeter Gewerbefläche galt es zu betreiben – eine gewaltige Aufgabe.

Zwei Ereignisse sorgten schon in der Anfangszeit dafür, dass das Projekt außer Tritt geriet. Das Finanzministerium des Landes Niedersachsen zog die Zusage zurück, Finanzämter wie geplant an den Ihmeplatz 1 zu verlegen. Noch schlimmer trafen die Folgen eines Hubschrauberunglücks. HUMA war der große Publikumsmagnet an der Ihme, doch dann stürzte die gesamte Geschäftsführung ab. HUMA wurde verkauft, dicht gemacht. „Damit begann das langsame Sterben auf den Gewerbeflächen, die immerhin ein Viertel der Gesamtfläche ausmachen", hat auch Bewohnerin Sigrid Bürstenbinder beobachtet.
1996 schien es mal wieder aufwärts zu gehen. Mit 96 Prozent beschloss die Eigentümerversammlung Revitalisierungsvorschläge. „Die Bewohner haben angepackt," zeigt Monika Grossmann auf. „10 Millionen haben wir in Betonsanierung und Modernisierung gesteckt. Schwierigkeiten gibt es nur am Ihmeplatz 1. In diesem Gebäude sind viele Wohnungen unter Zwangsversteigerung. Der Zwangsversteigerer nimmt viel Geld für die Verwaltung, und auch für die Wohnungen hat er an Mietern genommen, was er kriegen konnte. So haben wir dort Probleme mit Wohnungsprostitution, aber modernisiert und saniert wird nicht."

Anno 2000 dann erschien ein Engel – so zumindest erschien es damals den geplagten Wohnungseigentümern. „Hofiert von Politik und Verwaltung versprühte Lichtgestalt Frank-Michael Engel Optimismus, wollte das Ihmezentrum mit großzügigen Investitionen aus der Versenkung holen. Passiert ist fast nichts", schildert Monika Grossmann diese Phase ironisch. „Engel hat nicht einen einzigen Cent aus eigenen Mitteln investiert. Aus unseren Rücklagen hat er 1,2 Millionen genommen und seinen Architekten mit einer Überplanung beauftragt, die es so ähnlich schon gab. Bei den restlichen Mitteln, die er angeblich investiert, handelt es sich schlicht und ergreifend um das Hausgeld, das er für seine Gewerbeflächen bezahlen muss."

Seitdem verfolgen die Eigentümer Engels Aktivitäten mit äußerster Vorsicht. Die Stadt Hannover hatte bekanntlich die Stadtwerke angewiesen, ihr Gebäude an den umjubelten Investor zu verkaufen. „Seitdem ist Engel bei uns von Miteigentümern kaum noch zu bremsen, hat 64,7 Prozent. Und er kauft ständig dazu", beobachtet BLIZ. „Sonst macht er nichts, lässt alles verkommen. Das geht soweit, dass die Stadtwerke 2003 öffentlich an Auszug gedacht haben. Nachzulesen im Protokoll einer Bauausschuss-Sitzung."
 „Das muß System haben", folgert Monika Grossmann. „Was bei uns geschieht, kann man nur als systematische Entmietung bezeichnen. Oder glauben Sie, dass jemand in einem solchen Bereich einkauft, ohne sich etwas dabei zu denken?"

Das Zauberwort „Factory-Outlet-Center" geistert als Hoffnungsschimmer nicht nur durch die hannoversche Presselandschaft, sondern auch durch die Köpfe der Bewohner. „Mitten in Hannover gibt es 60.000 Quadratmeter Gewerbefläche ohne jede Auflage. Das muss doch Fabriken, die Läden aufmachen wollen, ins Auge springen", hofft auch Monika Grossmann.
Hoffnung – denn passiert nichts, könnten die Wohnungseigentümer vor dem wirtschaftlichen Ruin stehen. „Engel braucht nur noch wenig aufzukaufen, dann hat er die Zwei-Drittel-Mehrheit, kann den Kostentragungsschlüssel ändern und damit viele in den Ruin trieben", befürchtet Grossmann. „Nur nicht nörgeln und Herrn Engel pfleglich behandeln, ist deshalb für viele das einzige Rezept."

Und so hoffen sie, hoffen, dass im Bereich der Gewerbeflächen ein Wunder geschieht, hoffen, dass ihre Ideen und Nöte ernst genommen werden, hoffen, dass sie von der Politik nicht im Stich gelassen werden.

Und sie fragen: Warum hat die Stadt die Stadtwerke gezwungen, ihr Gebäude zu verkaufen? Wann wird geklärt, ob die Stadt den Eigentümern im Ihmezentrum Wegegelder in zweistelliger Millionenhöhe zahlt oder nicht? Warum toleriert die Stadt alle Maßnahmen Engels, der unter anderem erst einmal alle Rücklagengelder auf ein Konto auf die Lampe-Bank in Luxemburg transferieren ließ? Und das wichtigste: Wie will die Stadt die Eigentümer schützen? Wie will sie verhindern, dass es 800 Sozialfälle mehr gibt?  

Rainer Hahne
aus
WohnArt, Ausgabe April 2004

Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung

letzte Änderung: 14.04.2004; 24.05.2004


Aktiv fürs Ihme-Zentrum: Sigrid Bürstenbinder (links) und Monika Grossmann, Sprecherin der Bürgerinitiative Linden Ihme-Zentrum im Gespräch mit WohnArt-Chefredakteur Rainer Hahne.
Foto: WohnArt

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