Bericht 16-04

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So., 11.04.2004 Theater:
Bierkrieg
in der Bethlehemkirche
und das Osterfeuer gab's auch noch dazu am Sa., 10.04.2004.

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Es ist das Jahr 1904. Der Bau der Bethlehemkirche ist beschlossene Sache, die Grundsteinlegung steht an und der Bierpreis soll erhöht werden.

100 Jahre später: Geschickt war die Bethlehemkirche in eine Theaterbühne verwandelt worden. Zwei- bis dreihundert Zuschauer waren erwartungsfoh erschienen.

Es geht um damals.

Eigentlich geht es zuerst sogar nur um die Grundsteinlegung. Pfarrer, Hilfspfarrer und Superintendent auf der einen Seite - eine Gruppe Arbeiter mit roten Fahnen und Schifferklavier unter ihrem überzeugten Führer Ludwig auf der anderen Seite.

Geschickte Arbeiterfragen auf die die kirchlichen Würdenträger oft nur unzureichende Antworten wussten, wurden witzig, aber auch etwas klischeehaft vorgetragen.

Soweit normal - bis schließlich die Nachricht vom höheren Bierpreis die Runde machte. Das traf die Arbeiterschaft ins Mark. Vor allem die Begründung traf auf nicht allzu große Gegenliebe. Vom höheren Bierpreis sollte die Kriegsflotte finanziert werden. Das konnte kein Arbeiterherz auf sich sitzen lassen und daher entschloss man sich flugs zum Bierstreik.

Ab jetzt wurde Wasser getrunken ! Das mußte nun sein, denn immerhin war Krieg, wenn auch nur ein Bierkrieg.

Nach einigem hin und her und einer Reihe witziger Dialoge gab es schließlich  - natürlich - ein Happyend.

Die herausragende Figur des Abends war der Hilfspfarrer, glaubwürdig gespielt von Klaus Wissel.
Leicht verschroben, naiv im Glauben an Gott und das Richtige, hin und her gerissen zwischen Kirche und den eigenen privaten Lüsten stand er ein ums andere mal zwischen Gott und den lebensfrohen Sozialisten. Sein faszinierendes Minenspiel war immer überzeugend.

Wie ein Abgesang auf frühere Verhältnisse wirkte die gelungene Überzeichnung der Kontrahenten:
Überzeichnet waren die Vertreter der Kirche mit ihrer Obrigkeitshörigkeit und ihrer Interpretation gottgewollter Ordnung.
Überzeichnet waren auch die Arbeiter als sozialistische Klassenkämpfer mit ihren lautstarken und dünnen Propagandasprüchen.
Dieses nostalgisch angehauchte Bild vom Klassenkampf hat in Linden, wie man weiß, eine lange Tradition. Manchmal scheint dies aber auch den Blick für neue Entwicklungen im Stadtteil zu verstellen. Mehr weltanschaulicher Realismus täte Linden gut.

Etwas unglücklich wirkte, dass der Arbeiterführer Ludwig durch eine Frau dargestellt wurde. Dadurch wirkten klassenkämpferische Reden zu schrill.
Besonders absurd wirkte es, wenn zum Zwecke der Anmache gegenüber Helga sich Ludwig an "sein" männliches Gemächt fasste. Aber vielleicht habe ich auch einfach nur nicht die Ironie dieser Szenen richtig verstanden ;-)

Fazit: Es war ein insgesamt gelungener Aufbruch zu einem anspruchsvollen und unterhaltsamen Heimattheater. Hoffentlich gibt es bald mehr in Linden.
Die Zuschauer dankten es mit tosendem Beifall.

Anschließend ging es raus zum verdienten Osterfeuer.

Klaus Öllerer
Letzte Änderung: 11.04.2004; 12.04.2004


Glaube und Andererglaube stehen sich gegenüber.

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Grundsteinlegung


Noch gibt es Bier.


Die Tochter muß für Papi Bier holen.


Alle Arbeiter müssen zusammenhalten - und Wasser trinken. Brrr - ob sie das aushalten ?

Die Rollen und ihre Darsteller waren:

Ein Theaterstück aus dem wirklichen Lindener Leben vor hundert Jahren von Hans-Jörg Hennecke
präsentiert vom rammbaff-Theater und der Jugendwohngemeinschaft Grotestraße
Premiere: Ostersonnabend, 10.04.2004 in der Bethlehem-Kirche
Regie: Gio Dudek-Panten Bühnenbild: Meike Mangels Tontechnik: Thomas Bergmann
Uwe Glatz
Musik: Holger Hoppe Heinz Gremmel
Es spielen:
Ludwig, Arbeiter: Waltraud Wegner
Pastor: Holger Hoppe
Helga, Arbeiterin: Janine Siebert
Egon, Arbeiter: Eugen Martel
Wirtin: Mandy Tiede
Franz, Arbeiter: Frank Kaczmarek
Superintendent: Eckart Henschel
Paule, Arbeiter: Paul Bettac
Hilfspastor: Klaus Wissel
Schulmädchen: Claudia Gerber
Heinrich, Arbeiter: Heinz Gremmel
        
Nächste Vorstellung:
17. Juni 2004, 19 Uhr, Bethlehemkirche.
Eintrittskarten 9 Euro (ermäßigt 6 Euro) an der Abendkasse.
Gefördert durch Bezirksrat Linden-Limmer, Klosterkammer, Gilde Brauerei mit Lindener Spezial, Edelhof-Stiftung Hann.-Ricklingen


Streik: Keiner will ihr Bier.


Hilfspfarrer zwischen den "Fronten".

Das Lindenlied aus dem "Bierkrieg"

Linden, Linden – das ist meine Welt

Alle formieren sich:
Linden, Linden – das ist meine Welt.
Fröhlich, traurig
Unterm Sternenzelt.

Hier gibt's Bier für alle,
die da dürstend streben.
Freiheit, Freizeit und ein Bett zum Leben.

Das glaubst du wohl,
das glaubst du wohl,
das hättest du wohl gern.

Linden, Linden – das ist meine Welt.
Fröhlich, traurig
Unterm Sternenzelt.

Bist du unten, strengst dich mächtig an,
kommst nach oben, wirst geschoben,
bis zur Macht, alles lacht.

Das glaubst du wohl,
das glaubst du wohl,
das hättest du wohl gern.

Linden, Linden – das ist meine Welt.
Fröhlich, traurig
Unterm Sternenzelt.

Das glaubst du wohl,
das glaubst du wohl,
das hättest du wohl gern.

Linden, Linden – das ist meine Welt.
Fröhlich, traurig
Unterm Sternenzelt.
 


Ende einer Uraufführung: Alle Beteiligten stehen auf der Bühne.


Das Publikum ist begeistert.


Der Autor: Hans-Jörg Hennecke


Feuerentfachungsarbeit: Noch will es nicht richtig kommen.


So muß es sein.