Bericht 67-03

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Fr., 21.11.2003, Pasch:
Linden wird 888 und der Bezirksrat feierte
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Lindemann gratuliert Linden hochachtungsvoll zu 888
Von Hans-Jörg Hennecke
Lindemann schätzt Oma Kasten aus dem l. Stock nun wirklich über alle Maßen. Aber manchmal nervt ihn doch ihre altersgeprägte Nörgelei.
„Also, wissen Sie, der Küchengarten", bemerkte sie gestern ziemlich erregt und musste erst mal schnaufen. Lindemann nutzte die offensichtliche Pause und vergewisserte sich, dass er weiß, was er weiß: Es gibt einen Küchengarten und der war sogar mal Küchengarten. Aber da hatte Linden noch einen König.
„Was das wieder kostet, dieser ganze neumodische Aufwand, der Küchengarten", setzte Oma Kasten mit frischem Atem fort. Der Kostenfaktor war Lindemann nicht klar. Bisher verlangte niemand am Küchengarten Eintritt, das unterschied Linden immerhin von Hannover, wo der Garten des Königs zu dessen Regierungszeit auch nichts kostete, jetzt aber nur mit teurem Ticket zu betreten war. Ausgenommen die Winterzeit, wenn dort sowieso nichts zu sehen ist. Lindemann vertraute seinem Lindener Bezirksral, der sogar im bildschönen Von-Alten-Garten nicht einmal von abprotzenden Hunden Eintritt forderte.
„Und erst der Pariser Platz", setzte Oma Kasten ihren kommunalpolitischen Amoklauffort. „Jetzt heißt der wirklich so." Für Lindemann hieß der immer so, er hätte ihn sonst gar nicht als Platz wahrgenommen. Darm wurde Oma Kasten gar vertraulich. „Sagen Sie mal, Herr Lindemann, ich war ja nie in Paris, man ist ja schon geschafft, wenn man mal nach Hannover fahrt, ist das in Paris wirklich so, mit so langweiligen Plätzen? Ich hörte doch, da ist Pigalle und Beine hoch und runter. Die haben doch sogar echten Cognac und Champagner, das passt doch nicht zu einem Platz, wo zwischen zwei Kneipen gerade mal eine Straßenbahn durchpasst. Also wissen Sie, nee." Sagte es und verschwand in ihrer Wohnung. Lindemann hatte krampfhaft versucht, eine weltmännische Antwort zu entwerfen, aber das konnte er sich nun schenken, denn als nächster kam Nachbar Stokelfranz durch die Haustür und dem war weltmännisch überhaupt nicht beizukommen.
„Na Lindemann, besser ein Pariser als ein Pariser Platz. Solange es noch klappt..." Lindemann war empört über die unflätige Art von Stokelfranz, doch der vollendete seinen Satz elegant: „Solange es noch klappt, sollte man schon mal nach Paris fahren. Sie wissen schon, Eiffelturm, und dann der Louvre - da soll übrigens 'ne Menge nacktes Fleisch rumhängen." So sind Lindemanns Nachbarn, aber er kennt sie jedenfalls. Und Oma Kasten kennt erst recht alle und weiß Bescheid. Die liegt stundenlang im Fenster und schaut. Sie weiß, dass Stokelfranz erst um 15 Uhr das Haus verließ und bis zur Tagesschau immer noch nicht zurück war. Kenntnisse dieser Art sind in Linden nicht mehr sonderlich verbreitet, musste er erst kürzlich feststellen. Da sollte er rein beruflich einen Menschen in einem größeren Bau an der Limmerstrasse aufsuchen. Namensschilder schienen dort aus der Mode zu kommen und so fragte er einen Hausbewohner:
„Wohnt hier Kringelkämper?" „Keine Ahnung," meinte der. „Ach, Sie sind hier neu", bemerkte Lindemann voller vergebender Milde. „Nee, ich wohne hier zehn Jahre. Aber ich mische mich nicht in die Angelegenheiten der Leute ein. Auch nicht in ihren Namen. Das ist Intimsphäre und außerdem gibt es da noch den Datenschutz, alles klar, Alter?" Lindemann schüttelte den Kopf. Bei dieser Art Zurückhaltung kann natürlich auch keiner wissen, ob der Nachbar oben rechts vielleicht gerade auf einem Übungsplatz einen Waffenschein für Boden-Luft-Raketen erwirbt. Und hinterher steht in der Zeitung, mit welchem elenden Karrieristen man Dach und Hausflur geteilt hat. Andererseits, wer kann schon seines Bruders Hüter sein? Ein kluger Spruch, denkt Lindemann. Er weiß nur nicht genau, ob der von Goethe oder Harald Schmidt stammt. Aber der ungehütete Bruder kennt nicht mal den Termin für gelbe Säcke, das ärgert ihn. Der stellt den angeblich wertvollen Abfall vor die Tür, wenn der Sack voll ist. Und Altpapier? Das wird oft gleich von außen angeliefert und da trägt mancher sein Scherflein von innen bei, egal welcher Wochentag im Kalender steht. Sagt Lindemann diesen Altpapierfrevlern mal was, bekommt er den Stinkefinger gezeigt. Und dann fühlt er sich so hilflos, weiß er doch, dass sich Kofi Annan da nicht einschalten wird. So bleibt das Zusammenleben in Linden wohl eine Sache der Lindener selbst, Lindemann ficht das nicht an. Das war schon immer so und „schon immer" heißt in diesem Fall, seit 888 Jahren. Als Schnapszahl wunderschön, Lindemann hat tatsächlich mit Stokelfranz und Oma Kasten einen Wodka drauf getrunken, zu dem Stokelfranz einlud und den Lindemann bezahlen musste, aber richtig feierlich wird ihm beim Gedanken an das große Jubiläum 900. Da sind noch zwölf Jahre Zeit, die gute Stube in Ordnung zu bringen oder kollektiv in Obdachlosigkeit zu versinken, selbst wenn man eine beheizbare Wohnung besitzt. Denn ein Obdach ist auch der gemeinsame Wille aller in einem Kiez, denselben l(i)ebenswert zu gestalten.
„Das kann man in Büchern über Linden nachlesen", belehrt Lindemann seinen Nachbarn Stokelfranz. Doch der winkt gelangweilt ab. „Bücher gibt es nicht mehr, die besorgte Obrigkeit macht die Büchereien im Freizeitheim und Rathaus dicht. Dann gibt es Bücher nur noch im Ihmezentrum, vermutlich bei Aldi.
„Man kann ja auch mal ein Buch kaufen", empfiehlt Lindemann kleinlaut. „Ja", bestätigt Stokelfranz, „Ihnen empfehle ich die ledergebundene Gesamtausgabe der Werke von Oliver Kahn. Damit Sie endlich wissen, dass das Runde in das Eckige gehört." Lindemann strahlt und knallt selbstbewusst seine Fachkenntnis zurück: „Das kostet drei Euro für das Phrasenschwein." Nun weiß sogar Stokelfranz, dass Lindemann auch schon mal Fach-Fernsehen sieht.
Noch zwölf Jahre bis zum Lindener Big Bang. Bis dahin kann keine Macht der Welt 07 in die Bundesliga hieven. Entscheidend ist nämlich auf dem Platz. Kostet wieder drei Euro für das Phrasenschwein, ist aber der Gesellenbrief für den Top-Experten. So werden alle Lindener Lindemann lieben. Vielleicht, denkt Lindemann, sollte man das Jahr 2004 zum Jahr der wunderbaren Lindener Nachbarschaft erklären. „Und dann Zug um Zug ran an 2015, was, Oma Kasten?"
„Da bin ich schon lange unter der Erde. Aber nur auf dem Bergfriedhof. Wenn die Verwaltung das nicht zulässt, bleibe ich eben und mache 2015 mit. Gibt es da wieder Wodka, Herr Lindemann?"
„Ein Fass", sagt Lindemann, „ wenn die Politik mal auf den normalen Lindener Menschen hören würde. Und der will auf dem Bergfriedhof liegen und nicht irgendwo im Ausland. Bis dahin sollen doch erst mal die sterben, die wir sowieso nicht leiden können." Er schreibt eine Petition unter der treffenden Formulierung: „Ein kleiner Schritt für die Friedhofsverwaltung, ein großer Schritt für den verstorbenen Lindener Menschen." Das musste wohl überzeugen.
Überzeugungskraft erwartet Lindemann auch von seinem Bezirksrat. Von dem wünscht er sich, mal ganz entschlossen bei der Deutschen Post AG vorbeizuschauen. Die sind es Linden selbstredend schuldig, zum 900. eine Sonder-Briefmarke herauszugeben. Schließlich machen die das seit Jahr und Tag sogar für irgendwelche Käffer, in die Lindemann nicht mal als Urlauber reisen würde, wenn er die Reise im Preisausschreiben gewinnt. Lindemann vertraut ganz auf seinen Bezirksrat. Der hat immerhin die so wichtige 888 aufgegriffen und feiert heute von 19.19 Uhr bis 22.22 Uhr. Aus Dankbarkeit möchte er einen hilfreichen Tipp beisteuern. Wer den Kanal um 22.22 Uhr immer noch nicht voll hat, sollte das Thema „Mallorca" diskutieren. Da ist es dann nämlich erst 20.22 Uhr. In der Europäischen Union gelten alle Normen allgemeinverbindlich. Kein Wunder, dass die Nächte im Ballermann so lang sind, das darf man Oma Kasten gar nicht erzählen.


150 bis 200 geladene Gäste des Bezirksrates lauschten gespannt den Ansprachen in der IGS Linden.
Gemeinsames Gefühl: Linden hat was.

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Bezirksbürgermeisterin Barbara Knoke führte durch die Veranstaltung.


Hans Jörg Hennecke trägt seinen neuesten Lindemann vor. .....


...Und das Publikum lacht ....


... und schmunzelt.


Herr Thünken erzählte seine Lebensgeschichte. Aufgewachsen in Linden hat er als Koch lange im Ausland gearbeitet und vor einigen Jahren mutig Thünken's Bistro in der Deisterstr. aufgebaut.


Schulleiter Christoph Walther heißt die Versammling willkommen und bittet um Spenden für ...


... das GERNIE-Projekt der IGS.
Jochen Rademann und Peter Löper spenden gerne.


Das GERNIE-Projekt


Circus Colibri begeisterte Alle.