"Bürger-Krieg" in Linden. Seit gestern, 12:30 Uhr, fährt hier kein Auto mehr. Händler wütend.
Anwohner freuen sich. Von ANDREA DIETRICH und ARNIM MÜLLER Der jahrelange Streit um die Limmerstraße. Seit gestern ist sie für Autos komplett gesperrt, vom Küchengarten bis Köt-nerholzweg Fußgängerzone. Hannovers Straße des Zorns! Denn: Geschäftsleute stemmen sich gegen die Schließung. Sie befürchten massive Umsatzeinbußen,
bangen um ihre Existenz. Aber: Anwohner freuen sich über die Schließung. „Bürger-Krieg"... Das sagen die Händler: Christa Nicis (59), Mitarbeiterin „Krause Mode- und Kurzwaren": „Wir sind stinksauer, schon jetzt bleiben Kunden weg." Simona Cestaro (28), Inhaberin „Wolfs Schreibwaren": „Kunden bleiben weg, weil sie nicht parken können. Wir haben schon 18 Prozent Umsatzrückgang, mussten 3 Mitarbeiter entlassen." Immobilienmakler Walter Strauß (57): „Wir
vermieten in der Limmerstraße Läden - aber immer weniger wollen hier ein Geschäft eröffnen. Das ist eine Fußgängerzone, die keiner braucht." Ute Delloch (57), Verkäuferin „Fleischerei Gothe": „Ich habe Angst um meinen Job. Wir haben mehr als 30 % weniger Umsatz, weil viele Kunden im Auto gekommen sind, jetzt wegbleiben." Oliver Werner (39), Inhaber „Stempel & Kopierzentrum": „Kinder können immer noch nicht auf der Straße spielen, weil Bahnen und Busse weiter
fahren dürfen." Denn: Autos dürfen die Straße zwar nur noch queren. Aber: Bahnen, Busse und Fahrräder dürfen weiter über die Limmerstraße fahren! Lehrerin Dutta Hörmann (48) dagegen: „Es ist ruhiger geworden, man kann über die Straße bummeln, ohne Angst vor Autos zu haben." Rückblick: Eine Umfrage der Stadt ergab: 62 % der Einwohner waren für eine Fußgängerzone - aber 90 % der Geschäftsleute
stimmten gegen die Bummelmeile. 2001 wurde die Limmerstraße trotzdem zwischen Selma- und Kochstraße sowie zwischen Elisen- und Velberstraße für Autos gesperrt. ]uli 2003 hat Rot-grün im Rat die komplette Sperrung beschlossen. Weil Händler Umsatzeinbußen befürchten, vors Gericht gezogen sind, musste der Umbau verschoben werden. Das Oberverwaltungsgericht Lüneburg hat jetzt entschieden, dass der Widerspruch keine aufschiebende Wirkung hat, die Straße gesperrt werden darf. Die endgültige
Entscheidung fällt das Verwaltungsgericht voraussichtlich erst 2004. Über 750000 Euro hat die Sperrung bisher gekostet - was, wenn die Händler doch Recht bekommen...? Fotos: Hennig Scheffen Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung. |