"Am Anfang gab es noch Currywurst"
sagte Hasan Balci, als ich ihn auf die Anfänge seines kleinen Dönerrestaurants im Jahr 1988 ansprach. Als dann die Kunden doch lieber mehr Döner wollten, stellte er einfach um und führt jetzt nur noch türkischstämmiges Essen. Der Döner jedenfalls ist einer der Besten, den es weit und breit gibt. Davon konnte ich mich selber in vielen Jahren als gelegentlicher Gast überzeugen. "Alles ist handgemacht und es wird nichts Vorgefertigtes verwendet." So liegt z.B. der Dönerspieß lange in selbstgemachter Lake, bevor er zum Grillen eingestellt wird. "Meine Gäste kommen von überall her: Garbsen, Gehrden, Ahlem, Davenstedt, Empelde, Ronnenberg, Bornum, Langenhagen, sogar vom Flughafen, usw." Ihm fallen immer neue Orte ein, aus denen seine Gäste angereist kommen. Meistens sind es ehemalige Lindener, die jetzt woanders wohnen. Über 80% der Gäste sind Deutsche. Es werden drei Vollzeitmitarbeiter beschäftigt, die auch manchmal etwas mehr arbeiten, wenn es besonders viel zu tun gibt. Mir fällt auf, daß es ja noch keine McDonalds -Filiale im Umkreis der Limmerstraße gibt. Vielleicht liegt das ja auch an Geschäftsleuten wie Hasan Balci.
Da liegt natürlich die Frage nahe, wie sich denn nun die Fußgängerzone auf seine Geschäfte auswirkt: Im Oktober, während der ersten Einführung der Fußgängerzone, sanken die Umsätze um 30-40% ! Auch nach Wiederöffnung blieb ein Rückgang bis heute von ca. 20%. Als Grund sieht er, daß jetzt viel weniger Autos über die Limmerstraße fahren und auch viel weniger Parkplätze vorhanden sind. Er schätzt die Minderung des
Autoverkehrs auf 40% gegenüber der Zeit vor der Fußgängerzone. Im Jahr davor waren die Geschäfte viel, viel besser. Die Laufkundschaft hat um ca. 60 % abgenommen. Herr Balci stellt auch eine langfristige Minderung seiner Umsätze fest. Den Leuten sitzt das Geld nicht mehr so locker. Er ist bisher noch nie von Parteien und kaum vom Bezirksrat angesprochen worden. Mir wird plötzlich ein Irrwitz unserer Lindener
Politik deutlich: Jahrzehntelang wird um eine Fußgängerzone Limmerstraße gekämpft, doch diejenigen, die ihren Arbeitsschwerpunkt in dieser Straße haben, werden anscheinend nicht richtig wahrgenommen und vielleicht auch als eher lästig denn als Chance angesehen. Herr Balci: "Als sozialdemokratisch denkender Mensch, denke ich, daß die SPD sich um die kleinen Leute kümmern sollte. Und wir sind doch hier alles kleine Leute. Was hier läuft, ist doch eher im Interesse der Großen, z.B.
Real." Er möchte investieren und hat ca. 50.000 DM in Planung: für einen neuen Ofen und eine Verbesserung der Inneneinrichtung. Die Ungewissheit, wie sich die weitere Entwicklung der Limmerstraße auswirken wird, läßt ihn zögern. Ach - übrigens: Manch einer hat sich vielleicht schon über Herrn Balcis linke Hand gewundert: Seine Finger verlor er "fast berufstypisch" in seinem vorigen Beruf als Schreiner. Klaus Öllerer, 25.03.2001 |