01.01.2000 Aus Erfahrungen lernen ! Die Neueinrichtung einer Fußgängerzone in der Limmerstraße ist im Praxistest im
Oktober/November letzten Jahres gescheitert. An diesem Ergebnis hätten auch noch mehr Schilder und Markierungen grundsätzlich nichts geändert. Ich bin deshalb für eine verkehrsberuhigte Limmerstraße mit Tempo 30, weil dies eine realitätstüchtige Lösung ist und sich folgende Vorteile erwiesen haben: Vorteile für Fußgänger: Da es in
der Limmerstraße im mittleren Bereich der Straßenbahnschienen immer einen bestimmten Teil legalen Fahrverkehrs (Straßenbahn, Busse, Lieferverkehr, Anlieger, Fahrradfahrer ...) geben wird, nutzen die Fußgänger nur die Bürgersteigbereiche vor den Geschäften – genauso wie in einer Tempo-30-Straße. Erst nach Aufhebung der Fußgängerzone durfte rechtlich vor HL wieder ein Zebrastreifen eingerichtet werden. Für Kinder und Ältere ist die Querung der Straße dadurch sicherer, als es
zur Zeit der sogenannten Fußgängerzone im Oktober je war. Vorteile für Fahrradfahrer: In einer Fußgängerzone kann aus rechtlichen Gründen auch kein Radweg markiert werden. Fahrradfahrer dürfen höchstens mit Tempo 10 km/h fahren - woran sich aber kaum jemand halten würde. Demgegenüber kann in einer Tempo-30-Straße der graue Pflasterbereich neben den Schienen mit entsprechenden Symbolen als Fahrradweg
markiert werden. Die Fahrradfahrer dürfen mit normaler Geschwindigkeit fahren. Nachteil Autoverkehr: Eine weitere Fußgängerzone auf der Limmerstraße geht zu Lasten der Nebenstraßen. Das Straßensystem in Linden-Nord würde noch komplizierter. Dies führt zu längeren Fahrwegen und zu mehr Parksuchverkehr. Der Autoverkehr wird in die engen Wohnstraßen verschoben, wo auch im Erdgeschoss gewohnt wird und Kinder
spielen wollen. Auf der breiteren Geschäftsstraße sind die Autos von den Kaufleuten immerhin erwünscht. Weil es einen dritten Weg („wegzaubern?") nicht gibt, haben die Autos auf der Limmerstraße die geringsten Nachteile für uns alle. Vorteil Parken:
In einer Fußgängerzone ist das Parken verboten. Es fallen auf der Limmerstraße insgesamt etwa 100 Parkplätze weg. Vor allem abends und nachts ist der Parkdruck in Linden-Nord besonders hoch. Es ist kaum einzusehen, warum auch nachts die Plätze auf der Limmerstraße ungenutzt bleiben sollen, während in den Nebenstraßen schon in zweiter Reihe auf dem Bürgersteig geparkt wird. Insgesamt gab es in Linden-Nord im Jahre 1984 etwa 5800 zugelassene Kfz, aber nur 3322 vorhandene (legal mögliche) Stellplätze – also ein Defizit von rund 2 500 Parkplätzen. Tendenz steigend, da viele Verkehrsberuhigungsmaßnahmen der letzten Jahre weitere Parkplätze gekostet haben und die Zahl der Autos weiter zunimmt.
Vorteil Flexibilität:
Der eigentliche Unterschied zwischen einer sogenannten Fußgängerzone und einer verkehrsberuhigten Straße liegt im Falle Limmerstraße für die Fußgänger in der Nutzung des 2 m breiten Mehrzweckstreifens (rotes Pflaster). Diese Fläche ist im Falle der Fußgängerzone für Geschäftsauslagen, Außengastronomie usw. reserviert. Autos dürfen hier nur als Lieferverkehr stehen. Im Falle einer verkehrsberuhigten Tempo-30-Straße kann man flexibel regeln, wie viel Fläche man zum Parken frei gibt. Dies kann nachts mehr sein als am Tage, im Winter mehr als im Sommer, wenn die Tische draußen und die Eiscafés offen sind. Insgesamt kann auf die konkreten Bedürfnisse besser eingegangen werden. Eine Fußgängerzonenlösung dagegen ist in diesem Punkt starr und lässt keinen Spielraum. Erfahrung: Lebensfremde und uneinsichtige Lösungen werden von den Lindenern nicht akzeptiert.
Öffentlicher Nahverkehr: Die ÜSTRA hatte sich in der Vergangenheit immer eher gegen eine Fußgängerzone ausgesprochen, weil dies zu Fahrzeitverlängerungen führt. Fazit:
Die Vorteile, die Fußgänger in einer Fußgängerzone eigentlich hätten, kommen durch die besondere Situation in der Limmerstraße nicht zum Tragen und führen zu Gefährdungen schwächerer Verkehrsteilnehmer. Nimmt man die umweltfreundlichen Verkehrsarten Fußgänger, Fahrradfahrer und öffentlicher Nahverkehr, so hat für jeden die sogenannte Fußgängerzone spezielle Nachteile. Umweltpolitisch problematisch ist auch, dass insgesamt im Stadtteil mehr Autoverkehr und nicht weniger erzeugt wird. Wenn Geschäfte in der Limmerstraße aufgeben, werden unsere Wege noch weiter. Hält der Trend zum großen Einkaufmarkt am Stadtrand an, kann man irgendwann nur noch mit dem Auto einkaufen.
Der besondere Charakter der Limmerstraße besteht in ihrer Lebendigkeit und Vielfalt an Menschen und Geschäften auf engem Raum - der urbanen Dichte. Aber wer mit Hilfe eines dauerhaften Polizeieinsatzes eine sogenannte Fußgängerzone durchsetzen will, und unerwünschte (Auto-)Besucher heraushalten will, zerstört viel von dem Charme, der uns allen lieb ist. Gewonnen wäre damit nichts. Darum: Limmerstraße für alle !
Hannover, den 1.1.2001 Ernst Barkhoff SPD-Ratsherr |