Bericht 51a

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Sa., 09.03.2002, Kleingärten am Stockhardtweg:

Eine Idylle wird abgewickelt - Teil 2
Die Kleingärtner fühlen sich um Ihre Gärten betrogen.
Interview mit Herrn Rädecker, Vorsitzender des Bezirksverbandes der KG

58 Kleingärten wurden seit Jahrzehnten am Stockhardtweg gehegt und gepflegt, ausgebaut und beerntet. Oma, Opa, Mama, Papa, Tochter und Sohn - alle waren hier vereint in einer großen Gemeinschaft. Man hatte sich daran gewöhnt, dass nebenan die Conti und manchmal auch die Leine die Gärten "düngte".
"Manchmal musste man von den Pflaumen eine schwarze Schicht abwischen, bevor man sie aß. Aber krank geworden ist niemand", so hört man von den Pächtern.

Doch nun wollte die Stadt Hannover nichts mehr der Ungewissheit überlassen.
Im März 2001 kamen als Folge eines Bodengutachtens die "Verhaltens- und Nutzungsempfehlungen" des Amtes für Umweltschutz heraus. Danach sind die Böden so gut wie Sondermüll und der Kontakt sollte strikt vermieden werden. Obst und Gemüse ist nur streng reglementiert zu verzehren.
Weitere Detailuntersuchungen wären nicht sinnvoll, da die Kleingärten in die weitere Nutzung des Conti-Geländes einbezogen werden - so hieß es weiter im Text.

Von nun an ging es bergab.
Am 6.5.2001 fand eine Kolonieversammlung statt, wo "es um den Erhalt Ihrer Gärten geht." (Einladungsschreiben). Diesen Satz nehmen die Kleingärtner der Vereinsführung übel. Denn auf der Versammlung war im Wesentlichen nur von der Auflösung der Gärten bis Ende 2001 und von Entschädigungszahlungen die Rede. Um den Erhalt ging es gar nicht. Die Versammlung stimmte mit großer Mehrheit zu, da die Alternativen vor allem für die überwiegend älteren Pächter als sehr unangenehm dargestellt wurden.
In der Zeit danach jedoch fühlten sich die Pächter überrumpelt und von ihrer eigenen Führung verraten. "Warum können wir die Gärten nicht nutzen, bis die Bagger kommen ?", war die immer wieder gestellte Frage.

Im nun folgenden Interview mit halloLinden.de wurde der Vorsitzende des Bezirksverbandes der Kleingärtner Hannover mit vielen Fragen konfrontiert, die den Kleingärtnern unter den Nägeln brennen.

Offen gefragt !

Interview mit Herrn Rädecker, Vorsitzender des Bezirksverbandes der Kleingärtner Hannover, geführt am 07.03.2002.

Viele Kleingärtner am Stockhardtweg werfen Ihnen vor nicht ihre Interessen vertreten zu haben. Statt eine möglichst lange Nutzungszeit zu erreichen, ginge es Ihnen darum, dass die Gärten alle zu Ende 2001 geräumt werden. Dabei hat auch die Stadt die Nutzung "bis die Bagger kommen" zugestanden. Die Kleingärtner fühlten sich bei der Kolonieversammlung am 6.5.2001 unter Druck gesetzt, sowie auf einer Verkaufsveranstaltung, ohne wirkliche Entscheidungsfreiheit zu haben. Sie, Herr Rädecker, hätten sich verhalten, als wenn ein Automobilclub seine Mitglieder auffordern würde, ihre Autos abzuschaffen.

Nein, dieser Vergleich stimmt nicht, sondern eher wie bei einem Krebskranken, dessen Leben verlängert wird.
Ausgangspunkt war das Bodengutachten, dass eine erhebliche Belastung feststellt und die Gärten faktisch unverkäuflich macht. Da kam es ganz gelegen, dass die Stadt diese Flächen in eine Nutzung des Conti-Geländes einbeziehen will.
Ich habe jetzt jahrzehntelange Erfahrung auch im Aufgeben von Flächen. Die Erfahrung zeigt, dass faktisch keine Weiternutzung "bis die Bagger kommen" funktioniert. Die Ersten gehen weg, die Gärten werden nicht weiter gepflegt und der Vandalismus zieht ein. Die Weiternutzung wird unerträglich. Dieses Konzept, die rasche und konsequente Aufgabe im Interesse der Kleingärtner, habe ich vertreten.
Ich habe aber auch gesagt: Wenn die Kleingärtner diesen Vorschlag nicht akzeptieren, dann kämpfe ich dafür, dass die Anlage erhalten bleibt - z.B. mit Prozessen. Wenn es aber dann nicht durchsetzbar ist und die Stadt nicht zahlt, was sie bei freiwilliger Aufgabe zahlen würde, dann beschwert euch nicht beim Bezirksverband.
Wir haben 40 Gärten in der Umgebung zur bevorzugten Vergabe an Kleingärtner vom Stockhardtweg vorgesehen und ca. 15 sind bereits umgezogen.

Wann erhalten die Kleingärtner, die geräumt haben, ihr Geld ? Sie sollten es ursprünglich am 15.10.2001 erhalten und haben bis heute immer noch nichts bekommen.

Das ist wirklich ein Versprechen, das ich nicht einhalten konnte. Das liegt aber an der Verwaltung. Durch die Presseaktivitäten der Kleingärtner hat die Verwaltung gesagt: "Wir machen nichts mehr vor der Wahl". Auch Bezirksratsmitglieder haben sich eingeschaltet. Erst im Januar 2002 waren sich das Land und die Stadt bei den Vertragsverhandlungen einig. Dieser Vertragsabschluss über den Verkauf der Grundstücke vom Land an die Stadt ist die Voraussetzung dafür, dass die Stadt zahlt. Mit Vertragsunterzeichnung ist nun stündlich zu rechnen.

Im Zusammenhang mit dem Stockhardtweg ist immer vom Bestandsschutz die Rede, der 25 Jahre betragen soll. Was hat es damit auf sich, denn juristisch gibt es einen derartigen Bestandsschutz nicht ?

Bestandsschutz gab es bis 1983 auf Grund von damaligen Verträgen mit der Stadt, die eine Laufzeit von 25 Jahren hatten. Daraus ergab sich ein faktischer Bestandsschutz von max. 25 Jahren. Seit 1983 sind die Pachtverträge mit der Stadt auf unbegrenzte Zeit geschlossen. Die Kündigungsfristen ergeben sich aus dem Kleingarten-Gesetz.

Immer wieder wurde zusammen mit Ihnen der Name des Unternehmers Papenburg genannt, sowohl in Misburg (Kleingärtner<->Müllverbrennungsanlage) als auch hier am Stockhardtweg. In welcher Beziehung stehen sie zu Herrn Papenburg ?

Wir sind befreundet.
Ich vertrete grundsätzlich die Mitglieder, den Verein gegen sämtliche Investoren und die Stadt Hannover.
Bei der Kolonieversammlung am 6.5.2001 zum Stockhardtweg wusste ich nicht, dass er zu den potentiellen Investoren gehört.

Das Interview führte Klaus Öllerer.

Links für weitere Informationen:

zu Teil 1 , weiterer Bericht
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Limmer: Kleingärtner dürfen den Sommer über bleiben
Limmer: In mancher Laube fehlen schon Fenster und Türen
Limmer / Stadt will Parzellen schleunigst räumen
Mehr als 150 Gärten sind frei
Richter rügt Kleingärtner Rädecker
LIMMER: Schreber kämpfen für ihre Lauben
Rädecker hätte gern kurzen Prozess gemacht
LIMMER: Kleingärtner gehen nicht kampflos
Ratsherr vor Gericht

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