Marko ist 20 jahre alt und seit seinem 15. Lebensjahr aktiv im Schießsport. Beim Schützenclub "Alt Linden" von 1921 e.V.
ist er inzwischen Mitglied des Vorstandes. Von Beruf ist er Azubi Zerspanungsmechaniker im 2. Lehrjahr. Marko, was hast Du gedacht, als die Nachricht kam, daß der Schütze von Erfurt Mitglied eines Schützenvereins ist ? Ich habe einen großen Schreck bekommen. Wahrscheinlich wird wieder auf die Schützen drauf gehauen, dachte ich. So ist es ja dann auch gekommen. Wir werden durch die Medien bisher sowieso
nicht objektiv dargestellt. Was fasziniert Dich am Schießsport ? Körperbeherrschung, wie z.B. Konzentration. Das ist wie eine Meditation für mich. Es gibt von 1997 eine Untersuchung der Uni Gießen, daß sich Schießsport förderlich auf die Entwicklung von Kindern von 8-12 Jahren auswirkt. Sie können sich besser konzentrieren und motorische Fähigkeiten werden verbessert. Ist schießen nicht auch einfach geil ? Ja, eigentlich schon. Es ist toll ins Schwarze zu treffen. Mit Jagdinstinkt hat das nichts zu tun, auch wenn das natürlich ok wäre. Ist Schießsport nur etwas für Männer ? Nein, auf keinen Fall. Frauen sind sogar im Vorteil. Sie haben einen tieferen Körperschwerpunkt und dadurch einen stabileren Anschlag. Fast ein
Viertel unserer Mitglieder sind weiblich. Können Schießsportvereine den Mißbrauch von Waffen verringern ? Natürlich. Es ist besser das Schießen im Verein organisiert zu betreiben, als unorganisiert, chaotisch und gefährlich. Mißbrauch kann niemand verhindern, nicht beim Autofahren und auch sonst nicht. Gibt es ein Recht auf Schießsport ?
Ich denke schon. Schießen wird es immer geben. Das Interview führte Klaus Öllerer am Die., 07.05.2002 Schießmöglichkeiten: Im Vereinslokal "Zum Stern" gibt es fünf Schießstände. Geschössen wird wie folgt: Luftdruck, Armbrust, laufende Scheibe (leichte geradliniege Bewegung). Für Kleinkaliber (5,6mm) und Standardpistole (9mm) wird
auf andere Anlagen ausgewichen. Schießen auf Tontauben ist nur bei anderen Vereinen möglich. Das Massaker von Erfurt In der letzten Zeit ist in der Öffentlichkeit sehr viel über die Gewalt in der Gesellschaft geredet und diskutiert worden. Ein Beitrag zu dieser ganzen Diskussion ist bisher leider nur sehr wenig beachtet worden: "Ich morde, also bin ich" In diesem Artikel von Spiegel-Online vom 03.05.2002 werden die Thesen von Prof. Münkler (Politikwissenschaft) vorgestellt, die kurz zusammengefasst folgendermaßen lauten: Es gibt immer weniger Gewalt in unserer Gesellschaft. Daher ist es immer
attraktiver für Täter Aufmerksamkeit durch entsprechende Gräueltaten zu erregen. In Ländern, in denen nach wie vor Gewalt ständig präsent ist, würden sich derartige Amokläufe nicht "lohnen". Es gibt also das Paradoxon, daß, obwohl es immer weniger Gewalt gibt, bestimmte Gewaltformen häufiger vorkommen werden. Zum Artikel: "Ich morde, also bin ich" |