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So., 10.11.2002, Wie geht's weiter - geht es überhaupt weiter ? :
Limmerstraße
- Gedankensplitter, Juristisches zur Fußgängerzone und div. Artikel -

Gedankensplitter

Die Limmerstraße Ost (Küchengarten-Köthnerholzweg) hat durch den Umbau in 2001 gewonnen. Sie sieht gut aus und es kann eine Lust sein bei gutem Wetter in den Strassencafes zu sitzen.

Gibt es diese gute Laune des Cafebesuchers auch bei den Geschäftsleuten ?

Läden schließen, neue öffnen. Einige Ladenlokale bleiben länger unvermietet.
Derzeit gibt es weniger Leerstand in der Limmerstaße Ost, als zur Zeit der Einführung der Fußgängerzone. Es hat eine Umstrukturierung stattgefunden:
Mehr Essens- Telefon-/Internetläden und weniger alt eingesessene Geschäfte.
Ein Markt sucht und findet sein neues Optimum ?
Viele bemängeln das Niveau der neuen Läden - wie man das auch jeweils immer interpretieren mag.

Nach der Einführung der gut funktionierenden Fußgängerzone Lister Meile schlossen dort auch viele Läden und neue öffneten. Die Geschäftsleute waren in die Umwandlung der Meile integriert. Auf der Lister Meile wird überwiegend guter Gewinn gemacht, wovon man wohl ausgehen kann.

Laden als Hobby ? Einige Geschäftsleute fragte ich auf der Limmerstraße nach ihren Gewinnen. Überraschend viele sind auf die Einnahmen ihrer Ehepartner angewiesen. Überwiegend verschlechterte sich der Umsatz nach Einführung der Fußgängerzonen.

Gibt es einen geschäftlichen Unterschied zwischen Limmerstraße West und Ost ?
Liegt es nur am Marketing - wie manche meinen -, wenn die Gewinne nicht sprudeln ?
Kann in Linden-Nord diese Fußgängerzone überhaupt eine Chance sein die Geschäftslage zu verbessern ?
Dient Leerstand als Sprungbrett für die org. Kriminalität ?
Gibt es objektive, unverrückbare Faktoren für wirtschaftlichen Erfolg und wenn ja, welche ?

Fragen über Fragen.

Im Folgenden  werden hier der juristische Stand und einige Artikel der Presse aus letzter Zeit dargestellt.

Klaus Öllerer

letzte Änderung: 10.11.2002

Inhalt:
Stand der juristischen Auseinandersetzung
Lindens Hauptstraßen sind Sorgenkinder
Eine Leserzuschrift hierzu
Ein Stadtteil, zwei Welten
Linden-Nord / Nur der Magen ist zufrieden

© Copyright

Die Inhalte angeführter Links und Quellen werden von diesen selbst verantwortet.


Limmerstraße West: Autoverkehr, weniger Leerstand, stabilere Geschäfte ?


Limmerstraße Ost: Eine Lust bei gutem Wetter in den Strassencafes zu sitzen.
Lindens einzige Flanierstraße

Stand der juristischen Auseinandersetzung :
Die Umwidmung der letzten Teilstücke könnte aufgehalten werden

Rechtsanwalt Siemers vertritt Geschäftleute der Limmerstraße und hat auch selbst seine Kanzlei dort.

Der Rat der Stadt Hannover hatte am 23. Mai diesen Jahres die Umwidmung der letzten beiden Teilsstücke zur Fußgängerzone beschlossen. Dagegen legten die Geschäftsleute Widerspruch ein, der jetzt von der Stadt dahingehend beantwortet wurde, daß die "politischen Gremien" "eine erneute Behandlung der Angelegenheit" vornehmen werden. Anschließend haben die Gerichte das Wort und alles erfolgt mit aufschiebender Wirkung.

RA Siemers juristische Argumente im Rechtsstreit:
I. Es gibt keine sachliche Rechtfertigung im Sinne des Strassenrechts.
a. Die Bürgerbefragung kann kein Argument sein, da die "gebotene Abwägung aller berührten öffentlichen Interessen" - z.B. der Gewerbe- und Handeltreibenden - durch sie nicht ersetzt werden kann.
b. das Verkehrsbedürfnis auf der Limmerstraße ist nicht entfallen.
c. Öffentlicher Nahverkehr und Fußgängerzone sind ein Widerspruch
II. Verletzung des "Eigentums- und Berufsfreiheitsrechts" durch Entziehung der Existenzgrundlage aufgrund von erheblichen Umsatzeinbußen.

Prognose: der Rechtsstreit kann viele Jahre dauern mit offenem Ausgang. Beispiel: Die Fußgängerzone Engelbosteler Damm wurde nach fünfjährigem Rechtsstreit verhindert.

Klaus Öllerer

letzte Änderung: 10.11.2002


Rechtsanwalt Siemers, Limmerstraße 41

Lindens Hauptstraßen sind Sorgenkinder
Gehen Deisterstraße, Schwarzer Bär und Limmerstraße den Bach hinunter?

Sie gelten als wahre Zentren Lindens, waren immer Flaniermeilen und Einkaufsorte. Längst hat sich Unbehagen breitgemacht, wenn die Zukunft von Limmer- und Deisterstraße thematisiert wird. Die Aushängeschilder des Stadtteils sind am verkümmern. Vielerorts machen Bürger mobil, wie das Stadtteilforum Linden-Süd oder die „Aktion Limmerstraße". Was meinen Sie? Wie sehen Sie die Zukunft unserer Hauptstraßen?

Wer einen Laden sucht, wird in Linden schnell fündig. Beste Lagen sind im Angebot und dennoch stellt sich für viele die Frage, ob eine beste Lage noch diesen Namen verdient. Nach Schätzungen der Stadtverwaltung stehen allein in Linden-Süd zehn bis zwanzig Prozent der Läden leer. Im Bereich Limmerstraße sieht es nicht besser aus. Die halbherzige Einführung einer teilweisen Fußgängerzone stößt auf wachsende Kritik nicht nur der Geschäftsleute, die sich in ihrer Existenz bedroht sehen. Eine Erhöhung der Lebensqualität an der Flaniermeile mag zudem kaum jemand feststellen. Viele meinen, das sei nichts Halbes und nichts Ganzes.

Der Schwarze Bär ist verkehrsmäßig weitgehend abgehängt. Wohltönende Zukunftsmusik ist allein aus dem Ihme-Zentrum zu hören, dass sich nun „Ihme Center" nennen möchte.
Alle wünschen dem neuen Investor Engel eine glückliche Hand bei seinem Werbespruch „Neues Konzept, neues Gesicht, neue Chance". Wenn da allerdings schon wieder von einem „Kristallisationspunkt urbanen Lebens" geschwärmt wird, erinnert das fatal an die uneingelösten Versprechen aus der Anfangsphase des Betonklotzes vor gut 25 Jahren.
Kern bleibt: hier geht es nicht zuerst um Wohn- und Freizeitqualität, sondern um ein florierendes Geschäftsleben. Verträgt sich das mit den entsprechenden Angeboten auf Deister- und Limmerstraße? Wieviele Geschäfte verkraftet Lindens Kaufkraft? Ist bei dem Angebot von z.B. Speiselokalen nicht das Ende der Fahnenstange erreicht?
VorOrt beginnt eine offene Gesprächsrunde über Wünsche, Kritik und Ideen? Schreiben Sie uns!
Lindemann

Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung.
Erstveröffentlichung im VorOrt Nr. 11/2002


Die Limmerstrasse vor ihrer Umwidmung zur Fußgängerzone.
Verschwinden die Geschäfte?

Unser Stadtteil
 Zu unserem VorOrt-Artikel in Nr. 11
 eine Leserzuschrift

Veränderungen der Struktur der Geschäfte auf der Limmerstraße hat und wird es immer geben. Sicher paßt das eine oder andere Ladengeschäft nicht in eine Autoverkehrsberuhigte Straße und so sind die Befürchtungen der Geschäftsleute zu verstehen.

Ich empfinde es jedoch als reichlich kurzsichtig und bequem, sich verschlechternde Geschäfte immer und immer wieder nur auf diese Umstände zu schieben. Läden, in denen Angebot, Qualität und Kundenfreundlichkeit stimmen, deren Unternehmer sich immer wieder bewegt, entwickelt und angepaßt haben, können auf lange Traditionen zurückblicken. Gute Beispiele hierfür gibt es reichlich, sei es die Fleischerei Gothe, Arte P oder Becker & Flöge.

Dagegen gibt es auch andere, die sich zumindest im letzten Jahrzehnt kaum verändert haben. Besucht man - notgedrungen, denn es gibt keinen anderen auf der Limmerstraße -Juwelier Piepho, schlägt einem der Mief der 60er Jahre entgegen. Mag sein, daß Nostalgiker dies mögen, die Ewigkeiten der Bedienung, die Umständlichkeiten bei Reparaturen und die bis noch Anfang des Jahres vorsintflutlichen Bezahlungsmodalitäten fördern den Wunsch nach Alternativen.

Gerade einige der „Bürgerinitiativen", allen voran die „Aktion Limmerstraße", haben dafür gesorgt, daß vom anfänglichen Konzept der Umgestaltung der Limmerstraße nur Rudimen-
te übrig geblieben sind. Vielfache Chancen einer Neuorientierung sind dabei ungenutzt geblieben. Es gibt zahlreiche Beispiele der sinnvollen und auch wirtschaftlich erfolgreichen Umgestaltung von Geschäftsstraßen auch oder gerade mit durchgehenden öffentlichen Beförderungsmitteln.

Etwas mehr Engagement und Nachdenken, wie Linden lebenswert bleibt, wenn alle ein wenig von ihren vermeintlichen Rechten zurücktreten, wäre erstrebenswert.
Ob Veränderungen als Chance oder Schicksal empfunden werden, lag noch nie an den Umständen, immer an den Menschen. Ich empfinde die Veränderungen auf der Limmerstraße jedenfalls nicht als „Verkümmerung" und Unbehagen befällt mich vielmehr, wenn ich mir vorstelle, daß einzig der Kommerz die Lebensqualität dieses Stadtbezirkes ausmacht. Vielleicht sollten sich einige der am lautesten schimpfenden Geschäftsleute überlegen, wie sie MIT neuen Verhältnissen Geschäfte machen können, anstatt dagegen anzugehen, was nachweislich viele Lindener Kunden wollten, weil sie ganz zufällig auch noch in diesem Umfeld wohnen. In diesem Sinne wünsche ich mir noch viel mehr und echte Verkehrsberuhigung, die Verbannung rasender Motorradritter vom Kötnerholzweg und der dröhnenden Musikboxen (mit Stuttgarter Stern), die die Limmerstraße für ihr Brunftgehabe brauchen.

Ihr Argument, dass es zuerst um ein florierendes Geschäftsleben geht, kann ich jedenfalls nicht mit der Verkehrsberuhigung in Verbindung bringen. Geschäftsleben ist nicht zwingend gleichzusetzen mit Autoanbindung. Und für diese Argumentation gibt es auch kaum seriöse Belege. Die immer noch meisten Kunden der Geschäfte auf der Limmerstraße leben in Linden. Da geht es um „Wohn- und Freizeitqualität"! Gegenteiliges kann eigentlich nur behaupten, wer hier nicht lebt.

Mit freundlichen Grüßen
Thomas Wolf

Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung.
Erstveröffentlichung im VorOrt Nr. 12/2002


Ein Stadtteil, zwei Welten

Leere Geschäfte, fehlende Kunden: Auf der Limmerstraße herrscht Krisenstimmung. Nur wenige hundert Meter weiter eröffnet am Lindener Markt ein Laden nach dem anderen. Was ist das Geheimnis des Erfolges ­ und des Misserfolges?

Es ist ein Bild des Jammers. Die Achse Schwarzer Bär ­ Ihme-Zentrum ­ Limmerstraße ist zu einer Achse des Leerstands geworden. Dem nicht gerade attraktiven Geschäftemix an der lärmumtosten Verkehrskreuzung folgt eine gespenstische Mischung aus gähnender Leere, Ramsch- und Discountläden im Wohnungsmoloch der siebziger Jahre. Und inzwischen kränkelt auch die Geschäftswelt jenseits des Betonklotzes. Während es für den Schwarzen Bären und das Ihme-Zentrum zumindest neue Konzepte gibt, ist für die angeschlagene, von Leerständen gebeutelte Limmerstraße aber keine Lösung in Sicht.

Die Geschäftsleute der Hauptstraße von Linden-Nord befürchten sogar, dass die Situation noch schlimmer wird. Denn der Rat der Stadt hat jüngst beschlossen, auch die restlichen beiden Teilstücke der Limmerstraße für den Autoverkehr zu sperren, so dass demnächst auf der gesamten Länge zwischen Küchengarten und Kötnerholzweg nur noch Stadtbahnen, Busse, Fahrräder und Fußgänger verkehren dürfen. Die Aktionsgemeinschaft Limmerstraße befürchtet, dass dann weitere Geschäftsleute wegen fehlender Kundschaft die Segel streichen. "Hier kippt ein ganzes Viertel", klagt Weinhändler Andreas Bothe, der seinen Rechtsanwalt eingeschaltet hat und notfalls gegen die neue Verkehrsführung klagen will.

Schon jetzt stehen reihenweise Läden leer. Gerade erst hat der kd-Drogeriemarkt der Limmerstraße den Rücken gekehrt. Die Verkehrssituation habe bei der Entscheidung eine wichtige Rolle gespielt, sagt Vertriebsleiter Josef Mahler von der Handelsgruppe Tengelmann. Wie schwer die Krise der Straße wiegt, wird auch deutlich daran, welche Läden inzwischen als Hauptanziehungspunkte angesehen werden. So klagen die Geschäftsleute vor allem darüber, dass Rudis Resterampe im vergangenen Jahr geschlossen hat und sich dadurch der Kundenstrom noch weiter verringert habe. Zehn Geschäfte stehen mittlerweile leer. Schon bald, so ist zu hören, will ihnen auch noch das Süße Kaufhaus folgen. Umsatzeinbußen gibt es überall, Öffnungszeiten werden bereits eingeschränkt.

"Die Politiker träumen davon, das Viertel als Fußgängerzone zu beleben³, sagt Harm Baxmann, Chef der Aktionsgemeinschaft. Erreicht werde aber das Gegenteil. Die beiden geplanten Stadtteilparkhäuser, die den Verlust an Parkplätzen auf der Limmerstraße kompensieren sollen, seien keine Alternative, klagt Baxmann. Dann könnten die Kunden auch gleich in die Innenstadt fahren. Wenn die Straße nicht mehr funktioniere, sehe es für das gesamte Viertel schlecht aus. Die geplante Sperrung zwischen Velber- und Grotestraße sowie Mathilden- und Selmastraße könne die entscheidenen Prozente kosten, sagt Baxmann.

Auslöser für die Sperrung ist eine Umfrage aus dem vergangenen Jahr, bei der 62 Prozent der befragten Bürger für eine autofreie Limmerstraße stimmten. 80 Prozent der Geschäftsleute hatten sie jedoch abgelehnt, und auch bei den unmittelbaren Anwohnern der Straße war die Zustimmung geringer. Wegen der Umfrage lassen SPD und Grünen nun aber nicht mehr an den Planungen rütteln. Die beiden Lindener SPD-Ratsmitglieder, Fraktionschef Klaus Huneke und Wirtschaftsexpertin Christine Kastning, wischten die Einwände ihres CDU-Kollegen Jens Seidel vom Tisch.

Der spricht von einem "unhaltbaren Zustand" an der Limmerstraße, die sich immer mehr zu einem "zweiten Ihme-Zentrum³ entwickle. Der Durchgangsverkehr dränge sich schon heute durch die kleinen Nebenstraßen, in denen das Verkehrsaufkommen unerträglich geworden sei.

An diesem Punkt will auch Rechtsanwalt Friedhelm Siemers ansetzen, der Weinhändler Bothe vertritt, aber auch selbst Anlieger ist. Die Umfrage sei eine "dubiose Begründung³, die Sperrung nicht zu Ende gedacht. Siemers hat bereits Bedenken beim Tiefbauamt angemeldet, wo die Pläne noch bis Ende August ausliegen. Sind bis dahin alle Einwände entkräftet, werde es eine zügige Umsetzung der Sperrung geben, heißt es aus dem Tiefbauamt.
MARCUS MESSNER

Der Lindener Markt

Der Satz ging ihr nicht aus dem Kopf. "Mach doch mal einen Schuhladen auf", hatten Freunde zu Sybille Furczyk gesagt. Schon lange hatte sie ein Faible für alles, was man an den Füßen trägt, zu Hause türmten sich die Schuhe säckeweise. Doch an ein eigenes Geschäft hatte die gelernte Bibliothekarin nicht gedacht. Als sie dann vor dem leeren Ladenlokal in der Stephanusstraße stand, sprang der Funke sofort über. "Ich musste es einfach tun", sagt die Lindenerin. Vor gut einem halben Jahr hat sie dort in einer ehemaligen Computerschule das Edel-Schuhgeschäft "Anne Behne" eröffnet. Und schon jetzt ist sie sicher, dass es die richtige Entscheidung war. "In Linden-Mitte bewegt sich was."

Exklusive Designermode, extravagante Wohnaccessoires, erlesener Schmuck ­ die Gegend um den Lindener Markt ist zum Geheimtipp für Leute geworden, die Dinge mögen, die nicht jeder hat. Lauter kleine, feine Lädchen haben sich dort im Laufe der vergangenen Jahre niedergelassen. Neben Mode und Design gibt es eine Weinhandlung, einen italienischen Feinkostladen, einen Friseur, der auch Düfte und Dekorationen verkauft, und ein für seine außergewöhnlichen Kreationen bekanntes Blumengeschäft. Und der Trend setzt sich fort: Allein drei Neueröffnungen gab es in den vergangenen sieben Monaten. Die Kunden kommen längst nicht mehr nur aus dem Stadtteil. Auch der Mitte Mai unter neuer Regie wiedereröffnete Musik- und Szeneladen "Gig³ zieht neues Publikum an.

Schon immer hatte der ehemalige "bürgerliche³ Teil Lindens ein anderes Flair als das frühere Arbeiterviertel Linden-Nord. "Hier ist es schick, aber nicht versnobt", meint Susanne Nöhren, überzeugte Lindenerin und eine der Pionierinnen am Marktplatz. Vor acht Jahren hat sie dort ihre Goldschmiede "Aurix³ eröffnet. Heute, sagt sie, könne sie gut davon leben. "Selbst Leute aus der List oder Kirchrode haben Linden-Mitte für sich entdeckt." Viele ihrer Stammkundinnen gehen auch bei Modistin Astrid Ries ein und aus, die nebenan handgefertigte Hutkreationen für 150 Euro und mehr verkauft.

Wer nach anderen ausgefallenen Dingen sucht, den verweist Susanne Nöhren gern an die neuen Nachbarinnen um die Ecke. Unter dem Namen "Frau Zimmer" haben dort Ende vergangenen Jahres fünf junge Textildesignerinnen eine Mischung aus Werkstatt und Laden aufgemacht ­ dort bieten sie etwa bunt bedruckte Lampions, Latexhandtaschen mit eingearbeiteten Orangenscheiben oder geblümte Bustiers mit passenden Armstulpen an. "Das hat sich schnell rumgesprochen, neulich waren sogar Kunden aus Hamburg da", sagt Orike Muth, eine der Frauen aus dem Quintett.

Sarah Schröder hat den Schritt in die Selbstständigkeit allein gewagt. Seit Ende Mai verkauft die 25-Jährige in ihrer liebevoll dekorierten Boutique "Ey Linda" flippige Mode aus Paris zu moderaten Preisen ­ in einer früheren Fahrschule. Eigentlich wollte sich die gelernte Floristin zur Berufsschullehrerin weiterbilden. Doch als sich die Gelegenheit bot, die Räume in der Stephanusstraße zu mieten, griff sie spontan zu. Allzu riskant erschien ihr das Unterfangen nicht. "Die Miete ist günstig, und ich habe von so vielen gehört, dass es hier richtig gut läuft."

Die jungen, kreativen Geschäftsleute rund um den Lindener Markt kennen sich alle untereinander, starten gemeinsam Aktionen und Feste oder sitzen bei schönem Wetter einfach mal vor ihren Läden zusammen auf der Straße ­ meist auf Gartenmöbeln von Jörg Mickasch, der in seinem Geschäft "Raumke" seit drei Jahren Designmöbel und Wohnaccessoires verkauft. "Woanders möchte ich keinen Laden haben³, sagt der 36-Jährige. Er würde sein Geschäft gern vergrößern. Doch in der Nähe ist derzeit ­ im Unterschied zur Limmerstraße ­ kein Ladenlokal mehr frei. Derweil verkauft Sybille Furczyk in ihrem Schuhgeschäft auch die Designmodelle der Schneiderin Antje Aschemann, die ihr Atelier in ihrer Wohnung am Lindener Markt betreibt und (noch) keinen eigenen Laden hat. "Alle wollen jetzt hierher", meint Furczyk. "Wir haben hier einen richtigen Boom ausgelöst." JULIANE KAUNE

Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung.
Erstveröffentlichung in der HAZ v. 10.07.2002


Längerer Leerstand immer häufiger


Lindener Markt am Markttag


Lindener Markt - Hutup