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03.08.2002, VorOrt:
Sicher in Linden?

Ist Linden noch das, was es einmal war? Kann man noch stolz auf den eigenen Stadtteil sein und sich selbstbewusst als Butjer bekennen? Manche haben inzwischen arge Zweifel. Vorurteile? Verallgemeinerungen? Wie sicher leben wir wirklich in Linden?
Die VorOrt-Redaktion sprach mit einem Experten für diese Frage, dem Kriminaloberkommissar Thomas Ganz (43) von der Polizeiinspektion West in der Gartenallee.

Ganz hat sein Leben in Polizeidiensten verbracht. Seit eineinhalb Jahren ist er in Linden Jugendverantwortlicher der Polizei. Spezialgebiet: Kriminalprävention, also Vorbeugung.
„Kriminalprävention kommt immer noch zu kurz", meint der Kriminaloberkommissar. Er sieht eine wichtige Polizeiaufgabe dar-in, Handlungsbedarf im Stadtteil auszuloten, Schwerpunkte möglicher Kriminalität festzustellen und immer wieder die einfache Frage zu beantworten: Wer sind die Guten, wer sind die Bösen?

Mit einiger Zufriedenheit verweist Ganz auf das Ergebnis einer Umfrage an der Limmerstraße. Über 80 Prozent der Bürgerinnen und Bürger hatten dabei erklärt, sich in Linden sicher zu fühlen.

Trotzdem gibt es natürlich Kriminalität. Besonderes Augenmerk gilt hier jugendlichen Straftätern. „Unsere Philosophie lautet: Konsequent gegen Straftäter vorgehen, fachgerechte Begleitung für Mitläufer anbieten", erklärt Thomas Ganz. Zur Betreuung von Jugendlichen werden neuerdings Jugend-Kontaktbeamte eingesetzt, die höchstens 28 Jahre alt sind und auch mal auf Roller-Skates oder mit dem Mountainbike daherkommen.

Konsequent gegen Straftäter? Werden da nicht Rauschgiftdealer (z.B. aus Schwarz-Afrika) verhaftet, die man einige Tage später wieder in gewohnter Umgebung beim möglicherweise gleichen Geschäft trifft?

„Das kommt vor", gibt Ganz zu. Und das frustet auch die Polizeibeamten. Aber Ganz verweist auf unseren Rechtsstaat, auf Gesetze, die beispielsweise beim Handel geringer Mengen von Rauschgift keinen Haftgrund sehen. Ausnahme: es wird an Kinder und Jugendliche verkauft. Jedenfalls bemüht sich die Polizei, der Justiz qualifiziert zuzuarbeiten. Und das wird immer schwieriger, weil auch bei der Polizei Planstellen abge-baut werden.

Probleme bereiten auch und gerade Rauschgiftkonsumenten. Jeder von ihnen braucht zur Befriedigung seiner Sucht täglich 200 Euro. Hier liegt der Grund für zahlreiche kriminelle Delikte: Einbrüche in Kellern, Diebstahl von Fahrrädern und offener Straßenraub. Häufig bei letzterem: Jugendlichen werden teure Handys weggerissen.

„Hier macht sich auch eine soziale Verelendung
im Stadtteil bemerkbar", erläutert Ganz. „Immer mehr Kinder besitzen nichts, haben kein Geld und sehen die reichlichen
Konsumangebote unserer Gesellschaft."

In manchen Straßen ist eine verhängnisvolle Kette bemerkbar: schlechte schulische Leistungen von Kindern, keine Ausbildungs-plätze, keine Arbeitsstelle, aber Ansprüche: teure Handys und Designer-Klamotten sind ein vermeintliches Muss. Da wächst vor aller Augen Konfliktpotential heran.

Thomas Ganz mahnt, den Weg zurück zu einer wirksamen Solidargemeinschaft in Linden zu finden. „Wenn ein Fremder auffällig im Treppenhaus oder Keller hantiert, wird der oft nicht einmal angesprochen. Kümmern wir uns noch um den Nachbarn? Haben wir noch ein Gemeinschaftsgefühl?"

Mit Präventionsunterricht wendet sich die Polizei verstärkt an Schulen und Schüler. Obwohl auch aus der IGS zuweilen über böse Ereignisse berichtet wird, hält Thomas Ganz diese Schule für einen der sichersten Orte in Linden. „Bei 1378 Schülerinnen und Schülern gab es 2001 ganze fünf Straftaten. Deshalb hat die Schule auch einen Preis für vorbildliche Gewaltprävention erhalten."

Insgesamt gilt für Linden: es gibt einen deutlichen Rückgang bei den Delikten Körperverletzung und Raub. Dagegen steht ein Anstieg von Ladendiebstählen und Erschleichung von Leistungen (z.B. Schwarzfahren).

Thomas Ganz ist überzeugt: wir leben in Linden bei weitem sicherer, als manche Bürger es empfinden. Grund: Probleme werden inzwischen frühzeitig erkannt und angegangen. Bürgerservice heißt dabei ein neues Zauberwort der Polizei. „Wenden Sie sich bei Problemen an unsere Polizeiinspektion in der Gartenallee. Sie werden dort für alle Probleme kompetente Ansprechpartner finden."

Und was hält der Kriminaloberkommissar ganz persönlich von Linden? „Heute bin ich total glücklich hier". Nun denn: wir auch.

Aus VorOrt August/September 2002
Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung.


Kriminaloberkommissar Thomas Ganz (rechts) beim Präventionsunterricht in der Schule.
Foto: Johannes Kufner

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