Bericht 129

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Sa., 14.12.2002 :
 .
So sehe ich Linden von außen

Egal, ob Ex-, Alt- oder Neu-Lindener, es spielt überall die alte Melodie: Linden hört mit der Blumenauer Straße auf. Alles, was östlich davon liegt, insbesondere das Ihmezentrum, geht uns Lindener nichts an. Ein designierter Lindener, Hauskäufer im Gilde Carrée, beurteilt die Tatsache, dass sein künftiges Eigenheim im Schatten des Ihmezentrums liegen wird, im Interview mit der HAZ so: „Ich muss ja nicht auf die Betonklötze schauen" Selbst in „VorOrt" untertitelt die Redaktion den Aufmacher „Ist Linden noch zu retten?" mit dem einleitenden Satz: „Wir sind überzeugte Lindenerinnen und Lindener, lieben unseren Standort am westlichen Ihmeufer ...".

Zugegeben, Linden ist an seiner Peripherie hässlich genug, über welche Einfallstraße mann/frau sich ihm auch nähert. Da besinnt sich der echte Lindener doch lieber der inneren Werte seines Stadtteiles — und dreht sich weiter um sich selber! Mann/Frau wohnt ja bereits in Linden, hat sich eingerichtet, findet es darum auch irgendwie schön und nimmt den schleichenden Verfall vor der Haustür in Kauf. Über Beispiele wurde in „VorOrt" ja schon berichtet.
Und Linden von außen? Warum sollte mann/frau hierherkommen, wenn er oder sie sich nicht gerade durch den Georgengarten über die Ihme hierher verläuft? Linden, umzingelt von einer lauten Stadtautobahn mit ein, zwei Biergärten in deren Windschatten, hinter dem waschbetonhässlichen Ihmezentrum gelegen, stets ohne Parkplatzangebot mit ausschließlich dunklen Restaurants und Kneipen, deren Tische immer auch schon von einer Szene oder Zielgruppe besetzt sind, lädt als Stadtteil wirklich nicht dazu ein, sich ihm von außen zu nähern. Okay, es gibt geneug Lindenerinnen, die wollen das auch gar nicht.

Aber führt die infrastrukturelle Unterversorgung der letzten Jahrzehnte nicht zu schleichender Austrocknung des Stadtteiles, wie wir sie zunehmend spüren? Handel und Gewerbe, Dienstleistungen und gastronomische Vielfalt bleiben auf der Strecke. Daran ändert auch nichts die vorhandene Überversorgung durch bestehende Angebote. Und selbst ein vermeintlich neues Internet-Cafe entpuppt sich beim Besuch rasch als typisch Lindenenge Kommunikations-Box.
Gibt es aber auch Lindener, die ihren Stadtteil öffnen wollen, die urbanen Mittelpunkte Limmerstraße und Schwarzer Bär gern als Flaniermeilen sähen, gar als Eckpunkte einer gemeinsamen Achse, die entlangzugehen bei jeder Tageszeit und auch am Wochenende Spaß machen?!

Wenn es sie gibt, diese Lindenerinnen, dann sollten sie sich den Horizont vornehmen: das Ihmezentrum. Aber nicht nur vornehmen, sondern annehmen. Zunächst als städtebauliches Unglück, dann jedoch als Herausforderung und Perspektive zur Öffnung von Linden. Was einstmals von allen politischen Kräften in Linden begrüßt wurde, hat sich im Laufe der Zeit als Bausünde entpuppt. Es wurde fallengelassen. Vom Publikum. Von den Kunden. Vom Gewerbe. Von der Politik. Von den Bewohnern. Von den Hannoveranern westlich der Ihme, auch Lindener genannt. Aber mit seiner Wiederbelebung geht eine große Chance einher, gerade auch Linden wieder attraktiver werden zu lassen. Zumindest für viele „Besucher" von außen. Die dann wieder kommen werden. Wenn das Angebot auf der Verkehrsfläche Ihmezentrum und Umgebung stimmt. Wenn äußerer Anreiz zum Einparken in der kapazitätsgroßen Tiefgarage ist. Wenn es attraktive Kauf- und Einkehrziele gibt wie in anderen Carées. Kein eindimensionales Warenangebot, sondern funktions- und gebrauchsorientiert. Große, helle, kapazitätsvolle, einladende Angebote für Gesundheit und Sport, für Auge und Appetit, Leib und Seele, aber eben auch für Jung und Alt, Junggebliebene und Altere. Und vielleicht ein in großen Dimensionen gedachtes Kulturangebot, dass Bestehendes nicht erdrückt und erdrosselt, sondern neue Zielgruppen anzieht — als einer Region mit über 3 Mio. Einwohnern und anderen Städten, die im Intercity-Zeitalter nur noch halbe Stunden entfernt liegen. Beispiel: Das Ihmezentrum auch als Musical-Standort.

Warum nicht? Eine attraktive Gastronomie könnte behutsam mitwachsen. Im übrigen: Ganz leer steht das Ihmezentrum ja nicht. 800 Wohnungseigentümer leben dort mit ihren Familien. Auch die Beschäftigten der Stadtwerke und Mitarbeiter des Jugendamtes hätten gewiss gern wieder mehr attraktive Angebote in ihren Pausen.
Für eine nach vorn gedachte Entwicklung des Ihmezentrums, der natürlichen Verbindungsachse zwischen Limmerstraße und Schwarzer Bär, müssten mann/frau in Linden aufhören, ihren Heimat-Checkpoint an der Blumenauer Straße zu verteidigen. Zumindest temporär müsste als Hannoveranerln oder besser: Bürgerin einer Metropole gedacht und mit Blick auf Entscheider und Investoren, Marketing-Weichensteller gehandelt werden.
Noch etwas: Es kommt jetzt meines Erachtens nicht so sehr für die rasch auf den Plan tretenden Kritiker darauf an, die bescheidenen und nur zum Beispiel eingebrachten Vorschläge auf ihre aktuelle Machbarkeit hin abzuklopfen, sondern vielmehr darauf, zu begreifen, dass mann/frau sich lösen muss vom „Linden-Blick", vom Schielen auf alles Westliche der Ihme, vom Ausblenden des Ihmezentrums, wenn es um die Zukunft eines lebendigen Lindens geht.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr F.-L. Aneur

Aus VorOrt 11/12 2002
Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung.
Bilder: halloLinden.de, wenn nicht anders genannt

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Ihmezentrum
Bild: Bürgerinitiative Linden - Ihmezentrum (BLIZ)

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Blumenauerstr. am Küchengarten, Ihmezentrum im Hintergrund


Auch das ist das Ihmezentrum: Blick aus dem "Sozialturm" - Müll.


Schön kalt ...


... beim Eislaufen an der Blumenauerstr. vor dem Ihmezentrum.


Blumenauerstr. am Schwarzen Bären mit Blick auf das Ihmezentrum.